Ein altes Bett ohne Matratze steht in einem verlassenen Haus.
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In Llombai an der Costa Blanca wohnt schon lange niemand mehr. Um den Lost Place ranken sich einige Legenden.

Urlaub in Spanien

Lost Places an der Costa Blanca: Drei Orte, die von allen (guten) Geistern verlassen sind

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Lost Places - verlassene Orte - haben sich zu einem wahren Reise-Trend gemausert. Auch an der Costa Blanca gibt es drei Stätten, die mit dem Reiz des Aufgegebenen locken - und dazu spannende Geschichten aus der Vergangenheit erzählen.

Nordeuropäer, die an der Costa Blanca Urlaub machen, wollen immer zuerst an den Strand. Kein Wunder, hat die Costa Blanca doch von endlosen, wunderschönen Sandstränden bis hin zu einsamen, felsigen Buchten so ziemlich alles zu bieten. Die wahren - und einzigartigen - Schätze offenbart die weiße Küste Spaniens aber erst im Hinterland. Dort gibt es nicht nur unendlich viele Wanderwege, sondern auch drei besondere Lost Places, verlassene Orte. Längst locken leer stehende Gebäude, verlassene Dörfer, aufgegebene Fabriken oder andere Lost Places auf der ganzen Welt Fotografen und Urlauber an. An diesen Orten herrscht immer eine seltsame Atmosphäre, mit dieser besonderen, schaurig-schönen Stimmung.

Lost Places an der Costa Blanca: Verlassenes Dorf bei Guadalest

Der erste Lost Place-Tipp führt nach Guadalest, eines der schönsten Dörfer an der Costa Blanca, das so ziemlich jeder Tourist kennt. Der Ort selbst ist zur Hochsaison und an den Wochenenden eigentlich immer überlaufen von Besuchern, ein Souvenir-Geschäft reiht sich an das nächste. Nur einen Steinwurf entfernt herrscht dagegen absolute Stille - in Gines, einem Ortsteil von Guadalest, nur sieben Kilometer entfernt vom Touristendorf.

Zugegeben, streng genommen ist Gines kein Lost Place, weil das Dorf nicht komplett verlassen ist. Aber den Großteil des Jahres herrscht hier Totenstille und man trifft keine Menschenseele an. Das ändert sich immer an einem Wochenende im September: Dann pilgert halb Guadalest runter nach Gines zur Messe und Paella. Denn die Kapelle in Gines steht noch, und zeugt davon, dass das Dorf einmal eine gewisse Bedeutung hatte.

Für einen Lost Place ist Gines noch recht gut in Schuss. Einen Ausflug ist das verlassene Dorf schon allein wegen der Lage wert.

Sieben Häuser im grünen Tal: Idyllischer Lost Place an der Costa Blanca

Heute besteht dieser Lost Place an der Costa Blanca aus sieben Häusern mitten in einem grünen Tal. Das Dorf liegt gut versteckt und ist kaum ausgeschildert - nicht einmal Google Streetview hat die Strecke auf dem Schirm. Eine alte Grundschule ist in dem verwunschenen Dörfchen noch zu erkennen, dort gingen einmal mehr als 20 Kinder in den Unterricht. Einige der Häuser sind heute halb verfallen, andere renoviert und werden im Sommer noch von den Eigentümern genutzt. Noch vor 100 Jahren herrschte hier dagegen das ganze Jahr über reges Leben: Neben der Schule gab es eine Kapelle und zuletzt auch eine Bar. Nicht zuletzt diente Gines als Treffpunkt für die Bewohner der einsam gelegenen Gehöfte im Tal.

In den 40er und 50er Jahre erlangte Gines im Hinterland der Costa Blanca schließlich einen gewissen Ruhm. Die Fiestas zu Ehren von San Joaquín und Santa Ana im August waren weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Es gab eine Prozession, und der anschließende Tanz lockte junge Leute aus den umliegenden Dörfern an. Ab den 70er Jahren zog es jedoch immer mehr Bewohner der sieben Häuser in größere Dörfer und Städte, die Fiesta geriet allmählich in Vergessenheit und das Dorf wurde zum Lost Place.

Lost Places haben den Charme des Aufgegebenen: Bei Gines steht dieser alte Seat 500.

Anfahrt nach Gines

Von Callosa d‘en Sarrià aus Richtung Guadalest fahren, nach dem Museo de Vehículos Históricos die Brücke überqueren und direkt danach links abbiegen. Der Straße bis zu einer T-Kreuzung folgen, dort rechts nach Gines abbiegen.

Der Lost Place der Costa Blanca schlechthin: Verlassenes Hotel und Krankenhaus

Der Lost Place schlechthin an der Costa Blanca ist das Preventorio de Aigües de Busot. Im 19. Jahrhundert tummelten sich hier die Reichen und Schönen, die in dem Kurhotel Miramar Ruhe suchten und das Wasser des Thermalbads für die Gesundheit nutzen wollten. Für die Gäste war kein Luxus zu viel, das Hotel bot ein Casino, Lesezimmer, Ballsaal, Billardzimmer - und selbstverständlich eine eigene Kirche. Dabei war der Bau des Hotels von Konflikten überschattet: 1816 begannen die Arbeiten, wenig später brach jedoch ein Streit zwischen dem Rathaus von Alicante und mehreren Adelsfamilien darüber aus, wem das kostbare Thermalbad denn nun eigentlich gehörte. Erst 1865 urteilte ein Gericht, dass der Graf von Casas Rojas rechtmäßiger Eigentümer sei, und die ersten Gäste konnten kommen.

Ein Lost Place an der Costa Blanca zum Gruseln: Das verlassene Hotel in Aigües de Busot.

Doch das luxuriöse Glück in Aigües de Busot sollte nicht lange währen. 1930 verlor der derzeitige Eigentümer des Hotels - der Margraf von Bosch - das Gebäude, angeblich beim Pokerspiel. Das Hotel wurde geschlossen und ging 1936 an den Staat über. Der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939) beendete endgültig die Glanzzeiten des Hotel Miramar, bis in die 60er Jahre wurde es als Krankenhaus für tuberkulosekranke Kinder genutzt. Ab dann verkam das prächtige Gebäude nach und nach und wurde zum Lost Place.

Gruseliger Lost Place: Gespenster und Spukgeschichten an der Costa Blanca

Aigües de Busot ist dabei selbst nur ein kleines Dorf, Touristen verirren sich nicht häufig her, und so kam es, dass noch Jahrzehnte nach der Schließung des Tuberkulose-Krankenhauses die Eisenbetten in den Räumen standen und Krankenakten der behandelten Kinder in den Regalen lagen. Ein Fernsehbeitrag über paranormale Phänomene machte das Preventorio im Jahr 2002 schließlich in ganz Spanien bekannt und sorgte dafür, dass sich das mächtige Gebäude zur Pilgerstätte für Satanisten, Halbstarke und Esoteriker wurde, die den Lost Place für sich entdeckten.

In dem Beitrag war die Rede von Gespenstern, die durch das Gebäude im Hinterland der Costa Blanca spuken. Zum einen eine „weiße Dame“, deren Antlitz in einem Spiegel auftauchen soll, der zwischen dem zweiten und dritten Stock hing. Die Dame soll gleichzeitig gelacht und geweint haben, angeblich handelte es sich um die Ehefrau des ersten Eigentümers des Preventorio. Auch ein Mönch mit einem Baby auf dem Arm soll auf den Treppen des Preventorio sein Unwesen getrieben haben. Drei nicht ganz aufgeklärte Todesfälle unter dem Personal während der Zeit als Tuberkulose-Heilanstalt und ein ganzes Netz aus Tunneln, die erst später entdeckt wurden, taten ihr Übriges. Ab jetzt war der Lost Place alles andere als verlassen, die „Besucher“ nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist, verwüsteten das Gebäude - der Verfall tat sein übriges -, hielten Rituale und schwarze Messen ab, schmierten Graffitis an die Wände und drehten Youtube-Videos - ein Jammer.

Immer wieder gab es im Laufe der Jahre Pläne, das Gebäude zu renovieren und wieder in ein Hotel zu verwandeln, allesamt scheiterten - nicht zuletzt an den Millionen, die dafür nötig wären. Und auch wenn der Lost Place selbst heute eine Ruine und Betreten - theoretisch - verboten ist, lohnt sich ein Ausflug dorthin. Nicht nur das Gebäude selbst beeindruckt schon allein wegen seiner Größe: Auch die Umgebung in privilegierter Lage versprüht einen ganz eigenen Charme. Wer sich vom Preventorio aus auf den Weg macht, wird alte Kapellen entdecken und in Stein gemeißelte Bänke, auf denen vor 200 Jahren die High Society Platz nahm. Gratis obendrauf gibt es atemberaubende Blicke aufs Meer und die Berge, auch Wanderwege führen hier vorbei.

Anfahrt zum Preventorio in Aigües de Busot

Von El Campello aus die CV-775 nach Aigües de Busot nehmen. Am Ortseingang führt gegenüber der Arztpraxis „Consultorio Médico“ links eine asphaltierte Straße zum Preventorio. Auf dem Hinweisschild steht „Banys de Busot“, das Schild ist allerdings verwittert und nicht gut lesbar. Die schmale Straße führt an mehreren Villen vorbei direkt zu dem unübersehbaren Gebäude.

Lost Places an der Costa Blanca: Geisterdorf im malerischen Tal

Legenden und Geschichten ranken sich auch um das Geisterdorf Llombai im Hinterland der Costa Blanca. Achtung: Es gibt noch ein zweites gleichnamiges Dorf weiter nördlich in der Region Valencia. Wir meinen aber den verlassenen Weiler im malerischen Vall de Gallinera, das ohnehin immer einen Ausflug wert ist. Llombai dürfte einmal eines dieser hübschen Dörfer in dem Kirschtal gewesen sein, kleiner, aber ebenso charmant wie seine Nachbarn Benisili und Patró. Hier liegt das Dorf mit seiner einzigen Straße inzwischen verlassen, in diesem Lost Place wachsen schon die Bäume aus den verfallenden Häusern. Die alten, aus kaum noch übertünchten Natursteinen erbauten Fassaden der Gebäude-Ruinen in Llombai neigen sich nach innen Richtung Patio.

In einem der Häuser dieses Geisterdorfs an der Costa Blanca soll ein Deutscher gewohnt haben.

Für Gesprächsstoff sorgt dieser Lost Place vor allem dank seines letzten Bewohners. Stefan-Gregor Raiter hielt Llombai als letzter Anwohner die Treue, bekannt ist er als „der Deutsche aus Lllombai“ - oder auch „der Nazi aus Llombai“. Um ihn ranken sich einige Legenden. Raiter soll sich nach dem Zweiten Weltkrieg in dem verlassenen Dorf versteckt haben - ähnlich wie die Altnazis, die nach Dénia flüchteten. Später wurde Raiter immer paranoider, baute sich einen Verschlag in der Nähe der Burg von Benisili, in dem er ein Einsiedlerdasein führte - in ständiger Angst, dass „man ihn holen würde“.

Lost Place mit Nazi-Vergangenheit?

Ein paar Anwohner der Nachbar-Dörfer im Vall de Gallinera können sich noch an den Deutschen erinnern, Raiter soll mit der SS geprahlt haben, hatte Nazi-Insignien bei sich und lebte wohl unter Francos Gnaden in Llombai. Er sei häufig barfuß unterwegs und „nicht ganz richtig im Kopf“ gewesen, die Dorfbewohner versorgten „El Alemán“ mit Essen und dem Nötigsten. Raiter soll viel gezeichnet haben und hieroglyphische Zeichnungen hinterlassen haben. Man brachte ihn auch mit Konzentrationslagern und den Nürnberger Prozessen in Verbindung. Zumindest das dürfte Humbug sein, das Simon Wiesenthal Institut jedenfalls kennt ihn nicht. Auch gibt es berechtigte Zweifel am Rest der Geschichte und sogar daran, ob Raiter überhaupt Deutscher war - wahrscheinlich war er vielmehr Jugoslawe.

Auf dem Friedhof im benachbarten Alpatró jedenfalls gibt es ein Grab mit Raiters Namen. Er starb am 12. Dezember 1977, und seitdem hat niemand mehr in Llombai gewohnt. Unabhängig davon, wie viel an den Geschichten über den „Nazi aus Llombai“ nun wirklich dran ist, lohnt ein Ausflug zu dem Lost Place in jedem Fall. Das ganze Tal ist wunderschön gelegen, und wer nach dem Geisterdorf wieder Lust auf Zivilisation hat, wird in den acht Dörfern, aus denen das Tal besteht, fündig. Ganz besonders lohnt sich die Fahrt ins Vall de Gallinera im April zur Kirschblüte oder ab Mai, wenn die unzähligen Kirschbäume des Tals abgeerntet werden.

Anfahrt nach Llombai

Von der Küste aus zwischen Dénia und Oliva die Landstraße CV-678 nach Pego nehmen, dort auf die CV-700 wechseln. In Patró die CV-714 nehmen und bis Llombai folgen. Dort steht ein Schild mit dem Namen des Dorfs.

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