Kabinen-Crews von Ryanair in Spanien
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Haben genug: Die Kabinen-Crews von Ryanair in Spanien wollen Ende Juni, Anfang Juli 2022 streiken.

Urlaub in Spanien

Ryanair Spanien Streik 2022: Dutzende Flüge ausgefallen und Verspätungen, vor allem Palma de Mallorca, Barcelona und Madrid betroffen

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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    Judith Finsterbusch
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Die Kabinen-Crews von Ryanair España kündigen sechs 24-Stunden-Streiks für Ende Juni und Anfang Juli 2022 für Flüge von und nach Spanien an. Sie kämpfen um würdige Arbeitsbedingungen, einen Kollektivvertrag und: kostenloses Wasser.

Update, 27. Juni: Am dritten Tag des Streiks bei Ryanair sind nach Angaben der Gewerkschaft USO zehn Flüge an den Flughäfen Alicante und Valencia verspätet abgeflogen oder gelandet. Betroffen waren am Sonntag, 26. Juni, sieben Flüge in Alicante, drei weitere in Valencia. Insgesamt seien durch den Streik am Sonntag 42 Flüge von und nach Spanien ausgefallen, 58 weitere seien verspätet gelandet oder gestartet. Am stärksten betroffen war der Flughafen Málaga, mit zehn ausgefallenen Abflügen und weiteren sieben Landungen, zusätzlich kam es bei sechs Rynair-Flügen zu Verspätungen. Auf Mallorca fielen zwei Flüge aus, es kam bei 13 Verbindungen zu Verspätungen.

USO kritisierte zudem den Einsatz von Personal aus Marokko in der Ryanair-Basis Málaga scharf. Das Management habe ankommende Flüge aus dem Nachbarland eingesetzt, damit das marokkanische Bordpersonal anschließend Flüge in Spanien betreut. „Das ist ein komplett illegales Vorgehen. Erstens wegen Streikbruchs und zweitens, weil diese Mitarbeiter nicht in der spanischen Sozialversicherung angemeldet sind und auch in sonst keinem europäischen Land“, sagte die zuständige USO-Generalsekretärin Lidia Arasanz. Die Gewerkschaft hat bei der Nationalpolizei im Flughafen Málaga Anzeige erstattet, mindestens fünf Mitarbeiter aus Marrakesch seien auf Flügen nach Santiago de Compostela und zurück nach Málaga, sowie nach Mahón auf Menorca und zurück sowie nach Palma de Mallorca eingesetzt worden.

Der Streik bei Ryanair Spanien soll Ende dieser Woche fortgesetzt werden, das Personal hat Streiks für den 30. Juni sowie 1. und 2. Juli angekündigt. Betroffen sind alle zehn Basen der Billigfluglinie in Spanien: Madrid, Málaga, Sevilla, Alicante, Valencia, Barcelona, Girona, Santiago de Compostela, Ibiza und Palma de Mallorca.

Ryanair-Streik in Spanien: 75 ausgefallene Flüge und etliche Verspätungen am zweiten Streiktag

Update, 26. Juni: Der zweite Streiktag bei Ryanair Spanien, Frankreich und Belgien brachte insgesamt 75 ausgefallene Flüge mit Start oder Ziel Spanien, Frankreich und Belgien, etliche weitere flogen nur mit Verspätungen ab. Storniert wurden u.a. Flüge von Barcelona nach Mailand, Prag und Warschau, sowie rund 12 Flüge ab Mallorca, Verspätungen gab es auch bei Ryanair-Flügen von und nach Madrid. Die Verspätungen hängen auch mit einem Streik der Fluglotsen am Stützpunkt Marseilles zusammen.

Ryanair selbst gibt keine zentralen Ausfallmeldungen heraus, aus "Geschäftspolitik". Die betroffenen Passagiere werden gerade so rechtzeitig per Handy oder Email informiert, dass sich die Firma Entschädigungen erspart und mit kostenlosen Umbuchungen oder Ersatzflügen davonkommt. Das Management hatte versucht, alle Flüge aufrecht zu erhalten, über den gerichtlich bestätigten "Minimalservice" zwischen 30 und 80 Prozent der Flüge hinaus. Das kommt einem Streikbruch gleich, was gesetzlich nicht erlaubt ist. Die betroffenen Gewerkschaften wollen das anzeigen und finden es "schändlich", dass Kollegen aus anderen Ländern in ähnlich prekärer Situation ausgenutzt würden, um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für alle zu verhindern.

Update, 24. Juni: Am ersten Tag des Streiks von Ryanair Spanien sind nach Angaben des Unternehmens nur Flüge aus Belgien nach Spanien ausgefallen. Ryanair hat nicht streikwilliges Personal - vulgo Streikbrecher - eingesetzt, um alle sonstigen Verbindungen, vor allem jene mit Abflugort Spanien anbieten zu können. Dazu wurden sogar Kabinencrews, die eigentlich in anderen Ländern stationiert sind, nach Spanien eingeflogen. Morgen am 25. sowie am 26. Juni steigen auch die französischen und italienischen Ryanair-Kollegen in den Streik ein, Anfang Juli auch die Kollegen von EasyJet, die in Spanien auch streiken werden.

Am Freitag, 17. Juni, bekräftigten die Gewerkschaften nochmals, den Streik durchführen zu wollen, während Rynair-Chef Michael O‘Leary die Sache bei einer Pressekonferenz herunterspielte und behauptet, die Belegschaft wolle von den Gewerkschaften gar nichts wissen. Man werde dafür sorgen, dass Ausfälle nicht spürbar würden. Die Gewerkschaften hingegen sprechen von großer Zustimmung in der Belegschaft und von „vielen Flügen, die ausfallen werden“.

Málaga/Alicante - Die Urlaubssaion 2022 in Spanien startet - oder auch nicht so richtig. Zumindest, wenn es nach den Gewerkschaften der Kabinencrews bei Ryanair in Spanien geht: USO und Sitcpla haben sechs Tage Streik im Juni und Anfang Juli in Spanien angesetzt, just, wenn der große Urlauberansturm starten soll, der Corona vergessen machen soll. Dieser Streik wird die Lage an vielen Flughäfen noch verschärfen, die schon jetzt wegen Personalmangels teils über ihren Limits sind. Dabei hat Ryanair gerade in Spanien die Flugpläne für die Sommersaison 2022 nochmals deutlich verstärkt.

Ziel der Streikenden bei Ryanair Spanien ist es, das Management an den Verhandlungstisch zu zwingen, um erstmals einen verbindlichen Kollektivvetrag für das gesamte Personal, am Boden und in den Flugzeugen zu vereinbaren. Ryanair beschäftigt in Spanien rund 4.000 Mitarbeiter, 1.200 davon sind Kabinenpersonal, von denen die Initiative zum Streik auch ausgeht, weil sie sich besonders benachteiligt sehen.

Ryanair Streik in Spanien: An welchen Tagen gestreikt wird - Betroffene Flüge und Airports unklar

Die Schalter von Ryanair an spanischen Flughäfen dürften wegen der angekündigten Streiks bald belagert werden.

Wann ist Streik bei Ryanair:

Gestreikt werden soll bei Ryanair Spanien demnach am 24., 25. und 26., dem 30. Juni sowie dem 1. und 2. Juli. Die Ausstände sind für jeweils 24 Stunden angesetzt, wobei das Streikkomitee weder gesagt hat, welche Flüge, noch welche Basen betroffen sein werden. Ryanair betreibt zehn Stützpunkte in Spanien: Alicante, Valencia, Madrid, Málaga, Barcelona, Sevilla, Palma de Mallorca, Girona, Santiago de Compostela und Ibiza.

Laut USO-Sprecherin Lidia Arasanz ist die Billigfluglinie Ryanair, Marktführer in Europa, die einzige internationale Fluglinie in Spanien, bei der es keinen Kollektivvertrag gibt, seit acht Monaten würde das Management die Verhandlungen hinziehen und immer wieder Ausreden finden, um nicht zu einem Abschluss zu kommen. Manuel Lodeiro, Sprecher der Gewerkschaft für Bordpersonal Sitcpla unterstellt Ryanair sogar die Sabotage der Verhandlungen, obwohl es eine Vorvereinbarung mit der Gewerkschaftskonföderation CC.OO. gebe.

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Wie viele Maschinen und wo in Spanien am Boden bleiben, ist noch nicht bekannt.

"Ryanair versucht gewerkschaftliche Organisation und damit die Absicherung von Grundrechten der Arbeitnehmer zu verhindern", so der Vorwurf an das irische Unternehmen. So würden den Mitarbeitern die Garantie auf 22 Urlaubstage ebenso vorenthalten wie finanzieller oder Zeitausgleich für die 14 landesweiten Feiertage in Spanien. Die Kabinen-Crews von Ryanair müssten Wasser an Bord kaufen oder bekämen eine leere Trinkflasche vom Unternehmen, die sie vor dem Flug selbst aufzufüllen hätten. Die Schichteinteilung sei familienfeindlich, die Arbeitszeiten "am Rande der menschlichen Würde und des Erlaubten", so die Gewerkschaften.

Flugausfälle und Verspätungen durch Streik bei Ryanair Spanien: Rechte der Fluggäste

Kompensationen für Flugausfälle oder Flugverspätungen bei rechtmäßig angemeldeten Streiks sind vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, wenn die Fluglinie "rehtzeitig" über diese Ausfälle informiere. Allerdings ist bei Ausfall kostenlos ein Ersatzflug zu stellen, auch selbsttäige Umbuchungen durch die Fluggäste müssen kostenlos sein, wenn bekannt ist, dass der entsprechende Flug bestreikt wird.

Umbuchungen sind sowohl auf der Webseite von Ryanair Spanien als auch an den Schaltern in den Airports möglich. Die Ryanair-Telefon-Hotline 902 051 292 hat sich in der Vergangenheit indes als Geduldsprobe erwiesen. Für gestrandete Fluggäste an Airports muss die Fluglinie indes Getränke und Essen, Telefongespräche und notfalls auch Unterkünfte für Übernachtungen bereitstellen und bezahlen.

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