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Kosten und staunen in Spanien: Gastronomie-Museen an Costa Blanca und Costa del Sol

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Von: Marco Schicker

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Stillleben aus Spanien
Auch der Prado in Madrid ist zum Teil ein Gastro-Museum. Hier ein Bodegón von Felipe Checa y Delicado. © Museo del Prado de Madrid

Zu den Weinmuseen in Ronda und Málaga, Wein- und Rosinenrouten durch Valencia und Alicante, Museen für Olivenöl, Brot, Reis, Kastanien, Turrón, Honig und Schokolade.

Alicante/Málaga - Da in Spanien immer und überall gegessen wird, in Bars, am Strand, auf Fiestas, Zuhause sowieso, könnte die Empfehlung gastronomischer Museen fast wie eine redundante Trockenübung erscheinen. Doch nachfolgende Tipps sollen nur Ergänzung sein, wie eine Tapa zum Wein, ein Plausch mit dem Wirt, eine Möglichkeit, auf Reisen durch Spanien einen Abstecher zu wagen und sich etwas hintergründiger darüber zu informieren, was wir auf Tellern und aus Gläsern genießen. Denn jede Speise, jeder Trunk konserviert nicht nur Geschmäcker, sondern immer auch Kulturgeschichte, Landeskunde und so eine kleine Welt in sich, die sich zu entdecken lohnt. Spanien kürt jedes Jahr sogar eine Gastronomie-Hauptstadt. 2022 ist dies das Sherry-Garnelen-Paradies Sanlúcar.

Weinmusem Ronda: Wo der Wein aus Kupferhähnen fließt

Das Museo del Vino de Ronda ist etwas besonderes, Ronda ja auch: Ziemlich genau 1.000 Jahre alt sind die Grundmauern des Gebäudes, das dem Maurenkönig des Taifas von Ronda schon als Bodega gedient haben soll. Bis in die 1970er Jahre kamen hier noch Eselskarren mit Fuhren voller Wein aus dem umliegenden Bergland der Serranía de Ronda an. Dazu gehörten immer auch Rotweine (D.O. Sierras de Málaga), im Unterschied zur sonst in Málaga dominierenden Moscatel-Industrie mit ihren Süßweinen und Rosinen.

Weinmuseum in Ronda
Weinmuseum in Ronda: Wo der Wein aus Kupferhähnen fließt. © Sergio Flores Borrego/WikiCommons

In zehn Räumen, rund um einen zauberhaften Patio, durchwandern die Besucher die Geschichte dieses ganz besonderen Safts von den Phöniziern und Tartessos bis in die heutige Zeit, die auch mit Verkostungen gewürdigt wird. Aus vier Bronze-Hähnen fließt hier der Wein verschiedener Sorten in uralte aus Felsen gehauene Becken, es sind die berühmten Fuentes del Vino. Da Haus und Museum, mitten in der Altstadt Rondas, den Bodegas La Sangre de Ronda gehören, ist das Museum sozusagen lebendig. Adresse: Calle Gonzalez Campos 2, Ronda (Málaga), Tel: 952 879 735, Kontakt: recepcion@bodegaslasangrederonda.es.

Weinmuseum Málaga: Die Welt des Moscatel und Rosinen für den Eisbecer

Dass die Weine früher überwiegend vom Fass gezapft und in Fässern exportiert wurden, das können Besucher Málagas in einigen der alten Bodegas noch erleben, jene Schenken, die einst Handelshäuser waren, in denen der Wein für die Schiffsladungen abgefüllt wurde, der vor allem zu den Briten fuhr. Die konnten von dem süßen Málaga-Wein aus Moscatel und seinen Derivaten nie genug bekommen, ebenso wie von Sherry oder Portwein. Ganz Europa und die halbe Welt kaufte Rosinen aus Spanien, vornehmlich rund um das valencianische Dénia und natürlich in Málaga mit seinem bedeutenden Hafen.

Zwei Personen mit Strohhüten, von hinten zu sehen, schauen auf ein Weinfeld.
Wein an der Costa Blanca: Auch für den Tourismus ein interessanter Sektor. © Oro Rojo Comunicación

Einen Überblick über die Weinstadt Málaga gibt das „Museo del Vino“ seit 2008 in der Innenstadt. Neben dem allgemeinen Überblick über 2.500 Jahre Moscatel-Anbau in der Gegend, widmet sich das Museum vor allem der Geschichte des Weinmarketings mit einer umfangreichen Sammlung von historischen Flaschen-Etiketten, Fass-Köpfen, Werbeplakaten und kunstvollen Verpackungen für Rosinen, die einst wie Pralinen dargereicht wurden. Natürlich gibt es auch hier Verkostungen und ein Weingeschäft. Plaza de los Viñeros 1, Málaga, Mo-Fr 10-17, Sa 10-14 Uhr. Wem das zu süßlich ist, dem bleibt nur das Exil gen Jerez oder Sanlúcar. Doch der Sherry ist ein Thema und eine Welt für sich.

Weinrouten in Valencia und Alicante: Feine Rote und Tafeltrauben für Silvester

Das Weinmuseum der Region Utiel-Requena in Valencias Bergen zu empfehlen, ist fast wie Eulen an Athen vorbei zu tragen. Es befindet sich in einer uralten runden Bodega mitten in einem Neubauviertel von Utiel. Ergiebiger ist da schon eine Tour durch die Weinberge und -keller der Weinregion Utiel-Requena, denn Wein, das ist vor allem Terrain und Landschaft. Die Weinregion Utiel-Requena ist klein, aber oho. Sie war und blieb zu unrecht lange im Schatten der großen Weingebiete Spaniens, Rioja oder Ribera del Duero, entwickelte sich vor allem aber mit seinen wiederentdeckten und verfeinerten roten Rebsorten Bobál und Monastrell in den vergangenen Jahren zu mehr als einem Geheimtipp für Weinfreunde und reüssiert auch auf internationalem Parkett.

Auch Moscatel, aber nicht als Rosine, sondern „lebendig“ als Tafeltraube und andere Weinversuche unweit von Afrika lassen sich auf der Weinroute Alicante auch durch das Vinalopó-Tal und das Alicantiner „Burgenland“ erkunden.

Auf der Spur der Rosinen in Dénia und Vélez-Málaga

Für Dénia an der Costa Blanca waren die Moscatel-Rosinen vom 18. bis 20. Jahrhundert so prägend, dass regelrechte Rosinen-Dynastien entstanden. Deren Palacios in der Alstadt sind auf einer Route ebenso zu entdecken wie die Riuraus, die typischen Trockenhäuser mit ihren Arkaden, deren kulturhistorischen Wert die Denianer erst seit Kurzem sich und ihren Besuchern wieder erschließen. Auf den Spuren der Rosine wandeln daher zwangsläufig auch die drei „Heimatmuseen“, das Museu Etnològic, das Museo de La Mar und das Archäologische Museum Dénias. Junge Winzer experimentieren wieder mit den alten Trauben und produzieren bei weitem nicht nur Süßweine oder den sprittigen Mistela, den Sherry für Arme, sondern beachtenswerte Tropfen. www.rutadelsriuraus.es

Ein altes verfallenes Gebäude mit Bögen, in denen früher Rosinen getrocknet wurden.
Heute oft nur noch Ruinen: Riuraus für Rosinen an der Costa Blanca. © Ángel García

An der Costa del Sol, zehn Kilometer hinter Vélez-Málaga, gibt es im kleinen „weißen Dorf“ Almáchar ein Rosinen-Museum zu besuchen. Wie wichtig die getrockneten Trauben hier wurden, wird klar, wenn wir einen „Eisbecher Málaga“ bestellen: Die Rosinen darin sind sozusagem im eigenen Saft, nämlich im Málaga-Wein mariniert..

Zum Thema: Tempranillo, Garnacha und Co: Spaniens Rebsorten und Weine im Überblick.

Olivenöl-Museen in Antequera und Baeza

oliven olivenöl aus spanien
Tafeloliven und Olivenöl aus Spanien gehören zur Lebensessenz des Landes. Der Weltmarkt macht es ihnen nicht leicht. © Pixabay

Oliven und Olivenöl sind für Spanien noch prägender als der Wein. Vor allem durch Andalusien reist man fast ununterbrochen durch Oliven-Wälder. In Antequera, rund 45 Kilometer nördlich von Málaga, befindet sich der Sitz der DCOOP, der weltgrößten Kooperative für Virgen Extra, in der tausende Olivenbauern zusammengeschlossen sind. Neben der modernen Produktionshalle hat die Firma ein kleines Gehöft zum Museo del Aceite de Oliva restauriert und umgebaut, stellt eine 2.000 Jahre alte Ölmühle aus der Zeit der Römer sowie deren Nachfolger durch die Jahrhunderte aus. Es gibt Verkostungen und viele Infos rund um Sorten und Qualitäten, dieses spanischen Lebenssaftes. Voranmeldungen: museo@dcoop.es. Ein weiteres, vielleicht das schönste und umfassendste Olivenöl-Museum in Spanien findet sich in Baeza in Jaén, im Herzen des spanischen Oliven-Waldes:

Brotmuseum in Alhaurín El Grande

In Alhaurín el Grande, quasi einem Vorort von Málaga, findet sich das „Museo del Pan“, das Brotmuseum, das erste seiner Art in Spanien, eröffnet 2007. Gegründet hat es der Bäcker und Unternehmer Antonio García, der sich in seinem El Colmenero de Alhaurín der alten Backtraditionen angenommen hat, die sich in Spanien allmählich wieder gegen die Massenindustrie behaupten lernen. Die essentielle Bedeutung unseres „täglich Brot“ erkundet das Museum auf zwei Etagen, einschließlich einer funktionsfähigen Mühle aus der Zeit der Mauren. In einer Werkstatt können Besucher selbst backen, es gibt eine Cafeteria mit vielen Teigwaren und einen Museumsladen.

Honig-Museum Colmenar

Honig ist zwar kein Produkt besonders spanischer Prägung, aber doch ein Wunder der Natur, das in Spanien vor allem durch die Mauren zu hohen Ehren kam, wenn wir nur an die Vielzahl von Süßigkeiten denken, die uns die arabische Kultur vermacht hat. In Colmenar, einem Örtchen am Nordrand der Montes de Málaga, finden wir das Museo de la Miel, das Honigmuseum, das neben der kulturhistorischen Betrachtung vor allem didaktisch wertvoll ist, in Form von Kursen für Erwachsene, Werkstätten für Schüler und Aufklärung darüber, dass die Honigbiene nicht nur für den Honig wertvoll, sondern für unseren Ernährungszyklus praktisch unverzichtbar ist. Besuche nach Voranmeldung: www.museodelamiel.com

Kastanien-Museum Pujerra

Ein wirklich verträumtes Nest ist dieses Pujerra, mitten in den Bergen nahe der Grenze zur Provinz Sevilla, rund 15 Kilometer nördlich von Estepona gelegen. Hier werden die Bäume höher und belaubter, ganze Kastanienwälder, wie man sie sonst erst wieder im Norden Spaniens oder Portugals sieht, prägen Landschaft und auch die gastronomische Geschichte der Gegend, dem Valle de Genal. Seit 2012 gibt es das Museo de la Castaña hier, einschließlich eines typischen Hauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Vielzahl von Rezepten hat Pujerra mit der Kastanie entwickelt, im Museum werden sie erklärt, in den umliegenden Lokalen gegessen.

Reismuseum in Valencia und Cullera

reispfanne mit schwarzem reis aus alicante
Arroz negro, Schwarzer Reis aus Alicante. Die spektakuläre Optik kommt von der Tinte des Tintenfischs. Der Geschmack von der eleganten Brühe. © Pixabay

In Valencia kommt man um den Reis nicht herum. Die originale valencianische Paella und die kreativen Reisgerichte von Alicante sind omnipräsent in den Lokalen, der Reisanbau prägte die Kultur einer ganzen Region und ist bis heute eines ihrer wichtigsten Markenzeichen. In Cullera, im Süden des Reis- und Naturparks Albufera gelegen, haben sie dem Reis sozusagen einen Tempel errichtet. Die alte Ermita dels Sants de la Pedra, der Schutzheiligen der Reisernte aus dem 13. Jahrhundert wurde zum Reismuseum umgestaltet. und in Valencia Stadt in der Calle Rosari 3 befindet sich ein Reismuseum in einer alten Mühle. Auch das Ethnographische Museum in Pego, ist durch die Reiskultur geprägt, immerhin befindet sich hier noch immer ein bedeutendes Anbaugebiet, vor allem für den Bomba. Dass Alicante noch kein richtiges Arroz-Museum hat, liegt daran, dass sämtliche Alicantiner in der Küche stehen, um die Valencianer mit ausgefallenen Reisgerichten zu provozieren.

Turrón in Jijona

Turron-Museum von Jijona
Blick ins Turrón-Museum von Jijona. © Fábrica El Lobo

Der Turrón, der spanische „türkische Honig“, ebenfalls ein gastronomisches Erbe der Mauren, fehlt auf keiner spanischen Weihnachtstafel. Seine Hauptstadt ist Jijona unweit von Alicante. Das Turrón-Museum in Jijona ist Teil der 1880 gegründeten Turrón-Fabrik El Lobo und beinhaltet bei Anmeldung auch eine Betriebsführung. Hier wird die Herstellung ebenso erklärt, wie die einzig wahren Zutaten und Rezepte. Denn wie bei vielen Produkten, widerfährt auch dem Turrón durch die Lebensmittelindustrie eine teils entstellende Metamorphose. Hintergrundwissen aus dem Museum hilft so bei der nächsten Kaufentscheidung und rettet damit wichtige Traditionen, nicht nur beim Turrón.

Schokolade in Villajoyosa

Praktisch neben der Turrón-Hauptstadt Spaniens liegt gleich die Schokoladenhauptstadt, Villajoyosa. Dort im „Freudendorf“ ist nämlich der Sitz der Marke Valor, in dessen Kakao die Spanier bevorzugt ihre churros tunken, ohne die sie nicht bis zum Abendessen überleben würden. Das Museo del Chocolate Valor führt durch 500 Jahre Kulturgeschichte von Mexiko nach Alicante. Alte Maschinen werden gezeigt, fünf Generationen Valor-Firmenstolz. Alles schön und gut, doch die Besucher streben zur Verkostung am Ende. Der Besuch ist mit Führung möglich, auf Spanisch und Englisch und kostenlos bei Voranmeldung. Zum Schokoladen-Museum in Villajoyosa.

Zum Thema: Unterhaltsame Rundreise durch Spaniens Küchen und Regionen.

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