Männer und Frauen sonnen sich an einem Strand in Spanien.
+
Auch in Spanien breitet sich die Delta-Variante aus. Ist deshalb der Sommer-Urlaub in Gefahr?

Corona-Variante

Delta-Variante in Spanien: Was wird diesen Sommer aus dem Urlaub?

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
    schließen

Die Delta-Variante breitet sich auch in Spanien aus. Wie schnell der Traum vom Sommer-Urlaub vorbei sein kann, zeigt das Nachbarland Portugal.

Madrid - Spaniens Gastronomen und Hoteliers schauen vereint mit einer Mischung aus Resignation und Bestürzung zum Nachbarn: Kaum hatte das Robert-Koch-Institut Portugal zum Virusvarianten-Gebiet erklärt, packten die deutschen Urlauber ihre Koffer und verließen das Land, so schnell sie konnten. Grund ist die Delta-Variante, die als wesentlich ansteckender gilt als andere Corona-Varianten. Und Spanien hat durchaus Grund zur Sorge: Auch hier breitet sich die Delta-Variante aus, und zwar mit großer Geschwindigkeit.

Delta-Variante in Spanien: Ausbreitung von Region zu Region unterschiedlich

Das Gesundheitsministerium gibt den Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen zwar für ganz Spanien aktuell mit 2,7 Prozent an. Wobei „aktuell“ relativ ist: Der neueste Virusvarianten-Bericht für Spanien wurde zwar am Montag veröffentlicht, bezieht sich aber auf die 22. Kalenderwoche - also vom 31. Mai bis 6. Juni. Neuere offizielle Zahlen gibt es nicht. In dem Bericht heißt es, dass der Anteil der Delta-Variante von Region zu Region unterschiedlich ist: Er liege in einigen Autonomen Gemeinschaften bei 0, in anderen bereits bei über zehn Prozent. „In einigen Regionen steigt der Anteil rapide an“, heißt es. In Katalonien etwa, so das Landesgesundheitsministerium in Barcelona, liege der Anteil der Delta-Variante mittlerweile bei 32 Prozent. Fernando Simón, Chef des spanischen Corona-Krisenstabs, bezifferte den aktuellen Anteil der Delta-Variante in Spanien am Montag auf drei bis vier Prozent, in einzelnen Regionen bis zu 15 Prozent. „Uns fehlen weitere Daten, aber wir wissen, dass die Präsenz der Variante sich ausbreitet“, so Simón. Was Reisende, die ihren Flug schon gebucht haben, tun können, um trotz Corona Ärger zu vermeiden, berichtet wa.de*.

Wie schnell sich die Situation ändern kann, zeigt der Nachbar Portugal: Hier ist der Delta-Anteil binnen einem Monat von vier Prozent auf 55,6 Prozent hochgeschnellt. Für Spanien ist die Ausbreitung der Delta-Variante so kurz vor der Sommer-Hochsaison eine Hiobsbotschaft. Dabei waren die Hoffnungen auf einen einigermaßen normalen Urlaub in Spanien groß. Gerade erst hatte die spanische Regierung nicht zuletzt mit Hinblick auf die Urlaubs-Monate Juli und August die Maskenpflicht im Freien abgeschafft und zuvor die Einreisebestimmungen weitreichend gelockert. Zuletzt hatte auch Großbritannien zumindest die Balearen auf die grüne Ampel umgestellt, sodass britische Urlauber nach der Rückkehr von den Inseln nicht mehr in Quarantäne müssen. Bei der Einreise nach Spanien brauchen Briten allerdings wieder einen negativen PCR-Test.

Delta-Variante in Spanien: Konsequenzen für Urlauber

Nach einem Aufenthalt auf dem Festland müssen Briten in ihrer Heimat nach wie vor in der Heimat in Quarantäne. Sollte jetzt auch noch das Robert-Koch-Institut Spanien wegen der Ausbreitung der Delta-Variante zum Virusvarianten-Gebiet erklären, hätte das weitreichende Folgen für potenzielle Urlauber. Aktuell gelten in Spanien nur noch die Regionen Andalusien, Ceuta, Navarra, La Rioja und das Baskenland als Corona-Risikogebiete. Das bedeutet für Urlauber: Wer aus Spanien nach Deutschland einreist, braucht so oder so einen negativen Corona-Test oder einen Nachweis über die vollständige Impfung beziehungsweise die Genesung innerhalb der letzten sechs Monate. Wer aus einem der spanischen Risikogebiete einreist, muss sich zusätzlich vorab über das Online-Einreiseformular anmelden. Laden Urlauber aus einem Risikogebiet bereits vor der Abreise ihr Testergebnis oder den Nachweis über Impfung beziehungsweise Genesung auf das Einreiseformular hoch, fällt keine Quarantäne an. Das ändert sich allerdings bei der Einreise aus einem Virusvarianten-Gebiet: Dann ist an 14 Tagen Quarantäne nach der Rückkehr nicht zu rütteln.

Hinzu kommt, dass grundsätzlich ein Beförderungsverbot für Einreisende aus Virusvarianten-Gebieten besteht. Ins Land gelassen werden dann bis auf wenige weitere Ausnahmen nur noch deutsche Staatsbürger und Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Das heißt zwar, dass deutsche Urlauber immer wieder in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Wie groß das Angebot an Flugverbindungen allerdings noch wäre, sollte Spanien zum Virusvarianten-Gebiet erklärt werden, steht auf einem anderen Stern. Aktuell wird sich an den grundsätzlichen Einreisebestimmungen in Deutschland aber trotz der Delta-Variante nichts ändern*, berichtet fr.de*. Die Ministerpräsidenten einiger Bundesländer hatten angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante eine Verschärfung der Auflagen für Reise-Rückkehrer gefordert, die Vertreter von Bund und Ländern haben sich am Montag jedoch nicht darauf geeinigt.

Delta-Variante: Inwieweit schützt die Impfung vor der Mutation?

Die Auswirkungen auf den Sommer-Urlaub mit steigender Ausbreitung der Delta-Variante in Spanien ist nicht die einzige Sorge, die die indische Corona-Mutation mit sich bringt. Denn die Delta-Variante schafft es offenbar besser als ihre Vorgänger Alpha und Beta, die Impfstoffe auszutricksen. Das zeigt Großbritannien, wo der Anteil der Delta-Variante mittlerweile laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bei 90 Prozent liegt. In Großbritannien hat man auch untersucht, an welchen Symptomen Betroffene eine Infektion mit der Delta-Variante erkennen können*, berichtet echo24.de*. Am Freitag vermeldeten die britischen Gesundheitsbehörden 117 Todesfälle nach einer Corona-Infektion mit der Delta-Variante. 50 der Patienten waren vollständig geimpft, allesamt Risikopatienten. Nach einer Untersuchung der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) ist der Schutz durch die Impfung vor einem schweren Verlauf nach einer Infektion mit der Delta-Variante aber hoch - mit Unterschieden zwischen den einzelnen Herstellern:

  • BioNtech-Pfizer bei vollständiger Impfung: 96 Prozent Schutz vor einem Covid-Verlauf, der die Einweisung ins Krankenhaus erforderlich macht. 88 Prozent der Geimpften entwickeln keine Symptome. Nach einer Impfdosis: Schutz vor Krankenhaus-Einweisung 94 Prozent, Schutz vor Symptomen 33 Prozent.
  • AstraZeneca bei vollständiger Impfung: 92 Prozent Schutz vor einem Verlauf mit Krankenhaus-Einweisung, 60 Prozent Schutz vor Symptomen. Nach einer Impfdosis: 71 Prozent Schutz vor Krankenhaus-Aufenthalt, 33 Prozent Schutz vor Symptomen.

Für die Studie zur Wirksamkeit der Impfstoffe bei der Delta-Mutante hat die PHE 14.000 Fälle von Corona-Infektionen mit der Delta-Variante untersucht. Zu den Impfstoffen Janssen und Moderna gibt es bezüglich der Delta-Variante noch nicht genügend Daten, in Großbritannien wird vor allem AstraZeneca und BioNtech-Pfizer verabreicht. In Spanien liegt der Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung aktuell bei 35 Prozent, eine Impfdosis haben über 52 Prozent bekommen.

Delta-Variante in Spanien: Inzidenz steigt wieder

Derweil verzeichnet Spanien wieder mehr Neuinfektionen, nachdem die Zahlen wochenlang zurückgingen - ein Teil davon ist auf den Massenausbruch nach Abschlussfahrten auf Mallorca zurückzuführen. So liegt die 14-Tages-Inzidenz in Spanien aktuell bei gut 100, vor einer Woche lag der Wert bei 92 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. In Regionen wie Valencia, wo die Inzidenz wochenlang extrem niedrig war, macht sich der Anstieg besonders bemerkbar: In der Region, zu der die Costa Blanca gehört, ist die 14-Tages-Inzidenz binnen einer Woche von 45 auf 75 hochgeklettert. Valencias Landeministerpräsident Ximo Puig mahnte deshalb am Dienstag auch weiterhin zur Vorsicht - und rief dazu auf, freiwillig weiterhin eine Maske zu tragen. Unterdessen kündigte Puig auch an, die Impfung der Altersgruppe 30 bis 39 vorzuziehen: Ab Montag, 5. Juli, werden die unter 40-Jährigen geimpft. *costanachrichten.com, fr.de, echo24.de und wa.de und sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare