eine gruppe urlauber sitzt und spielt am strand der costa blanca
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Unter sich bleiben, heißt in Spanien im Sommer 2020 auch am Strand wie hier an der Costa Blanca. Gruppenansammlungen mit Fremden sind zu vermeiden.

Coronavirus in Spanien

Ist Spanien sicher? Coronavirus: Infektionsherde, Quarantäne, Regeln

  • vonStephan Kippes
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  • Marco Schicker
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Die Covid-19-Infektionen in Spanien nehmen wieder zu und damit wächst die Sorge, dass ausgerechnet zur Hauptsaison das Virus erneut toben könnte.

  • Wieder unter Quarantäne: In Spanien steigt die Zahl der Toten und Coronavirus-Infizierten wieder. „Alles im Rahmen“.
  • Coronavirus-Fälle in den spanischen Urlaubsgebieten: Neue Quarantäne in Katalonien, meiste Cluster in Andalusien, nur Einzelfälle in Valencia und Murcia.
  • Spanier und Aufsichtsbehörden fürchten Einschleppung des Coronavirus durch Touristen.U

Update, Freitag, 31. Juli: Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Spanien in unserem neuen Ticker-Artikel.

Update, Montag, 20. Juli: Die zweite Welle ist da: 4580 neue Coronavirus-Fälle in Spanien an nur einem Wochenende.

Update, Sonntag, 19. Juli: Das spanische System der Coronavirus-Früherkennung gerät in Kritik. Es scheint an Personal zu fehlen, das die derzeit 186 aktiven Ausbrüche eingrenzen, Infizierte zu isolieren und sozialen Kontakte auf Sars-CoV-2 testen kann. In Krisenherden scheint das Prinzip der Weltgesundheitsorganisation WHO „hit fast, hit hard“ - also das schnelle und konsequente Vorgehen gegen Infektionen - kaum durchführbar zu sein. Deswegen fließen die einzelnen Infektionsherde etwa in Katalonien ineinander über und münden in eine allgemeine Ausbreitung. „In einigen großen Regionen gibt es Hunderte dieser Leute, die Infektionsherden nachgehen. Wir müssten eigentlich von Tausenden sprechen“, sagt der Harvard-Professor und Mitglied des Expertenkomitees der Regierung, Miguel Hernán. Derzeit verfügt Spanien über 3.500 dieser Virenjäger, bräuchte aber 12.000, die den Covid-19-Clustern nachgehen. Noch mit Abstand am besten steht die Region Valencia da, wo immerhin 1.000 Rastreadores die Ausbreitung des Coronavirus bei einer Bevölkerung von knapp fünf Millionen überwachen - was noch unter der Schlagkraft bleibt, die Deutschland gegen diese Cluster zu Felde führt, wo einer auf 4.000 Bürger kommt. Schwach aufgestellt erscheinen diesbezüglich die beiden Hotspots Katalonien und Aragón. Den über 7,5 Millionen Katalanen stehen nicht einmal 250 Virenjäger gegenüber, in Aragón kommen 140 auf 1,3 Millionen. Auch Navarra, Asturien und vor allem Madrid setzen wenig Virenjäger ein. Ganz Spanien verschärft die Schutzmaßnahmen gegen Covid-19.

Update, Samstag, 18. Juli: Das Coronavirus breitet sich in Katalonien und Aragón weiter aus. 60 Prozent der 628 Neuinfektionen, die das Gesundheitsministerium am Freitag meldete, kommen aus Katalonien und Aragón. Eine so hohe Zahl verzeichnete Spanien zuletzt am 8. Mai, als das Land mit der Phase Null des Deeskalationsplans startete und peu a peu aus der Quarantäne kam. Auch bei den in dieser Woche in spanischen Krankenhäusern und Gesundheitszentren erfassten 1.313 Fällen mit Covid-19-Symptomen liegen Katalonien mit 611 und Aragón mit 270 weit vor allen anderen Regionen. Derzeit benötigen 135 Covid-19-Patienten eine Behandlung in Intensivstationen. Sars-CoV-2 wurde diese Woche bei 5.695 getesteten Personen erfasst.

Die vier am meisten von der Pandemie betroffenen Kreise in Aragón kehrten bereits am 22. Juni in die zweite Phase der Deseskalation zurück. Im katalanischen Hotspot Lleida gilt inzwischen eine ähnliche Ausgehsperre wie in Spanien vor Beginn der Deeskalation. 14 der 17 Regionen haben inzwischen die allgemeine Maskenpflicht verhängt - nur Madrid, Valencia und die Kanaren bisher nicht. Die Balearen haben die Partymeilen in Palma und Magaluf dichtgemacht.

Ein Aufruf der Behörden, die Wohnung nicht zu verlassen ist am Freitag in Barcelona ausgesprochen worden. Der Aufruf richtet sich an insgesamt 13 Städte des Einzugsgebiets und rund 2,6 Millionen Menschen und soll für zwei Wochen gelten. „Gehen Sie nicht aus dem Haus und unternehmen Sie keine Wochenendausflüge“, empfahlen die drei Landesminister Alba Vergés, Meritxell Budó und Miquel Buch. Drastischere Maßnahmen schlossen sich nicht aus. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, werden wir viel drastischere Maßnahmen ergreifen müssen. Das ist die letzte Chance, das noch abzuwenden“. Barcelona verbietet soziale Treffen von mehr als zehn Personen, belässt es aber sonst bei Appellen an das Verantwortungsgefühl der Bewohner und verzichtet auf Verordnungen mit Sanktionen. Die Bewohner sollen die Wohnung nur verlassen, um Arbeiten zu gehen, Lebensmittel einzukaufen oder Angehörige zu pflegen. Die Medienberichten zufolge herrschte am Freitagabend dichter Verkehr auf den Autobahnzubringern.  

Die Lage in beiden betroffenen Regionen und - aufgrund der Ausbreitung dort - auch in ganz Spanien wird zunehmend ernst. Einige Fachleute befürchten eine zweite Coronavirus-Welle spätestens im Herbst, andere weitere Ausbrüche. Es werden auch Forderungen laut, konsequenter gegen die Übertragung des Coronavirus vorzugehen. Das Sars-CoV-2 erlischt nur dann, wenn die sozialen Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren werden und die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Quarantäne-Maßnahmen oder Ausgehsperren müssten mit „chirurgischer Präzision" in Wohnblöcken, Straßenzügen, Vierteln, Städten, Kreisen oder Regionen notfalls verhängt werden.

Miguel Hernán, Professor für Epidemien an der der Universität Harvard, widerspricht auch der Linie des Gesundheitsministeriums und führt die Sars-CoV-2-Ausbreitung auf ein eben nicht gut genug ausgebautes oder funktionierendes System der Früherkennung zurück. „Was wir erleben, ist zurückzuführen auf einen Mangel an Informationssystemen, die eine schnelle Erkennung ermöglichen. Es kann sein, dass wir mehr Fälle, eine intensivere Überprüfung der sozialen Kontakte und eine hohe Auslastung der Krankenhäuser erleben“, sagte er gegenüber der Zeitung „El País“.

Update, Freitag, 17. Juli: Seit dem 10. Mai hat das Gesundheitsministerium nicht mehr so viele Coronavirus-Infizierte in Spanien gemeldet wie vom Mittwoch auf Donnerstag. Demnach haben sich binnen 24 Stunden 580 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. Drei Menschen sind an Covid-19 gestorben. Mit 266 Neuinfizierten gilt Aragón als die Region mit den meisten Fällen. Insgesamt gibt es in Spanien 158 Infektionsherde, die laut Gesundheitsminister Salvador Illa von den Behörden der jeweiligen Regionen kontrolliert werden. Auch den schlimmsten Fall in Katalonien im Kreis Segriá hält Gesundheitsminister Salvador Illa für „ziemlich stabil“. „Ich kann Ihnen aber auch nicht meine tiefe Besorgnis darüber verbergen“, sagte er.

Als Hotspots gelten derzeit Katalonien und Aragón, auch wegen der räumlichen Nähe der Infektionsherde zueinander. Das Coronavirus breitet sich von Lleida aus und kommt Barcelona nahe. Gesundheitsminister Illa rechnet heute mit Maßnahmen in L‘Hospitalet de Llobregat, das ist in unmittelbarer Nähe der Metropole liegt.

Die Region Navarra führt die allgemeine Maskenpflicht ein.

Gesundheitsminister Salvador Illa nimmt im Radiosender Onda Cera Stellung zu den neuesten Fällen und betont die wichtige Rolle der Kommunen. „Die Rolle der Rathäuser ist sehr wichtig, genauso wie die Koordination zwischen allen Ressourcen in unmittelbarer Nähe. Wir bemühen uns um größtmögliche Transparenz. Wir registrieren einen Anstieg der Fallzahlen. 70 Prozent der Fälle sind asymptomatisch, was heißt, dass diese Fälle durch aktive Suche entdeckt werden und die Früherkennung auch funktioniert. Es sind Krankheitsfälle, deren Verlauf meist sehr viel leichter ist.“

Update, Donnerstag, 16. Juli: 93.000 Nerze fallen der Coronavirus-Krise in Aragón zum Opfer. Die Landesregierung von Aragón ordnet die Tötung der Zuchttiere an, da sieben Mitarbeiter des Betriebs in Puebla de Valverde vor knapp zwei Monaten positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Weitere Tests ergaben, dass sich 87 Prozent der Nerze mit dem Coronavirus infiziert hatten. Daraufhin beschloss die Regionalregierung, alle Tiere zu keulen, um eine mögliche Übertragung des Erregers auf Menschen zu verhindern. Auch in den Niederlanden waren Anfang Juli nach Corona-Ausbrüchen in 20 Zuchtbetrieben zehntausende Nerze getötet worden. Die Behörden gaben damals im Mai bekannt, dass sich zwei an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankte Mitarbeiter „sehr wahrscheinlich“ bei den Tieren angesteckt hatten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem der „ersten bekannten Fälle einer Übertragung“ des neuartigen Coronavirus von Tier zu Mensch.

Update, Dienstag, 14. Juli: Coronavirus an der Costa Blanca: Auch im Land Valencia gibt es mehrere Infektionsherde, die aber weitgehend unter Kontrolle scheinen. Am Montagabend wurde eine vierköpfige Familie im Urlaub in Santa Pola, etwa 10 Kilometer südlich von Alicante, positiv auf das Coronavirus getestet und als „Cluster" isoliert. Ihre Kontakte werden jetzt überprüft.

Spanienweit meldet der Leiter des Krisenstabes der spanischen Regierung, Fernando Simón am Montag 120 identifizierte Coronavirus-Infektionsherde, die rund 2.200 Infizierte repräsentieren. 70 Prozent davon seien ohne Symptome, was aber nicht die Ansteckung von gefährdeten Gruppen ausschließe, so Simón. Wegen der freien Mobilität sinkt das Durchschnittsalter der Infizierten. Simón erinnerte daran, dass „neue Normalität“ nicht bedeutet, „dass man so weitermachen kann wie früher“. Insgesamt sieht Simón die Lage in Spanien günstig und und unter Kontrolle.

Die Regierung verhandelt derzeit mit den Regionen über einen schnellen und einheitlichen Eingreifplan, der bei größeren Covid-19-Ausbrüchen Notmaßnahmen ohne komplizierte parlamentarische und administrative möglich macht und landesweit vereinheitlicht.

Gericht kippt Coronaviurs-Quarantäne in Katalonien

Update, Montag, 13. Juli: Die katalanische Landesregierung hat angesichts von 190 Neuinfektionen binnen 24 Stunden im Hot-Spot im Landkreis Segrià sowie der Stadt Lérida (siehe Sonntag) eine Ausgangssperre für rund 160.000 Personen verhängt, ähnlich jener wie sie ganz Spanien seit dem 14. März erdulden musste. Ein Gericht in Barcelona hob die Maßnahme in einem Eilverfahren noch vor Inkraftreten am Montag wieder auf. Begründung: Die Generalitat (Kataloniens Landesregierung) hat nicht die rechtliche Kompetenz Maßnahmen dieser Tragweite zu verhängen. Das dürfe auch die Zentralregierung in Madrid nur, wenn sie den Alarmzustand verhängt, der vom Parlament entsprechend kontrolliert werden kann. Die Landesregierung „bittet" nun die Bürger der betroffenen Zonen, nur für die nötigsten Besorgungen raus zu gehen.

Auch die Regionen Extremadura und Murcia haben sich Katalonien und den Balearen bei der unbedingten Maskenpflicht angeschlossen.

Lokale Quarantänen in Spanien wegen Coronavirus - Infektionsherde im ganzen Land

Update, Sonntag, 12. Juli: Die beiden großen Tageszeitungen „El País“ und „La Vanguardia“ geben Lérida (Lleida) verloren. Beide Zeitungen schreiben angesichts von über 800 Infektionen nicht mehr von einem Infektionsherd (brote), sondern von einer allgemeinen Verbreitung des Coronavirus (transmisión comunitaria). Demnach eröffnen sich zwei Möglichkeiten: Der katalanische Ministerpräsident Quim Torra bevorzugt den Berichten von „El País“ und „La Vanguardia" zufolge ein striktes Ausgehverbot, andere Landespolitiker drängen eher auf ein Ausgehverbot mit gewissen Freiräumen wie sie im Deeskalationsplan der spanischen Regierung angewandt wurden. Möglich, dass eine der beiden Optionen bald zur Anwendung kommt. Der Fall Lleida zeigt im Vergleich zum angrenzenden Ausbruch in Aragón, wie wichtig das von der Weltgesundheitsorganisation propagierte Motto „hit early, hit hard“ - also ein schnelles und konsequentes Vorgehen - bei Ausbrüchen und Infektionsherden ist. Aragón hat das durchgezogen und scheint unter Kontrolle, Lleida hat wertvolle Tage verloren.

Update, Samstag, 11. Juli: Valencia erleidet Coronavirus-Rückschläge: Acht Infektionsherde, einer nahe der Costa Blanca.

Update, Freitag, 10. Juli: Drei große Infektionsherde sind derzeit in Spanien aktiv: Einer im Kreis A Mariña in der Provinz Lugo in Galicien, ein anderer in Lérida (Lleida) in Katalonien im Kreis Segrià und ein weiterer in Aragón. Während Teile Aragóns zurück in die Phase 2 des Deseskalationsplans gegangen sind, haben sich die Landesregierungen von Katalonien und Galicien entschieden, die betroffenen Kreise zu isolieren, mit der Folge, dass man dort weder raus noch rein darf. Innerhalb der beiden betroffenen Gebiete können sich die etwa 280.000 betroffenen Menschen weitgehend frei bewegen. Insgesamt verzeichnet Spanien 73 aktive Infektionsherde, immer wieder müssen die Gesundheitsbehörden gegen über das Land verteilte Ausbrüche vorgehen, wobei die in Aragón und Lleida die größten Sorgen bereiten. Katalonien und die Balearen haben als Präventivmaßnahme eine allgemeine Maskenpflicht im öffentlichen Raum verhängt, weitere Regionen erwägen ebenfalls diese Maßnahme. Am Sonntag finden in Galicien und im Baskenland Landtagswahlen statt. Auch Andalusien meldet neue Infektionsherde.

Die katalanische Landesregierung meldet am Abend 774 neue Coronavirus-Infektionen aus Katalonien, 280 davon stammen aus Lleida. Die Zahl umfasst allerdings nicht nur Fälle aus den vergangenen 24 Stunden, einige Sars-CoV-2-Fälle liegen drei Tage zurück. Nimmt man die gewohnte spanische PCR-Test-Erfassung binnen 24 Stunden her, müsste man 577 Fälle aufführen. Beunruhigend: 26 Coronavirus-Fälle erfassten die Behörden im Nachbarkreis Alt Urgell, in Oliana und bei 58 Prozent der Fälle handelt es sich um „normale Bevölkerung“ - die Covid-19-Fälle sind nicht mehr hauptsächlich Erntehelfern, Arbeitern in der Fleischindustrie und Bewohnern von Seniorenresidenzen sowie deren Angehörigen zuzuordnen. Nur noch 28 Prozent der Covid-19-Betroffenen arbeiten in den Obstplantagen. Die Gesundheitsbehörden stehen vor dem Problem, dass sie aufgrund der Fallzahlen kaum noch Echtzeitkontrollen im sozialen Umfeld der Infizierten durchführen können. Auf Katalonien kommt eine kritische Woche zu.

Update, Montag, 6. Juli: Am Sonntag - zwei Wochen nach Ende des Coronavirus-Notstandes in Spanien - wurde der Kreis A Mariña mit 80.000 Einwohnern in der Provinz Lugo in Galicien unter Quarantäne gestellt. Im Umfeld von Bars im Hafenviertel Puerto de Burela wurden in kurzer Zeit über 150 neue Coronavirus-Infektionen detektiert. Bereits in der Vorwoche betraf die erneute Isolation Teile des Kreises Segrià in der Provinz Lérida in Katalonien mit über 200.000 Menschen. Die katalanischen Behörden wollen jetzt eine allgemeine Maskenpflicht einführen, um neue Corona-Ausbrüche zu verhindern. Außerdem mussten 80.000 Personen in Aragón wieder in Phase 2 des Deeskalationsplans zurückkehren, einzelne Wohnanlagen in Santander (Kantabrien) und Albacete (Castilla-La Mancha) sind ebenfalls unter Quarantäne.

Erstmeldung vom 4. Juli: Madrid - Der Chef des Coronavirus-Krisenstabes der Regierung in Spanien, Dr. Fernando Simón, beruhigt und warnt gleichermaßen. Die Zahlen der Rückfälle überraschten ihn nicht, denn dass die Infektionen mit dem Coronavirus mit der Lockerung und Aufhebung des Notstandes ansteigen würden, sei nur normal. Man habe die bekannten Coronavirus-Cluster unter Beobachtung und überwiegend im Griff, sagte Simón am Freitag vor der Presse. "Es ist alles im Rahmen dessen, was wir erwartet haben".

Touristen als Coronavirus-Gefahr: Schleppen Briten eine zweite Welle ein?

Es sei allerdings kein leeres Gerede, wenn die Regierung und auch die kommunalen Autoritäten immer wieder auf die Maskenpflicht, die Abstandsregeln, die Hygienevorschriften sowie alle anderen Regeln für die „neue Normalität“ und die Einschränkungen in der Gastronomie und im Handel sowie im Unterhaltungssektor hinweisen.

Das große Fragezeichen bilden indes die nach Spanien einreisenden Urlauber, vor allem aus Ländern wie Großbritannien, die bei der Bekämpfung der Pandemie nicht nur legerer vorgegangen sind, sondern auch bei den Fallzahlen weit hinter den Erfolgen der Spanier beim Biegen der Kurve zurückbleiben. Dass die medizinischen und administrativen Einreisekontrollen in Spanien keinen wirksamen Schutz gegen das Einschleppen des Coronavirus bedeuten können, ist die große Sorge der Krisenmanager um Simón.

Strikte Regeln gelten auf den Wochenmärkten in Spanien. Abstand, Desinfektionsgel und Maskenpflicht sollen neue Coronavirus-Ausbrüche vermeiden helfen.

Skepsis in Spanien: Coronavirus in Gütersloh und Massen an Englands Stränden

Doch auch die Spanier sehen in punkto Coronavirus die Nachrichten aus Madrid, das sich bald kollektiv an die Strände des Mittelmeeres aufmachen wird, aus der Fleischfabrik in Gütersloh oder von den Stränden des südenglischen Bournemouth mit großer Sorge. Während die einen auf Touristen und deren Geld warten, hätten die anderen ihr Land zumindest diesen Sommer am liebsten ganz für sich.

Der Virologe Simón verweist darauf, dass Spanien mittlerweile eine ausreichende Testkapazität, genug geschultes Personal in den Einrichtungen der medizinischen Erstversorgung und - notfalls - auch ausreichend Krankenhausbetten, inklusive Intensivbetten habe, um eine zweite Corona-Welle zu meistern. Darauf ankommen lassen solle man es aber aus bekannten Gründen nicht. Spanien habe einfach zu stark gelitten und zu viele tragische Verluste erlitten, wie die Chronik der Coronavirus-Krise in Spanien belegt und wie Regierungschef Pedro Sánchez im Interview erklärt.

Aktuelle Coronavirus-Lage in den Urlaubs-Regionen in Spanien Anfang Juli

Elf der 17 Coronavirus-Toten vom Donnerstag, 2. Juli, stammen aus Madrid, sind sozusagen „Altfälle“. Beunruhigend ist allerdings nicht so sehr die Zahl 174 Neuinfizierter, sondern der steile Anstieg zu den Vortagen und das immer schnellere entstehen von immer mehr kleinen und mittleren Infektionsherden in Spanien, die die Gesundheitsbehörden bei der Identifizierung und Verfolgung vor enorme Herausforderungen stellen. Von einem Infektionsherd spricht man, wenn aus einer Gruppe drei oder mehr Personen infiziert sind.

Aktuelle Infektionsherde Coronavirus Spanien (Stand 4. Juli, 13 Uhr: 69 Cluster in Spanien)

Neue Coronavirus Quarantäne in Katalonien - Costa Brava noch sicher

Am Freitag musste die Landesregierung in Katalonien 200.000 Personen im Kreis Segrià, Hauptstadt Lleida (Lérida), wieder unter Quarantäne stellen. Madrid hat in einem Unternehmen fünf Infizierte lokalisiert und die 13 anderen Kollegen unter Beobachtung gestellt.

In Andalusien waren am Freitag acht Coronavirus-Infektionsherde lokalisiert, je zwischen fünf und 26 Infizierten. Mit einer Ausnahme, in der Provinzhauptstadt Málaga wird ein Großherd von 105 Infizierten im Flüchtlingslager des Roten Kreuzes, Centro de Acogida de Emergencia y Derivación, unter Verschluss gehalten.

Situation auf Mallorca und den Kanaren

Balearen: Am Freitag berichtet der regionale Krisenstab von drei Clustern, die "im Rahmen des Erwartbaren" liegen, so Stabschef Javier Arranz gegenüber "El Mundo". Unter Quarantäne stünden eine Familie in Inca auf Mallorca sowie einem Haus in der Landeshauptstadt Palma de Mallorca. Eine Familie an mehreren Standorten in Ibiza ist ebenfalls erfasst.

Kanarische Inseln: Auf der Insel Fuerteventura, das wochenlang Covid-frei war, steht man am Freitag bei 37 positiv auf Sars-CoV-2 Getesteten, die meisten davon aufgenommene Bootsflüchtlinge, die im Puerto del Rosario isoliert wurden.

Nur Einzelfälle an Costa Blanca, Costa de Sol und Costa Cálida

In Murcia mit der Costa Cálida stiegen die fast auf Null gefahrenen Coronavirus-Infizierten in der vergangenen Woche wieder auf 37. Elf davon erwischte es in einem Agrarbetrieb der Landeshauptstadt Murcia. Drei Positive fand man auch in Torrepacheco unweit des Mar Menor, bei Reisenden, die aus Granada kamen, achte weitere Fälle gehen ebenfalls auf Einwanderer vom Mittelmeer zurück. Alle Herde gelten laut Landesregierung als "unter Kontrolle".

Der größte Coronavirus-Infektionsherd in der Region Valencia mit Costa de Azahár und der Costa Blanca ist derzeit in der Fleischfabrik in Rafelbunyol, der mit 14 Infizierten zu Buche schlägt, aber als eingegrenzt gilt. In Castellón hat man 16 Infizierte gefunden, offenbar angesteckt von einem Besucher aus Lleida. In Alicante wird derzeit nur von Einzelfällen berichtet, meist Inlandsurlauber, einen Cluster habe man hier derzeit nicht - was sich aber, die Warnung Simóns sei allen Pflicht - beim Nachlassen der Vorsicht schlagartig ändern könnte. Warum es aus Sicht der Wissenschaftler in Spanien eine zweite Welle des Coronavirus geben wird.

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