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Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und geflutete Bibliothek – Unwetter fegen nach Hitzehoch über Deutschland

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Zum Teil heftige Unwetter sorgten in Deutschland am Mittwoch für Überschwemmungen. In Ostsachsen kollidierte ein Zug mit umgestürzten Bäumen.

Update vom 11. Juli, 9.30 Uhr: Am Mittwoch (10. Juli) führten heftige Niederschläge in einigen Regionen Deutschlands zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern. In Rastatt, Baden-Württemberg, lösten Sturm und Starkregen bis zum Abend etwa 100 Einsätze aus. Ein Polizeisprecher berichtete gegenüber der dpa: „Streifen haben angehalten, weil der Regen so stark war, dass man kaum mehr fahren konnte“. Mehrere Bäume stürzten auf Fahrzeuge. Das Wetter beruhigte sich größtenteils in der Nacht, doch für Donnerstag (11. Juli) sind weitere heftige Gewitter vorhergesagt.

Eine Sprecherin der Polizei erklärte dem SWR, dass die offizielle Unwetterwarnung erst eingetroffen sei, als das Unwetter bereits vorüber war. Obwohl Wetter-Apps das herannahende Unwetter angezeigt hätten, sagte sie: „Dass das so heftig sein würde, damit hat keiner gerechnet.“ Der plötzliche Starkregen führte zur Überflutung von Straßen in Rastatt, Kellern und Unterführungen. Bis jetzt gebe es keine Verletzten, aber ein hoher Sachschaden sei zu erwarten.

Holzkirchen und Umgebung in Oberbayern und Rastatt in Baden-Württemberg von Unwetter betroffen
Schwere Unwetter haben in einigen Teilen Deutschlands für Überschwemmungen und umgestürzte Bäume gesorgt, wie in Rastatt (rechts) oder Holzkirchen und Umgebung (links). © Bernd März/Henry Mungenast /EinsatzReport24/Imago

Unwetter in Deutschland: Berliner ZLB wegen starken Regens überflutet

In Berlin drang nach starkem Regen Wasser in das Magazin der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) ein. Ein Instagram-Beitrag der Bibliothek zeigte, wie Mitarbeiter eine Kette bildeten und das Wasser mit Eimern aus dem Gebäude schafften. „Hier stehen Hunderttausende von teilweise auch alten Büchern, die akut gefährdet sind“, sagte Jonas Fansa, ZLB-Betriebsdirektor, in einem Beitrag des Senders rbb. Laut dem Sender war in den Bibliotheksräumen in Berlin-Mitte ein Regenwasserrohr geplatzt.

Heftige Unwetter auch in Bayern, Hessen und Sachsen: Zug kollidiert mit umgestürzten Bäumen

Auch in Hessen führte das Unwetter zu zahlreichen Polizeieinsätzen. In Dietzenbach musste eine S-Bahn-Unterführung aufgrund der Wassermassen temporär gesperrt werden, berichtet die dpa. Auf den Autobahnen A45 und A66 entfernten Einsatzkräfte fünf umgestürzte Bäume von den Fahrbahnen. Auf der Bundesstraße 43a zwischen Hanau-Hauptbahnhof und Hanau-Wolfgang stand das Wasser zeitweise kniehoch auf einer Strecke von etwa 200 Metern, wodurch die Straße in Richtung Fulda gesperrt werden musste.

Im Osten Sachsens rückte die Feuerwehr in den Landkreisen Bautzen und Görlitz am Abend zu rund 85 unwetterbedingten Einsätzen aus, wie ein Sprecher der Leitstelle mitteilte. Bei Bautzen kollidierte ein Zug mit zwei umgestürzten Bäumen, entgleiste laut dpa jedoch nicht. Die Bäume mussten von den Schienen entfernt werden.

Im Landkreis Miesbach in Oberbayern führte eine Unwetterzelle am Nachmittag zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern. Ein Sprecher der Feuerwehrleitstelle in Rosenheim berichtete von umgestürzten Bäumen. Im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg waren Straßen und Unterführungen aufgrund des Wassers zeitweise unpassierbar.

Warnstufe Rot für einige Gebiete: DWD prognostiziert schwere Gewitter für einige Regionen Deutschlands

Update 10. Juli 2024, 17.30 Uhr: Am Mittwoch warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) erneut vor schweren Gewittern. Vor allem südliche Regionen sollen von den starken Unwettern betroffen sein. In einigen Gebieten verhängte der DWD sogar die Alarmstufe rot – dort können Hagel und heftiger Starkregen auftreten. Die Alarmstufe soll auch für die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, München und Augsburg gelten.

In der Nacht zum Donnerstag lassen die Gewitter und Unwetter noch nicht nach. In vielen Gebieten treten Starkregen und kleinkörniger Hagel sowie stürmische Böen auf. Am Freitag sollen die Gewitter dann etwas abschwächen, Unwetter bleiben aber wahrscheinlich. Am Wochenende geht es mit heftigem Starkregen weiter, der Wochenbeginn könnte dann erneut stärkere Gewitter mit sich bringen.

Erstmeldung 09. Juli 2024, 14.44 Uhr: München – Mit einem Temperatur-Mittel von 16 Grad zeigte sich der Juli in diesem Jahr nicht wirklich von seiner sommerlichen Seite. Doch das ändert sich nun: In ganz Deutschland klettern die Temperaturen im restlichen Monat nach oben. Doch die subtropischen Wetterverhältnisse bringen auch mächtiges Risiko für Gewitter, Regen und Unwetter.

Wetter-Prognose für Deutschland: Sommer nimmt Fahrt auf – doch erste Gewitter bereits am Dienstag

Am Dienstag (9. Juli) sorgen in fast ganz Deutschland Temperaturen von über 30 Grad für Sommergefühle. Laut Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net kann es im Laufe des Tages jedoch vereinzelt bereits zu kräftigen Schauern und Gewittern kommen. „Wir sind eingekahlt zwischen dem Tief namens Elke bei den britischen Inseln und auf der anderen Seite das Hoch Dominik. Mittendrin, da strömt sehr warme, heiße Luft nach Deutschland“, so der Meteorologe mit Blick auf die Großwetterlagenkarte.

Mädchen schwimmen im See, daneben ein Blitz auf einem Feld
Der Sommer ist zwar zurück, bringt jedoch auch Gewitter, Regen und Unwetter mit sich. © picture alliance/dpa/AP | Damian Dovarganes & picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Die schwülwarmen Luftmassen könnten teils auch als „relativ unangenehm“ wahrgenommen werden, warnt Dominik Jung. Die drückende Hitze subtropischen Ursprungs beschreibt auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) in der Vorhersage und prognostiziert in Richtung Alpen, Baden-Württemberg und Saarland einzelne Schauer und Gewitter. Auch kleinkörniger Hagel sowie schwere Sturmböen im Westen und Nordwesten sind laut den Wetterexperten des DWD am Dienstag nicht ausgeschlossen. Erst vor wenigen Wochen fegte ein heftiges Unwetter über Deutschland.

Sommerliche Temperaturen bleiben auch im Laufe der Woche – trotz Starkregen- und Unwettergefahr

Doch trotz Unwetter-Gefahr bleibt die Hitze vom Dienstag auch an den folgenden Tagen erhalten. Allgemein soll das Temperatur-Mittel deutlich anziehen, so Dominik Jung. Am Mittwoch (10. Juli) kann es bis zu 24 und rund 27 Grad warm werden, an der Grenze zu Polen werden sogar bis zu 35 Grad erwartet. Auch der Mittwoch bringt neben sommerlichen Temperaturen auch wieder Unwetter-Potential, wobei auch größerer Hagel möglich ist.

Auch am Donnerstag (11. Juli) sollen die Thermometer ähnliche Gradzahlen anzeigen. Ähnlich wie an den Vortagen kann es jedoch am Donnerstag erneut zu kräftigen Schauern und Gewittern kommen. Laut DWD sind davon vor allem Menschen im Südwesten und Westen Deutschlands betroffen – dort soll der Niederschlag gebietsweise auch Starkregenpotential haben. Am Freitag (12. Juli) bringen die schwülwarmen Luftmassen bis zu 30 Grad. Gebietsweise kann es auch zum Wochenende hin zu starken, teils schweren Gewittern und Unwetter kommen, warnen sowohl Diplom-Meteorologe Jung als auch der DWD.

Wetter-Vorhersage für das Wochenende: Zwischen durchwachsene Aussichten und viel Sonne

Als eine „Achterbahn“ bezeichnet Dominik Jung den Wetter-Trend des restlichen Julis. Neben Hitzepeaks muss demnach immer wieder auch mit schweren Unwettern gerechnet werden. Wo jedoch die Gewitterzellen genau entstehen, könne jetzt noch nicht genau prognostiziert werden. Die Vorschau auf das Wochenende und den Anfang der Woche ab dem 15. Juli verspricht jedoch wieder Abwechslung:

„Gewitter-Gefahr ist die ganze Zeit gegeben“: Meteorologe warnt vor Wetter-Achterbahn

Insgesamt ist der Sommer jedoch zurück und wohl auch gekommen, um erstmal zu bleiben. Ein Temperaturabsturz wie Anfang Juli sei auf den Wetterkarten nicht zu entdecken, sagt Dominik Jung. Auch nachts gehe die Temperatur nicht unter 10 Grad. Eher im Gegenteil: Die Nächte dürften tropisch schwül und feucht werden. „Die Gewitter-Gefahr ist aber die ganze Zeit gegeben. Und nicht nur Gewitter, teilweise sind auch schwere Unwetter möglich, auch schon in dieser Woche“, warnt Dominik Jung. (nbe/dpa)

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