Seniorenheim Ebnerstraße Augsburg
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Bis Samstag muss das Pflegeheim nachweisen, über ausreichend Pflegekräfte zu verfügen. Sonst muss es schließen. Einige Bewohner sind bereits verlegt worden.

Skandal in Pflegeheim

Nach Aufdeckung der Missstände in Augsburger Pflegeheim: Stadt stellt Ultimatum

Da sie die Versorgung nicht mehr gewährleistet sieht, stellt die Stadt Augsburg dem Seniorenheim ein Ultimatum. Rund die Hälfte der Mitarbeiter ist mit Corona infiziert.

Augsburg - Die Stadt hat dem Pflegeheim in der Ebnerstraße in Augsburg* eine finale Frist gesetzt: Die Einrichtung muss bis Samstag (19. Februar) nachweisen, über ausreichend Pflegekräfte zu verfügen. Kann es das nicht, muss es schließen. Das verkündete Augsburgs Gesundheitsreferent Reiner Erben (Grünen) am Donnerstag (17. Februar) bei einer Pressekonferenz.

Ultimatum für Pflegeheim: Corona-Ausbruch unter Pflegern und Bewohnern

Die Situation im Pflegeheim ist prekär*: Am Donnerstag fand das Gesundheits- und Sozialreferat in der Einrichtung keine ausgebildeten Pflegekräfte mehr vor, sondern nur noch Hilfskräfte. Daraufhin hatte die Städtische Altenhilfe vor Ort eine Notbetreuung eingerichtet - die allerdings nur auf zwei Tage befristet ist.  Die Stadt sieht die Versorgung nicht mehr gewährleistet, da inzwischen rund die Hälfte der Mitarbeiter mit Corona* infiziert ist. Und auch bei den Bewohnern ist rund die Hälfte der 60 verbliebenen Menschen ebenfalls mit Corona infiziert. Bis zum Zeitpunkt der Verlegung lebten insgesamt 86 Menschen in dem Heim.

Bereits am Mittwoch wurden nach einer Überprüfung des Heims 17 Bewohner wegen des Corona-Ausbruchs verlegt, am Donnerstag folgten weitere zehn Menschen. Eine Person sei wegen einer akuten Erkrankung ins Krankenhaus verlegt worden. Von einer Evakuierung wollte die Stadt aber nicht sprechen, vielmehr handle es sich um eine Verlegung. Dabei sei nach Auskunft des Amtsarztes Thomas Wibner auf Nachfrage des BR nicht allein Corona daran Schuld. „Nachdem das Personal dort so auf Kante ausgelegt war und jetzt plötzlich gar keins mehr da ist, geht es halt nicht mehr.“

Für die vorläufige Versorgung helfen Pflegehelfer aus Italien aus

Für die Versorgung der verbliebenen Bewohner würden laut Heimleitung freiwillige Fachkräfte aushelfen. Zudem habe die Einrichtung Pflegehelfer aus Italien im Einsatz. Auf Anordnung der Heimaufsicht musste der Betreiber, der zu dem Konzern Sereni Orizzonti gehört, diese Kräfte schnell bereitstellen.  Ob diese ausreichend qualifiziert seien, sei laut Gesundheitsreferent Erben noch unklar. Weder würden die italienischen Pflegehelfer Deutsch sprechen, noch dürfte Hilfspersonal Bewohnern Medikamente geben oder Wunden versorgen.

Erst im Herbst vergangenen Jahres waren 16 Bewohner aus dem Skandal-Heim in Schliersee (Kreis Miesbach) nach Augsburg verlegt worden. Beide Heime haben denselben Träger – und hatten auch einen ähnlich schlechten Ruf. Die Schlierseer Seniorenresidenz wurde im September geschlossen. Gilt das Gleiche nun auch für das Augsburger Heim? Anzeichen für Missstände gab es schon lange.

So habe eine unangekündigte Kontrolle im Mai und Oktober des vergangenen Jahres sowie im Januar dieses Jahres „erhebliche Mängel im Bereich des Wundmanagements“ gefunden. Das geht aus einer Antwort des Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auf Anfrage des SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller hervor. Dieser hat die Verlegung der Bewohner des Pflegeheims begrüßt, wie er gegenüber dem BR sagte. (Cornelia Schramm, mell) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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