Virtuell durch Benissa

Ohne Covid-19-Ansteckungsgefahr: Virtuelle historische Führung durch Benissas Altstadt

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Zwar ist Benissa vor allem für seine Buchten bekannt, aber auch die Altstadt hat einiges Überraschendes zu bieten. Erkundet werden kann diese jetzt bei einer virtuellen spanischsprachigen Führung.

  • Der Historiker Carlos Font führt durch Benissas schmucke Altstadt-Gassen.
  • Altes Herrenhaus kann als Museum besichtigt werden.
  • Die Führung zeigt unter anderem, wie eine Kirche die andere ablöste.

Benissa – Touristische Führungen stehen in Küstenorten wie Benissa an der Costa Blanca auf der Tagesordnung. Eigentlich. Die Coronavirus-Krise hat jedoch auch diese vorübergehend zum Stillstand kommen lassen. Wer einen trotz Covid-19 garantiert ansteckungsfreien Rundgang durch Benissas Altstadt machen und sich dabei auf künftige Ausflüge jenseits von Sol y Playa freuen möchte, den lädt das örtliche Tourismusamt zu einer virtuellen Führung ein. Auf Spanisch zwar, aber fast so, als würde man selbst mit dem Historiker Carlos Font durch die engen Gassen dieses pittoresken, von außen oft unterschätzten Ortes schlendern und sich das ein oder andere historische Gebäude von innen anschauen.

Diese Möglichkeit mit einem einfachen Klick auf das Video oben wahrzunehmen, lohnt sich. Los geht es mit allgemeinen Informationen zu einem Ort, der die größte Gemeindefläche in der Marina Alta aufweist und sich großzügig in Küstengebiet, Berglandschaft und Altstadt aufteilt. Letztere ist Thema der Führung, die beim heutigen Rathaus-Gebäude startet, in dem auch schonmal das städtische Krankenhaus untergebracht war und in das erst 1981 die Gemeindeverwaltung einzog. Die Plaza del Portal, auf der das Rathaus steht, trägt diesen Namen, da hier eins der Tore der früheren Stadtmauer stand und auch Überreste von der Mauer wurden gefunden.

Wichtige Gebäude und pittoreske Gassen

Weiter geht es zu einem der laut Carlos Font ältesten und wichtigsten Orte Benissas: Der Placeta de la Esglesia Vella, also dem alten Kirchplatz. Es war die Iglesia de San Pedro, die hier im 16. Jahrhundert gebaut wurde und die neben ihrer religiösen auch eine defensive Funktion hatte, sollte sie doch vor den Angriffen der Araber schützen. Doch durch verschiedene Schlachten und einen schweren Brand blieb nur noch eine Ruine übrig, sodass 1902 entschieden wurde, eine neue Kirche, die „Catedral de la Marina“, zu bauen. Doch Geduld, zu dieser gibt es später noch etwas zu sagen. Die San-Pedro-Kirche wurde jedenfalls in den 1940er Jahren abgerissen, heute erinnert noch ein nachgebauter Bogen daran, was hier vorher stand.

Auf und ab geht es durch Benissas pittoreske Gässchen.

Weiter geht es durch Benissas berühmtestes Sträßchen, die Calle Purissima Xiqueta, bis zum Gebäude der „Sala de Consell“, auch „Lonja“ genannt. Ende des 16. Jahrhunderts gebaut, diente es unter anderem und nacheinander als Weizenlager, Rathaus und Schule. Gegenüber sind in den ehemaligen „Cases del battle“ die Bibliothek und das Museum Salvador Soria untergebracht. Die Gebäude zeugen von der ehemaligen Pracht und dem Reichtum Benissas.

Einblick in das Leben einer Adelsfamilie

So auch das Haus der Familie Abargues, nächste Station der Führung. Gelegen ist sie in einem kleinen Gässchen, der Calle dels Desemparats, in der im 18. und 19. Jahrhundert die reichsten und einflussreichsten Familien Benissas wohnten und die für viele das schönste Fleckchen in Benissa ist. Auch die Diener der Wohlhabenden lebten in dieser Straße. Allerdings hausten sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite in niedrigeren und natürlich schlichteren Gebäuden, die den Schönen und Reichen nicht die Aussicht und das Sonnenlicht nehmen sollten.

Die Casa Museo Abargues wurde extra für Besichtigungen freigegeben und entführt den Besucher, auch virtuell, in das Leben der Wohlstandsschicht im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit originalgetreuen Möbeln, Anekdoten, Dekorationen, mit einem Empfangszimmer, dem Esszimmer, dessen Tisch mit altem Porzellan gedeckt wurde, dem Schlafzimmer der Bediensteten, mit einem kleinen Gebetsraum, einem Innenhof mit Brunnen, einem Spiel- und einem Wohnzimmer.

Nach diesem anschaulichen Eintauchen in Benissas Geschichte geht es wieder raus auf die Straße zum Denkmal der „Riberer“ – Benissaner, die während mehrerer Jahrhunderte zweimal im Jahr zu Fuß ihr Dorf verließen, um als Tagelöhner auf den Reisfeldern bei Valencia zu arbeiten. Noch heute wird ihnen in jedem Jahr bei den Patronatsfiestas im April gedacht – die in diesem Jahr wegen Corona leider ausfallen mussten.

Benissa freut sich auf Sommergäste, hier in der Calle Puríssima.

Vorbei am Casal dels Joves, dem heutigen Jugendzentrum und früheren Rathaus, Weizenlager, Markt und Gefängnis, geht es zum beeindruckenden Franziskanerkloster. Die ersten Franziskaner ließen sich 1611 in Benissa nieder, in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts wurde das Kloster gebaut, in dessen Inneren vor allem der schmucke Kreuzgang im Renaissance-Stil hervorsticht. Auch hier gewährt die virtuelle Führung einen Einblick.

Sehenswert: Benissas Franziskanerkloster.

Genauso wie in Benissas berühmte Kirche, die Iglesia de la Purissima Xiqueta, wegen ihrer Größe auch „Catedral de la Marina“ genannt. Das wohl hervorstechendste Gebäude der Altstadt wurde zwischen 1902 und 1926 im neogotischen Stil mit zwei Glockentürmen, einer großen Fensterrose und dem achteckigen Kuppelgewölbe errichtet. Ihr bedeutendster Schatz: Das Bild der Schutzpatronin Benissas, der „Puríssima Xiqueta“, das bei den Fiestas durch die Straßen getragen wird. Wie die Kirche von innen aussieht? Die virtuelle Führung zeigt es.

Ich hoffe, dass wir diese Führung bald wieder vor Ort machen können“, verabschiedet sich Carlos Font von seinen virtuellen Gästen, die sich das kleine Städtchen als künftiges Ausflugsziel vormerken sollten.

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