Eine Verkäuferin verkauft Turron an zwei Männer
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Turrón aus Alicante darf in Spanien an Weihnachten nicht fehlen

Weihnachten in Spanien

Weihnachten in Spanien: Turrón - Weißes Gold aus Alicante - Herkunft, Zutaten, Tipps für den Kauf

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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  • Daniela Schlicht
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Zur Weihnachtszeit darf in Spanien Turrón aus Alicante nicht fehlen. Allerdings gibt es beim Kauf der süßen Spezialität, einem Erbe der Mauren, einige Aspekte zu beachten.

Süßer Turrón - das weiße Gold aus Alicante - gehört in Spanien zu Weihnachten, zur Navidad, wie Lebkuchen und der Weihnachtsstollen zu Deutschland, der Bûche de Noël zu Frankreich, der Panettone zu Italien. Diese Weihnachts-Süßigkeit darf in keinem Haus fehlen und wird es auch nicht, denn sonst ist Weihnachten nicht wirklich Weihnachten, den angedrohten leeren Regalen in Spanien zum Trotz. Der Turrón erinnert uns stark an den „türkischen Honig“ und er kam, mit den meisten seiner Zutaten, dank der Mauren über die Arabische auf die Iberische Halbinsel.

Bereits im 11. Jahrhundert schrieb ein arabischer Arzt über „turun“ in einer Abhandlung über die Gesundheit und das Essen. Seit der Zeit Karls V. ist die Kalorienbombe im christlichen Spanien verbrieft, seit Ende des 16. Jahrhunderts auch als traditionelle Süßigkeit zu Weihnachten. Kinder stellten früher vor dem 6. Januar ein Tablett mit gezuckerten Mandeln, drei Gläsern süßem Wein und Turrón für die Heiligen Drei Könige vor die Tür, als Hoffnung und Dank für reiche Gaben.

Turrón aus Alicante: Weißes Gold aus Honig, Mandeln, Nüssen oder Trockenfrüchten

Die Verbindung von Süße und Energie und die schier unverderblich-konservierende Verbindung des Honigs mit den Mandeln, Nüssen oder Trockenfrüchten machten aus ihm einen Klassiker und in früheren Zeiten auch einen Wertgegenstand, der mitunter sogar als Lohnersatz ausgezahlt wurde und bis weit nach Weihnachten halten sollte. Weißes Gold. In manchen spanischen Familien gibt es noch die Tradition, den Turrón nicht vor dem Heiligen Abend anzurühren, eine Mahnung an die Sparsamkeit, die es auch in Sachsen beim Weihnachtsstollen gibt.

Heute ist der Turrón ein Handwerk und eine Industrie, eine spanische Spezialität, die untrennbar mit der Herkunftsbezeichnung alicantino verbunden ist, auch wenn sie nicht nur hier hergestellt wird. Denn auch im katalanischen Lleida sowie in der Gegend um Toledo und im Südosten der Extremadura wird Turrón auf hohem Niveau produziert. Unbestritten jedoch ist das alicantinische Jijona (auf Valencianisch Xixona) seine Hauptstadt. Vor allem die des „turrón blando“, der weichen Variante, während man in Alicante selbst eher den harten „Plombenzieher“ bevorzugt.

Harter und weicher Turrón aus Alicante und Jijona sind die Klassiker an Weihnachten in Spanien.

Und Alicante hat sich generell zu einer Art Weihnachtslieferant für ganz Spanien entwickelt, denn neben dem Turrón de Alicante, liefert die Provinz seit Jahrzehnten Spielzeug aus Ibi, dessen traditionelle Hersteller drei Viertel ihres Jahresgeschäftes am Jahresende machen.

90 Prozent aller blühenden Weihnachtssterne Spaniens kommen mittlerweile aus der Provinz Alicante, genau genommen aus Mutxamel und Elche. Und vergessen wir nicht die unverzichtbaren Silvestertrauben, die vor allem aus dem Tal des Vinalopó stammen. Jährlich erwirtschaftet die Weihnachtsindustrie Alicantes knapp eine Milliarde Euro und somit fast ein Prozent der Wirtschaftsleistung der gesamten Region Valencia.

Welche Aspekte man beim Kauf von Turrón in Spanien beachten sollte

Um sich beim Kauf des Turrón zurecht zu finden, sollte man ein paar Aspekte beachten. Denn wie bei vielen guten Dingen, rührt auch beim Turrón die Profitgier mitunter eigenartige Mischungen an. Es gibt durchaus sehr guten Turrón auch aus Großproduktion, aber eben auch Zuckerbarren, die praktisch nur noch den Namen des Weihnachtsklassikers tragen, sonst aber mehr an überdimensionierte Schokoriegel erinnern.

Da wird Honig nur noch tröpfchenweise einer billigen Zuckermasse beigemengt, importierte Erdnüsse statt heimischer Mandeln verwendet, bei den schokoladigen Varianten minderwertige, vor Palmfett strotzende Surrogate beigemischt. Etliche Zusatzstoffe müssen für Farbe und Haltbarkeit herhalten, die gute Ausgangsstoffe von Haus aus mitbrächten. Wer auf handgemachten Turrón setzt, zahlt etwas mehr, wird aber Gewinner sein.

Echter Turrón aus Spanien - Herkunftsschutz beachten

Der echte Turrón besteht im Wesentlichen aus einer Mischung aus Honig und Zucker, die erhitzt, regelrecht gekocht wird und der geröstete, geschälte Mandeln untergerührt werden. Die Art des Ausrollens, des zweiten Auskochens, der Trocknung und Lagerung entscheidet über die Charakteristik. Die alten Rezepte aus Jijona und Alicante sind mit dem Herkunftszertifikat „Denominación de Origen“ nicht nur geographisch geschützt, sondern unterliegen damit auch einem strengen, auf den Überlieferungen aufbauenden Reglement beim Herstellungsprozess, der sogar die Verwendung bestimmter, traditioneller Gerätschaften vorschreibt. Allerdings ist der Name „Turrón“ selbst nicht geschützt, weshalb der qualitätsbewusste Käufer auf die „Denominación de Origen“ im Kleingedruckten achten sollte.

Die Originalen Turrones mit Herkunftsbezeichnung:

  • Turrón de Jijona: Der „weiche“ Turrón, honigfarben mit leicht karamelliger Note und ausschließlich mit Mandeln.
  • Turrón de Alicante: Der Herstellungsprozess ist dem aus Jijona ähnlich, mit Eiklar und einem anderen Timing beim Kühl- und Trocknungsprozess erhält man die festere Variante.
  • Traditionelle Varianten (turrones de obrador): Turrón de Yema (mit kandiertem Eigelb), de Nieve (Puderzucker), de nueces (Walnüsse) und andere frutos secos (Trockenfrüchte, z.B. Orangeat)

Die Modernen:

  • Alle Varianten mit Schokolade gehören zur Neuzeit, der Herstellungsprozess weicht hier ab bis zu einem Punkt, dass es sich bei vielen Produkten nur noch um Blöcke in Turrón-Form handelt, es in Wahrheit aber dicke Schokoladetafeln sind. In Mode ist der Turrón de Coco, der „Crujiente“, also mit Schokolade und knusprigen Zutaten, Rumrosinen, Trüffel, Whisky, ja sogar Kiwi und Oreos werden hineingemischt. Es gibt längst schon Turrón-Eis und Milchshakes. Die experimentelle Cuisine „dekonstruiert“ und serviert Turrón mit Gänseleber, Käse und sogar als Gin Tonic.

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