Blick durch ein goldenes Zaunloch auf den Königspalast von Madrid
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Blick durchs Zaunloch auf den Palacio Real, den Königspalast von Madrid.

Reisetipp Madrid

Alles real in Madrid: Spaniens Hauptstadt in 48 Stunden

  • vonMarco Schicker
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Volles Programm bei voller Gelassenheit: Für einen gelungenen Ausflug nach Madrid braucht man weniger sogenannte Geheimtipps als ein Gespür für den Augenblick. Wir führen Sie sicher an Touristenfallen vorbei.

  • 48 Stunden Citytrip durch Spaniens Hauptstadt Madrid mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, aber ohne Stress.
  • Rund um den Paseo del Prado gibt es die wichtigsten Museen, aber auch die grüne Lunge Madrids zu erleben.
  • Die Nacht in Madrid gehört den Tapas, Clubs und dem Flamenco.

Madrid - Dass der Prado, Madrids Gemäldegalerie von Weltruhm und seine Schwestern Thyssen und Reina Sofía seit dem 6. Juni 2020 aus der Coronavirus-Zwangspause zurück sind, wie auch viele andere Museen in Spanien wieder öffnen, soll uns Anlass für eine Schlenderei durch Spaniens kulturvolle Hauptstadt sein, eine Einladung. Wir berühren dabei die berühmten Highlights, finden aber unseren Frieden in einem großen Park. Und natürlich im Prado.

Mit dem Zugvogel AVE in zweieinhalb Stunden von der Küste nach Madrid

Denn Städtetrips, zumal zu Metropolen vom Schlage Madrids, haben eine Tücke: Stress. Den Stress, den sich der Reisende selbst bereitet, weil er in so kurzer Zeit wie möglich so viel wie möglich sehen und erleben will. Es gibt Reisegruppen, die schaffen „Europe in ten days“ – und sich selbst. Kaffeetrinkend auf einem Platz in einem Barrio etwas abseits sieht, riecht, atmet man mehr von einer Stadt und ihren Menschen als wenn man die Top Ten von Tripadvisor abhechelt. So wollten wir es halten und liefern einen Vorschlag, wie man Madrid in zwei Tagen intensiv, aber stressfrei genießen könnte.

Das Museo del Prado in Madrid hat sich 2019 zum 200. Geburtstag in neue Farben gehüllt. 2020 kam das Coronavirus und eine fast dreimonatige Zwangspause. Seit 6. Juni 2020 ist Spaniens bedeutende Gemäldesammlung wieder geöffnet.

Paradoxerweise beginnt unsere Entschleunigung schon mit der Anreise im Hochgeschwindigkeitszug. Mit dem „Zugvogel“ AVE schwebt man von Alicante an der Costa Blanca oder aus dem andalusischen Málaga in nur zweieinhalb Stunden die 500 Kilometer nach Madrid. Von Zentrum zu Zentrum. Das schafft man mit keinem Flugzeug. Kauft man die Tickets online bei Renfe oder direkt am Schalter rund drei bis sechs Wochen vorher, findet man Schnäppchen von 25 Euro pro Person und Strecke, die Normalpreise gehen von 55 bis 80 Euro. Der frühe AVE fängt den Wurm!

Zu Spaniens Kilometer Null: Per Bus oder per pedes

Sind Sie nicht allzu gut zu Fuß, können Sie, am Bahnhof Atocha angekommen, direkt in den Hop-on Hop-off-Bus Madrid springen. Das klingt zunächst sehr touristisch, hat aber entscheidende Vorteile. Man verhindert in der weitläufigen Stadt frühe Pflastermüdigkeit und kann an jedem Haltepunkt aussteigen, um etwas zu besichtigen und dann mit einem anderen Doppeldecker weiterfahren. Legt man das gewählte Hotel in die Nähe der Busroute, spart man sich einen weiteren Weg und das Taxi. Das Ticket gilt ganztägig (19 bis 22 Euro), es gibt eine Tag-und-Nachtlinie oder eine Variante für zwei Tage.

Wer lieber läuft, der folgt dem Paseo del Prado, lässt das berühmte Museum aber für heute rechts liegen. Am Neptunbrunnen biegen wir in die Plaza de las Cortes ein und tauchen ein in das quirlige Treiben der Metropole. Es geht vorbei am Congreso, dem Parlament, und einer Reihe baulicher Überraschungen aus Jugendstil, Barockpalästen und bürgerlicher Großmannssucht. Unvermeidlich nähern wir uns dem Kilometer Zero, denn in Spanien führen alle Straßen nach Madrid.

Die Gran Vía ist Madrids pulsierende Ader.

Wo Spanien auf das Glück hofft: Silvester an der Puerta del Sol und Lottoscheine bei Doña Manolita

Wir sind nach rund 2,5 Kilometern schlendernd an der Puerta del Sol angelangt, treffen den Bären am Erdbeerbaum, das Wappen der Stadt als fotogene Bronze-Statue. Die legendäre Tío-Pepe-Werbung überragt das Treiben, Disneyfiguren biedern sich den Touristen für ein Trinkgeld als Fotomotiv an, Demos, Bettler, Schwarzhändler bilden das Ensemble dieser 24-Stunden-Bühne. Ein paar Schritte nur sind es bis zur Plaza Mayor, mit ihrem Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Der Platz sah schon Paraden, Hinrichtungen und Stierkämpfe und erträgt auch das jährliche Silvester-Spektakel, das ganz Spanien zu Mitternacht – auf den Kanaren eine Stunde früher – gen Madrid schauen lässt. Nebenan der Edel-Tapas-Markt San Miguel. Teuer.

Zu viel Trubel. Wir buchten ein strategisch günstig gelegenes Hotel an der Plaza San Martín, ein Palacio, Mitte des 19. Jahrhunderts die erste US-Botschaft Madrids, heute genial behutsam zu einem 4-Sterne-Haus (Intur) renoviert. Er wird unser Ausgangsort für die Entdeckungstouren. Gegenüber liegt die Nationalbibliothek im Palacio de las Alhajas und lockt uns mit einer Da-Vinci-Ausstellung. Nebenan ein Kloster, dann das Kulturkaufhaus Fnac und noch ein Los gekauft bei Doña Manolita, dem berühmtesten Lotteriegeschäft des Landes, unweit der Gran Vía.

Die Entschleunigung beginnt zu Mittag. Den Königspalast, der nur 300 Meter vom Hotel entfernt ist, schauen wir von weitem an, ebenso die dahinterliegenden alten Jagdgebiete. Hunderte Meter lange Schlangen schrecken ab. Zumal in Madrid alles „real“ ist oder wenigstens mit dem königlichen Label wirbt. Am Theaterplatz mit dem Teatro Real finden wir sogar ein Lokal namens „Paella real“ – wenn das die Valencianer wüssten. Auch das Teatro de la Zarzuela ist einen Besuch wert, hier spielt die Zarzuela, die spanische Version der Operette.

Nur einen Katzensprung weiter werden die Straßen wieder schmaler, ihre Namen musikalisch. In die Gitarrenwerkstatt eines der berühmten Brüder Conde, Ausstatter unter anderem von Paco de Lucía, dem größten Flamenco-Gitarristen, lässt man uns großzügig hineinschauen.

Daneben, in der Calle Espejo, erleben wir in der „Casa Boni“, einer Wirtschaft, die seit 1945 existiert, die Menschen aus dem Barrio. Für acht Euro pro hungrigem Mund bekommen wir, mürrisch vom Hausherrn beäugt, das Tagesmenü, einfach und gut, halbe Flasche Wein inklusive. Dafür bekommt man auf der Plaza Mayor zwei schlechte Kaffee. Die Gastronomie Madrids ist ein Thema für sich.

Madrids Nächte gehören dem Flamenco, den Clubs und den Tapas

Die Siesta bleibt auch in Madrid obligatorisch, zumal es nicht bei der halben Flasche Wein geblieben ist und die Beine protestieren. Am Abend geht es in die Torres vermelhas, ein Tablao de Flamenco. Diese sind seit Corona am Aussterben. Der ist zwar ursprünglich andalusisch und die meisten Tablaos sind mit Eintrittspreisen zwischen 25 und 50 Euro, mal mit einem Gläschen dazu, mal ohne, reinster Touristen-Nepp. Aber der Madrid-Kenner weiß, dass es diese Preise sind, die nur Touristen bereit sind zu zahlen, die tatsächlich auch sehr gute Ensembles auftreten lassen. Wir bereuten den hoch klingenden Preis für die 70-minütige Show nicht, denn die Qualität war erstklassig. Und wenn man bedenkt, für welchen Quatsch man sonst wie viel Geld ausgibt.

Tablao de Flamenco Torres Vermelhas in Madrid.

Danach ein Abstecher zum Café Berlín, einer weiteren Legende und eines der wenigen überlebenden der einst zahlreichen Revue-Theater. Es wurde 1906 gegründet, damals als Hort der republikanischen Bohème, und ist heute beste Adresse für Live-Konzerte.

Die Nacht gehörte den Tapas-Bars Madrids nur kurz, - die besten und originellsten Bodegas und Tapas-Bars von Madrid haben wir in einem eigenen Bericht gewürdigt - denn die Kräfte sollten noch einen Tag reichen. Aus dem Hotel geht es die Gran Vía entlang, natürlich muss man die den Takt des Broadway imitierende Lebensader der Stadt gesehen haben. Ein kleiner Umweg führt nach links über das Viertel El Tribunal ins Stadtmuseum in einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert. Von dort geht es am Obersten Gerichtshof vorbei zu Plaza und Brunnen der Cibeles, den Arkaden der Puerta de Alcalá.

Büchermarkt und Schweinsbäckchen: Parque de Retiro und Paseo del Prado

Mußestunde am Mercado de libros, Madrids Büchermarkt unter freiem Himmel, unweit des Prado.

Wir sind wieder am Paseo del Prado angekommen. Anstatt in die Sammlung Thyssen oder das Museo Reina Sofía gehen wir am Prado und der natürlich Realen Akademie vorbei in den riesigen Parque Retiro, Madrids grüne Lunge. Jogger, Ausflügler, ein Teich mit Ruderbooten und Kiosken, in der Mitte der Kristallpalast und viele, viele Bäume, Ruhe und Entspannung. Es ist ein Warmlaufen für den Besuch des Prado-Museums, den wir uns als Höhepunkt aufgespart haben. Dort kann man sich staunend vor den Meisterwerken die Beine in die Füße stehen, wissend, dass es nur ein Steinwurf weit bis zum Bahnhof Atocha ist. Noch ein Schlenker über den Büchermarkt, ein Schweinsbäckchen mit Pürée in der hippen Spanish Farm.

Der Kristallpalast im Parque de Retiro in Madrid. Einem grünen Ruhepol in der quirligen spanischen Hauptstadt.

Natürlich ist viel übrig geblieben: das Bernabéu-Stadion, drei Dutzend Museen, das alternative Madrid, aber auch die Umgebung: die alte Hauptstadt Toledo, das Klosterschloss Felipe II. El Escorial in San Lorenzo, Aranjuez, das spanische Sanssouci, alles liegt in Stundenweite und steht beim nächsten Ausflug auf dem Plan.

Madrids „Museumsinsel“ rund um den Prado - Tipps zum Besuch

201 Jahre alt ist der Prado, gestiftet vom spanischen König. Kurz nach dem 200. Geburstag musste er schließen, des Coronavirus wegen. Seit 6. Juni 2020 ist die von drei Millionen Menschen jährlich besuchte Gemäldegalerie, eine der berühmtesten der Welt, wieder offen. Die Coronavirus-Zwangspause nutzte das Flagschiff der spanischen Museumslandschaft, um sich ein bisschen umzuschmücken und seine berühmtesten Kunstwerke neu zu hängen - oder in einen neuen Kontext zu stellen, wie es Kuratoren lieber ausdrücken.

Spaniens Königspaar Felipe VI. und Reina Letizia beim Besuch des Prado anlässlich dessen 200. Jubiläums im Jahre 2019.

Für den Besuch des Prado empfiehlt sich die Online-Buchung der Tickets für 15 Euro. So schlendert man entspannt an den Warteschlangen vorbei, jetzt, in der Übergangsphase nach Corona gelten zudem weitere Limits für tägliche Besucherzahlen. Ohne Online-Buchung wird der Besuch so fast unmöglich. Die gegenüberliegende prachtvolle Sammlung Thyssen, bietet 600 Meisterwerke aus sechs Jahrhunderten aus dem Vermögen der deutschen Stahldynastie. Picassos „Guernica“ ist nur ein Highlight des Museo Reina Sofía, ebenfalls in Rufweite des Prado, wo vor allem die klassische Moderne zu Hause ist. Die Webseiten der Museen informieren auch über die vielfältigen Sonderschauen.

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