Cafe Central in Malaga 100 Jahre alt
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José Prados Crespo, der Besitzer des Café Central in Málaga, stolz vor dem Kaffee-Mosaik zum 100. Jahrestag 2020.

Ende einer Legende

Café Central Málaga: Eine Institution macht dicht

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Für Besucher Málagas in Andalusien mag es „nur“ ein Kaffeehaus sein, für die Malagueños aber ist das Café Central eine Institution. Seit nunmehr 100 Jahren Zeitzeuge der Stadt, wird es Anfang des Jahres 2022 schließen. Neben der Erinnerung soll auch die berühmte Kachelwand überdauern.

Málaga - Die überraschende Schließung kündigte der Eigentümer des Café Central Málaga, Rafael Prados, an. Er werde in den Ruhestand gehen und habe nicht vor, sein Geschäft an einer der besten Adressen der Stadt zu übergeben. Seit 1920 residiert das Café Central von Málaga an der Plaza de la Constitución, dem Platz der Verfassung am Beginn der Calle Larios, der feinen Einkaufsstraße, der Rue de Galoppe Málagas, die gerade wieder mit ihrer spektakulären Weihnachtsbeleuchtung durch sämtliche Medien glitzerte.

Café Central Málaga: Bürgerlicher Schwager des legendären "Chinitas"

Das Café Central de Málaga ist nicht das älteste Lokal Spaniens oder sogar Andalusiens, aber ein Original und selbst eine Melange. Es war erst das kleinste Haus am Platze, fusionierte aber nach und nach mit den Nachbarn, den Kaffeehäusern Café Múnich (München) und Café Suiza (Schweiz) und folgte im Namen dem großen Wiener Vorbild. Selbst die Coronavirus-Pandemie überstanden Rafael Prados und sein Team relativ gut, in dem sie Kaffee zum Mitnehmen anboten und sich im vorigen Jahr sogar eine neue, auf alt getrimmte Röstmaschine anschafften, um frisch geröstete Bohnen in Tüten zu verkaufen.

Diesen Sommer 2021 lief das Geschäft wieder gut, Málaga war voller Touristen, das Café hatte fast nie einen Platz frei und seine Mitarbeiter zweifeln ein bisschen an der auch für sie schockierenden Ankündigung der Geschäftsaufgabe durch ihren Chef: "Er ist so ein unruhiger Geist, was will er ohne sein Café machen?" fragen sie ungläubig in der Zeitung ABC.

Nur ein Kaffeehaus überragt den Ruhm des Café Central in Málaga noch, das Café Chinitas, das 1857 öffnete und eines der ersten sogenannten teatrillos oder Café cantante war, ein Treff der Bohème, der Denker und Trinker, Flamenco-Tablao und bürgerlicher Salon in Einem. Federico García Lorca, Spaniens großer Poet, dichtete hier nicht nur, sondern saß am Klavier und widmete dem Lokal sogar eine eigene Copla. Die spanischen Faschisten ermordeten ihn, kurz danach, 1937, wurde auch das Chinitas endgültig auf "amtliche" Anweisung zugesperrt.

Wie man in Málaga einen Kaffee bestellt: Berühmtes Wandmosaik im Café Central ins Museum?

Das Café Central Málaga überstand die wilden Zeiten, auch, weil die Haute Voile der Stadt hier ein- und ausging und seit 101 Jahren Zeuge des wechslendes Publikums zwischen Künstlern, Glücksrittern, Originalen, Touristen, Stammgästen an der Costa del Sol war. Berühmt wurde und blieb es vor allem für seine "kaffewissenschaftliche" Abhandlung auf einem großen Azulejo, einer Kachelwand, auf der zehn Arten, wie man in Málaga einen Kaffee zu bestellen hat, abgebildet sind, - das Fotomotiv für jeden Gast. Je nach dem Verhältnis Kaffee-Milch wird so aus einem ordinären Kaffee ein "solo", eine Wolke (nube), ein Schatten (sombra) und so weiter, bis hin zu einem abgebildeten leeren Glas mit der Beschriftung: "Bring mir keinen Kaffee".

Das Café Central in Málaga war 1940 noch ganz klein, bald fusionierte es mit dem „Schweiz“ und „München“.

101 Jahre hat das Central widerstanden, den Wirtschaftskrisen, den Spekulanten, lokalpolitischen Ränken und sogar den neumodischen Kaffeehaus-Ketten, die sonst an vielen Plätzen in Málaga bereits ihre teuren Gebräue im beliebigen, durchkommerzialisierten Ambiente ausgeben. Seit 1954 ist das Haus in Händen der Familie Prados, das die Pleite des Vorgängers nutzte, um das Haus zu kaufen. Die Alten erinnern sich noch, dass das Central damals höchstens eine Stunde am Morgen für die Reinigung schloss, aber sonst immer offen war.

"Eine Stadt sollte nicht nur auf seine historischen Gebäude achtgeben, sondern auch auf die Geschäfte darin", fordert ein Kommentator der regionalen Medien und in den Sozialen Medien hat sich bereits eine Bewegung gegründet, die dafür kämpfen will, dass zumindest das historische Azulejo erhalten bleibt und "irgendwo in Málaga öffentlich ausgestellt" wird. Auch wenn es ohne den Duft des Kaffees wirklich nur noch eine Kachelwand und eine verblassende Erinnerung sein wird. "Das Ende einer Epoche" beklagen die Zeitungen der Stadt und hoffen doch noch, irgendjemand mag den Chef überzeugen, das Café wenigstens zu übergeben.

Zum Thema: Der Kaffee und die Spanier - Solo, con leche, carajillo und Olé!

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