Tempranillo Trauben in Reihenanbau in Spanien.
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Tempranillo ist die Weintraube für Rotwein aus Spanien. Die besten Tropfen aus La Rioja und Ribera del Duero werden daraus gekeltert.

Wein aus Spanien

Spaniens Wein und Rebsorten im Überblick: Tempranillo, Garnacha & Co

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Spanien besteht bei seinen Weinen seit Jahrhunderten auf den eigenen Rebsorten. Der Erfolg gab dem Weinland meistens recht. Was Tempranillo, Moscatel, Monastrell, Garnacha, Bobal, Airén, Verdejo und Albariño ausmachen. Eine kleine spanische Rebkunde.

Valencia - Die Traube und das Klima machen den Most, aber Boden und Keller den Wein. Diese alte Winzerweisheit gilt auch für Spanien und weist schon darauf hin, dass allein mit der Geschichte und Charakterisierung von Rebsorten wenig über den Geschmack oder die Qualität eines Weines zu erfahren sein wird. Einen Hinweis, eine Idee geben die Trauben aber doch, zumal, wenn ein Weinland wie Spanien, mengenmäßig der größte Weinproduzent der Welt, seit Jahrhunderten auf seinen eigenen Rebsorten beharrt und die Moden des globalisierten Weinmarketings hierzulande nur wenig Wirkung entfalten.

Wein aus Spanien: Angepasste Rebsorten trotzen Klima

Das hängt zum einen mit den klimatischen Limits zusammen, weite Teile des Landes sind schlicht zu heiß und zu trocken für Riesling, Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Doch in der nachweislich mindestens 6.000 Jahre alten Weinbautradition auf der iberischen Halbinsel versuchten Bacchus` Jünger immer wieder, dieses Manko zu überwinden. So finden wir noch heute in Alpujarra zwischen Granada und Almería Weinberge in über 1.300 Meter Höhe, die höchstgelegenen der Welt, und selbst im fast wüsten Süden Alicantes oder in Murcia, keine 200 Kilometer von Afrika entfernt, wachsen neben Dessertweinen auch rote Reben heran für trockene Weine, die selbst Kenner nicht von der Tischkante schubsen. Die Kunst der Winzer und angepasste Rebsorten machen‘s möglich.

Der andere Grund, warum die önologische Globalisierung an Spanien weitgehend vorbeigeht, hat damit zu tun, dass die klassischen Gebräue so gut und die Konsumenten so traditionsverbunden sind, dass sich Neumodisches nur in Nischen behaupten kann. Spaniens Weine haben dabei sowohl einen guten wie einen schlechten Ruf. Masse statt Klasse heißt einer der Vorwürfe, den die Fans der spanischen Tropfen mit „Viel Wein für wenig Geld“ kontern. Nirgendwo auf der Welt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Wein so günstig für den Konsumenten wie in Spanien.

Zu viel Wein in Spanien: Weniger Ertrag, mehr Sorgfalt

Weinlese in Spanien: Noch sind Weine ohne Sulfite eher die Ausnahme.

Doch auch die Kritiker haben Recht, noch immer wird Wein massenhaft für den Verschnitt exportiert, wild gepanscht und so manche Weinregion, vor allem die großen Flächen in Kastilien, erholen sich nur sehr langsam von diesem Ruf, obwohl ambitionierte Winzer längst das große Potential dieser Regionen nachgewiesen haben. Die bebaute Rebfläche nimmt seit Jahrzehnten konstant ab, die Sorgfalt zu, dabei gewinnen Winzer wie Weinfreunde. Es sind noch immer 950.000 Hektar, eine Fläche so groß wie das Kosovo oder vier mal Luxemburg. Doch seit Jahrhunderten kaufen sich ausländische Winzer und Liebhaber in spanische Weinregionen ein, die das ohne Aussicht auf Profite und gute Tropfen kaum täten.

Um den Wein Spaniens verstehen zu können, müsste man jede der einzelnen Regionen, die sich zum Teil unterscheiden wie die Arktis von der Sahara, wie eine eigene Welt betrachten. Vor allem aber muss man ihn trinken. Der kleine Überblick über die traditionellen Rebsorten in Spanien kann so nur eine Handreichung sein, wenn Sie das nächste Mal im Geschäft orientierungslos das Etikett studieren und von Rebsorten lesen, deren Namen Sie vielleicht noch nie gehört haben. 176 Rebsorten sind in Spanien zugelassen. Viele davon sind reine Verschnittsorten, andere spleenige Kreuzungen für lokale Spezialweine, Experimente von Winzern mit alten Sorten oder Einwanderer aus Frankreich (Cabernet, Chardonnay etc.), auch Deutschland (Riesling, Gewürztraminer) und anderen Weinländern. Wir konzentrieren uns hier auf die häufigsten und die traditionellsten einheimischen Sorten.

Spaniens bester Rotwein: Tempranillo

Der Tempranillo begründet den Ruhm des spanischen Rotweines. Er gilt als autochtones Gewächs der Weinregion La Rioja, quasi dem spanischen Weinkeller schlechthin, dominiert aber auch die Region Ribera del Duero im Norden Kastiliens, von wo die gefeiertsten Roten Spaniens stammen (und die sich in den Duro nach Portugal weiterzieht) und wo sie seit dem 13. Jahrhundert schriftlich belegbar sind. Autochton und Wein, das geht fachlich nicht zusammen, denn praktisch alle Rebsorten sind Kinder vieler Eltern, Spuren verweisen auf das Ebro-Tal als mögliche Wiege.

Besucher in einem der vielen Weinkeller des Rioja.

Der Tempranillo ist an das spanische Klima der gemäßigten Zonen im Inland angepasst, sein Name (übersetzt etwa das Frühchen) verrät, dass er etwas früher reif wird als andere rote Sorten. Aus Tempranillo entstehen Weine mit kräftigem, fruchtigen Körper und mittlerem Reife- und Lagerpotential. Zwar kann Tempranillo assambliert, also mit anderen Weinen kombiniert werden, hat aber ausreichend Komplexität, um auch allein zu bestehen.

Alleskönner in rot und weiß: Garnacha

Noch besser an das spanische Klima angepasst ist die Garnacha-Rebe, die später reift und gut trockene und heiße Sommer übersteht. Die Garnacha gibt es in rot und weiß, wobei die rote Garnacha nicht nur im Ursprungsland Spanien, sondern weltweit eine der am häufigsten angebauten Rotweintraube darstellt. Auch hier streiten sich mehrere Regionen um das „Patent“, Sardinien und Aragón beanspruchen, Urheber dieser Traube zu sein.

Die Garnacha blanca, eine der häufigsten Rebsorten in Spanien und oft auch mit anderen Sorten verschnitten.

Die Garnacha-Traube wird häufig mit anderen Rebsorten verschnitten, sie ist relativ säurearm und hat das Talent, Weine rund zu machen. Geschätzt werden ihre roten Beerennoten ebenso wie ein leicht pfeffriger Pfiff. Neben der roten und der weißen Garnacha gibt es etliche Unterarten, eine davon, die Garnacha tintorera, ist international als Alicante Bouschet unterwegs, die vor allem auch wegen ihrer intensiven Farbe und geschmacklichen Anpassungsfähigkeit in den USA und Frankreich gerne zu Cuvées gemacht wird, ohne, dass der Traubenname auf dem Etikett erscheint.

Missbrauchter Valencianer, neu entdeckt: Bobal

Der Bobal ist ein Valencianer, der lange missbraucht wurde, um Weine aufzumöbeln. Er bringt nämlich eine kräftige Farbe bis ins Violette mit und ist ein Wein, der mitunter so gut und charakterlos sein kann, dass er jedem schmeckt. Dabei hat der tanninreiche Wein mit leichten Kräuternoten und einer mittleren Säure durchaus das Potential, sowohl als junger Roter als auch als fassgelagerte Crianza (ein Jahr Fass, ein Jahr Flasche) zu überraschen. In den letzten Jahren bringen Winzer ihn auch immer häufiger als Rosé zur Geltung und ein Bobal, zumal aus Utiel-Requena bei Valencia ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

Unterschätztes Kraftpaket: Monastrell

Der Monastrell ist mit seinen kleinen dickschaligen Trauben ein weithin unbekanntes und unterschätztes Kraftpaket unter den spanischen Rotweinen. Angeblich soll die Traube bereits 500 v. Christus von den Phöniziern nach Sagunto bei Valencia gebracht worden sein, heute wird sie in weiten Teilen der Welt angebaut, aber oft in der Assamblage verschwiegen. In Spanien steht sie immerhin auf Rang vier bei der Anbaufläche unter den Rotweinen, wird aber in Rioja, Navarra oder Kastilien weiterhin fast nur als Beiwein gekeltert, mitunter macht man Rosé daraus.

In Valencia, Alicante, Murcia (Jumilla) aber erlebt der Monastrell eine Renaissance auch als Solist oder als dominanter Teil von Cuvées mit Syrah, Cabernet oder Merlot. Er ist lange lagerfähig und vollführt im Fass Reifeprozesse, die manchen Franzosen hellhörig werden ließen. In Frankreich war er vor allem während der Reblaus-Krise ein wichtiger Bestandteil des berühmten Rhönweins Châteauneuf-du-Pape. Und ein lange gereifter, als Süßwein ausgebauter Monastrell, der Fondillón, der in Farbe und Abgang fast an einen milden Cognac erinnert, soll der bevorzugte Degistiv des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gewesen sein.

Blasser Massenwein für jeden Geschmack: Airén

Noch nie gehört, stimmt’s? Die weißen Trauben der Varietät Airén stellen jeden vierten Rebstock in Spanien, die meisten davon in Castilla La Mancha, aber auch in Murcia, Andalusien und Madrid. Die Airén ist eine einheimische Sorte, die buschig, also nicht in Reihen gesetzt wird, viel Ertrag bringt, relativ anspruchslos an Boden und Klima ist. Der Wein der Airén reift spät, ist blass und bildet einen „geraden“ Geschmack mit „sauberen“ Aromen aus. Der Sommelier drückt so Langeweile aus. Airén wird häufig assambliert, allein schmeckt er mitunter sprittig oder es dominieren Ästher, die den Tropfen bananig schmecken lassen. Eine Massentraube, die kaum ein Winzer groß auf einem Etikett bewerben wird, aber in vielen weißen Tafelweinen enthalten ist und auch zu Rosinen verarbeitet wird.

Verspielt und pfeffrig: Verdejo

Der Verdejo, das Aushängeschild der Weißweinregion Rueda am spanischen Edelweinfluss Duero und des Nachbargebietes Toro, ist eine europäische Koproduktion, denn hervorgegangen ist er aus einem Traminer (savagnin) und der Castellana blanca. In den vergangenen Jahrzehnten schaffte es der Verdejo zu einer der am häufigsten getrunkenen Weißweine im Inland zu werden, manchmal kombiniert mit Viura oder einem Sauvignon blanc.

Der Wein besticht durch seine intensiven und verspielten Zitrusnoten mit leichten Bittermandelaromen, die trockensten Vertreter erinnern nicht nur durch ihren Grünstich, sondern auch durch spritzige Pfeffernoten an Grünen Veltliner.

Weißer Stern des Nordens: Albariño

Wenn spanischer Weißwein, dann möglichst ein Albariño. Die Traube stammt nicht nur aus Galicien ganz im Nordwesten des Landes, sondern die daraus gewonnenen Tropfen in der Region der Rias Baixas scheinen geradezu dafür gemacht worden zu sein, die hervorragenden Meeresfrüchte Galiciens zu begleiten.

Der internationale Shooting-Star unter den Weißweinen wird mittlerweile auch in Kantabrien und bis nach Katalonien angebaut, Portugal ohnehin. Einer Legende nach ist die Traube ein Erbe der Tempelritter, die sie befreundeten Nonnen übergaben, bevor sie im 13. Jahrhundert vor dem päpstlichen Bann fliehen mussten. Albariño ist, wenn er trocken ausgebaut wurde, sehr komplex, mit fester Säure und kräftig-straight im Geschmack. Ab und an umspielen ihn gerne blumige Aromen, ohne penetrant zu werden.

Liebliche Großfamilie: Moscatel

Beim Moscatel handelt es sich gar nicht um eine Weinsorte, sondern um eine ganze Großfamilie von Rebsorten mit 200 Familienmitgliedern. Ein Moscatel könnte der älteste Wein der Menschheit gewesen sein, den manche Forscher ins alte Ägypten legen. In Spanien ist der Moscatel a grano menudo mit seinen kleinen Trauben (bekannt auch als muscat blanc à petit grains) weit entlang der Levante-Küste und im Süden verbreitet, dazu auch der Moscatel de Alejandría, der aber gar nichts mit Alexandria zu tun haben dürfte, sondern einer griechischen Kreuzung entstammt. Moscatel fabriziert tendentiell süßliche Weine, Rosinen, Tafeltrauben, einschließlich jener für die 12 Mitternachtsschläge zu Silvester.

Tafeltrauben aus Spanien sind oft Moscatel-Trauben. Vor allem im Vinalopó-Tal im Süden von Alicante werden sie angebaut.

Moscatel als eine Basis-Sorte für Sherry und Brandys

Moscatel entfaltet seine lieblichste Wirkung zusammen mit den Weißweinsorten Palomino und Pedro Ximénez, denn diese sind zugelassen für die Herstellung des Sherry, also Vino de Jerez, einem der spanischen Weltwunder. Sie sind es auch, die den großen Brandys (Veterano, Carlos I, Mendoza etc.) die Basis liefern. Auch der Mistela ist ein „vino generoso“ wie der Sherry, wenn auch nie so raffiniert ausgebaut und vollendet. Doch beiden ist gemeinsam, dass mit der Anreicherung durch Alkohol die Gärung abgebrochen wird, weil die Hefebakterien getötet werden. So bleiben Süße und gewünschte Aromen erhalten, vor allem aber wurde so die Haltbarkeit für den Seetransport erhöht, Voraussetzung für den Export nach Großbritannien, dem wichtigsten Sherry-Einkäufer, – natürlich vor dem Brexit.

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