Zwei Passagiere kommen am Flughafen Alicante an.
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Fast alle Regionen in Spanien sind abgeriegelt. Wer darf trotzdem per Flugzeug oder mit dem Auto einreisen?

Spaniens Regionen sind dicht

Coronavirus und Reisen: Wer darf nach Spanien - und vor allem wie?

  • vonJudith Finsterbusch
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In Spanien herrscht in fast allen Regionen aktuell ein Ein- und Ausreiseverbot. Was heißt das für Deutsche und andere Ausländer, die nach Spanien reisen wollen?

Alicante - Fast alle Regionen Spaniens haben sich wegen der stark ansteigenden Coronavirus-Zahlen vorübergehend abgeriegelt – eine Maßnahme, die die spanische Regierung den einzelnen Landesregierungen im Rahmen des erneuten Coronavirus-Notstands freigestellt hatte. Ausnahmen bilden derzeit lediglich Galicien, Extremadura und die Balearen sowie die Kanarischen Inseln. Nachdem das Auswärtige Amt die Reisewarnung für die Kanaren aufgehoben hat und auch die Notstands-Regeln dort nicht gelten, können Deutsche wieder auf die Kanaren fliegen - allerdings nur, wenn sie einen negativen Test vorlegen*, wie norbuzz.de* berichtet. Neben den meisten anderen Regionen in Spanien haben auch Andalusien, die Comunidad Valenciana und Murcia zeitweise ihre „Grenzen“ dichtgemacht. Das heißt bis auf wenige Ausnahmen: Niemand darf rein und niemand darf raus. In Murcia und Andalusien dürfen die Bewohner weder ihre Gemeinde noch ihre Region ohne triftigen Grund verlassen. Doch was ist mit der Einreise nach Spanien aus dem Ausland?

Coronavirus in Spanien: Touristische Reisen sind verboten

Ganz wichtig: Spanien verlangt seit 23. November von allen Reisenden aus Coronavirus-Risikogebieten einen negativen PCR-Test auf das Coronavirus, dessen Ergebnis bei Einreise nicht älter sein darf als 72 Stunden. Das gilt für Einreisen auf dem Luft- und Seeweg. Der Beleg ist mit dem bereits bekannten Einreiseformular vorzulegen oder als QR-Code der Test-Institution elektronisch bereitzuhalten. Bei der Einstufung der Risikogebiete orientiert sich Spanien an EU-Richtlinien. Bei einer Inzidenz von mehr als 150 Fällen unter 100.000 getesteten Einwohnern binnen 14 Tagen fallen nach derzeitigem Stand viele EU-Länder darunter, also auch Deutschland gilt momentan als ein Risikogebiet.

Grundsätzlich sind die Grenzen geöffnet und Reisende aus dem Ausland können nach Spanien kommen. Aber: Solange die Abriegelung (cierre perimetral) der einzelnen Regionen gilt, ist Tourismus, der die Grenzen der jeweiligen Comunidad Autónoma überschreitet, nicht gestattet. Der deutsche Konsul in Málaga, Arnulf Braun, stellt klar: „Nach Andalusien darf derzeit nur einreisen, wer einen triftigen Grund hat. Touristische Einreisen sind nicht gestattet.“ . In Andalusien, Valencia und Murcia gelten die vorübergehende Abriegelungen nach derzeitigem Stand über die Feiertage hinaus bis 9. Dezember.

Auch in der Region Valencia gilt die Abriegelung noch bis Mittwoch, 9. Dezember, wie Landeschef Ximo Puig in Valencia verkündigte. Die Vertreterin der Zentralregierung in Valencia, Gloria Calero, stellte jüngst ebenfalls klar: „Im Moment kann niemand für touristische Reisen in die Region Valencia kommen.“ Die Region Murcia riegelt sich wegen der steigenden Corona-Zahlen bis 9. Dezember ab. In der Region im Südosten von Spanien ist nicht nur die Ein- und Ausreise in beziehungsweise aus der Region von dem „cierre perimetral“ betroffen, sondern auch der Verkehr zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden. Man darf sich dort also nur innerhalb des Wohnorts bewegen, außer bei Fahrten zur Arbeit und ähnlichen Ausnahmen und Notfällen.

Einreise nach Spanien: Diese Ausnahmen gibt es

Für das Corona-bedingte Ein- und Ausreiseverbot gibt es mehrere Ausnahmen, die in allen Regionen Spaniens ähnlich sind. Für alle Ausnahmen muss eine Bescheinigung vorgezeigt werden können. So ist von dem Reiseverbot unter anderem ausgenommen, wer nachweislich in einer anderen Region arbeitet oder studiert, seine Comunidad Autónoma wegen einer ärztlichen Behandlung verlassen muss, wichtige Behördengänge zu erledigen hat oder Angehörige pflegt, die in einer anderen Region wohnen. Eine weitere wichtige Ausnahme ist die Rückkehr zum gewöhnlichen Wohnort, hierfür ist ein Nachweis vorzubringen. „Nach telefonischer Auskunft der zuständigen Behörden und nach eigenen Erkenntnissen des Konsulats gelten als Nachweis für den gewöhnlichen Aufenthalt die Meldebescheinigung „certificado de empadronamiento“ der Wohnsitzgemeinde zusammen mit der  Einschreibung im Register für EU-Bürger (grünes DIN-A4 Blatt oder kleine grüne Karte)“, erklärt Málagas Konsul Arnulf Braun.

Wie sieht es an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien aus? Grundsätzlich ist die Grenze geöffnet, die einzelnen Regionen dürfen keine internationalen Grenzen schließen, sondern nur die „Grenzen“ zu anderen Regionen innerhalb Spaniens. Das heißt: Theoretisch ist es zwar möglich, von Frankreich aus nach Spanien zu fahren, entweder nach Katalonien, Aragon, Navarra oder ins Baskenland. Von dort aus geht es aber nicht weiter in andere Regionen Spaniens. Der Verantwortliche für den Grenztunnel zwischen Bielsa (Aragon) und Aragnouet, Andrés Olloqui, hat die Grenzfrage gegenüber der Zeitung „Heraldo de Aragón“ folgendermaßen erklärt: „Es handelt sich um eine Frage der Kompetenzen. Aragón kann zwar den Verkehr in andere spanische Regionen verbieten, aber keine internationalen Grenzen schließen. Das unterliegt dem Staat, und deshalb ist die Überfahrt in beide Richtungen erlaubt.“ Olloqui stellte auch klar, dass für die Grenzüberschreitung keine Bescheinigung notwendig sei.

Reisen zwischen Deutschland und Spanien trotz Corona: Wie geht es weiter?

Die jeweiligen Landesregierungen von Andalusien, Murcia und Valencia haben die Abriegelung zwar alle zeitlich auf eine beziehungsweise zwei Wochen begrenzt. Allerdings ist eine Verlängerung der Reisebeschränkung in Abhängigkeit der weiteren Corona-Entwicklung jederzeit möglich und denkbar. Auch das Reisen zwischen Deutschland und Spanien könnte in den nächsten Wochen und Monaten weiter erschwert werden. „Inwieweit die in Andalusien und vielen anderen Regionen Spaniens erlassenen Reisebeschränkungen sich auf den öffentlichen Verkehr und die Flug-, Bahn- und Busverbindungen auswirken werden, kann ich verständlicherweise nicht beurteilen. Es ist jedoch meines Erachtens nicht auszuschließen, dass die verhängten Reisebeschränkungen die Häufigkeit von Flug- und anderen Verkehrsverbindungen zwischen Spanien und Deutschland beeinflussen können“, meint auch Málagas Konsul Arnulf Braun. Zumal Spanien mit Ausnahme der Kanaren weiterhin als Corona-Risikogebiet gilt*, wie auch hna.de* berichtet.

Andersherum gilt für die Reise von Spanien nach Deutschland, dass „deutsche Staatsbürger und Personen mit gewöhnlichem Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland jederzeit sowohl auf dem Land- als auch auf dem Luftweg zurückreisen dürfen“, so Konsul Arnulf Braun. Deutsche Staatsbürger dürfen also immer von Spanien aus in ihre Heimat zurückreisen, auch wenn sie dabei mehrere spanische Regionen durchfahren müssen. Jedoch bleibt auch hier abzuwarten, wie die Fluggesellschaften auf die weitere Corona-Entwicklung und auf die Maßnahmen der einzelnen Regierungen reagieren. *costanachrichten.com, norbuzz.de und hna.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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