Ein Kind hängt an einem Ast. Im Hintergrund ist eine Berglandschaft zu sehen.
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Die Tour zum Berg Torrecilla in der Sierra de las Nieves gehört für Johanna Mayrhofer zu den bevorzugten Wanderungen. Auch Olivia Maibøll erklomm den Torrecilla.

Wanderung in der Sierra de las Nieves

Wandern in Andalusien: Igeltannen, Feenwälder und Eisbrunnen

  • vonLena Kuder
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Fernab des Trubels an der Küste bietet die Sierra de las Nieves in Andalusien herrliche Wanderrouten. Die Österreicherin Johanna Mayrhofer führt Wanderfreunde durch die Landschaft. Beim Erklimmen des 1.919 Meter hohen Bergs Torrecilla zeigen sich einzigartige Naturkulissen.

  • Die Sierra de las Nieves in Andalusien bietet Wanderern ein einzigartiges Panorama.
  • Ausgangspunkt der Wanderung ist der Rastplatz „Área Recreativa de los Quejigales".
  • Der Weg führt vorbei an Bergeichen und Igeltannen.
  • Vom 1.1919 Meter hohen Gipfel des Torrecilla aus eröffnet sich ein eindrucksvoller Ausblick auf die Sierra de las Nieves und Marokko.

Vor 400 Jahren brauchten die in der Sierra de las Nieves in Andalusien lebenden Menschen etliche Stunden, um von Yunquera oder Tolox zu den Eisbrunnen zu gelangen. Sogenannte „Neveros“ pressten den Schnee so lange in die gemauerten Brunnen, bis dieser sich in Eis verwandelte. Danach beluden sie ihre Säcke aus Espartogras mit den Eisblöcken und ihre Maultiere trugen diese zu den Orten in der Provinz Málaga, wo das Eis die Lebensmittel kühlen sollte. Johanna Mayrhofer und sechs Wanderer haben sich auf die Spuren der Neveros begeben, um in die Geschichte dieser Gegend einzutauchen.

Sierra de las Nieves
Provinz Málaga
Fläche635,38 Quadratkilometer
Zugehörige Gemeinden Alozaina, Casarabonela, El Burgo, Guaro, Istán, Monda, Ojén, Tolox und Yunquera
Einwohnerzahl 22.039

Zuvor geht es von San Pedro Alcántara die kurvige Straße hinauf Richtung Ronda. 16 Kilometer vor der Stadt führt ein Schild mit der Aufschrift „Parque Natural Sierra de las Nieves“ nach rechts. Die Gruppe kommt vorbei an knorrigen Korkeichen. Zwischen den Bäumen blitzen die Silhouetten von Pferden auf. Sie leben hier im Herdenverband und fressen das, was sie finden.

Ein Adler fliegt ein Stück parallel zu Johannas Kleinbus. Als Tourguide bietet sie außergewöhnliche Wandertouren in Andalusien und Marokko an, die für trainierte und untrainierte Wandererbeine geeignet sind. Nach etwa 20 Minuten hält sie an. Auf dem Rastplatz „Área Recreativa de los Quejigales“ setzen die Wanderleute ihre Rucksäcke auf und schnüren die Wanderstiefel. Einige haben Wanderstöcke dabei.

Eintauchen in eine Fabelwelt

Ein Reisebus hat ebenfalls geparkt. Eine Horde von Schülern startet, angeleitet von ihrem Lehrer, an diesem Tag ebenfalls eine Tour. Johanna beschließt kurzerhand, nicht diesem Tross zu folgen, sondern in die entgegengesetzte Richtung loszulaufen, um den 1.919 Meter hohen Berg Torrecilla (was soviel heißt wie Türmchen) zu besteigen. Der Weg führt vorbei an dornigen Büschen, Bergeichen und Igeltannen. Allmählich geht es immer steiler bergauf, sodass die untrainierte Redakteurin ganz schön aus der Puste kommt.

Auf einem Hochplateau, von dem aus die Sierra Nevada und Marokko zu sehen sind, halten die Wanderer inne. Eine Schafherde hat es sich auf dem Plateau gemütlich gemacht, so, als warte sie auf die ideale Pose für einen Schnappschuss. Johanna deutet auf die wunderlich anmutenden Tannen, deren Äste von Nadeln ummantelt sind: Pinsapo-Tannen - Igeltannen. Vorsichtig fasst die zehnjährige Dänin Olivia Maibøll einen der Zweige an. Pinsapo-Tannen sind eine botanische Seltenheit. Es handelt sich um eine Baumart aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae), die lediglich in Südspanien und Marokko vorkommt. Das Höchstalter von einigen Exemplaren liegt bei 250 bis 300 Jahren.

Botanische Seltenheit

Gipfelstürmer: Vom Gipfel aus sieht man die Sierra Nevada und Marokko.

In Spanien umfasst deren tatsächlich besiedeltes Verbreitungsgebiet eine Fläche von 28,7 Quadratkilometern und gliedert sich in drei Teilvorkommen, welche in der Sierra de Grazalema in der Provinz Cádiz sowie in der Sierra de las Nieves bei Ronda, Yunquera und Tolox und der Sierra Bermeja bei Cañete la Real in der Provinz Málaga liegen. Der Bestand in der Sierra de las Nieves umfasst eine Fläche von 24 Quadratkilometern, während die Flächen in der Sierra de Grazalema, insbesondere entlang der Sierra del Pinar, eine Fläche von etwa vier Quadratkilometern darstellen und in der Sierra Bermeja ein 0,7 Quadratkilometer großer Bestand wächst. Das 28 Quadratkilometer große und in zwei Teilvorkommen unterteilte Verbreitungsgebiet in Marokko liegt im westlichen Rif-Gebirge und umfasst vornehmlich Vorkommen an den Bergen Bouslimane, Fahs, Kharbouch, Lakraa, Sfiha Tell, Talassemtane und Taloussisse sowie isoliert vom anderen Vorkommen am südwestlich von Tétouan gelegenen Berg Tazaot.

Silbrige Flechten hängen wie organisches Lametta von den Zweigen. In dem Hohlweg „Cañada de las Ánimas“ (dt.: Hohlweg der Seelen) werden die Wanderer in eine andere Welt transportiert und es würde kaum Wunder nehmen, wenn hinter einem Stein eine Elfe mit spitzen Ohren hervorlugen würde. Nach dem Waldstück eröffnet sich vor den Augen der Wanderer eine weite Hochebene. Von hier aus ist der Torrecilla bereits zu sehen. Mit Blick auf den Pozo de Nieves, den Eisbrunnen, machen die Wanderer Rast.

Bizarre Felsformationen

Weiter geht es an bizarren Felsformationen vorbei. Steil führt der Weg nach oben auf den Gipfel. Nun wird deutlich, weshalb Johanna diese Route mit fünf Wanderstiefeln – der höchsten Schwierigkeitsstufe – ausgezeichnet hat. Die Bürobeinchen der Redakteurin fangen an zu zittern. Oben angekommen, steht allen die Euphorie ins Gesicht geschrieben. Einige verewigen sich im Gipfelbuch, andere genießen die Aussicht über die weite Landschaft und das Meer, die Erschöpften ziehen sich ihre Hüte und Baseballkappen tief ins Gesicht und machen erst einmal ein Nickerchen.

Johanna Mayrhofer organisiert außergewöhnliche Wandertouren in Andalusien.

Rückkehr in die Realität

Beschwingt geht es bergab. Wieder führt der Weg durch einen Zauberwald aus Igeltannen und Büsche säumen den Weg. Das letzte Stück führt auf der Cañada del Cuerno entlang, einem Hohlweg, der von Pinsapo-Tannen mit extravaganten Formen und gekrümmten Ästen gesäumt ist. Als die Silhouetten der Pferde zu erkennen sind, ist die Erleichterung zwar groß, doch fällt es schwer, von dieser Feenwelt wieder zurück in die Realität zu gelangen.

Infos: Tourguide Johanna Mayrhofer bietet Wandertouren in kleinen Gruppen an. Informationen sind unter www.sur-walks.com zu finden. Auf der Internetseite ist jeweils das Programm für die kommenden zwei Wochen zu sehen. Eine vorherige Anmeldung ist unbedingt erforderlich. E-Mail: johanna@sur-walks.com; Tel.: 0034 699 316 394.

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