Eine junge Frau checkt ihren Flug auf einer Anzeigentafel im Flughafen.
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Reisen stehen schon seit Beginn der Pandemie unter Verdacht, einer der Haupttreiber des Infektionsgeschehens zu sein.

RKI-Studie

Sind Reisen im Sommer 2020 Schuld an der zweiten Corona-Welle?

Seit Beginn der Corona-Pandemie steht das Reisen unter Verdacht, einer der Haupttreiber zu sein. In einer Studie des Robert Koch-Instituts wurden die Daten analysiert.

Konzerte fallen flach, Restaurants müssen geschlossen bleiben und Kontakte aufs Minimum beschränkt werden. Um die Ausbreitung des Coronavirus und seiner Mutationen zu vermeiden, haben die Regierungen der Länder zahlreiche strenge Maßnahmen getroffen. Schon seit Beginn der Pandemie sind auch Reisen im Fokus dieser Maßnahmen. Nach Grenzschließungen im Frühjahr 2020 ist vor allem die Kontrolle von Reiserückkehrern aus Risikogebieten* ein Mittel, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken. Aber ist das Reisen wirklich einer der Treiber der Pandemie? Das hat sich das Robert Koch-Institut in einer am 8. Februar veröffentlichten Studie genauer angesehen.

Reiserückkehrer: Welchen Einfluss haben Reisen auf die Corona-Pandemie?

Gerade im Sommer 2020 wurde immer wieder Kritik laut, dass Reiserückkehrer aus Süd- oder Osteuropa das Infektionsgeschehen negativ beeinflussen und das Virus nach Deutschland „einschleppen“ würden. Tatsächlich sind die Corona-Fallzahlen im Hochsommer vorübergehend angestiegen, bevor es zur zweiten Welle im Herbst 2020 kam. Die Daten, die dem RKI vorliegen, zeigen auch, dass sich die Menschen zu diesem Zeitpunkt der Pandemie vor allem im Ausland ansteckten.

Die ersten Daten zu Covid-19-Fällen wurden dem RKI im März übermittelt. Zu diesem Zeitpunkt wurde bei einem größeren Anteil der Corona-Fälle eine Exposition im Ausland angegeben (45,1 Prozent in der Meldewoche 11). Nach der Schließung der Grenzen konnten ab April bis in den Juni nur noch 0,4 bis 1,8 Prozent der Fälle auf eine Infektion im Ausland zurückgeführt werden. Nachdem die Grenzen am 15. Juni wieder geöffnet wurden, stieg der Anteil der „reiseassoziierten COVID-19-Fälle“ erneut an, bis er Ende August seinen Höchstwert von 48 Prozent erreichte – zu diesem Zeitpunkt befanden sich Bundesländer, in denen mehr als 70 Prozent der Deutschen leben, gleichzeitig in den Sommerferien. Das heißt, fast die Hälfte aller Infektionen konnte auf einen Auslandsaufenthalt zurückgeführt werden. Nachdem im letzten Bundesland die Ferien beendet waren, sank der Anteil der Auslandsexpositionen wieder auf 8,6 Prozent.

Reiserückkehrer scheinen also tatsächlich einen großen Anteil der Corona-Infektionen in Deutschland auszumachen. Es gilt aber zu berücksichtigen, dass Reisende vergleichsweise oft getestet wurden – dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit, in dieser Bevölkerungsgruppe mehr Fälle zu entdecken. So wurden gerade zu Beginn der Pandemie „vor allem symptomatische Personen getestet, die entweder Kontakt mit einem laborbestätigten Covid-19-Fall hatten oder die aus einem Risikogebiet kamen“. Nach den Grenzöffnungen am 15. Juni mussten Einreisende aus Risikogebieten einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn sie nicht in Quarantäne gehen wollten. Vom 8. August bis Mitte September konnten sich Einreisende sogar kostenlos an Flughäfen und anderen Stellen testen lassen. Nach dem 15. September war der Test dann nur noch für Reiserückkehrer aus Risikogebieten kostenlos.

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Reiserückkehrer in der Corona-Pandemie: Wo haben sich die Deutschen im Urlaub angesteckt?

Als häufigster möglicher Expositionsort – gleich nach Deutschland – wurde zwischen dem 20. Juli und dem 20. September der Kosovo angegeben. Hier sollen sich in dem angegebenen Zeitraum 4.369 Menschen angesteckt haben. Gleich darauf folgt Kroatien mit 3.903 Ansteckungen und die Türkei mit 3.131 Ansteckungen. Bei Covid-19-Fällen mit den Expositionsorten Kroatien, Spanien, Frankreich oder Italien war der Anteil symptomatischer Fälle zudem besonders hoch – zwischen 66 und 80 Prozent. Abgesehen von Italien waren während der Sommerferien zumindest Teile der Länder als Risikogebiete eingestuft.

Auf der Liste der häufigsten Expositionsländer befinden sich vor allem Heimatländer von Menschen mit Migrationshintergrund sowie Länder, aus denen Saison- und Vertragsarbeiter nach Deutschland kommen. Aber auch beliebte Urlaubsländer wie Spanien oder Frankreich machen einen Teil aus. Obwohl aber in beiden Ländern noch während der Ferienzeit die kumulative 14-Tages-Inzidenz anstieg, spiegelt sich das nicht in den gemeldeten Fällen wider. Das RKI geht deshalb davon aus, dass Reisen in beliebte Urlaubsländer zu weniger intensiven Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung und damit zu einem geringen Ansteckungsrisiko führten – im Gegensatz dazu stehen zum Beispiel Reisen, die ins eigene Herkunftsland gemacht wurden, um die Familie zu besuchen. Auch die Hygieneregeln, die in vielen Hotels im Sommer vorgenommen wurden, könnten ein Grund für niedrigere Infektionsraten in beliebten Urlaubsländern sein. Gleichzeitig bleibt aber zu beachten, dass man Reiserückkehrer aus Spanien oder Frankreich zunächst weniger intensiv testete, da die Länder erst später wegen steigender Inzidenzen als Risikogebiete eingestuft wurden.

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RKI: Mehr Corona-Testungen helfen bei der Identifikation von Pandemie-Betreibern

Laut der RKI-Studie ist aus den vorliegenden Daten nicht abzulesen, welches Ausmaß die „reiseassoziierten Infektionen im Sommer 2020“ auf das Entstehen der zweiten Corona-Welle hatten. „Ohne die breite Testmöglichkeit von Einreisenden wäre jedoch ein hoher Anteil der so erkannten Fälle verborgen geblieben, und die Eintragung in die Allgemeinbevölkerung wäre deutlich höher gewesen. Ein längeres Angebot zur freiwilligen, kostenlosen Testung für Reiserückkehrer hätte vielleicht die Eintragungen vor und während der Herbstferien besser erfasst, die zweite Infektionswelle aber nicht verhindert.“

Das Robert Koch-Institut erachtet es aber als wichtig, vor allem in Zeiten von hohem Reiseverkehr und bei niedriger Inzidenz in Deutschland zu testen. So könnten Sekundärinfektionen über Reiserückkehrer besser verhindert werden. Die Testung sollte idealerweise mit einigen Tagen Abstand zum Rückreisedatum vorgenommen werden, damit Infektionen, die kurz vor oder bei der Einreise erworben wurden, erkannt werden. (fk) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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