Eine Bucht mit dem Hafen des galicischen Fischerdorfs Caión im Hintergrund.
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In Caión können Besucher das Flair der alten Fischerdörfer Galiciens spüren.

Urlaub in Spanien

Galiciens Geheimtipp: Die Costa da Morte in Nordspanien bietet spektakuläre Landschaften für einen entspannten Urlaub

  • vonJudith Finsterbusch
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Wer auf der Suche nach einem Spanien-Urlaub am Meer ist, aber keine überfüllten Strände mag, der wird in Galicien fündig. Die Costa da Morte lockt mit idyllischen Buchten, traumhaften Landschaften, historischen Schätzen und einer hervorragenden Gastronomie für Feinschmecker. 

  • An der Costa da Morte in Galicien zeigt sich Spanien von einer ganz anderen Seite. 
  • Galiciens „Todesküste“ Costa da Morte hat ihren Namen von zahlreichen Schiffsunglücken. 
  • An der Costa da Morte verdienten sich die Einwohner ihr Brot einst mit Walfang. 

Muixa – Wo sind wir denn hier gelandet? Im hügeligen Sauerland? Im grünen Irland mit seinen Steilküsten? Kann das wirklich Spanien sein? Kann es. Wir sind in Galicien, im Nordwesten der Iberischen Halbinsel, auf dem Weg vom Flughafen in Santiago de Compostela an die 50 Kilometer entfernte  Costa da Morte, die Todesküste.

RegionGalicien
HauptstadtSantiago de Compostela
Fläche29.574 km²
Einwohner2,7 Millionen (Stand 2019)

Eine gute Stunde auf einer Landstraße durch Galicien, die genauso gut irgendwo durch Deutschland verlaufen könnte: Hügel, Wälder, Wiesen, Kühe. Ab und zu auch Schafe. Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten, kleine Ortschaften mit Senioren auf den Straßen prägen den Weg Richtung Costa da Morte. Wir kommen in Carballo an, eine etwas größere Stadt, und fahren weiter in den Ortsteil Sísamo, zum Hotel Pazo do Souto. Pazos sind typisch galicische herrschaftliche Häuser, die einst von Mitgliedern der höheren Gesellschaftsschicht gebaut wurden. Meist dienten sie Adeligen als Landsitz. So auch der Pazo do Souto: Im 17. Jahrhundert gebaut, war das Gebäude mit seinen dicken Steinmauern Heim der Markgrafen von Montenegro.

Galiciens Costa da Morte: Herrschaftliche Häuser beherbergen Urlauber

Heute heißt es Urlauber willkommen. Mit gewisser Ehrfurcht betreten wir die alten Gemäuer über einen gepflegten Vorplatz, bestaunen einen riesigen Kamin in der Bibliothek, die dicken Mauern im Badezimmer, die antiken Möbel – und: eine umfangreiche Büchersammlung auf Deutsch. Eine Erklärung dafür ist schnell gefunden, der Besitzer des Pazo do Souto, José Taibo, hat 27 Jahre lang in der Schweiz gelebt. Er lernte seinerzeit in den selben Gemäuern an der Costa da Morte lesen und schreiben, als das Anwesen eine Zeitlang als Grundschule des Dorfs genutzt wurde. Nach seiner Rückkehr aus Zürich nach Galicien bauten Taibo und seine Frau Herminia Pombo den renovierungsbedürftigen Pazo ab 1987 fünf Jahre lang zum Hotel für Feriengäste der Costa da Morte um.

Am nächsten Morgen geht es durch das Dörfchen Baio zu den Batanes de Mosquetín. Vor Jahren machten sich die Anwohner der Costa da Morte das Wasser zunutze und bauten nicht nur herkömmliche Mühlen, sondern auch die Batanes. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, bei dem Wasserkraft einen Hammer auf Leinsamen fallen lässt, der das Getreide zertrümmert. Dadurch werden die Fasern freigelegt, aus denen die Galicier Kleidung herstellten. Von innen kann man die Steinhäuschen leider nicht besichtigen.

Herrschaftliche Gebäude wie der Pazo do Souto dienten einst galicischen Adligen als Heim.

Weiter geht die Fahrt in das Örtchen Vimianza, das eine der besterhaltenen Burgen Galiciens beherbergt: Das Castillo der Familie Moscoso aus dem 13. Jahrhundert. Im Innern ist ein Museum untergebracht, das im Sommer zum Leben erwacht. Dann arbeiten dort Kunsthandwerker und lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Galiciens Costa da Morte bietet beeindruckende Landschaften

Mit dem nächsten Ort haben wir die Küste, die Costa da Morte, erreicht: Camariñas ist ein Fischerdorf mit bunt angestrichenen Häusern, vor denen nicht selten Frauen sitzen und klöppeln. Dieses Handwerk hat in Galicien eine lange Tradition, im Ort lassen sich kunstvoll verzierte Tücher und andere Textilien erstehen. Wer mag, kann in dem spanischen Dorf auch fangfrischen Fisch oder Meeresfrüchte probieren. Auf keiner Speisekarte fehlen dürfen selbstverständlich der berühmte Pulpo a la Gallega, Miesmuscheln (mejillones) oder Meerspinne (centollo), eine in Galicien beheimatete Krabbe. Doch auch das galicische Rindfleisch, Kartoffeln in jeglicher Form und Raxo müssen während der Galicien-Reise unbedingt probiert werden. Bei letzterem handelt es sich um Schweinefleischstückchen, die auf verschiedene Art gegart werden, zum Beispiel in Rotwein.

Wir verlassen Camariñas und steuern das Cabo Vilano mit dem gleichnamigen Leuchtturm an. Auch wenn die Landschaft bislang schön war, die Dörfer malerisch und die Küste beeindruckend, bleibt uns jetzt zum ersten Mal der Mund offen stehen. Die Straße schlängelt sich durch einen kunterbunten Blumenteppich, hoch oben auf einem Felsen ist der Leuchtturm zu erkennen, unter dem sich der Atlantik in schäumenden Wellen gegen die Klippen wirft. Ein realistischer Landschaftsmaler wüsste vermutlich nicht, an welcher Ecke er den Pinsel zuerst ansetzen sollte.

Ein kunterbunter Blumenteppich liegt auf dem Weg zum Cabo Vilano.

Leuchtturm an Galiciens Costa da Morte ist ältester in Spanien

Bei dem Faro Vilano handelt es sich um den ältesten elektrischen Leuchtturm Spaniens, der 1896 in Betrieb genommen wurde. Auf 125 Metern Höhe reicht die Leuchtkraft 55 Kilometer weit, trotzdem musste der Turm an einem der gefährlichsten Abschnitte der galicischen Küste zahlreiche Schiffsunglücke mit ansehen – daher auch der Name Todesküste, Costa da Morte. Vor der Inbetriebnahme des Leuchtturms war eines der tragischsten Unglücke der Untergang der britischen „Serpent“ im Jahr 1890, bei der 172 Seemänner ums Leben kamen. Das Denkmal Cementerio de los Ingleses, Friedhof der Engländer, erinnert an das Unglück.

Der Abschied vom Leuchtturm fällt schwer, trotzdem lenken wir das Auto auf einen unasphaltierten Weg, der uns an der Küste entlangführen soll. Die Entscheidung soll belohnt werden: Vorbei geht es an Steilküsten und durch Wälder, immer wieder tauchen paradiesische Buchten und Sandstrände auf. Würden wir an jeder halten und aussteigen, wir wären viele Stunden damit beschäftigt, aufs Meer zu schauen und Galiciens wunderschöne Costa da Morte zu bestaunen. Die Landschaft ist unberührt, die Luft riecht nach Algen und Fisch, das Wasser plätschert mal sanft an den Sandstrand, mal knallt es hart gegen die Klippen. Einige kleine Boote sind unterwegs, und wir staunen über das Geschick der Bootsführer, die die gefährlichen Felsen im Slalom umfahren.

Der Leuchtturm am Cabo Vilano ist der älteste elektrische in Spanien, der noch immer in Betrieb ist.

Die Costa da Morte bietet idyllische Buchten und hübsche Dörfer

Auf dem Weg nach Camelle passieren wir die Dörfer Anou und Santa Mariña. Ein Abstecher zur wunderschönen Playa de Lago darf nicht fehlen. Schneeweißer Sand, kreischende Möwen, vom Wind gebogene Kiefern und winzige Muscheln belohnen den kleinen Umweg. Eigentliches Ziel unseres Ausflugs ist jedoch Muxía mit der berühmten Wallfahrtskirche Virgen de la Barca aus dem 11. Jahrhundert. Etliche Pilger, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind,  trotzen dem Wind Galiciens und suchen das Santuario, das hoch über dem Meer thront, auf. Von dem verheerenden Brand nach einem Blitzeinschlag im Jahr 2013 ist zumindest von außen nichts mehr zu sehen.

Im Auf und Ab der engen Gassen des Ortskerns fahren wir uns in einer Sackgasse fest, doch wie schon so oft auf der bisherigen Reise ist sofort ein Anwohner zur Stelle und winkt uns hilfsbereit aus dem Wirrwarr von Einbahnstraßen in einem Mischmasch aus Spanisch und Galicisch heraus. Abgesehen von den Angestellten in der Gastronomie hat bisher noch jeder auf Gallego mit uns gesprochen, doch die Menschen in Galicien sind so ausgesprochen freundlich, dass die Kommunikation dank des Einsatzes von Händen und Füßen trotzdem problemlos funktioniert.

Einst widmeten sich die Bewohner der Costa da Morte dem Walfang

Den nächsten Tag widmen wir den Stränden der Todesküste und machen uns auf den Weg nach Caión. Im Hafen des kleinen Ortes liegen kleine Holzboote im Wasser, eine Handvoll Männer ist dabei, ein halb verrottetes Exemplar aus dem Meer zu ziehen. Die Alten stehen darum herum und geben ihren Senf dazu, und wer diesen rauen Gestalten Galiciens mit den vom Wetter gegerbten Gesichtern zuschaut, dem fällt es nicht schwer zu glauben, dass ihre Vorfahren vom Walfang gelebt haben. Im Ortskern besuchen wir die Kirche San Xurxo, die genau so riecht wie der Rest des Fischerdorfs: nach Meer und ein bisschen modrig. Auf der anderen Seite führt ein Holzpfad oberhalb des Strandes entlang, von den Bänken aus lassen sich mutige Surfer bei ihren Versuchen beobachten, die Wellen zu bezwingen.

Baldaio heißt der nächste Küstenort, der berühmt ist für seine unberührten Strände, die im Hochsommer scharenweise Touristen anlocken – allerdings kein Vergleich zu den überfüllten Stränden der Costa Blanca, Costa Cálida oder Costa del Sol. An der Costa da Morte finden Urlauber das Meer und gleichzeitig Abgeschiedenheit, in Post-Coronavirus-Zeiten eine wunderbare Mischung für einen gelungenen Spanienurlaub unter Einheimischen. Sümpfe und Dünen wechseln sich in Baldaio ab und bilden die Heimat einer artenreichen Fauna und Flora. Im Frühling und Herbst lassen sich hier Zugvögel beobachten.

Galiciens alte Getreidespeicher prägen die Landschaft

Wir folgen der Küste durch kleine Dörfer, in denen eine gesunde Mischung aus Alteingesessenen und neu zugezogenen Familien zu Hause zu sein scheint. Die Häuser, egal ob alt und aus Stein oder neu und bunt angestrichen, sind allesamt mit viel Geschmack hergerichtet und in fast jedem Garten an der Costa da Morte steht ein Hórreo. Die in Galicien typischen kleinen „Häuschen“ auf Stelzen dienten einst als Getreidespeicher. Sie sind meist aus Stein mit Wänden aus Holzlatten, so dass das Getreide trocken lagern konnte und gut gelüftet wurde. Auf den meisten Dächern der Hórreos sind Kreuze oder andere religiöse Figuren angebracht, wohl um für eine gute Ernte zu sorgen.

In Razo befindet sich der längste Strand der Costa da Morte, sechs Kilometer Sand machen die Playa zur meistbesuchten der Region. Mit ein bisschen Glück lassen sich Delphine blicken, in jedem Fall locken die hohen Wellen Surfer an. Vorbei geht es am Monte Neme, der den Kelten als Kultstätte diente und vor allem in der Johannisnacht Magie und Aberglauben bis in die Moderne Galiciens brachte.

Costa da Morte für Feinschmecker: Frischer Fisch und Meeresfrüchte

Wer bis jetzt an der Costa da Morte noch keinen Fisch oder Meeresfrüchte gegessen hat, muss das spätestens im Fischerort Maplica tun. Einige Restaurants haben Panoramafenster zum Meer und die Kellner erklären bereitwillig die regionalen Köstlichkeiten. Bei der Parkplatzsuche sind wieder einmal die freundlichen Einwohner behilflich, die außerdem Restauranttipps für jeden Geldbeutel auf Lager haben und uns auch dieses Mal helfen, später aus dem abenteuerlichen Gassen-Wirrwarr herauszufinden.

A Coruña ist nur einen Abstecher von der Costa da Morte entfernt

Wer zum Abschluss nach der Idylle an der Costa da Morte noch ein wenig Großstadtluft schnuppern möchte, hat die Qual der Wahl zwischen der Hafenstadt A Coruña und dem Pilgerziel Santiago de Compostela. Wir entscheiden uns für A Coruña. Endlich hat der stürmische Wind eine Pause eingelegt, und die Temperaturen reichen fast an die der Mittelmeerküste heran. Die ganze Stadt scheint Badehose und Sonnenschirm eingepackt zu haben, um einen der ersten Strandtage zu genießen. Unbedingt anschauen müssen sich Touristen den Torre de Hércules aus dem 1. Jahrhundert, den ältesten Leuchtturm der Welt, der noch in Betrieb ist. Mit seinen 57 Metern ist das römische Bauwerk der dritthöchste Leuchtturm Spaniens und seit 2009 Unesco-Kulturerbe.

Sehenswert ist die Altstadt von A Coruña rund um die Plaza de María Pita. Hier ist das Rathaus angesiedelt und eine Skulptur der Namensgeberin des Platzes. María Pita tötete 1589 einen britischen Leutnant bei dem Versuch, die Altstadt einzunehmen. Heute sind in den Gassen des Casco Histórico viele kleine Lädchen angesiedelt.

Infos für den Urlaub an der Costa da Morte

  • Die Küstenregion Costa da Morte erstreckt sich von Carballo bis zum Cabo Finisterre ganz im Nordwesten Spaniens. Unzählige Schiffsunglücke haben die Küste berühmt gemacht, zuletzt die Katastrophe um den gesunkenen Öltanker Prestige 2002.
  • Anreise: Am besten per Flugzeug zum Flughafen Santiago de Compostela. Dort gibt es Mietwagenfirmen.
  • Unterkunft: Die Costa da Morte ist vor allem für Casas Rurales, ländliche Unterkünfte, bekannt. Auf der Tourismusseite www.costadelamuerte.com gibt es unter „Alojamiento“ eine Übersicht. 
  • Allgemeine Information: Auf www.costadelamuerte.com finden sich Tipps zum gastronomischen Angebot, Vorschläge für Ausflüge, Informationen zu Stränden, Fiestas und Kunsthandwerk sowie Wissenswertes zur Geschichte der Region.
  • Judith Finsterbusch
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