„Predigt Wasser und trinkt Wein“

Kroatien-Urlaub: Corona-Experte teilt gegen „Party-Volk“ aus - das eigene GPS lässt ihn auffliegen

Ein Epidemologe disst öffentlich Menschen, die trotz der Corona-Pandemie nach Kroatien reisen - während er in Kroatien ist. Der Shitstorm lässt nicht lange auf sich warten.

  • Ein Corona-Experte hat Kroatien-Reisenden in der Pandemie* den „gesunden Menschenverstand" abgesprochen.
  • Er arbeitet für das Gesundheitsministerium in Prag und leitet eine Arbeitsgruppe zu Sars-CoV-2*.
  • Seine Rechtfertigung, warum er kürzlich selbst in Kroatien war, löste einen Shitstorm aus.

Prag - GPS hat ihn auffliegen lassen: Der Epidemiologe Rastislav Madar ist in Tschechien in die Kritik geraten, nachdem er bei Twitter vor Partyurlaub in Kroatien gewarnt hatte. „Manche scheinen selbst in Pandemie-Zeiten* ohne Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand feiern zu müssen“, twitterte der Leiter der Corona-Arbeitsgruppe des Prager Gesundheitsministeriums.

Corona-Experte in Kroatien: „Es kommt nicht auf den Ort an, sondern auf die Art und Weise���

Der Haken: Die Standortangabe verriet dabei, dass er die Nachricht ausgerechnet aus Kroatien abgesetzte. Madar ging daraufhin in die Offensive: Es sei kein Geheimnis, dass er seinen Urlaub in dem Land verbringe, antwortete er seinen Kritikern in einem Folge-Tweet. „Es kommt nicht auf den Ort an, sondern auf die Art und Weise“, führte der 47-Jährige an.

Nicht jeden überzeugte dieser Konter: „Er predigt Wasser und trinkt Wein“, schrieb ein Leser empört auf den Onlineseiten der Tageszeitung Pravo. „Soll doch jeder hinfahren, wohin er will, sich aber verantwortungsvoll verhalten“, meinte indes ein anderer.

Ein tschechischer Corona-Experte kritisierte Kroatien-Urlauber in der Pandemie - das ging nach hinten los.

Corona in Europa: Tschechiens Ministerpräsident rät Bürgern von Auslands-Urlaub ab - und fliegt nach Kreta

In Tschechien gab es bis Dienstag (4. August) 386 Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung*, in Kroatien 153. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet ist das ungefähr gleich viel. Noch vor wenigen Monaten hatte Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis die Bürger aufgefordert, ihre Ferien in der Heimat zu verbringen. Inzwischen sagte er der Zeitung Lidove noviny, er werde im August nach Kreta fliegen - der Urlaub sei bereits gebucht gewesen.

In Kroatien sind im Juli rund zwei Millionen Touristen eingereist - etwa die Hälfte weniger als im Juli vor einem Jahr. Derzeit sind dem Tourismusamt zufolge etwa 700.000 Urlauber im Land. „Unter den gegebenen Umständen sind das exzellente Zahlen“, erklärte Behördenleiter Kristjan Stanicic mit Blick auf die Corona-Pandemie*. Im August erwarte Kroatien eine „Fortsetzung des positiven Trends“ bei den Touristenzahlen. Unterdessen fuhr eine deutsche Abi-Klasse nach Kroatien - mit verheerenden Folgen.

Das Auswärtige Amt in Deutschland erklärte indes am 4. August zu dem beliebten Urlaubsland: „Das Covid-19-Infektionsaufkommen war in Kroatien über mehrere Wochen niedrig, nimmt zuletzt allerdings stark zu und hat Werte erreicht, die im Durchschnitt über denen des Frühjahrs liegen.“ (dpa/AFP/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Justizministerin Christine Lambrecht hat derweil einen Vorschlag eingebracht, der Unternehmen in der Corona-Krise entlasen soll.

Rubriklistenbild: © Marko Dimic/Pixsell/Xinhua/dpa

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