Hoffnung auf spanische Urlauber

Coronavirus und Tourismus: Landurlaub will in Spanien von Pandemie profitieren

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All-inclusive-Hotels dürften die Verlierer, abgeschiedene Gästehäuser im Hinterland Gewinner der Coronavirus-Pandemie sein. Der ländliche Tourismus hofft auf spanische Urlauber.

  • Reisende suchen während der Coronavirus-Pandemie Abgeschiedenheit.
  • Hoteliers müssen ihre Häuser den neuen Vorschriften anpassen.
  • Spanische Touristen werden wichtigste Zielgruppe sein.

Benimantell - Liege an Liege neben dem Pool, Schlange stehen am Buffet, gemeinsames Schwitzen bei der Aerobic: Auf All-inclusive-Urlaub im Hotel dürften die wenigsten Reisenden während der Coronavirus-Pandemie Lust haben. Das Kontrastprogramm zum Massentourismus in erster Strandlinie bietet Spaniens Hinterland mit grünen Tälern, kleinen Dörfern und viel Platz.

Der turismo rural könnte dieses Jahr boomen, und die kleinen Hotels und Gasthäuser könnten auch in Alicante etwas abseits der Küste im Sommer von Covid-19 das Geschäft ihres Lebens machen. „Wir hätten es verdient, dass es aufwärts geht“, findet Francisca Sales. Die Spanierin betreibt das kleine Hotel Nasilvana im Ortskern von Benimantell, gelegen im malerischen Guadalest-Tal.

Benimantell im malerischen Guadalest-Tal bietet Abgeschiedenheit und Idylle.

Coronavirus-Auflagen bis zuletzt unklar

Theoretisch hätte Francisca Sales schon am 11. Mai mit Eintritt der Marina Baja in die Phase 1 öffnen können, doch sie wartet lieber noch ab und bereitet derweil die Wiedereröffnung im Hintergrund vor. „Da bis zum Schluss nicht ganz klar war, welche Auflagen wir wegen der Covid-19-Ansteckungsgefahr erfüllen müssen und ob wir überhaupt in Phase 1 des Deeskalationsplans kommen, wollte ich lieber auf Nummer sicher gehen.“

Keine 20 Minuten sind es von Benimantell mit dem Auto bis zur Bettenburg Benidorm, aber doch weit genug weg, um von Sars-CoV-2 verschont zu bleiben. „Wir hatten im gesamten Tal nicht einen einzigen Coronavirus-Fall“, sagt Sales. „Und obwohl hier so wenige Menschen leben, haben sich alle vorbildlich an die Regeln der Ausgangssperre gehalten.“

Für den Sommer schon ausgebucht

Die Kette Rusticae, die 170 ländliche Ferienunterkünfte in Spanien betreibt, ist für den Sommer bereits ausgebucht. „Die Nachfrage ist groß, wir erwarten für alle unsere Hotels eine gute Saison“, sagte Rusticae-Manager Rubén Pérez in einem Interview mit der Zeitung „El País“. Nicht zuletzt haben die Hinterland-Unterkünfte ganz unabhängig von der Coronavirus-Krise einen entscheidenden Vorteil gegenüber den großen Häusern mit Unterhaltungsprogramm und Mittagsbuffet. „Ich glaube, dass unser Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut ist“, meint Francisca Sales.

Francisca Sales bereitet ihr kleines Hotel auf die Wiedereröffnung vor.

Seit einem Jahr betreibt Sales ihren kleinen, aber feinen Eine-Frau-Betrieb mit fünf Zimmern. Eine Wiedereröffnung strebt sie für den 25. Mai an, wenn die Marina Baja hoffentlich den Sprung in die Phase 2 des Deeskalationsplans schafft. Bis dahin heißt es putzen, aussortieren, desinfizieren. „Ich habe alles aus den Zimmern geräumt, was nicht unbedingt nötig ist, zum Beispiel Kissen oder Deko. Jetzt sind die Zimmer zwar etwas nackt, aber die Sicherheit geht vor“, meint Sales.

Vorschriften gegen Covid-19

Ein paar Kilometer von Benimantells Ortskern entfernt führt die Deutsche Vanessa von Philipp das Gästehaus Torre de Arriba. Auch sie hat noch nicht wieder geöffnet, aber die Überlegungen, wie sie den Betrieb an die Vorschriften zur Bekämpfung des Coronavirus anpassen könnte, laufen zwei Monate vor dem Sommerurlaub bis ins kleinste Detail. „Meine Mitarbeiterin macht sich Gedanken, wie Fernbedienungen oder das Kartenlesegerät hygienisch verpackt werden könnten“, schmunzelt von Philipp.

In ihren Zimmern können bis zu 19 Urlauber unterkommen, die sich allerdings eine gemeinsame Küche teilen. Momentan dürfen Gemeinschaftsbereiche in Hotels und anderen Ferienunterkünften noch nicht von den Gästen genutzt werden. „Wir werden in jedes Zimmer einen Toaster, Wasserkocher und Kaffeemaschine stellen, sodass sich die Urlauber zumindest das Frühstück auf dem Zimmer zubereiten können“, meint von Phillip. Für die Gemeinschaftsküche soll es einen Stundenplan geben.

Spanische Kunden als wichtigste Gäste

Sowohl von Philipp als auch Sales begrüßen überwiegend spanische Kurzurlauber in ihren Häusern, die meisten bleiben nur zwei oder drei Nächte. Während bei Sales bisher die meisten Buchungen für Juli und August noch stehen, musste von Philipp in ihrem Buchungskalender viele Reservierungen für den Sommer rot anstreichen. Vor allem ausländische Urlauber hätten storniert, nicht zuletzt, weil die Unsicherheit, ob im Sommer Flüge stattfinden oder nicht, nach wie vor groß ist.

Bei den Spaniern wiederum dürfte das Budget wegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit im Zuge der Coronavirus-Krise knapp sein. In Benimantell setzen die beiden Geschäftsfrauen dennoch auf einheimische Touristen, auf Kurzentschlossene und auf Gäste, die vielleicht auch länger bleiben als nur ein paar Tage. „Obwohl uns Spaniern diese langen Urlaube nicht liegen. Wir fahren lieber mehrere Male im Jahr kurz als ein Mal lang weg“, so Sales. Dann zieht es die Südländer doch wieder zurück in die Heimat und zur Familie.

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