Reiseeinschränkungen in der Corona-Krise

Trotz Coronavirus: Wann ist wieder Spanien drin? Deutschland verlängert Reisewarnung

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So verlassen sind Alteas Altstadtgässchen sonst nur im Winter.
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Der Tourismus spielt in den Plänen der spanischen Regierung für eine schrittweise Rückkehr in die Normalität nach der Coronavirus-Krise keine Rolle.

  • Coronavirus: Spanien mach Deeskalationsplan ohne ausländischen Tourismus.
  • Urlaub im Strandhaus für Deutsche frühestens Ende Juni möglich.
  • Kurzfristig keine Öffnung der Grenzen geplant.

Madrid - Der Strandurlaub in Spanien rückt in weite Ferne. Deutsche Urlauber tauchen in dem vierstufigen Deeskalationsplan zur Eindämmung des Coronavirus von Spaniens Regierungspräsident Pedro Sánchez gar nicht auf und werden somit direkt in die Phase der „neuen Normalität" ab Ende Juni katapultiert. Als ob damit nicht schon genug Sangria in der Sonne verdunsten würde, will die deutsche Bundesregierung die weltweite Reisewarnung wegen der Coronavirus-Pandemie verlängern.

Deutschland verlängert gültige Reisewarnung bis Mitte Juni

Das Bundeskabinett hat die bisher gültige Reisewarnung auf Empfehlung des Auswärtigen Amts bis 14. Juni verlängert. Der spanische Deeskalationsplan geht auf Flugreisen gar nicht erst ein mit dem Verweis auf europäische Abkommen, die einer Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs vorausgehen müssen. Die spanischen Landesgrenzen wie etwa die zu Frankreich stehen wegen des Notstandsdekrets Touristen auch nicht offen - sehr zum Ärger vieler Deutscher, die gerne ihr Strandhaus besuchen würden.

Reise in Zweitwohnungen nicht erlaubt

Derzeit dürfen nur Staatsbürger, Einwohner, Durchreisende, und Diplomaten nach Spanien einreisen sowie Personen, die aus zwingenden Gründen ins Land müssen. Hinzu kommt, das Notstandsdekret verbietet der Bevölkerung ihre Zweitwohnungen aufzusuchen.

Der Deeskalationsplan sieht erst in der Phase zwei eine Lockerung der Auflagen vor, gestattet dann nur und frühestens zum 25. Mai Fahrten in Zweitwohnungen innerhalb der gleichen Provinz. Ein Strandbesuch unter Auflagen kommt vor der Phase drei nicht in Frage, also frühestens ab 8. Juni. Einige deutsche Langzeiturlauber, die ihren Hauptwohnsitz nicht in Spanien haben, versuchen mit der Einwohnermeldebescheinigung, dem  certificado de empadronamiento, einzureisen. Das kann gutgehen, eigentlich aber muss man die Residencia beziehungsweise den Eintrag ins Register für EU-Ausländer vorweisen können.

Deutsche Regierung dämpft Hoffnungen auf Sommerurlaub

Die Bundesregierung dämpft alle Hoffnungen, dass Sommerurlaubspläne verwirklicht werden können. Viele haben sich damit abgefunden - und unterstützen den harten Kurs sogar. Fast jeder zweite Deutsche lehnt nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur dpa eine Öffnung der Grenzen für den Sommerurlaub im europäischen Ausland ab.

Strahlender Sonnenschein, spektakulärer Blick bis zum Peñón – die Terrassen in Albir sind trotzdem leer.

Auch die spanische Regierung macht der Tourismusindustrie vor Ort wenn überhaupt nur Hoffnungen auf nationalen Tourismus, ohne explizit Urlauber aus dem Ausland auszuschließen. Unabhängig von rechtlichen Vorgaben, macht die Corona-Krise auch keine große Lust auf Auslandsreisen.

Dem „Spiegel“-Bericht zufolge lässt das Papier aus dem Auswärtigen Amt offen, ob Urlaubsreisen während der Sommerferien möglich sein werden, die in manchen Bundesländern schon Ende Juni beginnen. Wer allerdings über Pfingsten Ende Mai eine Auslandsreise gebucht habe, könne diese jetzt stornieren und sich auf die Reisewarnung berufen.

Konsulat in Málaga rät von Reisen derzeit ab

Die Reisewarnung werde damit begründet, dass in den nächsten Wochen keine normalen Reisen ins Ausland möglich seien, hieß es. Dem Ministerium zufolge sei weiterhin mit drastischen Einschränkungen im internationalen Luftverkehr und weltweiten Einreisesperren oder Quarantäneregelungen zu rechnen. Mit der Reisewarnung wolle man zudem die weitere Ausbreitung des Virus minimieren und vermeiden, dass deutsche Urlauber erneut massenhaft im Ausland stranden. Auch das Konsulat in Málaga rät derzeit dringend von Reisen ab.

Nach derYouGov-Umfrage für die dpa sind 48 Prozent dafür, die wegen der Corona-Pandemie erlassene Ausreisesperre für Touristen auch im Sommer aufrecht zu erhalten. 20 Prozent sind für eine Öffnung der Grenzen zu einzelnen Ländern. Nur 13 Prozent plädieren dafür, schon im Sommer den Reiseverkehr innerhalb der Europäischen Union wieder vollständig zu erlauben.

Die Grenzen zu den Nachbarländern dürfen derzeit abgesehen vom Warenverkehr nur noch von Berufspendlern oder Menschen mit einem anderen dringenden Grund passiert werden. Außenminister Heiko Maas (SPD) hat mehrfach deutlich gemacht, dass sich bisher keine Änderung dieser Situation abzeichnet: „Eine normale Urlaubssaison mit vollen Strandbars und vollen Berghütten wird es diesen Sommer nicht geben können.“ Auch im Inland sind derzeit noch keine Urlaubsreisen möglich, die Hotels sind geschlossen.

Mehr Hoffnungen macht sich der EU-Industriekommissar Thierry Breton, der für eine schrittweise Wiedereinführung der Reisefreiheit im Binnenraum und des Schengenabkommens ab diesem Sommer eintritt.

Viele haben Urlaubspläne über Haufen geworfen

Fast ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) haben ihre Urlaubspläne für den Sommer laut Umfrage bereits über den Haufen geworfen. 22 Prozent haben von einer Auslandsreise Abstand genommen, neun Prozent wollen auf einen ursprünglich geplanten Urlaub im Inland verzichten. Nur 18 Prozent sind bei ihren Reiseplänen geblieben. 45 Prozent sagen, sie hätten vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland noch gar keine Reisepläne gehabt.

Spanien will die Corona-Krise hinter sich lassen, ist aber von einer Öffnung der Grenzen noch weit entfernt.

42 Prozent der Befragten wollen nach jetzigem Stand angesichts der Corona-Krise gar keinen Urlaub mehr machen. 16 Prozent sind trotz der derzeitigen Reisebeschränkungen entschlossen, ins Ausland zu reisen. 13 Prozent planen einen Urlaub in Deutschland. 23 Prozent haben sich noch nicht entschieden, sechs Prozent machen keine Angaben.

Deutsche machen sonst viel lieber Urlaub im Ausland als zu Hause

In normalen Zeiten machen die Deutschen viel lieber Urlaub im Ausland als zu Hause in Deutschland. 2019 gingen nach einer Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen von den 70,8 Millionen Urlaubsreisen der Deutschen 74 Prozent ins Ausland.

Die Bundesregierung strebt bei den Grenzöffnungen eine enge europäische Abstimmung an. Die österreichische Regierung hat aber auch Vereinbarungen zwischen einzelnen Ländern ins Gespräch gebracht, um etwa den Reiseverkehr zwischen Deutschland und Österreich zu ermöglichen. In Österreich sollen die Hotels bereits Ende Mai wieder öffnen. Das Alpenland zählt neben Spanien, Italien, der Türkei und Griechenland zu den fünf beliebtesten Reisezielen der Deutschen.

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