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Spanien: Mietwagen-Preise steigen 2022 erneut - Tipps zum Sparen

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Von: Judith Finsterbusch

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Vor einem blauen Auto übergibt eine Person einen Autoschlüssel.
Damit bei der Schlüsselübergabe für den Mietwagen in Spanien alles reibungslos klappt, gilt es, ein paar Dinge zu beachten. © David Revenga

2021 trieb Corona die Mietwagen-Preise schon in die Höhe, 2022 sind Leihwagen in Spanien und anderen Urlaubsländern noch einmal teurer. Ein Experte erklärt, warum - und wie Touristen trotzdem ein wenig sparen können.

Alicante - Endlich scheint Corona zwar nicht überwunden, aber doch einigermaßen unter Kontrolle zu sein. Da haben wir uns einen Urlaub doch redlich verdient, ein bezahlbarer Flug ist auch schnell gefunden, doch dann kommt der Dämpfer: Die Mietwagen-Preise sind in Spanien genau wie in anderen Urlaubsländern extrem gestiegen, schon 2021 lagen sie weit über den Preisen aus Vor-Corona-Zeiten. Und 2022 sieht es nicht besser aus, ganz im Gegenteil.

Mietwagen in Spanien: Preise steigen 2022 noch einmal extrem

„Ein Mietwagen kostet dieses Jahr für die Osterferien an der Costa Blanca 140 Prozent mehr als noch im Vorjahr“, sagt Frieder Bechtel, Pressesprecher beim Vergleichsportal billiger-mietwagen.de. In Spanien liegt der durchschnittliche Mietwagen-Preis für die Osterferien 2022 bei 48,15 Euro pro Tag, an der Costa Blanca bei 51,41 Euro. Vor Corona, in den Osterferien 2019, zahlten Touristen im Schnitt 20,36 Euro an der Costa Blanca.

Für die Sommerferien 2022 ist der Preisanstieg bei den Mietwagen sogar noch krasser: Hier lag der Durchschnittspreis 2019 bei etwas über 17 Euro pro Tag, 2022 werden knapp 51 Euro fällig – ein Anstieg von fast 200 Prozent. Schuld an der Entwicklung sind laut Bechtel drei Faktoren, die alle mit Corona zu tun haben. „Im Zuge der Pandemie haben viele Anbieter ihre Autoflotte verkauft. Jetzt steigt die Nachfrage wieder, aber die Unternehmen bekommen wegen des Chipmangels keine Neuwagen“, so der Experte.

Corona vermiest Preise: Mietwagen-Anbieter in Spanien bekommen keine neuen Autos

Dazu kommt, dass für die Autohersteller der Verkauf an Mietwagenfirmen nicht mehr attraktiv ist. „Jeden Mietwagen muss man wieder verkaufen, weil die Autos nach vier Monaten in der Regel als junger Gebrauchtwagen ein zweites Mal auf den Markt kommen. Das war bisher auch in Spanien ein beliebtes System und ein guter Deal für alle. Da Neuwagen jetzt aber so rar sind, verkaufen die Hersteller lieber direkt an Privatkunden – und zu einem besseren Preis“, sagt Bechtel.

So ging vor der Pandemie jeder zehnte Neuwagen in der EU in die Vermietung, heute ist es nur noch jeder siebzehnte. Letztes Jahr fanden 580.000 neue Wagen in der EU ihre Bestimmung in der Autovermietung, 2019 waren es noch 1,3 Millionen. Nun versuchen die Anbieter, den Mangel an Autos mit längeren Laufzeiten zu überbrücken. „Aber Mietwagen werden nunmal stark beansprucht, da bekommt man irgendwann auch ein Qualitätsproblem“, sagt Bechtel.

Prognose für Mietwagen-Preise in Spanien: In naher Zukunft bleiben Autos teuer

Dazu kommt als dritter Faktor, dass das Geschäft außerhalb der Hauptsaison mit Corona noch schwieriger geworden ist. „Früher hatten die Mietwagen zumindest auf dem spanischen Festland eine Mischfunktion: In den Ferien und an den Wochenenden wurden sie von Touristen genutzt, sonst für Geschäftsreisen“, erklärt Bechtel. Da seit Ausbruch der Pandemie viele geschäftliche Treffen nur noch online stattfinden, ist diese Zweitnutzung deutlich zurückgegangen. Auf den Inseln war dieses zweite Standbein ohnehin schon immer schwierig, entsprechend sind Mietwagen auf den Balearen und Kanaren auch in der Regel noch einmal teurer als auf dem spanischen Festland.

Dass die Preise bald wieder runtergehen, ist ebenfalls nicht zu erwarten. Bis 2024 rechnet die Branche nicht mit günstigeren Mietwagen-Preisen, schon allein wegen der Lieferschwierigkeiten seitens der Hersteller. Wer gar 2022 noch auf Schnäppchen hofft, wird in jedem Fall enttäuscht: „Dieses Jahr wird sich an den Preisen garantiert nichts mehr tun“, so Bechtel.

Spar-Tipps vom Experten: Mietwagen für Spanien-Urlaub früh buchen

Ein paar Tipps, um beim Mietwagen zu sparen, hat der Vergleichsexperte dennoch auf Lager. Möglichst von Schulferien und langen Wochenenden weggehen, und vor allem: frühzeitig buchen. „Last Minute-Schnäppchen sind sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn man eins findet, kann man ja immer noch kostenlos stornieren und umbuchen“, so Bechtel. Für die Osterferien 2022 sind Urlauber jetzt ohnehin schon zu spät dran, und auch für den Sommer sollten sich Touristen beeilen. Zumal die Nachfrage nach Urlaub in Spanien groß ist, wie ein Blick in Bechtels Datenbank zeigt. Schon Mitte Februar waren bei billiger-mietwagen.de doppelt so viele Buchungen für Ostern an der Costa Blanca eingegangen wie noch im Vorjahr. Für Spanien insgesamt lag das Buchungsvolumen bei 160 Prozent über dem vom Vorjahr.

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Spanien rechnet dieses Jahr mit einem wahren Urlauberboom – auch dank Corona, sofern das Virus zum Sommer nicht durch die Decke geht. Die Leute haben Lust auf Urlaub, „aber noch kann sich die Corona-Lage schnell wieder ändern. Da buchen Touristen lieber einen Kurztrip ans Mittelmeer als einen Langstreckenflug nach Mexiko oder Asien“, meint Bechtel. Die spanischen Küsten würden davon genauso profitieren wie deutsche Urlaubsziele oder Österreich.

Finger weg von den Inseln: Mietwagen auf Spaniens Festland sind günstiger

Wer früh bucht und innerhalb von Spanien flexibel ist, kann immerhin ein bisschen Geld sparen. Bechtels Tipp: „Das spanische Festland ist auf jeden Fall günstiger als die Inseln“. Auf Mallorca etwa zahlen Urlauber in den Sommerferien im Schnitt 61,42 Euro pro Tag für einen Mietwagen, also zehn Euro mehr als an der Costa Blanca. 2021 waren es knapp 52 Euro, 2019 noch 23 Euro. Auf dem spanischen Festland selbst sind die Preisunterschiede von Ort zu Ort laut Bechtel dann aber kaum noch relevant.

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Auch in anderen beliebten Urlaubsländern haben die Preise deutlich angezogen, in den Osterferien sind Portugal mit durchschnittlich 35,40 Euro pro Tag und Griechenland mit knapp 35 Euro allerdings noch deutlich günstiger als Spanien. Spürbar ist der Anstieg bei den Mietwagen-Preisen aber überall. So geht das Vergleichsportal „Check24“ davon aus, dass die Preise in den Pfingstferien 2022 allgemein um 30,6 Prozent im Vergleich zu 2021 und um 72,7 Prozent im Vergleich zu 2019 gestiegen sind. Für die Osterferien sind es 15,9 beziehungsweise 56 Prozent.

Hohe Preise, mehr Qualität: Weniger Probleme mit Mietwagen-Anbietern in Spanien

Immerhin: Die Mietwagenanbieter scheinen der Corona-Krise getrotzt zu haben. „In Spanien sind alle Anbieter, die es vor der Pandemie gab, immer noch da“, sagt Bechtel. Viele hätten sich von einem Teil ihrer Flotte getrennt, der internationale Riese Hertz etwa habe zwei Drittel seiner Autos weltweit verkauft und sich so über die Flaute retten können. Und auch wenn die gestiegenen Preise für den Urlauber kaum erfreulich sind, sieht Bechtel in der Entwicklung auch Positives. „Ich kann niemanden erkennen, der sich an der Situation bereichert. Ein Mietwagen ist jetzt zwar teurer, aber für den Kunden ist das letztendlich auch ein Qualitätsgewinn“, so der Experte.

Touristen stehen an mehreren Mietwagen-Schaltern in einem Flughafen Schlange.
2022 steigen die Preise für Mietwagen in Spanien erneut an. © Jens Kalaene/dpa

So fänden bei Abholung des Autos nicht mehr so viele aggressive Verkaufsgespräche statt, um dem Kunden unnötige Zusatzleistungen anzudrehen. Bekannterweise fuhren einige Anbieter in Spanien jahrelang die Strategie, Wagen für 20 Euro anzubieten und dem Kunden dann am Schalter noch Versicherungen für 150 Euro aufzudrängen. „Das war leider ein Geschäftsmodell und hat tatsächlich funktioniert“, sagt Bechtel.

Urlaubern rät der Experte weiterhin, bei der Online-Buchung schon alles anzugeben, von der gewünschten Versicherung über zusätzliche Fahrer bis hin zu Kindersitzen. „Wenn bei der Online-Buchung nur ein Basispaket genommen wird, ist die Aufstockung bei Abholung immer teurer“, sagt Bechtel. Ist zwischen der Buchung und dem Urlaub dann schon einige Zeit vergangen, sollte man sich die Unterlagen kurz vorher noch einmal genau anschauen. „So geht man gut vorbereitet in die Abholung. Man weiß, was man hat, was man will und was nicht und kann Leistungen freundlich, aber bestimmt ablehnen“, sagt Bechtel.

Tipps für Mietwagen-Kunden in Spanien - Von der Buchung bis zur Rückgabe

Zu guter Letzt sollte sich der Kunde auch den Service vor Augen führen, den er für sein Geld bekommt. „Man fährt direkt vom Flughafen bequem zum Ziel, mit einem Auto, das mehrere 10.000 Euro kostet, und zahlt dafür einen Tagespreis zwischen 45 und 50 Euro. Das bewegt sich in einem gesunden Rahmen“, meint Bechtel. Zumal die Preise vor Corona in Spanien auch nicht realistisch waren und nur wegen der Strategie der Verkaufsgespräche und der Dynamik Neuwagen, Mietwagen, Gebrauchtwagen funktioniert hätten.

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