Giftige Gesellen

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Alicante – red/ck. Der Himmel strahlt azurblau, die Sonne scheint, und das Meer breitet sich vor einem paradiesisch türkis aus – die Rote Flagge aber verbietet das erquickende Bad. Die Portugiesische Galeere hat diese Woche die Küstengemeinden an der Costa Blanca in Alarmbereitschaft versetzt. An über 100 Kilometern Strand herrschte auch am Wochenende und mancherorts bis Dienstag absolutes Badeverbot. Nicht ohne Grund: Eine Berührung mit den hochgiftigen Tentakeln der Portugiesischen Galeere kann unter Umständen gar tödlich enden. Ein elfljähriges Kind aus Elche machte unfreiwillig Bekanntschaft mit der Staatsqualle und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Portugiesische Galeere
Mit Portugiesischen Galeeren ist nicht zu spaßen, die Physalia physalis zählt zu den giftigsten Tieren der Welt. Eigentlich sind die zur Gattung der Seeblasen zählenden Staatsquallen im Pazifik und Atlantik, vor den Kanaren und Portugal, heimisch. Sie kamen aber auch schon an der spanischen Nordküste vor, und hielten sich jetzt vor Cádiz, an der Costa del Sol, an der Cálida, vor den Balearen und an der Costa Blanca auf.
Die Portugiesische Galeere oder spanisch carabela portuguesa ist eigentlich kein einzelnes Lebewesen. Es ist vielmehr eine Kolonie aus mehreren Polypen, die sich mithilfe der Schwimmblase der Qualle fortbewegen. Wer mit dem Gift, das sich in den bis zu 30 Meter langen Fangfäden der Qualle befindet und eine Dichte von 1.000 Nesselzellen pro Zentimeter hat, in Kontakt gerät, erleidet heftige Schmerzen und Entzündungen.
Die Qualle trägt einen Giftcocktail aus verschiedenen Eiweißen mit sich, der bei Hautkontakt auf die Nervenzellen des Opfers wirkt. Das kann dazu führen, dass die Muskulatur ständig kontrahiert. Geschwächte, kranke oder allergische Menschen können Atemprobleme bekommen oder einen Herzstillstand erleiden. Generell gehen Meeresbiologen in diesem Sommer eigentlich nicht von einem höheren Quallenaufkommen als normal aus. Die „Hauptanreisezeit“ der Nesseltiere ist eigentlich der August, die meisten erreichen mit den warmen Strömungen die Küste. Am häufigsten kommen Leuchtqualle und Lungenqualle vor, die Portugiesische Galeere gilt als eine Ausnahmeerscheinung.
Die Staatsquallen spülten Stürme im März mit einer Wassermasse aus dem Atlantik durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer. Dort hat der Levante-Wind die Kolonien „aufgewirbelt“ und einzelne Exemplare an die Küste getrieben. Gut möglich, dass die fiesen Nessler noch eine Weile an den Stränden der Küste auftauchen. Schmerzhaft können auch Begegnungen mit der Leuchtqualle, oder der Seewespe werden. Bei Kontakt rät Meeresbiologe César Bordehore von der Universität Alicante, die Reste der Tentakeln mit einer Pinzette zu entfernen oder mit einer Kreditkarte vorsichtig abzuschaben, keinesfalls reiben. Dann die Stelle mit Salzwasser waschen und mit 40 bis 45 Grad heißen Wickeln bedecken. Wem es schlecht geht, wer Kopfschmerzen oder Atembeschwerden bekommt, sollte sofort zum Arzt gehen.

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