Schild des Restaurants Can Culleretes in Barcelona.
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Das „Löffelhaus“ ist eine feine Restaurant-Adresse in Barcelona seit 1786.

Spaniens älteste Lokale

Bringt Löffel, Mädchen! - Spaniens älteste Bars und Restaurants

  • vonMarco Schicker
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Lokale mit Geschichte(n) – Die ältesten Gasthäuser Spaniens, Zeitzeugen, lebendige Museen und Tipps für Reise und Ausflug.  

Restaurants und Bars, die seit Generationen in Familienbesitz sind, müssen irgendetwas richtig machen. Schlechte Küche, miese Behandlung oder warmes Bier verzeihen Spanier noch weniger als andere Kneipengänger, haben sie doch pro Kopf die größte Auswahl.

Die zwei ältesten noch in Betrieb befindlichen Lokale Spaniens befinden sich in Sevilla. Das „Eckchen“ ist seit 1670 durchgehend geöffnet und hatte gerade seine 350-Jahrfeier. Eigentlich ist die Antigua Taberna de Las Escobas, die „Besenkammer“, älter, aber sie war seit ihrer ersten Erwähnung 1386 nicht durchgehend geöffnet, sondern in verschiedenen Häusern und mit Unterbrechungen von zum Teil einigen Jahrzehnten. Beide Lokale haben sich ihr historisches Ambiente bewahrt, das „Rinconcillo“ hat geradezu legendären Status, über Sevilla hinaus.

Die Antigua Taberna de Las Escobas in Sevilla. Seit 1386 soll es an diesem Ort Gastwirtschaften gegeben haben.

Von Barcelona bis Madrid: Alte Lokale in Spanien

Das drittälteste Lokal in Spanien führt uns nach Madrid, das immer eine Städtereise und eine Tapas-Tour durch die vielen Kneipen von Madrid lohnt. Im „Botín“ wurde bereits 1725 von der gleichnamigen Familie der Ofen angeschmissen, der bis heute zu bewundern und immer noch nicht ausgegangen ist. Angeblich soll 1765 hier der Maler Francisco Goya als Tellerwäscher gejobbt haben, möglich aber auch, dass diese Geschichte dem Weingeiste entsprungen ist. Das Botín erscheint in einigen literarischen Werken als Spiel- und Tatort und schaffte es auch ins Guiness-Buch der Rekorde. Besuchern hier sei das Cochinillo de Segovia angeraten, ein Spanferkel, das man in dem alten Ofen bereitet.

Das „Can Culleretes“ in Barcelona öffnete seine Pforten 1786, da hatte Mozarts Figaros Hochzeit gerade Uraufführung. Das Gasthaus in der Calle Quintana unweit der Ramblas ist heute ein feines und das wohl bekannteste Lokal Barcelonas im hier so typischen Modernismus-Stil gehalten. Der Name „Haus der Löffel“ ist entstanden, weil die Kellner häufig „¡Noies, culleretes!“ (Mädels, Löffel!) in die Küche riefen, wenn die im Gastraum mal wieder ausgingen. Die Gäste nahmen diesen Spruch auf und das Lokal ihn als Namen an. Gepflegt wird hier eine gehobene Marktküche nach bewährten, bürgerlichen Rezepten, außerdem führt man sein eigenes Bier. Die Preise sind erstaunlich erträglich.

Unsere kleine Zeitreise führt uns nach Aragón. In Zaragoza eröffnete 1825 eine französische Wirtsfamilie die „Casa Lac“, zunächst als Konditorei, später baute man den ersten Stock zum Speisesalon um. Seit 2008 schwingt hier Ricardo Gil den Kochlöffel und hat sich auf Gemüse spezialisiert, das er auf eigenen Feldern kultiviert.

Blick ins „Botín“, das drittälteste Restaurant Spaniens, das seit 1725 in Madrid Gäste empfängt. War der Maler Goya hier Tellerwäscher?

Wieder in Barcelona schreibt dort das „Set Portes“ am Passeig d’Isabel seit 1836 seine Geschichte. Gründer Josep Xifré war von den Verandas in Paris so begeistert, dass er seinem Lokal sieben Eingänge unterschiedlicher Stilistik verpasste und damit auch den Namen „Sieben Türen“. Es gibt allerdings acht Türen hier, eine für das Personal, was ja auch etwas über deren Status sagt. Früher gingen Politiker und auch Geistesgrößen hier ein und aus, heute soll man hier die besten Paellas und Reisgerichte Barcelonas bekommen.

Restaurants mit Geschichte von Valencia bis Almería

Dem wird man in der „Bodega Montaña“ in Valencia natürlich widersprechen, denn die Stadt ist ja nicht nur der Hüter des Grals, sondern auch der Gralshüter der Paella. Seit 1836 befindet sich das Lokal im Hafenviertel Canyamelar, das als ältestes Valencias gilt. Dessen Betreiber Emiliano García, Vater und Sohn, bemühen sich seit 1994 um eine Fusion aus Tradition und Moderne auf dem Teller. Nach Auskunft internationaler Fachmagazine auch mit einigem Erfolg.

„Als das Lhardy 1839 eröffnete fuhr noch der Wassermann durch die Straßen und wurden Zarzuelas getanzt“, leiten die Wirte in der Carrera de San Jerónimo in Madrid ihre Speisekarte ein. Spätromantisches Ambiente durchzieht den Hauptsaal und die fünf Salons, den Weißen, Japanischen, Sarasate und so weiter. Ein Jahr später, 1840, sperrte das „Paz Nogueira“ in Santiago de Compostela auf, das es auf sieben Speisesäle und 3.000 Quadratmeter bringt. Es war schon immer das Lokal für Hochzeiten und Todesfälle und bleibt bis heute der galizischen Küchenkultur mit seinen unendlich reichen Meeresfrüchten treu.

Seit 1864, mittlerweile in achter Generation, leitet die Familie de Rueda die Geschicke des El Rinconcillo in Sevilla.

Als letztes schafft es noch die „Casa Puga“ in Almería in die Top Ten der (wahrscheinlich) ältesten Lokale Spaniens. In der Calle Jovellanos begrüßt seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts eine grundehrliche Tapas-Bar mit feinen Schinken, den Zwerg-Sepias chipirones und natürlich dem andalusischen pescaito frito, eingerahmt ist all dies von vielen Fotos, alten Brandyflaschen und Sherry-Fässern.

Restaurants an der Costa Blanca: Lokale mit Geschichte in Alicante und Umgebung

Für kürzere Ausflüge in Alicante und Umgebung bietet sich auch eine Liste von lange in Familienhand befindlicher Lokale. Die meisten sind nicht gar so alt und so spektakulär wie die Top Ten, aber jedes ist für sich ein Unikat. Wie das Hotel „Pou de la Neu“ auf 1.100 Metern Höhe bei Jijona mit uralten Natursteinrundbauten.

Als eines der ältesten Lokale Alicantes gilt die „Mesón de Labradores“ in der gleichnamigen Straße der Altstadt. Hier müssen Sie die patatas a lo pobre, vor allem aber das „Chupi-Chupi“ probieren, ein Montadito mit einer hausgemachten Sauce zum Fingerablecken.

Weitere Adressen wirklich noch familiengeführter Lokale sind das „Mesón el Vizcayo“ in Castalla, wo der Gazpacho manchego regiert, dieser deftige Suppentopf auf Karnickel- und Coca-Basis. Bei Elche geht man ins „La Masía de Chencho“, am Kilometer 62 zwischen Murcia und Alicante, zwischen Palmen- und Olivenhainen gelegen. Auf ein Bier und eine Tapa, am besten die „Merlucitos“, geht´s in die Cervecería Juanito unweit des Bahnhofs, diese Bar ist nicht „schön“, aber seit den 60ern in Familienbesitz. Wie gesagt. Irgendwas macht man dort richtig.

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