Zwei Touristinnen erkunden zwischen Bäumen und Felsen ein Wasserbecken
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Die verschlafenen Bergdörfer im Hinterland der Costa Blanca verbergen geheime Naturschätze.

Tipp für Auto-Rundfahrt

Auf ins Hinterland: Diese verträumten Bergdörfer sind wahre Schätze der Costa Blanca

  • VonHella Horstendahl
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Neben Strand, Meer und Sonne hat die Costa Blanca noch viele weitere Schätze zu bieten. Die verschlafenen Bergdörfer Bolulla, Parcent und Tárbena laden zu einem gemütlichen Ausflug ins Hinterland ein.

Wer in Spanien mal wieder etwas anderes als die – nicht zu verachtende – Meeresbrise in der Nase spüren will, macht sich auf den Weg, um die Bergdörfer an der Grenze zwischen der Marina Baja und der Marina Alta an der Costa Blanca zu erkunden. Die Auto-Tour für die Sinne beginnt schon auf dem Weg ins beschauliche 420-Einwohner-Dorf Bolulla, dem Startpunkt des Ausflugs. Die Netze der Níspero-Plantagen (Japanische Wollmispel) stechen dem Besucher sofort ins Auge. Die Gegend im Hinterland der Marina Baja ist das größte spanische Anbaugebiet der kleinen, runden, gelb-orangenen Frucht mit den harten Kernen. Saison haben Mispeln allerdings erst wieder Ende April bis Mitte Juni.

Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca: Ruhe der Bergdörfer genießen

Der erste Ort, um bei einem Ausflug die Ruhe der Berglandschaft im Hinterland der Costa Blanca zu genießen, ist die Font Dels Xorros in Bolulla. Ein kleiner Schotterweg zwischen Johannisbrotbäumen und verlassenen Plantagen, die auf den früheren primären Sektor der Agrikultur hindeuten, führt zu einem einsamen Wasserbecken. Keine Scheu davor, die schmackhaften Feigen oder die süßen braunen Schoten von den Bäumen zu probieren und in die Welt der Leckerbissen, die die spanische Natur uns bietet, einzutauchen. Dieses magische Fleckchen Natur wirkt durch das dichte Laubdach schützend, zugleich aber auch mystisch.

Auf der zehnminütigen Autofahrt weiter durchs Hinterland der Costa Blanca nach Tàrbena ziehen sich lange Olivenplantagen an den Hängen herauf und Kiefern ragen an den etwas höher gelegenen Hängen über die Landstriche der Bergdörfer. Zwischen den Tälern Binarreal-Sacos, Bijouca und Murta, wird der Ort von hohen Bergen wie zum Beispiel der Sierra de Carrascal mit einem Gipfel von 994 Metern eingeschlossen. Die engen Gassen Tárbenas führen zwischen maurisch geprägten Häuschen zur Kirche Santa Bárbara, direkt in die Arme der Bar La Plaça. Neben einem Erfrischungsgetränk bereichern die Einheimischen die Verschnaufpause mit interessanten Gesprächen rund um ihren persönlichen Werdegang und die Geschichte der Region. Der Holländer Hans Baumann etwa kam vor 20 Jahren auf seinem Moped und einzig mit einem Rucksack nach Tárbena und verliebte sich sofort in das 600-Einwohner-Dörfchen. Die vielen Einwanderer aus aller Welt zog der Kompromiss zwischen Küstennähe und dem Abstand vom Massentourismus an. Die Einwohner genießen hier vor allem die Ruhe der Natur und das familiäre Miteinander. Hans Baumanns Tipp: Im Herbst und Frühling bei Wanderungen die Berglandschaft erkunden, um Spanien noch einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Zudem sind überall in Tàrbena Einflüsse aus Mallorca zu finden.

Malerisches Hinterland der Costa Blanca: Aussichtspunkt im Bergdorf Tàrbena

Abseits der gepflasterten Wege muss ein von Hans Baumann ans Herz gelegter Abstecher gemacht werden, um von einem höher gelegenen Punkt aus die Landschaft zu überblicken. Direkt vor den Füßen legen sich die vielen kleinen Bergdörfer wie weiße Flecken auf einem braun-grünen Teppich. Auch Tàrbena ist sofort an seinem T-förmigen Aufbau zu erkennen. Weiter hinten ragen die Hochhäuser der Küstenstädte in den Himmel und die Sonne glitzert auf dem tiefblauen Meer. Besonders Altea mit seiner schneeweißen, romantischen Altstadt sticht sofort ins Auge. Doch es lohnt sich definitiv, den Blick von diesem fantastischen Panorama zu reißen und sich wieder Richtung Hinterland der Costa Blanca umzudrehen. Riesige, teils orangefarbene Kalkberge laden zu einer Klettertour ein. Weniger Mutigen, aber genauso Naturverbundenen, präsentiert sich die Flora in ihrer vollen Pracht buchstäblich direkt vor der eigenen Nase. Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Kamille und die lavendelähnliche Blauraute laden zum Schnuppern und Staunen ein. Dieses Erlebnis lässt sich besonders in der völligen Stille der Berglandschaft genießen, abseits des alltäglichen Trubels und der Sorgen. Auch das Erholungsgebiet Es Pou bietet eine atemberaubende Aussicht und noch viel wichtiger: ein Plätzchen zum Entspannen, Picknicken, aber auch Austoben. Nach dem Vertilgen der zum Ausflug mitgebrachten Bocadillos bietet nämlich der Aussichtspunkt den Kleinen zur Abwechselung einen Spielplatz mit Holzgeräten.

Ausflug ins Hinterland: Perfekte Umgebung für Wanderer und Fahrradfahrer

Der nächste Halt mit dem Auto wird auf dem Weg nach Castell de Castells gemacht. Das Naturdenkmal Els Arcs besteht aus zwei großen natürlichen Bögen, den womöglich größten Bögen Europas, die durch die Erosion von Kalkstein in den Felsen gemeißelt wurden. Els Arcs liegt an der Nordseite der Sierra de la Xortà, im Inneren der Marina Alta in einer natürlichen Umgebung von großer Schönheit und ökologischem Wert.

Hinterland der Costa Blanca: Die spanischen Bergdörfer bieten Aussichtspunkte mit spektakulären Panoramablicken.

Auch die Gebirgszüge Alfaro und Serrella, mit dem 1.300 Meter hohen Gipfel Malla de Llop, haben einiges zu bieten: Abseits des Tourismus laden kleine Wege zum Wandern und Mountainbike-Fahren an der Costa Blanca ein, Überreste von maurischen Burgen lassen Touristen in die Geschichte der Umgebung eintauchen. Ruhe finden sowohl Besucher als auch Einheimische überdies in dem Dorf Castell de Castells selbst. Besonders während der Siesta wirken die historischen Häuschen, die von Generation an Generation weitergegeben werden, etwas ausgestorben. Den Trubel der gehetzten Küste vermisst hier dennoch niemand. Immer mit der Ruhe ist im Hinterland das Motto.

Bergdorf Parcent: Ein Paradies aus Mandelbäumen, Orangen und Weinreben

Zusammen mit sieben anderen Dörfern bildet das nächste Ausflugs-Ziel, Parcent, das „Vall de Pop“. Es ist der grüne Obstgarten der Gegend. Mit einer Fülle von Mandelbäumen, Orangen und insbesondere Weinreben bildet das Tal ein buntes Paradies inmitten von Bergen. Noch immer können die berühmten Riu-Raus bewundert werden, die in der valencianischen Region im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit hatten. In diesen Bogenkonstruktionen aus Stein wurden Trauben auf Rohrgeflechten zum Trocknen ausgelegt und so vor Kälte, Wind, Regen und nächtlichem Tau geschützt. Einen Boom erlebte der Rosinenhandel in der Marina Alta im 19. Jahrhundert. Heutzutage können die Trauben auch in Form von Wein in den Bodegas verköstigt werden - als kleiner Tipp am Rande.

Doch nicht nur für Weinliebhaber bietet das Bergdorf im Hinterland der Costa Blanca eine große Palette an Angeboten, auch Fahrradfahrer, die sich hier die Berge rauf- und runterquälen und für ihre Touren im Winter üben, kommen nicht zu kurz. Extra für sie ausgelegte Restaurants und Hotels locken mit hervorragendem Essen und gemütlichen Betten mit Blick auf die bereits erfolgreich zurückgelegte Strecke.

Blick in die Vergangenheit: Waschplätze im Hinterland

Nicht nur die Riu-Raus, sondern auch die öffentlichen Waschplätze in Parcent, auf Spanisch lavaderos, sind Relikte aus der Vergangenheit. In rechteckigen Wasserbecken an schrägen Steinwänden, deren Quelle nah gelegene Brunnen sind, schurbbten und säuberten Frauen einst die Kleider. Diese Waschhäuser erzählen Touristen bis heute die Geschichte des 19. Jahrhunderts, als fließendes Wasser noch keine Selbstverständlichkeit und Geschlechterrollen noch stark in den Köpfen der Menschen verankert waren. Frauen nutzten diese „Waschsstraßen“ als sozialen Treffpunkt, um Nachrichten auszutauschen, Abstand vom Alltag in den eigenen vier Wänden zu nehmen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlagerte sich das Säubern der Kleidung in den häuslichen Bereich. Zurück bleiben verlassene Steinhäuser mit Wasserbecken, deren Geschichte aber nie aus den Köpfen der Menschen verschwinden sollte.

Ausflug in die Hinterland-Bergdörfer der Costa Blanca: Die Einheimischen bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

Der Ausflug der Sinne wird mit einem Wow-Erlebnis beendet. Der Mirador del Coll de Rates bietet einen spektakulären Panoramablick auf das Vall de Pop. Hier können Besucher die verlassenen Anbauterrassen am Fuße des Berges bewundern und den Blick auf die Weinberge zwischen Parcent, Jalón und Llíber genießen. Eine kleine Reliefkarte lässt Besucher die Gebirgszüge und Bergdörfer mit ihren eigenen Händen spüren, die rauen Steine der Kalkberge und die stechenden Nadeln der Kiefern dringen von den Köpfen bis in die Fingerspitzen. Und beim Blick auf das Meer kann man die warme Brise der Küste doch irgendwie wieder spüren.

Anfahrt und Rundfahrt:

Bolulla wird von La Nucía aus über die CV-715 erreicht. Nach Tàrbena auf die CV-752 Richtung Castell de Castells wechseln. Hier auf die Schilder Richtung Els Arcs achten. Danach auf die CV-720 in Richtung Parcent fahren. Auf CV-715 zurück nach Tàrbena am Mirador del Coll de Rates Halt machen. Endstation ist wieder Tàrbena. Die Strecke bildet eine Rundfahrt durchs Hinterland: Bolulla – Tàrbena – Els Arcs - Castell de Castells – Parcent – Mirador del Coll de Rates – Tàrbena

Weitere Tipps für Ausflüge mit dem Auto an der Costa Blanca: Magische Autostrecken durch den Süden der Costa Blanca und eine Auto-Rundfahrt durch drei Täler im Hinterland der Costa Blanca.

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