Corona-Zertifikat ab Juni

Spanien-Reisen für Geimpfte: EU-Impfpass soll Erleichterungen bringen

  • Judith Finsterbusch
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Ein EU-weit gültiger Corona-Impfpass soll Geimpften das Reisen erleichtern. Quarantäne- und Testpflicht könnten in Spanien wegfallen.

Um die Antwort auf die derzeit am häufigsten gestellte Frage gleich vorweg zu nehmen: Nein, derzeit gibt es für Geimpfte keine Sonder-Regeln für Quarantäne- oder Testpflicht bei Reisen zwischen Spanien und Deutschland. Auch nicht für diejenigen, die bereits ihre zweite Impfdosis gegen Covid-19 bekommen und eine entsprechende Impfbescheinigung haben, sei es in Spanien oder in Deutschland. Das könnte sich mit der Einführung grünen EU-Impfpasses allerdings bald ändern.

Spanien-Reisen für Geimpfte: Details zum EU-Impfpass werden abgestimmt

Auf eine gemeinsame Linie haben sich die EU-Mitgliedsstaaten bereits geeinigt, Details zum grünen Corona-Zertifikat sollen ab dieser Woche vom Europäischen Parlament abgestimmt werden. Die Einführung des Impfpasses ist für Ende Juni geplant – um entsprechend die Sommer-Saison in beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Frankreich, Italien oder Portugal trotz Corona retten zu können. Wie genau der grüne Impfpass aussehen soll, ist bislang noch nicht klar. Fest steht, dass er kostenlos sein soll und Reise-Erleichterungen für Geimpfte, negativ Getestete und Betroffene, die nachweislich an Covid-19 erkrankt waren, mit sich bringt. Ob die Erkrankung beispielsweise nur maximal sechs Monate zurückliegen darf und ob trotzdem die Verabreichung zumindest einer Impfdosis Voraussetzung für die Ausstellung des Impfpasses sein wird, ist noch unklar.

Vorrangiges Ziel des grünen Zertifikats: Reisen soll sicher, aber eben auch relativ leicht möglich sein. Großes Thema beim EU-Impfpass ist neben der Fälschungssicherheit der Datenschutz. Für Spanien sitzt der kanarische Europaabgeordnete Juan Fernando López in Brüssel am Verhandlungstisch.  „Wir werden dafür sorgen, dass die Daten ausschließlich bei der Gesundheitsbehörde gespeichert werden, die den grünen Impfpass ausstellt“, versicherte López jüngst. Der Impfpass soll digital und auf Papier ausgestellt werden können, über einheitliche QR- oder Barcodes sollen Impfbescheinigung, Testergebnis oder ärztliches Attest über eine überstandene Covid-Erkrankung abgerufen werden können.

Spanien-Reisen für Geimpfte: EU-Impfpass wirft Fragen nach Gleichberechtigung auf

Noch wirft der geplante EU-Impfpass Fragen auf, etwa nach Gleichberechtigung. Die Weltgesundheitsorganisation etwa lehnt das grüne Corona-Zertifikat rundweg ab. Ihre Begründung: Solange die Covid-Impfung nicht auch in den armen Ländern für die allgemeine Bevölkerung zur Verfügung steht, wäre ein solcher Pass ein weiterer Nachteil für ohnehin schon Benachteiligte. In diese Richtung äußerte sich in Spanien jüngst auch Itziar de Lecuona, Direktorin des Beobachtungszentrums für Bioethik an der Universität Barcelona: „Wenn die allgemeine Bevölkerung keinen Zugang zur Impfung hat, hat diese Maßnahme keinen Sinn. Vielmehr sorgt sie für Ungleichheit und Diskriminierung. Zumal nicht einmal der wissenschaftliche Nachweis vorliegt, dass eine geimpfte Person andere Menschen nicht mehr anstecken kann“, so die Wissenschaftlerin. Gegenüber der Zeitung „Sur” sagte sie weiterhin: „Ein solcher Pass könnte sogar dazu führen, dass diejenigen, die keinen Zugang zur Impfung haben, sich bewusst anstecken wollen, damit sie nach überstandener Erkrankung reisen dürfen“, warnt De Lecuona.

Neben den nationalen Impfpässen oder Bescheinigungen ist ein EU-Impfpass geplant, der Geimpften etwa Spanien-Reisen erleichtern soll.

Ein weiterer Minuspunkt aktuell: Der grüne EU-Impfpass soll negativ Getesteten ähnliche oder die gleichen Rechte beim Reisen einräumen wie Geimpften. Doch PCR-Tests in privaten Laboren sind zumindest in Spanien mit durchschnittlich 100 Euro weiterhin teuer – und erst recht, wenn sie zu den Kosten für Flug und Unterkunft noch obendrauf kommen. Die Region Valencia und die Balearen hatten jüngst beantragt, dass die EU die Kosten für PCR-Tests bei Reisen übernimmt. Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Offen ist auch noch, inwieweit der EU-Impfpass mit Drittstaaten – für Spanien ist dabei vor allem Großbritannien interessant – kompatibel sein würde. Und was ist mit den Impfstoffen, die derzeit in der EU (noch) nicht zugelassen sind, etwa Sputnik V?

Spanien-Reisen für Geimpfte: Test und Quarantäne sollen mit EU-Impfpass wegfallen

Einige Länder wie Polen, Zypern, Griechenland oder Kroatien haben unterdessen bereits Reise-Erleichterungen für Geimpfte eingeführt oder zumindest beschlossen. In Spanien ist derzeit die Frage aktueller, wie die Reisefreiheit nach dem 9. Mai innerhalb des Landes aussieht. Aber die Regierung hat bislang in Aussicht gestellt, dass ein zusätzlicher PCR-Test und Quarantänevorschriften für Reisende mit dem grünen EU-Impfpass wegfallen sollen. Spaniens Generalsekretär für digitale Gesundheit im nationalen Gesundheitssystem, Alfredo González, sieht unterdessen keine Probleme mit möglicher Ungerechtigkeit gegenüber nicht Geimpften: „Der Impfpass wird keine Voraussetzung fürs Reisen sein, es handelt sich um ein Zertifikat, das eine gewisse Mobilität ermöglicht. Das Modell soll auf weitere Länder außerhalb der EU erweitert werden“, meinte González jüngst. Der Impfpass werde dazu beitragen, dass mehr Touristen sicherer nach Spanien kommen könnten.  

Die Einführung des grünen Impfpasses soll innerhalb der EU einheitlich sein, welche möglichen Erleichterungen er Reisenden verschafft, soll aber jedes Land selbst entscheiden können. In Deutschland haben bereits erste Bundesländer Reise-Freiheiten für Geimpfte beschlossen. So fällt nach Angaben des ADAC etwa in Baden-Württemberg die Quarantänepflicht für Reisende weg, die seit mindestens 14 Tagen vollständig geimpft sind oder an Covid-19 erkrankt waren und mindestens eine Impfdosis bekommen haben. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz befreien Geimpfte ebenfalls von der Quarantänepflicht, das gilt allerdings nur für Reisende, die sich in einem Risiko- oder Hochinzidenzgebiet aufgehalten haben. Ausgenommen sind Reisen in Virusvarianten-Gebiete. Die allgemeine Testpflicht, die Deutschland für alle Rückreisenden aus dem Ausland eingeführt hatte, gilt voraussichtlich noch bis 12. Mai. Aktuell ist ganz Spanien Risikogebiet mit Ausnahme der Regionen Murcia, Valencia, Balearen und Galicien.  

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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