Ein Wohnmobil parkt in Calpe, Spanien.
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Camping in Spanien: Viele Europäer haben wegen Corona auf ihren traditionellen Wohnmobil-Urlaub verzichtet.

Campingplätze und Corona

Camping in Spanien: Corona ausgetrickst - Mit Wohnmobil in Grauzone

  • vonAnne Götzinger
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Die Campingplätze Spaniens sind im Winter normalerweise voll. Doch im Corona-Jahr ist auch das anders. Reisebeschränkungen und die zweite Welle schrecken viele ab. Andere wagen die Fahrt in die rechtliche Grauzone.

Villajoyosa – Hin und wieder huscht eine Katze über die leeren Parzellen des Campingplatzes El Torres in Villajoyosa an der Costa Blanca, in anderen Jahren fiel sicher mehr ab für die Streuner. Nur wenige Wohnmobile stehen auf dem Campingplatz am Meer – die meisten sind aus den Niederlanden, Belgien und Großbritannien zum Campen nach Spanien gekommen. „Normalerweise würden in diesen Tagen schon viele Camper ankommen, im Winter ist der Platz voll“, berichtet Carine Manhaviale, die an der Rezeption arbeitet. Doch wegen der Coronavirus-Krise ist eben nichts normal in diesem Jahr 2020. „Die Unsicherheit schreckt viele ab, und viele unserer Gäste sind eben auch schon älter und haben Angst“, meint die Französin.

Der stärkste Monat des Campingplatzes sei, wie bei vielen in Spanien, eigentlich der Februar. „Aber viele haben abgesagt und mitgeteilt, sie möchten dieselbe Parzelle – aber ein Jahr später“, erzählt Manhaviale. Aktuell seien nur 32 Prozent der Parzellen von El Torres belegt, allerdings auch von Wohnwagen oder Caravans, die die – spanischen – Besitzer dauerhaft hier stehen lassen, um dann an Wochenenden oder in den Ferien herzukommen. „Viele sind schon lange nicht mehr dagewesen“, bedauert die Französin. Sowohl in der Rezeption als auch im dazugehörigen Restaurant befindet sich das Personal in Kurzarbeit.

Campen in Spanien trotz Corona: Viele warten ab, dass spanische Regionen wieder aufmachen

In den nächsten Tagen allerdings könnte es auf dem Campingplatz etwas voller werden. Manhaviale weiß von einigen Stammgästen, die noch bis Mitte Dezember abwarten wollen, bis die spanischen Regionen wieder aufmachen und die Abriegelung beenden. Generell möglich sei die Einreise aus dem Ausland für Camper aber schon jetzt, ist Carine Manhaviale überzeugt. „Wenn die Leute ihre Reservierung zeigen und angeben, dass sie die nächsten Wochen hier auf dem Platz campen, dann geht das. Man muss sich trauen“, sagt die Rezeptionistin.

Friedrich Wilhelm und Renate Schadewald haben sich getraut. Corona-Pandemie und Restriktionen haben das deutsche Ehepaar „überhaupt nicht abgeschreckt“. Anfang November sind sie vom schwäbischen Bahlingen aus mit ihrem Wohnwagen in Richtung Spanien gestartet – allerdings waren da die Regionen noch nicht abgeriegelt. „Wir sind deshalb extra etwas früher aufgebrochen“. Nun bleiben sie noch bis Mitte Februar auf dem Campingplatz El Torres – egal, ob dann eine Quarantäne in Deutschland auf sie zukommt oder nicht. Wenn allerdings nochmal ein Lockdown kommen sollte, dann würden sie die „Zelte“ abbrechen. „Einsperren lassen wir uns nicht, sagt der Deutsche. Seit 35 Jahren schon kommt das Paar in die Gegend – seit dem Ruhestand zwei bis drei Monate im Jahr. „Wir wissen gar nicht, ob es in Spanien noch eine so wundervolle Gegend gibt wie hier das Hinterland von Alicante“, schwärmen sie.

Camping in Spanien: Das Ehepaar Schadewald verbringt den Corona-Winter an der sonnigen Costa Blanca.

Campingurlaub in Spanien in Corona-Zeiten: Ausländer scheinen nicht so streng kontrolliert zu werden

Sowohl Carine Manhaviale als auch das Ehepaar Schadewald haben das Gefühl, dass die Polizei eher Spanier kontrolliert als Ausländer. Campen scheint eine Grauzone zu sein. „Deshalb sind wir hier“, meint Schadewald augenzwinkernd. „Es kommt natürlich drauf an, wie streng die Polizei kontrolliert“, räumt er ein. Dasselbe gelte auch für die Maskenpflicht in Spanien. „Wir tragen hier am Campingplatz eigentlich nie Maske, aber die Ortspolizei, die hier vorbeifährt, hat noch nie etwas gesagt“, sagt Renate Schadewald.

Die Vorschriften jedenfalls sind kompliziert: Offiziell sind touristische Reisen in die Comunidad Valenciana von der Landesregierung derzeit verboten, was laut Leserberichten inzwischen (Stand 15. Dezember) auch schärfer kontrolliert und mit teils hohen Geldstrafen belangt wird. Mit dem Flugzeug können Ausländer mit negativem PCR-Test, dessen Ergebnis nicht älter sein darf als 72 Stunden, einreisen. Wer über den Landweg kommt, braucht zwar keinen Test, darf aber nicht die Grenze von Katalonien zu Valencia überfahren – theoretisch. Womöglich ist das ganze Wirrwarr auf eines zu reduzieren: Man muss sich trauen.

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