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Iberias Flotte am Boden. Regierung plant Hilfen.

Luftfahrt am Boden

Milliarden-Staatshilfen für Iberia: 114 Millionen Passagiere fehlen 2020

  • vonMarco Schicker
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Während die am stärksten vom Tourismus abhängigen Länder Europas in Brüssel um einen eigenen Rettungsfonds für die Tourismusbranche buhlen, öffnen die Staaten bereits ihre Schatullen, um die am Boden festsitzenden Giganten der Lüfte vor der Pleite zu bewahren.

  • Spanische Fluggesellschaft Iberia ist Opfer der Coronavirus-Krise.
  • Milliardenschweres Rettungspaket für angeschlagene Airline.
  • Andere Länder sind deutlich weiter mit Hilfsmaßnahmen.

Madrid - Die spanische Regierung arbeitet an einem milliardenschweren Rettungspaket für die Fluggesellschaft Iberia. Andere Staaten in Europa sind da schon weiter. Niemand wartet mehr darauf, dass Brüssel die Bedingungen für die sonst streng limitierten staatlichen Beihilfen, die schnell als Wettbewerbsverzerrung vor den europäischen Gerichten landen könnten, an die neue Lage anpasst.

Im Fall von Iberia, Teil der International Airlines Group, IAG, einer Holding, zu der auch British Airways und Aer Lingus gehören, kommt noch hinzu, dass sie gerade den bereits im Vorjahr annoncierten Kauf der Air Europa abschließt, die man wohl für rund eine Milliarde Euro übernehmen wird. Man vergrößert damit eine Flotte, die am Boden bleiben muss.

15,5 Milliarden Euro Verlust in 2020 erwartet

Aus Finanzkreisen wird verlautbart, dass die Regierung bei Banken und Investmentgesellschaften Kredite von bis zu einer Milliarde Euro für Iberia anfragt, für die der Staat bürgen wird. Eine direkte Kapitalbeteiligung des Staates sei bisher nicht vorgesehen, direkte Subventionen werden aber auch nicht ausgeschlossen.

Während Verkehrsminister José Luis Ábalos mit seinen europäischen Kollegen über den EU-Rahmen für Beihilfen verhandelt, drängt sein Kollege im Tourismusministerium Reyes Maroto: „Der Luftverkehr ist der Schlüssel für den Tourismus, die Airlines müssen eine spezielle Hilfestellung erhalten, um ihre Betriebsfähigkeit zu garantieren“.

Als Maßgabe für Beihilifen wolle man eine Auslastung von unter 50 Prozent ansetzen, sobald der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Bei den im Raum stehenden Abstandsregeln dürfte das die Norm für alle werden. Spanien wird im Flugverkehr das größte Opfer in Europa werden. Zu dieser Einschätzung kommt die IATA, die Internationale Gesellschaft für den zivilen Luftverkehr. 114 Millionen Passagiere wird, so die Prognose, Spanien 2020 weniger haben. Die Ausfälle werden auf 15,5 Milliarden Euro beziffert, die 900.000 Jobs im Sektor in Frage stellen. Neben den gigantischen Ausfällen für den gesamten Tourismusbereich. Dass es da mit einer Kreditlinie von einer Milliarde nicht getan sein wird, ist offensichtlich.

Iberia versucht in Sozialen Medien die Kundschaft bei Laune zu halten

In anderen EU-Staaten gibt es schon konkretere Zahlen: Frankreich springt Air France-KLM mit 10 Milliarden Euro zur Seite, drei Milliarden davon über eine Kapitalerhöhung, denn Frankreich ist mit 14% an Air France beteiligt, weitere zwei bis vier Milliarden steuern die Niederlande bei. Air France-KLM verliere durch das Corona-Grounding täglich 25 Millionen Euro und rechnet nicht vor 2022 mit einer Normalisierung.

Die deutsche Lufthansa, einschließlich ihrer Töchter in Belgien, Österreich und der Schweiz will von den vier Ländern mindestens 10 Milliarden Euro, wobei Berlin mit Rücksicht auf die EU-Vorgaben noch keine klare Hilfsformel kommuniziert hat. Norwegian will bis zu 85 Prozent seiner Verbindlichkeiten, etwa 1,1 Milliarden Euro, in Aktien umwandeln, weitere Anleihen ausgeben und an rund 500 Millionen Euro staatlich garantierte Kredite heran.

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