Neue Corona-Vorschriften für Reisen

Nach Spanien reisen trotz Coronavirus: Regeln für Quarantäne, Test und Formular ab 8. November

  • vonJudith Finsterbusch
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Ab 8. November sollen in Deutschland neue Coronavirus-Regeln für Einreisende aus Risikogebieten wie etwa Spanien gelten. Diese betreffen unter anderem Quarantäne, Formulare und Testpflicht.

Update, Freitag, 16. Oktober: Die Bundesregierung beschließt die neue Muster-Quarantäneverordnung, die nun voraussichtlich zum 8. November in Kraft treten soll und neue Regeln für Reiserückkehrer aus Risikogebieten wie Spanien beinhaltet. „Die neue Muster-Quarantäneverordnung stellt eine gemeinsame Arbeitshilfe für alle Länder dar, auf dieser Basis sollen sodann die Länder im Rahmen ihrer eigenen Zuständigkeit entsprechende eigene Regelungen erlassen“, heißt es von der Bundesregierung. „Diese Regelungen der Länder können dann allerdings länderspezifisch notwendige Unterschiede aufweisen. Einreisende müssen daher auf jeden Fall die Bestimmungen des für sie jeweils zuständigen Bundeslandes beachten.“

Die Regeln würden zu dem Zeitpunkt in Kraft treten, zu dem die Länder ihre jeweiligen Verordnungen anpassen. „Es ist jedoch geplant, dass die Regelungen der verschiedenen Länder in der Regel zum 8. November 2020 in Kraft treten werden.“ 

Erstmeldung vom 12. Oktober:

Alicante - Nach dem Sommer- und dem Herbsturlaub dürften sich viele Reisende gedanklich auch allmählich von den Weihnachtsferien verabschieden. Zumindest für den weihnachtlichen Besuch zwischen Verwandten in Spanien und Deutschland dürfte es dieses Jahr schwierig werden. Denn die Bundesregierung plant neue Regeln für Rückreisende aus einem Coronavirus-Risikogebiet - zu dem ganz Spanien nach wie vor zählt -, betroffen sind davon unter anderem die Regeln für die Quarantäne.

Noch hat das Corona-Kabinett in Berlin zwar keine endgültigen Beschlüsse gefällt, diese sollen aber spätestens am 15. Oktober verabschiedet werden. Zu den Neuregelungen zählt, die bisherige Quarantäne für Rückreisende aus Risikogebieten von 14 auf zehn Tage herabzusetzen. Was erst einmal gut für alle Betroffenen klingt, ist mit einem großen Aber verbunden. Denn bisher ist die Regelung für Reisende, die zum Beispiel in Spanien waren, folgende.

Reisen zwischen Spanien und Deutschland: Diese Regeln gelten aktuell

  • Reisende aus einem Risikogebiet müssen nach der Einreise in Deutschland einen Coronavirus-Test durchführen lassen. Dieser ist bis 72 Stunden nach der Einreise kostenlos und kann an den meisten Flughäfen oder per Abwicklung über das zuständige Gesundheitsamt erfolgen.
  • Alternativ kann schon in Spanien vor der Abreise - aber höchstens 48 Stunden vor Einreise in Deutschland - in vielen Privatkliniken ein kostenpflichtiger PCR-Test gemacht werden.
  • Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen Reisende in Quarantäne.

Bei den derzeit geltenden Regeln dient eine Muster-Quarantäneverordnung der Bundesregierung als Vorlage, um Rahmenbedingungen für die Einreise aus Covid-Risikogebieten wie Spanien zu schaffen. Die Umsetzung und Handhabe sind letztendlich aber Ländersache und können von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen. An einer neuen Muster-Quarantäneverordnung wird nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch gearbeitet. Voraussichtlich wird es aber einige Neuerungen für Reisende geben, die sich binnen der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet wie Spanien aufgehalten haben.

Reisen zwischen Spanien und Deutschland: Diese Regeln sollen künftig gelten

  • Einreisende aus einem Risikogebiet wie Spanien müssen sich unverzüglich in Quarantäne begeben. Ein negativer Coronavirus-Test entbindet nicht mehr von der Quarantänepflicht.
  • Frühestens nach fünf Tagen können Reisende einen PCR-Test machen lassen. Ist dieser negativ, kann die Quarantäne vorzeitig beendet werden. Bis das Testergebnis vorliegt, ist die Quarantäne einzuhalten.
  • Die Quarantänedauer wird von 14 auf zehn Tage herabgesetzt. Wer keinen Test machen lassen möchte, isoliert sich also zehn Tage.
Bislang müssen sich Reisende aus Risikogebieten wie Spanien in Deutschland einem Corona-Test unterziehen. Das könnte sich bald ändern.

Eine weitere Neuerung soll es für Reisende geben, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen. Sie sollen künftig vor der Reise ein Online-Formular ausfüllen, in dem sie Angaben über ihren Gesundheitszustand machen und unter anderem Kontaktdaten für ihren Aufenthalt in Deutschland hinterlassen. Die Daten aus diesem digitalen Formular sollen automatisch dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt übermittelt werden. Eigentlich war die Einführung der Online-Registrierung schon früher geplant gewesen, letztendlich wird sie sich aber vermutlich bis zum 1. November verzögern. Ein ähnliches Online-Formular für Flugreisende gibt es bereits in Spanien. Alle Einreisenden müssen sich vorab auf dem Portal Spain Travel Health oder über die gleichnamige App, erhältlich im Play Store und App Store, registrieren. Derzeit muss für die Strecke Spanien-Deutschland dagegen lediglich eine sogenannte Aussteigekarte ausgefüllt werden, die die jeweilige Fluggesellschaft zur Verfügung stellt.

Deutschland hält Reisewarnung für Spanien aufrecht: Unterschiede in einzelnen Regionen

Das deutsche Auswärtige Amt hält unterdessen die Reisewarnung für ganz Spanien aufrecht, also auch für Mallorca und die restlichen Balearen sowie für die Kanaren. Reisen sind demnach nicht verboten, das Auswärtige Amt rät aber dringend von nicht notwendigen, touristischen Reisen in die jeweiligen Länder und Regionen ab, die als Coronavirus-Risikogebiet eingestuft sind. Ausschlaggebend für die Einstufung ist derzeit eine Inzidenz - also die Zahl der Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner - von über 50. Im Schnitt liegt die Inzidenz in Spanien derzeit mit 121,73 deutlich über der Grenze.

Allerdings ist die Lage in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Die Region Valencia - und somit die Costa Blanca - war etwa lange Zeit Spaniens Musterschüler und konnte die niedrigsten Corona-Zahlen aufweisen. Nach einem Massenausbruch an der Polytechnischen Universität Valencia sind die Zahlen jetzt allerdings gestiegen, am Freitag, 9. Oktober, lag die Region erstmals wieder über den 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern - wenn auch mit 51,74 nur knapp. Andalusien und somit die Costa del Sol weist derzeit eine Inzidenz von 86,07 auf, aber auch innerhalb der riesigen Region gibt es Unterschiede. In Murcia ist die Corona-Lage weiterhin angespannt, bei einer Inzidenz von 160,59. Mit Abstand die niedrigste Inzidenz weisen derzeit die Kanaren bei 41,1 auf, die Balearen liegen bei 54,9.

Für die Tourismus-Branche in Spanien kommen die Reisewarnungen aus anderen Ländern wie Deutschland einem Todesurteil gleich, der spanische Urlaubs-Sektor liegt am Boden. Einzelhändler, Hoteliers und Gastronomen in Städten wie Benidorm kämpfen um ihre Existenz und fordern Hilfen vom Staat. Und der Notstand, den die Regierung am 9. Oktober über Madrid verhängt hat, macht selbst die Hoffnung auf einen Großteil des innerspanischen Tourismus im Herbst und Winter zunichte: Viele Hauptstädter haben an der Costa Blanca Ferienwohnungen und verbringen regelmäßig ihren Urlaub oder Brückenwochenenden am Meer. In touristischen Städten wie zum Beispiel Dénia haben aber offenbar etliche Madrilenen die Chance genutzt, noch kurz vor dem Lockdown an die Küste zu fahren: Die Supermärkte waren am langen Wochenende vom 9. bis 12. Oktober voll, die Regale dagegen leer wie zuletzt während des Notstands im Frühling.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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