Palmen von Alicante: Touristenattrakion

Palmenoase Costa Blanca: Palmeral in Elche ist Weltkulturerbe

  • vonLaura Closmann
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Elche, Stadt der Palmen bei Alicante, hat den größten Palmenpark Europas. Im Jahr 2000 wurde der Palmeral zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.  

Unzählige Palmen soweit das Auge reicht... Schon bei der Anfahrt in die mittelgroße Industriestadt Elche kann man die vielen Palmen am Straßenrand nicht übersehen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, man sei in Afrika – aber nein, das ist in Spanien, genauer gesagt in Elche! Bekannt ist die Stadt bei Alicante vor allem für den größten Palmengarten Europas, den Palmeral. Palmen sind ein Emblem der Costa Blanca. Im Jahr 2020 verhindert das Coronavirus eine Jubiläumsfeier: 20 Jahre Weltkulturerbe. Zu einem solchen wurde der Palmenpark 2000 von der Unesco erklärt. Ob an heißen Sommertagen oder im kühleren Herbst ist ein Spaziergang im Schatten der exotischen Palmen ein wahres Vergnügen.

ElcheStadt in Spanien
Höhe86m
Fläche326,1 km²
Bevölkerung230.625 (Stand 2018)
ProvinzProvinz Alicante

Palmenoase mitten in Elche: Palmen als Sinnbild der Costa Blanca

In der gesamten Provinz Alicante gibt es unzählige Datteln und Palmen, aber besonders viele in Elche. Dabei ist der Palmeral kein natürlicher Wald, sondern wurde bereits seit dem achten Jahrhundert bewusst angepflanzt. Die Aufteilung der Gärten, die Art des Anbaus, sowie die Bewässerungssysteme stammen noch aus der Zeit der arabischen Vorherrschaft. Zu Beginn sahen die Mauren das schmucke Gewächs vor allem als Nutzpflanze. Doch vor allem König Jaime I. von Aragón schien Gefallen am Palmenpark zu finden, denn seit 1265 wuchs das Gelände stark. In den letzten Jahren musste der Palmeral leider immer wieder an vielen Stellen dem Städtewachstum weichen. Jedoch wachsen immer noch schätzungsweise zwischen 200.000 und 300.000 Palmen in und um Elche. Niemand kennt die genaue Zahl der Palmen.

Der Palmeral in der Provinz Alicante ist eine Touristenattraktion in Spanien

Auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern beherbergt Elches Palmeral die unterschiedlichsten Palmenarten, unzählige Kakteen und tropische Hölzer wie Bambus. Dass die Palme an der Costa Blanca heimisch wurde, liegt wahrscheinlich an der trockenen Erde hier. Auf jeden Fall begeistert der Palmengarten in Elche heute unzählige Besucher. Ein Touristenhandbuch, das in verschiedenen Sprachen, darunter auch auf Englisch, erhältlich ist, hilft bei der Identifikation der unterschiedlichen Pflanzen.

Der Palmenpark besteht hauptsächlich aus zwei größeren Gartenanlagen: dem in Privatbesitz befindlichem Huerto del Cura und dem öffentlichen Parque Municipal. Der Spaziergang durch den botanischen Garten Huerto del Cura beginnt mit einem gebührenpflichtigen Eintritt. Erwachsene zahlen fünf Euro, Schüler drei Euro und für Kinder und Senioren werden 2,50 Euro fällig.

Spaziergang durch den schattigen Palmeral an der Costa Blanca

Spaziergang durch den Palmenpark in Elche bietet Schatten an der Costa Blanca

Sobald man durch den mit Palmen gesäumten Weg Túnel de Salomónica geschlendert ist, erwartet den Besucher ein Teich mit der iberischen Büste des valencianischen Schriftstellers Federico García Sanchiz. Neben poetischen Werken war dieser vor allem für seine politischen Reden bekannt, denen die Unistadt Elche mit der Büste ein Erbe gesetzt hat. Schnell gelangt der Besucher zu einem großen Teich, den die Schutzpatronin der Stadt Elche, die Dama de Elche beherrscht. Die Original-Dama, die Büste einer iberischen Priesterin aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, steht in einem Museum in Madrid, fernab der Elcher Heimat. Mit dabei wieder die obligatorische Ansammlung an Palmen unterschiedlicher Regionen, natürlich auch der Costa Blanca.

Pfaue stolzieren durch Elches Palmengarten.

Kleine Wasserschildkröten und bunt gemusterte Enten bringen lautes Leben in das sonst so ruhige Palmenareal in Elche. Auch edle Pfaue ziehen um den Garten und posieren immer wieder in die Kamera, wenn sie können. Die Teichkulisse zählt für viele Besucher zu den Highlights des Palmerals. Für eine Verschnaufspause stehen mit Ornamenten verzierte Bänke zur Verfügung. Leider ist die Traumkulisse doch nicht ganz perfekt: Der botanische Garten in der Provinz Alicante wird nur mit einem Zaun von lauten Straßen abgetrennt, was die idyllische Atmosphäre etwas beeinträchtigt.

Palmeral an der Costa Blanca ist Nationaler Kunstgarten Spaniens

Angekommen am Ende vom Túnel de Salomónica sind die Schriftzüge an den Palmen nicht zu übersehen. Diese Palmen wurden im Laufe der Jahre einer wichtigen Persönlichkeit gewidmet Jene Ehre wird nur Gelehrten zuteil, die ein besonderes Verhältnis zum Palmeral oder der Stadt Elche hatten. Anderweitig musten sie sich durch Taten zugunsten Spaniens oder der Menschheit ausgezeichnet haben. Die letzten Neumitglieder der botanischen Ehrengarde waren das spanische Königspaar sowie Artur Rubinstein und Severo Ochoa. Seit 1943 hält der Palmenpark zudem den Titel Jardín Artístico Nacional, also als Nationaler Kunstgarten.

Die Palmera Imperial begeistert Besucher seit Jahrhunderten - diese Palme gibt es nur im Palmeral in Elche

Folgt der Besucher weiterhin den kleinen und verschlungenen Wegen durch den Palmenpark, gelangt er zur Palmera Imperial. Diese Kaiserpalme empfängt ihre Besucher hinter dem Obstgarten. Elches Palmeral hat sich seine Bekanntheit besonders durch diese Palme mit acht Stämmen erworben. Viele Besucher zieht die Palmera Imperial insbesondere durch ihre Geschichte an. Im Jahr 1894 verliebte sich bereits die österreichische Kaiserin Sisi in die bekannte Palme. Außerdem machte das Erscheinen in Baedeckers Reiseführer von Spanien im Jahr 1908 auf das außergewöhnliche Palmenexemplar aufmerksam.

Die Palmera Imperial beeindruckt Besucher des Palmenparks.

Einzigartig ist die Palmera Imperial vor allem aber auch durch das Überleben der Kinder-Palmen am Stamm der Mutterpflanze. Denn Palmen wachsen im Normalfall auf Bodenhöhe bei einem Alter von zehn bis 15 Jahren. Erstaunlicherweise geschah es im Palmeral Elche, als die Palme 30 Jahre alt war, zwei Meter vom Boden entfernt und mit einer erstaunlichen Synchronie in Zeit und Höhe – somit ist der pflanzliche Leuchter entstanden. Heute bildet das schöne Exemplar einen achtarmigen „Palmen-Leuchter“, sein Gewicht überschreitet die Acht-Tonnen-Marke und sie ernährt sich ausschließlich von dem Saft des Mutterstammes. Kürzlich wäre die erstaunliche Palme fast für Spanien ins Rennen um den Europäischen Baum des Jahres gegangen. Weitere mehrarmige Palmen gibt es, allerdings hat der Wachstum bei diesen auf Bodenhöhe stattgefunden.

Museum klärt Besucher über die Geschichte des Palmerals auf

Wer Interesse an der Biologie der Palmen, sowie der Geschichte des Palmerals hat, sollte sich eine Besichtigung des Museu del Palmeral nicht entgehen lassen. Das kostenlose Museum befindet sich in der Nähe des botanischen Gartens. Dort erfährt der Besucher, dass es um die 2.800 Palmenarten gibt, wobei der typische Vertreter des Palmerals die Dattelpalme ist. Die Lebenserwartung der bis zu 30 Meter hohen Dattelpalme kann 300 Jahre betragen.

Die Dattel reift von Oktober bis Dezember und wird als schmackhaftes und nahrhaftes Obst geschätzt. Unter anderem erfährt der Besucher des Palmenparks im Museum einiges über die Palme als Nutzpflanze, die Arbeit der sogenannten „Palmeros“ und damit verbundene Traditionen. So trennten die Palmen ursprünglich Ackerflächen voneinander und dienten als Schattenspender. Zudem wird über das Mysterium von Elche berichtet, ein Passionspiel, das zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde. Es handelt sich um ein mittelalterliches Schauspiel, welches Mitte August ausschließlich in valencianischer Sprache aufgeführt wird.

Antike Wasseranlagen für die Palmen in Elche

Angrenzend an das Museum befindet sich ein weiterer öffentlich zugänglicher Park, der Hort del Real in Elche. Neben Palmen wachsen dort auch unzählige Zitronen-, Orangen- und Olivenbäume. Außerdem stehen hier große Kakteen, die man sonst im Palmeral praktisch vergeblich sucht. Bemerkenswert ist die Bewässerungsanlage in Form eines kleinen künstlich angelegten Bächleins, das die gesamte Anlage durchfließt.

Palmen von Alicante - Besucherrückgang im Palmeral in Zeiten von Corona

Doch leider betrifft die schwierige aktuelle Situation der Coronavirus-Pandemie auch diesen idyllischen Palmengarten. Laut einem Mitarbeiter des Museums merkt man dieses Jahr einen deutlichen Rückgang an Besuchern. Vor allem Deutsche und Engländer fehlen, da aufgrund der Reisewarnung besonders Flugreisen schwierig sind. Deshalb kommen nun hauptsächlich Spanier oder Franzosen, die Elche gut mit dem Auto erreichen können. So nutzen nun auch Einheimische aus Spanien die Chance, touristische Orte im Umkreis zu besichtigen. Im Allgemeinen ist es aber derzeit sehr ruhig in dem normalerweise gut besuchten Palmenpark. Vorallem der botanische Garten Huerto del Cura ist im Normalfall in der Hauptsaison ziemlich überlaufen.

Rubriklistenbild: © Franziska Schmidt

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