Coronavirus überraschte Camper

Coronavirus: Camper in Marokko sollen nach Deutschland geflogen werden

  • vonStella Kirchner
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Mit Ausbruch des Coronavirus war Marokko eines der ersten Länder, das seine Grenzen dicht machte und Flug- und Fährverbindungen unterband. Hunderte deutsche Camper sind dort gestrandet, nun will Deutschland ihnen einen Flug anbieten. Doch was wird aus dem Wohnmobil?

  • Camper, die wegen des Coronavirus in Marokko gestrandet sind, können Notfähren und -flüge nutzen.
  • Die deutsche Botschaft in Marokko nimmt Gestrandete in eine Online-Liste auf.
  • In Spanien können in Phase 1 ab 11. Mai Hotels und Ferienwohnungen unter Auflagen wieder öffnen.

Ceuta- Das Coronavirus verändert Europa und nicht zuletzt den Tourismus. Seit März wurde eine Grenze nach der nächsten geschlossen, viele Urlauber trafen die Folgen unerwartet und sie wussten nicht, wie sie in die Heimat zurückkehren können. Besonders schnell und entschlossen handelte Marokko und schloss innerhalb weniger Tage alle Grenzübergänge und verbot Schifffahrten und Flüge. Noch immer sitzen hunderte Deutsche in Nordafrika fest.

Coronavirus in Marokko: Tausende Camper strandeten an der Grenze

An der Grenze zwischen Marokko und den anliegenden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla hatten sich zu Beginn der Corona-Krise mehrere tausend Menschen angesammelt - viele unter ihnen Camper, die mit dem Wohnmobil nach Deutschland zurückkehren wollten. Ceuta und Melilla befinden sich zwar auf der afrikanischen Seite der Straße von Gibraltar, gehören aber politisch zu Spanien und als spanische Exklaven unter Einschränkungen zur EU.

Doch im Zuge der Verschärfung der Notstandsgesetze beschloss Spanien überraschend, sowohl die Grenze nach Marokko, als auch indirekt die inländische Grenze zu schließen, indem das Land Fährverbindungen von Ceuta ins andalusische Algeciras untersagte. Das führte zu kilometerlange Schlangen an der Grenze und zahlreichen Menschen, die trotz großer Anstrengungen nicht zurückkehren konnten.

Noch immer ist in Marokko nichts von Entspannung zu spüren. Die Deutsche Botschaft in Rabat koordiniert die Coronavirus-Lage vor Ort und bietet Notverbindungen für in Marokko gestrandete Deutsche an. Am 12. und 19. Mai können Europäer, die ein Fahrzeug mit einem europäischen Kennzeichen besitzen, von Tanger in Marokko nach Sète in Frankreich fahren. Verbindungen nach Spanien wird es bis auf weiteres nicht geben, die Tickets nach Frankreich kosten voraussichtlich einen weit höheren Preis als vor Zeiten des Coronavirus.

Interessenten sollten sich online auf eine Liste der Reederei unter diesem französischsprachigen Link setzen. Wer kein Französisch spricht, kann die Seite auch von seinem Internetbrowser übersetzen lassen. Die Seite hat zwar auch eine deutsche Version, unter dieser ist aber das Anmeldeformular nicht abrufbar, deswegen sollte die französische Seite nicht verlassen werden. Mit einer Eintragung über das Formular ist der Kauf noch nicht abgeschlossen, es wird lediglich das Kaufinteresse bekannt. Wer die Fährverbindung nutzen möchte, muss dringend auf eine Bestätigung durch die Reederei warten.

Auch Flugreisen sollen Mitte Mai für Deutsche trotz des Coronavirus wieder angeboten werden, kündigte die Botschaft auf ihrer Facebookseite an. Dafür seien jedoch noch Verhandlungen mit dem marokkanischen Außenministerium nötig, das den Passagieren eine Ausreisegenehmigung erteilen muss. Unterstützung erhalten Personen, die sich über das Portal Elefand beim Auswärtigen Amt eintragen.

Coronavirus Marokko: Botschaft plant Notflüge nach Deutschland.

Coronavirus verhindert Rückkehr: Warten ohne Toiletten und Lebensmittel

Einzelne wartende Camper hatten jedoch auch im März noch Glück und konnten noch einige letzte Fährtickets trotz der Coronavirus-Pandemie ergattern. Sonja Rissler-Nischwitz ist eine der Personen, die es geschafft hat. Sie erzählt der Redaktion von ihren Erfahrungen an der innerspanischen Grenze: „Um 7 Uhr haben wir unser erstes Ticket für die Trasmediterránea-Fähre von Ceuta nach Algeciras in Andalusien gekauft. Unsere Verbindung sollte eigentlich am Abend vor der Schließung der Grenze gehen“, erzählt die Deutsche. Sie habe gewartet und gewartet, doch die Fähre legte einfach nicht am spanischen Hafen in Marokko an. Währenddessen fuhr das Konkurrenzunternehmen Baleària ganze viermal nach Andalusien, allerdings mit wenigen Passagieren, obwohl die Schlange an wartenden Autos stetig wuchs. „Fast ausschließlich Lkw kamen mit, die anderen wurden vertröstet.“ Den Wartenden am Hafen wurden weder Lebensmittel gegeben, noch befanden sich ausreichend Toiletten vor Ort, so Rissler-Nischwitz.

Das Coronavirus sorgte Ende März für Ausnahmezustand in Ceuta.

Die Reisende betont ihre Sympathie für die strikten Maßnahmen der spanischen Regierung. „Das Coronavirus hat sich so schnell verbreitet, da kann ich die Entscheidung der Spanier verstehen. Aber dann verstehe ich nicht, weshalb Baleària auch zwei Tage nach der Grenzschließung noch gefahren ist. Insgesamt fehlen einfach Informationen“, findet die Camperin. Sie konnte einen Abend nach Grenzschließung noch mit ihrem Wohnmobil die Baleària-Fähre Richtung Andalusien besteigen. „Aber mir wird erzählt, dass es immer schlimmer wird. Über 400 Fahrzeuge sollen am Dienstag Schlange gestanden haben.“ Das deutsche Konsulat in Málaga, das auch für Ceuta und Melilla zuständig ist, gibt gegenüber der Redaktion an, dass sich „sowohl die Botschaften in Madrid und Rabat gemeinsam mit unseren EU-Partnern, als auch das Auswärtige Amt für eine umgehende Lösung mit Nachdruck einsetzen“. Anwesende vor Ort berichten, die Schlange der Wartenden zu Hochzeiten sei über 15 Kilometer lang gewesen. 

Wegen des Coronavirus mussten auch Campingplätze in Spanien schließen.

Corona-Ausstieg Phase-1: In Spanien dürfen Tourismus-Betriebe wieder öffnen

In Spanien auf dem Festland scheint es indes Hoffnung für den Tourismus nach der Corona-Pandemie zu geben. Bereits am kommenden Montag, 11. Mai, läuft in den meisten Regionen, darunter auch in Andalusien, Murcia und Valencia, die sogenannte Phase 1 an. In dieser Stufe wird es „Hotels und touristischen Betrieben“, wie es von Seiten der Regierung heißt, wieder erlaubt sein, unter strengen Abstands- und Hygiene-Auflagen zu öffnen. Konkrete Bestimmungen für Campingplätze in Spanien werden bislang nicht genannt. Auch wann Urlauber wieder nach Spanien einreisen dürfen, ist nicht bekannt. Bis auf weiteres werden sich touristische Aktivitäten also auf Touristen aus Spanien konzentrieren. 

Rubriklistenbild: © Ángel García

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