In diesem Burger-Lokal in der Calle Kandinsky in Málagas Stadtteil Teatinos, zwischen Uni Campus, Sportanlagen und Wohn- und Industriegebieten, wird weder mit Besteck noch mit der Hand gegessen, sondern mit dem Handy, denn irgendwas passiert hier immer und das muss aufgenommen werden, sonst, wie wir wissen, hat es nicht stattgefunden. Naja, der McDonalds-Clown war auch mal originell: im Jahre 1965.
Die „Grillaera“, übersetzbar mit Grillplatz, Grillerei, in Málaga und Algeciras, ist aber so „verdammt verrückt“, dass dort anscheinend sogar das Personal korrekt behandelt wird, sich zwar zum Affen, aber nicht zum Sklaven machen muss. Denn neben Burgern, Rips, Nachos und Kroketten, stehen auch die Vertragsbedingungen und Löhne der Kellner und Köche auf der Speisekarte des Lokals. Dass die Arbeitsbedingungen für Kellner, Köche, Küchenhilfen in Spanien und besonders in Touristenhochburgen wie der Costa del Sol oft katastrophal sind, ist nicht nur bekannt, sondern sorgt dafür, dass immer weniger junge Leute sich Stress, Unterbezahlung, Demütigungen, Überarbeitung gefallen lassen wollen. Spaniens Kellner sind auf der Flucht.
Umso wichtiger, positive Beispiele aufzuzeigen: Die Idee zur „Grillaera“ kommt von ein paar jungen Leuten aus Algeciras, die dort 2018 ihr erstes Burger-Lokal eröffneten, „noch ganz vorsichtig mit den Späßen“, denn in einer relativ kleinen Stadt wie Algeciras, „kann so ein Konzept auch nach hinten losgehen“, erinnern sich die Gründer, die gerade wie Helden durch die spanischen Medien gereicht werden. Irgendwann wurden die Gags, der lockere Stil angenommen und die Unternehmer mutiger. „Wir stellten Leute ohne Erfahrung in der Gastronomie ein, einfach, weil sie Breakdancen konnten oder irgendwie schräg waren“.
Das Konzept ging auf, Ende 2021 eröffneten sie ihre erste Zweigestelle, in Málaga. Auf der Speisekarte erfährt der Gast, dass er mit seinem Burgerkonsum mithilft, „eine soziale Schande Spaniens“ auszumerzen und für „faire Verhältnisse zu sorgen“. 1.648 Euro brutto, 1.430 Euro netto verdient eine Vollzeitkraft in diesem Burger-Restaurant in Málaga, 80 Prozent hätten unbefristete Arbeitsverträge, 70 Prozent eine 40-Stunden-Woche, der Rest jobbe auf eigenen Wunsch in Teilzeit. Alle Überstunden würden bezahlt und gemeldet.
Das Kuriose an diesen für Servicekräfte in Spanien fast paradiesisch klingenden Normen: Sie sind die Norm, zumindest auf dem Papier und stehen so verbindlich für alle im Kollektivvertrag für die Provinz Málaga. Auch zwei Tage frei am Stück, der Rolls Royce unter den Arbeitsbedingungen in der spanischen Gastro, steht da drin und soll in der „total verrückten“ Grillaera garantiert sein. Im Netz sprechen "Hater" und (zumindest behaupten sie das) ehemalige Mitarbeiter von einem Eigenlob, das der Realität nicht Stand halte. Gäste verteidigen die Grillarea: Sie hätten mit Angestellten nach deren Schichten gesprochen, die Daten stimmten.
Sich für die Einhaltung der Gesetze vor dem Publikum selbst auf die Schulter klopfen, mag eigentlich absurd klingen, da der korrekte Umgang mit den Angestellten vor allem in der Gastronomie aber eher die Ausnahme zu sein scheint, sei das Loblied dese Managements gesungen, das perfektes Kunden-Marketing wie auch effiziente Personalsuche vereint. Der Gastroverband beklagt allein an der Costa del Sol für diese Urlaubssaison das Fehlen von 15.000 Servicekräften und wundert sich noch lautstark, woran das wohl liegen könnte? In der Grillarea fänden jene Wirte, die noch immer glauben, Kellner seien vogelfreie Leibeigene, vielleicht ein paar Hinweise.
Zum Thema: Spaniens Touristenfallen in der Gastronomie - Tipps für einen unfallfreien Urlaub.