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Können Flugzeugtüren während des Fluges geöffnet werden? Pilot klärt über drei Mythen auf

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Von: Franziska Kaindl

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Arbeiter stehen vor einer Flugzeugtür eines Airbus A380.
Während des Fluges ist es geradezu unmöglich, eine Flugzeugtür zu öffnen. © Imago

Manchmal schießen Passagieren kurz vor einem Flug Horrorszenarien durch den Kopf. Ob diese überhaupt Realität werden können, verrät ein Pilot.

Selbst Menschen ohne Flugangst können es vor dem Fliegen mit der Nervosität zu tun bekommen. Denn obwohl das Flugzeug laut der International Air Transport Association (IATA) als das sicherste Verkehrsmittel gilt, malen sich viele Passagiere aus, wie schlecht die Chancen bei einem Zwischenfall tatsächlich stehen können. Ein ehemaliger Pilot hat gegenüber dem britischen Online-Portal The Sun nun mit drei Mythen aufgeräumt.

Mythos 1: Ist es möglich, die Flugzeugtüren während des Fluges zu öffnen?

Immer wieder ist von Zwischenfällen zu hören, laut denen Passagiere versuchen, die Flugzeugtür zu öffnen. Vor einigen Jahren geschah dies an Bord einer Maschine von Neu-Delhi nach Patna, als ein Mitreisender die Toilettentür mit der des Flugzeugs verwechselte. Doch selbst mit kräftigem Zerren sei dies laut dem ehemaligen Piloten André Viljoen nicht möglich. Das läge daran, dass die Flugzeugkabinen unter Druck stehen. In einer typischen Flughöhe herrsche daher auf jeden Quadratzentimeter der Tür ein Druck von bis zu 3,5 Kilogramm. Auch der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt bestätigte dies vor wenigen Jahren dem Reise-Portal Travelbook mit Hinweis auf das extreme Druckgefälle innerhalb und außerhalb der Kabine: „Durch den heftigen Überdruck wird die Tür mit tonnenschwerer Kraft in ihre Öffnung gepresst – die kann ein Mensch nicht einfach öffnen.“

Mythos 2: Droht der Absturz, wenn ein Triebwerk ausfällt?

Ein weiteres Horrorszenario, das sich manchmal in den Köpfen der Passagiere abspielt, ist der Ausfall eines Triebwerks – in etwa durch einen Vogelschlag. Vilijoen beruhigt aber auch hier: Die meisten kommerziellen Flugzeuge seien mit zwei Triebwerken ausgestattet und so ausgelegt, dass sie auch mit nur einem sicher starten, fliegen und landen können. Piloten würden umfassend und regelmäßig geschult werden, um mit einer solchen Situation umzugehen und sofort zum nächsten Flughafen zurückzukehren. Rampe führt zu einer geöffneten Flugzeugtür.

„Der Ausfall eines Triebwerks ist mehr oder weniger harmlos“, sagte auch Prof. Andreas Strohmayer vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart vor einiger Zeit laut Travelbook. Bei einer Landung spiele das Triebwerk kaum eine Rolle. Wenn noch einmal durchgestartet werden muss, dann würden Seitenleitwerke den asymmetrischen Schub ausgleichen. Wichtig sei aber, dass der nächste Ausweichflughafen angeflogen werde, da die Maschine durch den erhöhten Luftwiderstand mit dem Kerosin nicht mehr so weit komme.

Mythos 3: Können Turbulenzen ein Flugzeug zum Absturz bringen?

Turbulenzen, die das Flugzeug – mitsamt Passagieren – durchschütteln, können schnell für Verunsicherung sorgen. Allerdings handelt es sich hierbei um ein alltägliches Phänomen, wie Vilijoen sagt. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass Turbulenzen ein Flugzeug zum Absturz bringen. Die Maschinen seien nämlich so konstruiert, dass sie selbst schwierigen Bedingungen standhalten können. Das bestätigt auch Großbongardt gegenüber Travelbook: „Man braucht keine Angst zu haben, dass ein Flugzeug durch Turbulenzen auseinander bricht, auch wenn die Flügelspitzen und Triebwerke unter Umständen ziemlich stark wackeln. Dafür sind sie gebaut. Zudem ist das Durchbiegen der Flügel eine Art Federung, die dem Komfort dient.“

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Bei Turbulenzen komme es am wahrscheinlichsten zu Verletzungen, wenn Passagiere nicht angeschnallt seien. Dann könne es im schlimmsten Fall zu Knochenbrüchen und Rückgratverletzungen kommen – hin und wieder sogar zu Todesfällen. Aufgrund dessen sollten Passagiere immer angeschnallt bleiben, wenn sie sitzen, so Vilijoen.

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