Urlaub auf der Kippe

Coronavirus in Spanien: Lockerung deutscher Grenzkontrollen schürt Hoffnung für Sommerurlaub

  • vonMelanie Strauß
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Wenn es nach der EU-Kommission geht, könnte die wegen der Coronavirus-Krise stark eingeschränkte Reisefreiheit nun nach und nach wiederhergestellt werden. Rückt der Sommerurlaub im Süden Europas damit etwas näher? Möglich. Wann Spanien wieder drin ist, ist aber unklar.

  • Coronavirus: Erste Lockerungen an den Grenzen schüren Hoffnung auf Sommerurlaub.
  • Bislang dürfen Urlauber nicht nach Spanien einreisen.
  • Balearen und Kanaren erbitten schnelle Grenzöffnung für Touristen.

Madrid/Brüssel - Vielleicht wird es dieses Jahr doch noch was mit dem Sommerurlaub: Reisen innerhalb Europas sollen trotz Coronavirus-Krise ab Mitte Juni zumindest teilweise wieder möglich sein. Die EU-Kommission plädiert dafür, die stark eingeschränkte Reisefreiheit in Europa schrittweise wieder herzustellen. Erst ab Juli soll es für Touristen wieder nach Spanien gehen.

Denn in Spanien gilt - vorerst bis einschließlich 24. Mai - weiterhin der Notstand und mit ihm eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit innerhalb des Landes. Außerdem gilt seit 15. Mai eine Quarantänepflicht für alle Einreisenden aus dem Ausland. Solange der Ausnahmezustand in Kraft ist, gilt außerdem, dass nur spanische Staatsbürger oder Ausländer mit Erstwohnsitz in Spanien ins Land einreisen dürfen. Ärger hatte es deshalb zum Beispiel auf Mallorca gegeben, weil Deutsche auf ihr Recht pochten, ihre Zweitwohnung auf der Balearen-Insel aufsuchen zu dürfen. Wirkung zeigte der Protest nicht.

Coronavirus-Schutzmaßnahmen: Spanische Regierung will Notstand verlängern

Zu allem Übel will Ministerpräsident Pedro Sánchez den Notstand nochmals bis Ende Juni verlängern. Die Zukunft des Landes hängt Corona-bedingt an einem seidenen Faden. Einen größeren Rückfall bei den Covid-19-Fallzahlen kann sich Spanien nicht erlauben.

Noch bleiben die Stühle gestapelt: Auf Mallorca fehlen wegen Corona die Touristen.

Hoffnung bei Urlaubern wecken aber die Überlegungen der EU-Kommission, Reisen zumindest zu ausgewählten Zielen wieder zu ermöglichen. Deutschlands Außenminister Heiko Maas stellte zugleich eine Lockerung der weltweiten Reisewarnung für deutsche Touristen in Aussicht. Rechtzeitig vor dem Sommerurlaub will Deutschland auch seine Grenzen nach Österreich, Frankreich und wohl auch Dänemark wieder öffnen. Innenminister Seehofer formuliert das Ziel: Freier Reiseverkehr - aber dafür muss die Pandemie mitspielen.

WHO: Grenzöffnungen bergen generell kein höheres Risiko

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keine Gefahr in der Öffnung von Grenzen zwischen Nachbarstaaten, vorausgesetzt die Lage in den Nachbarstaaten sei vergleichbar. „Wenn Länder das Risiko ähnlich managen und ähnlich Maßnahmen zur Überwachung haben, birgt eine Grenzöffnung kein zusätzliches Risiko“, sagte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan in Genf. Flugreisen seien komplizierter, dafür müssten umfangreiche Schutzkonzepte vor einer weiteren Ausbreitung des Virus entwickelt werden. Die Grenze zwischen Österreich und Italien bleibt wegen der dort höheren Corona-Ansteckungszahlen zum Beispiel zunächst geschlossen - genau wie die zwischen Frankreich und Spanien. Auch an den deutschen Regeln für Einreisen per Flugzeug aus Italien und Spanien wird vorerst nichts geändert.

Also doch kein Sommerurlaub in Spanien? Der Chef des Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, zeigte sich trotzdem auch für Spanien optimistisch: Sofern die Infektionszahlen regional relativ gering blieben, gebe es „keinen Grund, dass man dort nicht hinreisen könnte“. Sommerurlaub in Europa könne jetzt schrittweise wieder möglich gemacht werden - „verantwortungsvoll und mit klaren Regeln.“

Deutschland will Reisewarnung aufheben

Deutschland will indes seine bis 14. Juni geltende Reisewarnung für Touristen aufheben - einen Zeitpunkt nannte Außenminitser Maas jedoch zunächst nicht. „Für Europa wird es sicher früher möglich sein, die Reisewarnung aufzuheben als für andere Reiseziele - vorausgesetzt, dass sich der jetzige positive Trend in vielen Ländern verstetigt“, erklärte er. Eine Reisewarnung ermöglicht eine kostenlose Stornierung von bereits gebuchten Reisen. Und immerhin: Ab Juni wollen die Lufthansa und ihre Tochter Eurowings wieder Urlauberjets auf die vom Virus weniger betroffene Balearen-Insel Mallorca schicken.

Kanaren fordern Grenzöffnung für Touristen: „Viele werden verhungern“

Spaniens wichtigste Touristen-Hochburgen, die Kanaren und Balearen, fordern zudem mit eindringlichen Appellen an Madrid eine baldige Grenzöffnung für den Reiseverkehr. „Wir müssen die Märkte wieder öffnen. Leider sind fast 30.000 Menschen gestorben, aber bald werden auch viele den Hungertod sterben“, wenn der Tourismus nicht in Gang komme, warnte die Vertreterin des Bündnisses Kanarische Koalition im Madrider Parlament, Ana Oramas, am Donnerstag im spanischen Fernsehen.

Wie auf den Kanaren trägt der Tourismus auch auf Mallorca und den restlichen Balearen zu rund 35 Prozent der Wirtschaftsleistung bei. Die Verhängung einer zweiwöchigen Pflicht-Quarantäne für alle Einreisenden aus dem Ausland diese Woche durch die Zentralregierung war für den Tourismussektor ein „Schuss in die Schläfe“, wie die Zeitung „Diario de Mallorca“ schrieb. Der balearische Tourismusminister Iago Negueruela forderte, die Quarantäne dürfe nur „provisorisch sein“ und müsse „so kurz wie nötig gelten“.

Die Regelung soll aber so lange gültig bleiben, bis der Corona-bedingte Notstand in Spanien aufgehoben wird. So lange bleibt auch den Spaniern verboten, in andere Regionen ihres Landes zu reisen. Und Madrid betonte, es werde keine Sonderregelung für Ausländer geben. mit dpa

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