Platz in Sanlúcar de Barrameda
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Sanlúcar de Barrameda. Eine Perle am Golf von Cádiz und 2022 Spaniens Gastronomie-Hauptstadt.

Tapas und Touren

Gastronomie-Hauptstadt Spanien 2022: Langostinos und Manzanilla am Golf von Cádiz

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Sanlúcar de Barrameda ist Gastronomie-Hauptstadt Spaniens 2022. Gefeiert werden nicht nur andalusische Leckerbissen und Lebensart, sondern auch 500 Jahre Weltumsegelung. Ein kulinarischer Reisetipp.

Cádiz - Die Gastronomiehauptstadt Spaniens 2022 liegt wieder in Andalusien. Sanlúcar de Barrameda in der Provinz Cádiz übernimmt den Titel von Murcia, das ihn wegen Corona zwei Jahre inne hatte. Der Titel ist nicht nur eine ehrenvolle Formsache, sondern verbunden mit einer Vielzahl von Programmangeboten über das Jahr verteilt, darunter kulinarische Stadttouren, Kochkurse, Publikationen und öffentliche Koch-Events.

Die Juroren haben Sanlúcar de Barrameda nicht nur wegen ihrer zwei Highlights zur Gastronomie-Hauptstadt Spaniens 2022 gewählt: die Garnelen „Langostinos de Sanlúcar“ und den Manzanilla-Sherry (seit 1964 Teil der geschützten Herkunftsmarke Denominación de Origen Jerez), sondern wegen der gastlich gelebten Lebensfreude an den Stränden von Cádiz zwischen Tradition und Innovation und der Verbindung einer weltoffenen Stadt mit der Natur am Naturpark Doñana, lautet die Begründung.

Tapas und Galeeren-Suppe: Die besten Gerichte in Sanlúcar

Die Langostinos spielen eine zentrale Rolle in Sanlúcar, eine Flotte von 55 Fischerbooten hat sich auf deren Fang spezialisiert, 2020 haben diese 2,9 Millionen Euro Umsatz mit 146 Tonnen des besonders großen und fleischigen Krustentiers gemacht. Doch sie sind nicht die einzige Spezialität, mit der das charmante 70.000 Einwohner-Städtchen punktet, sondern natürlich auch mit dem in Andalusiens Küche allgegenwärtigen pescaíto frito, zu dem hier die acedías (eine Seezungenart), die mit ihm verwandten, sogenannten „tapaculos“ (Hintern-Zudecker) sowie die chocos (kleine Tintenfische) gehören, auch als almendritas oder castañitas bekannt, die im ganzen frittiert werden.

Kongeniale Tapas-Kombi: Die Langostinos aus Sanlúcar mit Manzanilla-Sherry.

Kleine Garnelen, die camarones, werden in einer ajillo-Sauce mit Spiegeleiern als Tapa serviert, natürlich auch in die berühmten tortillitas verarbeitet, eine Art Garnelen-Tacos. Geschwenkte Kartoffeln mit melva (eine Thunfischunterart), Teufelsfisch (rape) al pan frito, Rochenfilet in Bitterorangensauce sowie die „guisos marineros“, Eintöpfe mit Meeresfrüchten und Fisch, Fadennudeln mit Muscheln oder Suppen, die ihren Ursprung auf den Fischkuttern haben, gehören ebenso zum Küchenkanon der Stadt. Und als Reisgericht ist in Sanlúcar der arroz con pato, Reis mit Ente populär, denn die Schnattertiere fühlten sich in den seichten Gewässern der Flussmündung des Guadalquivir immer wohl.

Als ureigenstes Gericht der Gegend gilt die „Galeerensuppe“, bei der mit Weißbrot eine sämige Suppe bereitet wird, die galera allerdings ist nicht das Gefangenenschiff, sondern bezeichnet eine Garnele, die etwas schwer zu schälen ist und relativ wenig Fleisch hat, dafür aber einen kräftigen Geschmack zur Brühe beiträgt. Früher als Beifang unverkäuflich, gelangte sie in die „Armensuppe“, heute ist die, anderswo als „carabela valenciana“ bekannte Garnele, eine Spezialität auch in der gehobenen Küche.

Lebenselixier Sherry: Tour durch die Bodegas

Der gastronomiesche „Gordo“ geht 2022 an Sanlúcar de Barrameda, das im gleichen Jahr auch 500 Jahre Weltumsegelung feiert.

150 Bars und Restaurants hat Sanlúcar, sechs Kilometer Strände, 870 Hotelbetten und 464 Ferienapartemens zu vermieten. Allein 21 Sherry-Bodegas mit eigener Solera-Verarbeitung, darunter einige über 200 Jahre alt, sollten Grund genug für einen Ausflug in das Städtchen sein. Bürgermeister Víctor Mora Escobar hat angekündigt, die gastronomischen Events mit den Festlichkeiten zu 500 Jahren erster Weltumseglung zu verbinden, die 1519 von Sanlúcar startete und hier 1522 mit einem triumphalen Einzug erfolgreich endete. Zumindest für Co-Kapitän Juan Sebastián Elcano, während der berühmter gewordene Magellan mit dem Großteil der Mannschaft bekanntlich auf der Strecke blieb.

Und womöglich hat Sanlúcar bald noch eine Attraktion zu bieten. Denn unweit von hier fanden Archäologen unter und über Wasser Strukturen einer antiken Stadt und mittendrin - so ihr Verdacht - der sagenumwobene Tempel des Herkules, nachdem Spanien seit Jahrhunderten sucht.. Gastronomie und Archäologie, gehen in Andalusien ohnehin gern Hand in Hand, besieht man, was Historiker alles so in Bars finden.

Informationen und alle Events zum Gastro-Jahr in Sanlúcar erscheinen sukzessive auf:

www.capitalespanoladelagastronomia.es. Weitere Informationen über den Tourismus www.sanlucarturismo.com.

Zum Thema: Flamenco auf dem Teller - Die Küchen Andalusiens.

Zum Thema: Über die Dörfer - Entdeckungen im „unbekannten“ Spanien

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