Natur, Geschichte und Gastronomie

Spanien-Geheimtipp für den Herbst: Navarra und der riesige Wald Selva de Irati

  • vonJudith Finsterbusch
    schließen

Wer Spanien nicht nur wegen der Sonne liebt, dem sei der Norden des Landes empfohlen. Ein Geheimtipp ist das riesige Waldgebiet Selva de Irati in Navarra, das sich im Herbst von seiner schönsten Seite zeigt.

Ochagavía - Mehr als 300 Sonnentage im Jahr sind der Traum vieler, die im deutschen Grau den Herbst- und Winterblues anstimmen. Die Costa Blanca etwa bietet fast ganzjährig Sonne und ist nicht nur deshalb einer der spanischen Touristenmagnete. Doch Spanien ist viel mehr als Sonne und Meer: Ganz im Norden Spaniens, in der Region Navarra an der französischen Grenze, bietet dieses abwechslungsreiche Land richtigen Herbst, wie er im Buche steht. Hier gibt es einen Geheimtipp mit Nebel, Laub und diesem einzigartigen Farbenspektakel aus Gold, Gelb und Braun, wie es nur Wälder malen können: Die Selva de Irati.

NavarraSpanische autonome Gemeinschaft
AmtsspracheSpanisch, in Teilen des Territoriums auch Baskisch
LandSpanien
Bevölkerung649.946 (Stand 2019)

Geheimtipp im Norden Spaniens: Der Wald Selva de Irati in Navarra ist im Herbst am schönsten

Bei Ausländern ist die kleine Region Navarra zwischen Baskenland und Aragón eher unbekannt, höchstens ihre Hauptstadt Pamplona erregt einmal im Jahr zu den Sanfermines die Gemüter. Doch an der Grenze zu Frankreich, bis in die Pyrenäen hinein, erstreckt sich der Spanien-Geheimtipp Selva de Irati, der zweitgrößte Tannen- und Buchenwald Europas nach dem Schwarzwald. 17.000 Hektar Natur pur finden sich in diesem riesigen Paradies im Norden von Spanien, das trotz der seit dem 16. Jahrhundert betriebenen Forstwirtschaft hervorragend und fast unberührt erhalten ist: Die Navarros wissen, was sie an ihrer Selva haben und sind stolz auf den Wald, der sich im Herbst von seiner schönsten Seite zeigt.

Besucher des Waldes zahlen einen symbolischen Eintritt von zwei Euro und bekommen einen Flyer mit Verhaltensregeln in die Hand gedrückt. Das Geld soll helfen, das Naturschutzgebiet im Norden von Spanien instand zu halten. Der Zugang dieses Geheimtipps in Navarra ist im Sommer wie im Herbst kontrolliert, nur über die Orte Orbaizeta im Westen und Ochagavía im Osten bekommen Ausflügler Eintritt in die Selva de Irati, dessen Namensgeber der Fluss Irati ist.

Durch den Herbst wandern: Geheimtipp Selva de Irati offenbart eine unbekannte Seite Spaniens

16 gut markierte Wander- und Spazierwege schlängeln sich durch die Selva de Irati, einige davon sind unter zehn Kilometer lang und somit auch mit Kindern oder Senioren gut zu bewältigen. Im frühen Herbst zeigt sich der Wald ganz in seinem schönsten Kleid: Das Farbspiel reicht von Grün über Gelb, Gold und Rot bis hin zu Braun - ein Geheimtipp für alle, die Spanien mal von einer ganz anderen Seite kennenlernen möchten.

Die Wälder im Norden Spaniens haben im Herbst etwas Zauberhaftes - ein Geheimtipp für Wanderer und Naturliebhaber.

Doch selbst im späten Herbst, im November, hat der Wald mit seiner dicken Laubdecke auf dem Boden und den schon recht kahlen, hohen Bäumen noch etwas Zauberhaftes. Fast rechnet man damit, in der Selva de Irati einem Basajaun zu begegnen, dem Herrn der Wälder aus der baskischen Mythologie. Auch als „Yeti Vasco“ bekannt, gilt der sanfte Riese als Beschützer der Schafherden, der die Hirten in Navarra mit einem Pfiff vor Wölfen warnt und sich im Gegenzug über ein Stück Brot freut. Schafherden gibt es hier wahrlich zu Genüge, ebenso gehören grasende Kühe und Pferde im dicken Winterfell zum Landschaftsbild des nördlichen Spaniens.

Geheimtipp führt in die Vergangenheit: Ehemalige Waffenfabrik an der Grenze von Spanien zu Frankreich

Ein weiterer Geheimtipp liegt nur fünf Kilometer von der Grenze Frankreich-Spanien entfernt, etwas außerhalb des eigentlichen Waldes Selva de Irati liegt die ehemalige königliche Waffen- und Munitionsfabrik von Aezkoa. Heute sind nur noch Ruinen von der Anlage übrig, doch ab dem 18. Jahrhundert versorgten die Arbeiter von hier aus ein Jahrhundert lang das Militär mit Waffen. Der Ort im Norden von Navarra war für ein solches Unternehmen denkbar günstig gewählt: Holz bot der Wald im Überfluss, eine Eisenmiene lieferte das notwendige Metall, und Wassermangel herrschte ebenfalls nicht. Gleichzeitig wurde die Lage hoch oben in Spanien aber auch zum Fluch: Durch die Nähe zur Landesgrenze war die Fabrik immer wieder Opfer von Raubzügen und Bränden, bis sie nach unzähligen Wiederaufbau-Versuchen die Produktion endgültig einstellte.

Alle natürlichen und von Menschenhand errichteten Sehenswürdigkeiten rund um die Selva de Irati in einem Spanien-Urlaub abzuklappern wäre unmöglich. Wer aber zumindest einige sehen möchte, sollte sich einige Tage Zeit für Navarra nehmen - sei es im Herbst oder im Sommer. Als Unterkünfte bieten sich die unzähligen Landhäuser an, seien es Hotels, Hostales oder Ferienwohnungen. Ein kleiner Geheimtipp ist die Posada Sarigarri in dem winzigen Dorf Abaurrea Baja mit seinen 33 Einwohnern. Gute Voraussetzungen also auch für einen Corona-freien Urlaub.

Geheimtipps für Spanien-Urlaub in Navarra aus erster Hand

Zwei Katalanen führen das Gasthaus so liebevoll, dass man sich hoch im Norden von Spanien gleich wie zu Hause fühlt. Die Betreiber versorgen ihre Gäste nicht nur mit hervorragender Hausmannskost aus der Region, sondern kennen die Gegend rund um die Selva de Irati wie ihre Westentasche und sind immer gern bereit, den einen oder anderen Geheimtipp zu verraten. Gegenstück zu dem Weiler ist Abaurrea Alta mit immerhin noch 121 Einwohnern und auf 1.039 Metern das höchstgelegene Dorf Navarras.

Von hier aus gelangt man über Escaróz ins nächstgrößere Städtchen: Ochagavía. Während die ganz kleinen Dörfer in Navarra über fahrende Händler mit Nahrungsmitteln und Kleidung versorgt werden, gibt es hier ein paar Lädchen. Auch die Touristinfo befindet sich in Ochagavía, hier können Besucher sich weitere Geheimtipps für den ein oder anderen Ausflug geben lassen. Die hübsche Altstadt Ochagavías lädt zu einem Herbst-Spaziergang ein, und die Flüsse Anduña und Zatoia sind ein beliebtes Fotomotiv. Folgt man weiter der kurvigen Landstraße NA-140, kommt bald die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Hier gibt es weitere Wanderwege, im Winter auch einige Ski-Langlaufpisten.

In Saint Jean Pie de Port beginnt der Jakobsweg. Im Herbst sind dort nur wenige Pilger unterwegs, dann wird der historische Ort zu einem Geheimtipp für einen Abstecher von Spanien aus.

Ein absolutes Muss ist von Abaurrea aus auch ein Ausflug in die andere Richtung, nach Nordwesten. Dort sollte man Spanien verlassen und über die Grenze nach Saint Jean Pied de Port zum Beginn des französischen Jakobsweges fahren. In den Gassen der kleinen Stadt ist die Pilger-Präsenz überall spürbar. Kaum ein Haus ohne Jakobsmuschel, überall Schilder, die auf Herbergen oder ein besonders günstiges Mittagsmenü für Pilgerer hinweisen. In der Nebensaison wie jetzt im Herbst sind jedoch kaum Wanderer mit großen Rucksäcken unterwegs, stattdessen schlendern Ausflügler übers Kopfsteinpflaster der Altstadt. Diese ist noch immer von einer Stadtmauer umgeben, und an den Häusern entlang der Rue de la Citadelle steht oft das Jahr, in dem das Gebäude errichtet wurde: Die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert. In kleinen Läden sind Gewürze, Tees, Wein, Käse und Honig aus der Region im Angebot. Ein Geheimtipp für ein originelles Souvenir: Mehrere Geschäfte bieten Kleidung aus echter Pyrenäen-Schafwolle an.

Auf den Spuren von Karl dem Großen: Zurück in Spanien unbedingt Roncesvalles anschauen

Auf dem Rückweg nach Spanien empfiehlt sich ein Stopp in Roncesvalles, wo die ortsansässigen Basken in jener denkwürdigen Schlacht am 15. August 778 die Nachhut des Truppenzuges Karls des Großen unter der Führung des edlen Ritters Roland vernichteten. Damit rächten sich die Basken für die Zerstörung ihrer Hauptstadt Pamplona und lieferten die historische Grundlage für das Rolandlied. Heute ist Roncesvalles nicht nur Anlaufstelle für erleichterte Pilger, die die erste – und harte – Jakobsweg-Etappe über die Pyrenäen hinter sich gebracht haben. Besucher wollen vor allem die zahlreichen religiösen Gebäude wie die gotische Stiftskirche Real Colegiata de Santa María, die Santiago-Kirche aus dem 13. Jahrhundert und das Augustinerkloster sehen. Im Museum ist ein Teil des Schatzes von Roncesvalles ausgestellt – und ein angebliches Schachbrett von Karl dem Großen.

Neben Natur und Geschichte hat die Gegend noch einen weiteren Anziehungspunkt: Die Gastronomie Navarras. Im Herbst ist in den Pyrenäen Zeit für die Jagd auf Tauben, die anschließend mit Olivenöl, Essig und Rotwein, aromatischen Kräutern oder - ein echter Geheimtipp - mit ein paar Schokoladenstückchen zubereitet werden. Auch für ihr Rindfleisch ist die Region im Norden von Spanien bekannt, Ternera de Navarra lautet die geschützte Herkunftsbezeichnung. Vor allem der Norden Navarras und die Gegend rund um die Selva de Irati sind berühmt für ihre Forellen. Bei der Trucha a la Navarra füllt der Koch die Fische mit Scheiben vom Serrano-Schinken. Nicht umsonst sagte der bekannte Gastronom Luis Antonio de Vega einst: „Navarra hat der Welt gezeigt, wie man Forellen isst.“

Rubriklistenbild: © Judith Finsterbusch

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare