Zwei Bäcker bearbeiten Masse für Turrón in Alicante.
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Das Kneten, Schlagen und Teilen der Turrón-Masse ist uralte Handwerkskunst. Hier in einer Manufaktur in Villajoyosa, Alicante.

Süße Weihnachten in Spanien

Weihnachten in Spanien nur mit Turrón - Weißes Gold aus Alicante

  • vonMarco Schicker
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Was die Lebkuchen und der Weihnachtsstollen für Deutschland, der Bûche de Noël für Frankreich, der Panettone in Italien, ist der Turrón für die Spanier. Alicante ist sein Zentrum.

Alicante – Der Turrón ist die Weihnachtssüßigkeit, die in keinem Haus in Spanien fehlen darf und auch nicht wird. Sonst ist Weihnachten nicht wirklich Weihnachten. Der Turrón erinnert uns stark an den „türkischen Honig“ und er kam, mit den meisten seiner Zutaten, dank der Mauren über die Arabische auf die Iberische Halbinsel.

Turrón de Alicante: Türkischer Honig ins Spanische übersetzt

Bereits im 11. Jahrhundert schrieb ein arabischer Arzt über „turun“ in einer Abhandlung über die Gesundheit und das Essen. Seit der Zeit Karls V. ist die Kalorienbombe im christlichen Spanien verbrieft, seit Ende des 16. Jahrhunderts auch als traditionelle Weihnachtssüßigkeit. Kinder stellten früher vor dem 6. Januar ein Tablett mit gezuckerten Mandeln, drei Gläsern süßem Wein und Turrón für die Heiligen Drei Könige vor die Tür, als Hoffnung und Dank für reiche Gaben. Und er ist ein Muss nach dem traditionellen spanischen Weihnachtsessen.

Die klassischen Varianten des Turrón, hart und weich, mit Mandeln, Honig und Zuckerwasser hergestellt.

Die Verbindung von Süße und Energie und die schier unverderblich-konservierende Verbindung des Honigs mit den Mandeln, Nüssen oder Trockenfrüchten machten aus ihm einen Klassiker und in früheren Zeiten auch einen Wertgegenstand, der mitunter sogar als Lohnersatz ausgezahlt wurde und bis weit nach Weihnachten halten sollte. Weißes Gold. In manchen Familien in Spanien gibt es noch die Tradition, den Turrón nicht vor dem Heiligen Abend anzurühren, eine Mahnung an die Sparsamkeit, die es auch in Sachsen beim Weihnachtsstollen gibt.

Der echte kommt aus Alicante: Turrón-Hauptstadt Jijona

Heute ist der Turrón ein Handwerk und eine Industrie, eine spanische Spezialität, die untrennbar mit der Herkunftsbezeichnung alicantino verbunden ist, auch wenn sie nicht nur hier hergestellt wird, denn auch im katalanischen Lleida sowie in der Gegend um Toledo und im Südosten der Extremadura wird Turrón auf hohem Niveau hergestellt. Unbestritten jedoch ist das alicantinische Jijona (Xixona) seine Hauptstadt - kürzlich hatte eine der traditionellen Turrón-Fabriken dort mit einem Feuer zu kämpfen - vor allem die des „turrón blando“, der weichen Variante, während man in Alicante selbst eher den harten „Plombenzieher“ bevorzugt.

Spielzeug, Weihnachtssterne, Turrón: Weihnachtsland Alicante

Und Alicante hat sich generell zu einer Art Weihnachtslieferant für ganz Spanien entwickelt, denn neben dem Turrón de Alicante liefert die Provinz seit Jahrzehnten Spielzeuge aus Ibi, deren traditionelle Hersteller drei Viertel ihres Jahresgeschäftes am Jahresende machen. 90 Prozent aller blühenden Weihnachtssterne Spaniens kommen übrigens mittlerweile aus Mutxamel und Elche.

Mandeln aus Valencia für den Turrón. Beste Zutaten sind Voraussetzung für ein gutes Produkt. Leider verarbeitet die Industrie heute fast alles zu „turrón“.

Vergessen wir neben dem Turrón nicht die unverzichtbaren Silvestertrauben, die vor allem aus dem Tal des Vinalopó stammen. Jährlich erwirtschaftet die Weihnachtsindustrie Alicantes knapp eine Milliarde Euro und somit fast ein Prozent der Wirtschaftsleistung der gesamten Region Valencia.

Turrón: Worauf man beim Kauf achten sollte

Um sich beim Kauf des Turrón zurechtzufinden, sollte man ein paar Aspekte beachten. Denn wie bei vielen guten Dingen rührt auch beim Turrón die Profitgier mitunter eigenartige Mischungen an. Es gibt durchaus sehr guten Turrón auch aus Großproduktionen, aber eben auch Zuckerbarren, die praktisch nur noch den Namen des Weihnachtsklassikers tragen, sonst aber mehr an überdimensionierte Schokoriegel erinnern.

Da wird Honig nur noch tröpfchenweise einer billigen Zuckermasse beigemengt, importierte Erdnüsse statt heimischer Mandeln verwendet, bei den schokoladigen Varianten minderwertige, vor Palmfett strotzenden Surrogate beigemischt. Etliche Zusatzstoffe müssen für Farbe und Haltbarkeit herhalten, die gute Ausgangsstoffe von Haus aus mitbrächten. Wer auf handgemachten Turrón setzt, zahlt etwas mehr, wird aber Gewinner sein.

Echter Turrón: Herkunftsschutz beachten

Der echte Turrón besteht im Wesentlichen aus einer Mischung aus Honig und Zucker, der erhitzt, regelrecht gekocht wird, und der geröstete, geschälte Mandeln untergerührt werden. Die Art des Ausrollens, des zweiten Auskochens, der Trocknung und Lagerung entscheidet dann über die Charakteristik.

Turrón aus Xixona: Im Turrón-Museum werden verschiedene Marken und Arten vorgestellt.

Die alten Rezepte aus Jijona und Alicante sind mit dem Herkunftszertifikat „Denominación de Origen“ nicht nur geographisch geschützt, sondern unterliegen damit auch einem strengen, auf den Überlieferungen aufbauenden Reglement beim Herstellungsprozess, der sogar die Verwendung bestimmter, traditioneller Gerätschaften vorschreibt. Allerdings ist der Name „Turrón“ selbst nicht geschützt, weshalb der qualitätsbewusste Käufer auf die „Denominación de Origen“ im Kleingedruckten achten sollte.

Im Museo del Turrón, auf dem Fabrikgelände von El Lobo an der Carretera N-340 kurz vor Jijona werden Gruppenführungen und Verkostungen angeboten, auch auf Deutsch. Natürlich gibt es dort auch Turrón zu erwerben.

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