Fernab der Mittelmeerküste

Chulilla bei Valencia: Hängebrücken und blaue Lagunen laden zu spektakulären Touren ein

  • vonAndrea Beckmann
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Valencia bietet Touristen nicht nur die Costa Blanca, sondern auch viel Natur im Hinterland. Bestes Beispiel dafür ist Chulilla mit seinen strahlend blauen Lagunen. 

  • Chulilla ist ein reizvoller Landstrich im Hinterland der Costa Blanca
  • Auch im Sommer können Touristen die Natur bei angenehmeren Temperaturen als an der heißen Küste genießen.
  • Schwindelfrei sollte man sein, wenn man sich auf eine der schaukelnden Hängebrücken begeben möchte.

Fakten zu Chulilla in Valencia

ProvinzValencia
LandkreisLos Serranos
Höhenlage400 m
Ausdehnung61,8 km2
Einwohner665

Chulilla - Neben malerischen Dörfchen, in denen das Leben noch weitaus gemütlicher als in der etwa 60 Kilometer entfernt gelegenen Hauptstadt Valencia verläuft, lassen sich in den Berglandschaften des reizvollen Landstrichs Comarca de La Serranía außergewöhnlich schöne Naturschätze entdecken. So zum Beispiel die atemberaubende Schlucht Cañón del Turia bei Chulilla. Sie ist sechs Kilometer lang und lässt sich in 80 Metern Höhe über eine fünf und eine 15 Meter lange Hängebrücke überqueren.

Schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man sich diesem kleinen Abenteuer stellen möchte. Ein geübter Wanderer muss man allerdings nicht sein, um sich auf die Ruta de los Pantaneros (Route der Stauseearbeiter) zu begeben, die auch durchaus von Kindern gemeistert werden kann.

Hinterland Costa Blanca: Chulillas Schluchten und Natur sind ein Touristen-Magnet

Benannt wurde der Weg nach den Arbeitern, die ab 1955 an einem zehn Jahre währenden Stauseeprojekt der Presa de Loriguilla mitwirkten. Beim Überqueren des Flusses über die leicht schaukelnden Hängebrücken wird einem klar, welche Strapazen die Arbeiter seinerzeit täglich in Kauf nehmen mussten, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Der Weg führt über einen Bergpfad hoch über den Felswänden des Turia entlang und ist nichts für Menschen mit Höhenangst.

Chulilla steht vor allem bei Wanderern sehr hoch im Kurs.

Besonders beliebt bei Touristen ist ein Besuch des Charco azul (Blaue Pfütze). Die Lagune, die ihren Namen aber nicht der türkisblau schimmernden Farbe verdankt, sondern von der arabischen Bezeichnung „azud“ (Flusswehr) herrührt, lädt im Sommer zu einem erfrischenden Bad inmitten einer spektakulären Naturkulisse ein. Schwierig ist es nicht, zu dem Naturbad zu gelangen. Ein Grund, warum sich in den Sommermonaten ganze Völkerscharen auf den Weg dort hin machen.

Natur fernab des Meeres: Touristen finden Abkühlung in Chulillas Blauer Lagune

Wer sich auf das Abenteuer einlassen möchte, startet an Chulillas Plaza de la Baronía, von der man über die Calle Santa Bárbara und Calle Cuevas zum Naturpark Cañón del Río Turia gelangt. Während der Route geht es immer am Flussufer entlang. Dabei läuft man stets gegen die Stromrichtung.

Die Schlucht verengt sich in diesem Flussverlauf immer mehr, bis die beiden Felswände nur noch etwa zehn Meter auseinander liegen und man an der Blauen Lagune des Río Turia angekommen ist.

Eineinhalb Stunden sollte man für die etwa 4,5 Kilometer lange Tour einplanen, wenn man es gemütlich angehen lassen und gelegentlich Pausen einlegen will.

Die Einwohner von Chulilla erinnern noch heute an die vielen Todesopfer, die der Río Turia in dieser Gegend zu einer Zeit forderte, in der der Strom des Flusses noch dazu genutzt wurde, gefällte Bäume bis in die Landeshauptstadt Valencia zu befördern. In der engen Schlucht kam es häufig zu Stauungen, weil sich Stämme querlegten. Viele Arbeiter wurden beim Versuch, das Treibgut wieder in die richtige Position zu bringen, von den Fluten mitgerissen.

Schwindelfrei sollte man sein, wenn man sich auf eine der hängenden Brücken bei Chulilla wagt.

Hübsche Hinterlanddörfer bei Chulilla zeigen Touristen das echte Spanien

Außer den hängenden Brücken und dem Charco azul bietet sich auch ein Spaziergang durch das malerische Hinterlanddorf Chelva mit seinen weißen Häusern, unzähligen Brunnen und den Resten einer Burg arabischen Ursprungs an. Dieses ist 27 Kilometer von Chulilla entfernt. Das Kastell thront auf einem Felsen und ist zum einen über einen recht bequemen Weg, aber auch über schwindelerregende Steilwände zu erreichen. Das Gebiet gilt als wahre Bergsteiger-Oase, die Liebhaber dieses Sports aus allen Landesteilen Spaniens und dem Ausland anlockt.

Dass die Comarca de La Serranía besonders reich an Wasserreserven ist, wird auch bei einem Spaziergang durch das 27 Kilometer von Chulilla entfernt liegende Chelva deutlich. „Das Wasser ist Chelvas Schatz“, heißt es in einer Broschüre, die das Tourismusbüro herausgibt und die Besucher durch die beschilderte Ruta del Agua (Wasserroute) führt. Ab der Plaza Mayor verläuft sie unter anderem durch zwei Altstadtviertel arabischen Ursprungs (Barrio Árabe Benacacira und Barrio Mudéjar-Morisco El Arrabal) sowie den jüdischen Ortsteil Barrio Judío del Azoque, führt am Nebenfluss des Río Turia, dem Río Chelva vorbei, und durchquert die Gebiete Molino Puerto und Paso de Olinces. Außerdem liegen die Höhlen Cuevas del Montecico und eine alte Stromfabrik sowie zahlreiche Brunnen und sieben Waschhäuser an dem Weg. Auch der Río Chelva bietet spektakuläre Naturbäder wie etwa La Playeta (Das Strändchen), das in den Sommermonaten großen Zulauf hat.

Mit etwas Glück sind die Pforten der Pfarrkirche Nuestra Señora de Los Ángeles geöffnet, und man kann einen Blick in das Innere erhaschen. Das Bauwerk trägt die Handschrift des Barock-Architekten Juan Pérez Castiel, der zahlreiche Kirchen im Land Valencia gestaltet hat. Der Kirchturm von Chelvas Gotteshaus gilt nicht nur als der erste seiner Art im Land Valencia, sondern auch als der größte der Region.

Geschichte erwandern: Chelvas altes Aquädukt aus dem 1. Jahrhundert

Wenn man von Chelva aus den Wanderweg PRV-92 in Richtung Calles einschlägt, kommt man zu dem imposanten Acueducto Peña Cortada. Dieses hydraulische Bauwunder wurde im 1. Jahrhundert nach Christus über eine Strecke von 28 Kilometern Länge erschaffen. Es handelt sich um eines der bedeutendsten Aquädukte Spaniens, von dem noch einige Teilstücke erhalten sind.

Empfehlenswert ist auch ein Abstecher zu dem etwa fünf Kilometer von Chelva entfernt gelegenen Santuario Virgen del Remedio. Die Kapelle, in der das Ebenbild von Chelvas Schutzpatronin, der Nuestra Señora del Remedio, aufbewahrt wird, befindet sich in 1.054 Metern Höhe. Ein Besuch lohnt sich schon allein wegen der spektakulären Panoramasicht.

Einmal im Jahr, und zwar zur Patronatsfiesta Ende August, wird das Ebenbild der Heiligen von der Kapelle in den Ort getragen. Im 19. Jahrhundert strömten die Pilger von nah und fern zuhauf zu dem auf dem Berg Pico del Remedio gelegenen Santuario. Dies gab den Anlass zum Bau der sich in der Nähe befindenden Herberge.

Rubriklistenbild: © Andrea Beckmann

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