Ein Hund liegt mit seinem Kopf auf einem Notebook.
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Dass Home-Office meist alles andere als eine häusliche Idylle ist, davon können Betroffene ein Lied singen. Spanien will jetzt mit einem Gesetz Ordnung in die teletrabajo bringen.

Home-Office in Spanien

Freiwillig ins Home-Office: Spanien regelt Telearbeit per Gesetz

Arbeiten im Home-Office war vor Monaten in Spanien noch weitgehend unbekannt. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich das geändert. Höchste Zeit also, der Telearbeit einen gesetzlichen Rahmen zu verpassen.

Von Thomas Liebelt

Madrid – Die Zwänge der Coronavirus-Krise haben auch in Spanien der Digitalisierung einen Schub gegeben. Die Arbeitnehmer waren dabei flexibler, als man vermuten möchte. Umfragen haben nämlich ergeben, dass sich 80 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sehr wohl mit Home-Office, also der Arbeit von Zuhause aus anfreunden könnten - wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Home-Office in Spanien: Aufschwung durch Coronavirus - Gesetz soll Normen schaffen

Nach Monaten der Verhandlungen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften hat die spanische Regierung in der vergangenen Woche nun ein entsprechendes Dekret verabschiedet. 20 Tage nach dessen Veröffentlichung tritt das Dekret über die Telearbeit in Kraft, anschließend folgt die Beratung als Gesetzesvorhaben im Parlament.

Eine der wichtigsten Änderungen gegenüber dem ersten Regierungsentwurf für das Dekret befasst sich mit Telearbeit in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Jetzt heißt es, dass Unternehmen, die wegen der Pandemie Mitarbeiter ins Home-Office schicken, nicht die neuen gesetzlichen Vorschriften anwenden müssen. Allerdings haben sie die Kosten zu übernehmen, die dem Mitarbeiter mit Telearbeit entstehen. Überhaupt regelt der Gesetzestext im Einzelnen, wie sich die Kosten und Arbeitszeiten im Home-Office verteilen.

Zunächst wird im Real Decreto 28/2020 definiert, was unter Arbeiten im Home-Office zu verstehen ist. Damit die neue gesetzliche Regelung für Telearbeit in Spanien angewendet werden kann, müssen mindestens 30 Prozent der Arbeitszeit im Home-Office erfolgen – und das zudem über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten hinweg. Die Gewerkschaften hätten gerne eine 20-Prozent-Regelung gehabt. Hier konnten sich die Unternehmerverbände durchsetzen. Mitarbeiter im Home-Office genießen im Übrigen die gleichen Rechte wie Mitarbeiter mit Präsenzpflicht.

Home-Office in Spanien: Wer übernimmt die Kosten?

Ebenfalls strittig in den Verhandlungen war die Frage der Übernahme von Kosten. Die jetzige Regelung bürdet den Unternehmen den Großteil auf. Sie müssen dem Mitarbeiter für Telearbeit die nötigen Mittel und Gerätschaften zur Verfügung stellen sowie die Kosten für deren Pflege und Wartung übernehmen. Auch die Kosten für Schulung und Einarbeitung des Mitarbeiters in Telearbeit sind Sache des Arbeitgebers.

Grundsätzlich bedarf es einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der die betrieblich notwendigen Einzelheiten für die Arbeit im Home-Office innerhalb des gesetzlichen Rahmens benennt. Das Gesetz bestimmt für diese Vereinbarung einen sogenannten „obligatorischen Mindestinhalt“, der zwölf Punkte umfasst. Die Vereinbarung muss innerhalb von zehn Tagen dem Betriebsrat zur Billigung vorgelegt werden. Anschließen geht der Text an das Arbeitsamt. Sollte es bereits eine Vereinbarung über Telearbeit in einem Unternehmen geben, bleibt sie bis zu deren Ablauf gültig. Dann erst unterliegt eine neue Vereinbarung der neuen gesetzlichen Regelung.

Die Zeitung El País beschäftigt sich auch mit den isolierenden Auswirkungen und zusätzlichem Stress durch Home-Office:

Flexible Arbeitszeiten im Home-Office in Spanien sind möglich, was vor allem für Arbeitnehmer mit Kindern unumgänglich scheint, die sonst einer unzumutbaren Doppelbelastung ausgesetzt werden, an der auch der Arbeitgeber kein Interesse haben sollte. Allerdings können in der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch feste Zeiten der Verfügbarkeit festgelegt werden. Die tariflich festgelegten Wochenarbeitszeiten sind auch im Home-Office einzuhalten. Maßnahmen zur Kontrolle der Arbeit im Home-Office durch das Unternehmen sind unter Einhaltung bestimmter Bedingungen erlaubt. Telearbeit ist zudem grundsätzlich freiwillig. Das gilt sowohl für den Mitarbeiter als auch für das Unternehmen. Telearbeit kann von beiden Seiten auch wieder rückgängig gemacht werden.

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