Luftschiff über Spanien.
+
Entspanntes, sauberes Reisen ab 2026 in Spanien? Luftschiffe sollen zurück in den Himmel.

Fliegen in Spanien

Mit dem Luftschiff nach Mallorca: Fluglinie in Spanien will 2026 Linienflüge mit Zeppelin anbieten

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
    schließen

Die spanische Iberia-Tochter Air Nostrum hat zehn Luftschiffe des Typs Airlander 10 bestellt und will damit schon ab 2026 sauber und leise zwischen Barcelona und Mallorca und auf anderen Insel-Routen pendeln. Flughäfen brauchen die Zeppelin-Nachfolger nicht, aber etwas Geduld.

Valencia/Mallorca - Die Rückkehr der Luftschiffe, der legendären Zeppeline, die mit der Hindenburg-Katastrophe ihr jähes Ende in der Linienluftfahrt fanden, wird alle paar Jahre wieder einmal angekündigt, um dann, wie zuletzt der Cargolifter für schwere Fracht, aus Kosten-, Konkurrenz- und Effiziengründen wieder beerdigt zu werden.

Einen neuen, sehr konkreten Anlauf, Luftschiffe wieder für kommerzielle Flüge tauglich zu machen und bald einzusetzen, unternimmt jetzt die spanische Fluggesellschft Air Nostrum, ein Tochterunternehmen der Iberia für Regionalflüge mit Sitz in Valencia. Air Nostrum bestellte im Juni 2022 zehn Luftschiffe des Typs Airlander 10 beim britischen Hersteller Hybrid Air Vehicles. Laut Airline sollen bereits ab 2026 damit Linienflüge angeboten werden. Barcelona - Mallorca lautet das erste Angebot, Reisezeit für die 250 Kilometer Luftlinie: rund vier Stunden.

Barcelona-Mallorca mit dem Zeppelin: Air Nostrum will Luftschiffe auf Linienflügen einsetzen

Air Nostrum denkt mit den Luftschiffen sodann an Verbindungen, die derzeit von Kurzstreckenflügen oder Fähren übernommen werden, also neben der Linie Barcelona-Mallorca, auch an Verbindungen zwischen Dénia oder Valencia und Ibiza oder auch das Inselhopping zwischen den Balearen-Inseln. Auch auf den Kanaren ist ein Einsatz denkbar, auch für Flüge von Spanien nach Marokko, aber auch auf Inlandsstrecken an Orte, die bisher überhaupt nicht in den Flugplänen auftauchen, weil sie keinen Flughafen haben.

Ab 2026 will Air Nostrum Luftschiff-Flüge von Barcelona nach Mallorca anbieten.

Einer der Vorteile des Airlander ist es nämlich, dass er keinen Airport braucht, jede größere Wiese, eine freie Fläche ist dem Helium-Luftschiff recht, das senkrecht starten und landen kann. Eine gute Nachricht, angesichts des wachsenden Chaos auch an Spaniens Flughäfen. Auch Wasserlandungen seien problemlos möglich. Vier Dieselmotoren treiben Steuerpropeller am Heck und an den Seiten des mit nicht brennbarem Helium getragenen Luftschiffs an. Der Kraftstoffverbrauch wie die Abgase dieses Gefährts liegen rund 90 Prozent unter dem der neuesten Generation Regionalflugzeuge mit der gleichen Kapazität. Beide können rund 100 Passagiere mitnehmen.

Luftschiffe über Spanien: Gleiche Sicherheitsanfoderungen wie für Passagierflugzeuge

Der Airlander ist vergleichsweise leise, hat aber auch klare Nachteile. Die Winde sind es nicht, laut Hersteller konnte nach einer 1.000 Flugstunden-Testreihe sichergestellt werden, dass bei Seitenwinden (cross winds) bis zu 30 Knoten (56 Kilometer pro Stunde) die Sicherheitsnormen der zivilen Luftfahrt erreicht werden. Zum Vergleich: Eine Boeing 737 darf bei cross winds bis zu 35 Knoten landen. Mit einer Reisegeschwindigkeit von um die 130 Kilometer pro Stunde ist der Airlander allerdings ziemlich gemütlich unterwegs, der AVE-Schnellzug erreicht schon einmal 300 km/h, die Regionalflugzeuge zwischen 600 und 850.

Entwurf für eine Passagierkabine in einem Airlander-Luftschiff.

Gebaut wurde der britische Zeppelin-Nachfolger zunächst im Auftrag des US-Militärs, sowohl für Aufklärungsmissionen als auch für Transporte von Truppen und Material. Das Projekt wurde nach einigen Einsätzen mit kritischem Ausgang vom Pentagon aber ad acta gelegt, die Langsamkeit und leichte Ortung machten es selbst für Aufgaben hinter den Linien mehr zum Problem als zu einer Lösung.

Kein Flughafen nötig: Fliegen Touristen bald per Luftschiff nach Mallorca?

Air Nostrum wirbt natürlich mit der Start- und Landeflexibilität der Luftschiffe, der denkbaren Entlastung von Straßen, dem sauberen Konzept der Airliner-Zeppeline und führt dabei die Klima- und Emisionsziele von 2030 an. Air Nostrum ist Marktführer von Inlandsflügen in Spanien, bietet aber auch Regionalflüge in acht europäische Länder sowie nach Nordafrika an, unter anderem zu den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Die Flotte besteht aus 40 Maschinen, die bis zu 350 Flüge täglich absolvieren und über drei Millionen Passagiere im Jahr bewegen.

Carlos Bertomeu, der Präsident von Air Nostrum und Tom Grundy, Geschäftsführer des Herstellers Hybrid Air Vehicles bekräftigen, dass die Produktion der zehn Luftschiffe noch 2022 beginnen wird und freuen sich darauf, "dass Spanien Vorreiter bei emissionsarmen Verkehrskonzepten" werden wird, "während Länder wie Frankreich, Dänemark, Deutschland oder Großbritannien noch Pläne schmieden", setze sie Spanien bald um.

Grüne Zukunft der Luftfahrt: Luftschiffe, Wasserstoff-Flugzeuge, E-Flugzeuge

Prototyp eines Airlander-Luftschiffs bei einem Testflug 2019.

Die Anfoderungen an die Sicherheit und die Genehmigungen sind die gleichen wie für zivile Passagierflugzeuge, als zusätzliches Plus betonen die Hersteller die Reichweite, denn die Airlander hätten eine Autonomie von bis zu 3.700 Kilometer und könnten "bis zu fünf Tage am Stück in der Luft bleiben". Das ist für die Passagiere, die schnell ans Ziel wollen, wohl weniger interessant, die für die Strecke von Barcelona nach Mallorca schon vier Stunden bräuchten, aber eine gute Nachricht für den Betreiber, der womöglich nur alle paar Tage nachtanken muss. Auch für Menschen, die Probleme mit dem Druckausgleich in Flugezeugkabinen haben, wird der Airlander eine Erleichterung, durch die niedrige Flughöhe ist ein künstlich erzeugter Kabinendruck nicht nötig.

Die Zeppeline sind nicht die einzige Initiative von Air Nostrum in Richtung nachhaltiger Luftfahrt. Mit dem Entwickler Dante Aeronautical und der Fluggesellschaft Volotea arbeiten die Ingenieure an einem 100 Prozent elektrisch betriebenen Flugzeug und ist gerade dabei elf seiner Turboprop-Maschinen auf Wasserstoffantriebe der Firma Universal Hydrogen umzurüsten.

Zum Thema: Spaniens Da Vinci - Der vergessene Flugpionier aus Córdoba.

Mehr zum Thema

Kommentare