Strand von Benidorm mit Strandbesuchern im und aus dem Wasser
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In Spanien kommt es immer wieder zu Badeunfällen und Ertrinken

Lautloser Tod im Nass

Badeurlaub in Spanien: Tipps um Badeunfälle wie Ertrinken zu vermeiden

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Jeden Sommer ertrinken in Spanien immer wieder Menschen, dabei müsste es oftmals gar nicht erst zu Badeunfällen kommen, wenn ein paar Tipps beachtet werden würden.

Spanien, Sommer, Sonne, Badeurlaub. Ob zur Erfrischung oder gar als sportliche Aktivität – mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist in diesem Sommer der Drang nach einem Bad im Meer - vor allem an einem der zehn schönsten Strände an der Costa - im Swimmingpool, oder abseits der Strände - wie in einem Stausee oder einem Hinterlandfluss mitten in der Natur - besonders hoch. Allerdings birgt der Badespaß auch immer wieder Risiken, im schlimmsten Fall kommt es zum Ertrinken. Im Gegensatz zur weitläufigen Auffassung ist das Ertrinken fast immer ein lautloser Vorgang, bei welchem weder wild geschrien noch gewunken wird. Bei Letzterem handelt es sich um eine Wassernotsituation, bei der man sich noch selbst an der eigenen Rettung beteiligen kann. Damit es erst gar nicht zum Ertrinken oder Notsituationen im Wasser kommt, gilt es einige Tipps und Regeln zu beachten.

Badeunfälle in Spanien meist im Sommer - Besondere Risikogruppen

Badeunfälle in Spanien ereignen sich meist während dem Sommer, das bestätigt ein Jahresbericht des spanischen Verbands der Rettungsschwimmer und Lebensrettung. Fast 60 Prozent der Todesfälle durch Ertrinken im Jahr 2020 geschahen in den Monaten Juni, Juli und August. Die Rede ist von insgesamt 199 Todesfällen. Über das Jahr verteilt starben 338 Schwimmer, 102 weniger als im Vorjahr. Nahezu 77 Prozent der Badeunfälle passierten an Stellen, die nicht mit Rettungsschwimmern besetzt waren.

Bei den Badeunfällen mit Ertrinken zur Folge gelten Kinder und Senioren zwar als Risikogruppen, aber das Profil einer im letzten Jahr in Spanien ertrunkenen Person ist das eines Mannes (82 Prozent), spanischer Nationalität (84 Prozent), über 35 Jahre alt (69 Prozent) der sein Leben an einem Strand (40 Prozent) oder jedenfalls in einem unbewachten Bereich (77 Prozent) zwischen 10 und 20 Uhr (66 Prozent) verlor. „Unter den Ertrunkenen sind auch Menschen, die unter Alkoholeinfluss schwimmen“, beklagt José Aguirre, Strandkoordinator des Roten Kreuzes Valencia.

Die Gruppe mit dem größten Risiko für Badeunfälle oder zu Ertrinken sind Männer über 65 Jahren, die an Herzproblemen, Bluthochdruck oder Diabetes leiden. Am Strand macht ihnen oft die Hitze zu schaffen, sie trinken zu wenig und strengen sich im Wasser übermäßig an. Neben Senioren sind Kinder unter sechs Jahren besonders gefährdet. Dabei ist es oftmals nur ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit seitens einer Aufsichtsperson, der tödlich enden kann.

Badeufälle in Spanien nach autonomen Regionen

Teilt man Badeunfälle mit Todesfolge, beziehungsweise Ertrinken, auf die autonomen Regionen in Spanien auf, so ist die Region Valencia das zweite Jahr in Folge die Region mit den meisten Todesfällen durch Ertrinken, nämlich 61. Melilla verzeichnete keinen einzigen Todesfall, Ceuta nur einen und La Rioja drei. Wie die Region Valencia haben Katalonien, Andalusien, die Kanarischen Inseln und Galizien 40 Fälle überschritten. Navarra, Kastilien La Mancha, Extremadura und Aragon hatten weniger als zehn Fälle.

Ertrinken bei Kindern ist die dritthäufigste Todesursache

Statistisch ist der Badetod durch Ertrinken die dritthäufigste Todesursache bei Kindern unter vier Jahren - auch in Spanien. Die große Mehrheit war weniger als fünf Minuten unbeaufsichtigt. Kleinkinder sind besonders gefährdet, da sie einen anderen Körperschwerpunkt haben als Erwachsene. Ihr Kopf ist im Verhältnis zum restlichen Körper sehr schwer, und die Körpermuskulatur ist noch zu ungeübt und unausgeprägt, um eigenständig den Kopf aus dem Wasser zu heben. Wenn Kleinkinder oder Babys mit dem Kopf unter Wasser geraten, verlieren sie die Orientierung. Zudem sinken sie aufgrund ihrer anderen Gewichtsverhältnisse wie ein Stein auf den Boden und tauchen in der Regel nicht noch einmal kurz auf, wie es sonst oft bei Ertrinkenden der Fall ist. Sie gehen geräuschlos unter. Der Schock beim Eintauchen blockiert die Atemwege und führt zum Ersticken.

Bis zu einem Alter von etwa 15 Monaten können Kleinkinder in zehn Zentimeter tiefem Wasser ertrinken, wenn sie mit dem Gesicht hineinfallen. Bis zum dritten Lebensjahr können die Kinder ihr Gesicht nicht dauerhaft über Wasser halten, da der Kopf noch zu schwer ist. Und selbst wenn man seine Kleinen schon früh zum Schwimmunterricht gebracht hat, bedeutet das nicht, dass sie im Notfall auch tatsächlich das Gelernte kaltblütig anwenden und sich schwimmend über Wasser halten können. Dennoch sind Schwimmkurse natürlich sinnvoll.

Als wichtigste Regel gilt: das Kind nicht aus den Augen zu lassen - nicht einmal eine Minute - selbst wenn ein Rettungsschwimmer in der Nähe ist. Die Aufsichtspflicht wird einem dadurch nicht abgenommen. Hat man die Wahl zwischen einem bewachten und einem unbewachten See oder Strand, sollte man immer den bewachten vorziehen.

Um Badeunfälle zu vermeiden sollte immer ein bewachter Strand vorgezogen werden

Badeunfälle und Ertrinken durch Selbstüberschätzung

Bei älteren Kindern und häufig auch bei Erwachsenen lauert eine andere Art der Gefahr, der sie empfänglich für Badeunfälle und ertrinken macht: Selbstüberschätzung oder Wetteifern mit Freunden. Das kann dazu führen, dass sie in offenen Gewässern zu weit hinaus schwimmen und ihre Kräfte oder die Strömungen falsch einschätzen. Auch Sprünge in zu flache und unbekannte Gewässer haben oft böse Folgen: Fünf Prozent aller jährlichen Querschnittslähmungen in Spanien gehen auf diese Art unbedachter Sprünge zurück. Aber es muss ja nicht gleich immer ein folgenschwerer oder tragischer Unfall sein. Auch zahlreiche andere Verletzungen wie Prellungen, Schnitte und Schrammen, Brüche und Verstauchungen können den Urlaub vermiesen. Viele Menschen rutschen am Pool oder auf nassen Felsen aus und ziehen sich Verletzungen zu. Auch Stürze und Zusammenstöße auf Spielgeräten wie beispielsweise Wasserrutschen oder den an vielen Stränden aufgebauten aufblasbaren Wasserhüpfburgen kommen häufig vor.

Temperaturschock vermeiden

Ein weiteres Risiko zu Ertrinken birgt ein Temperaturschock. Damit ist ein großer Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser gemeint. Beim Temperaturschock steigt der Blutdruck stark an, die Blutgefäße verengen sich aufgrund der Kälte. Der Kreislauf ist damit überfordert und mögliche Folgen können unter anderem ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Deshalb ist es wichtig, den Körper langsam an die Wassertemperatur zu gewöhnen. Der Temperaturschock wird in Spanien oft als „corte de digestión“ (Verdauungsunterbrechung) bezeichnet. Allerdings hat die Verdauung damit nicht immer zu tun. Der Begriff „hidrocución“ („Wasserschlag“) würde da eher passen. Faktoren, die einen „Wasserschlag“ begünstigen, sind unter anderem Wassertemperaturen von unter 27 Grad Celsius, Sonnenbäder, körperliche Anstrengung mit starkem Schwitzen, die Einnahme von Medikamenten oder üppige Mahlzeiten vor dem Baden, die den Kreislauf zusätzlich belasten. Auch Alkoholkonsum kann ein Grund sein.

Was passiert beim Ertrinken? Trocken, feucht und sekundäres Ertrinken

Doch was genau passiert beim Ertrinken? Gerät eine untrainierte Person unter Wasser, kann sie maximal zwei Minuten die Luft anhalten. Durch beginnende Panik kommt es anschließend zum Versuch, zu atmen. Werden jedoch geringe Mengen Flüssigkeit eingeatmet und gelangen an den Kehlkopfeingang, wird ein Reflex ausgelöst, und es kommt zum Stimmritzenkrampf. Normalerweise kann eine Person, die am Ertrinken ist, nicht mehr schreien. Deshalb ist es für Außenstehende gar nicht so einfach zu erkennen, ob jemand in Not ist. Bei einem Stimmritzenkrampf schließt sich der Kehlkopfdeckel, um ein Eindringen von Wasser in die Lunge zu verhindern. Leider gelangt auch kein Sauerstoff mehr in die Lunge, und dadurch wird die Person in den meisten Fällen bewusstlos. Hält der Krampf weiterhin an, was bei zehn bis 15 Prozent der Betroffenen der Fall ist, gelangt weiterhin keine Flüssigkeit in die Lunge und man spricht von einem „trockenen Ertrinken“, da hier der Sauerstoffmangel zum Tod führt.

In den meisten Fällen löst sich der Stimmritzenkrampf jedoch unter der Bewusstlosigkeit, und der Atemreflex setzt wieder ein. Die Folge: Wasser oder erbrochener Mageninhalt gelangen in die Lunge und dringen in die Lungenbläschen des Ertrinkenden. In diesem Fall spricht man von „feuchtem Ertrinken“. Wird ein Ertrinkender erfolgreich wiederbelebt, heißt das noch nicht, dass er nun außer Gefahr ist. Bei einem Teil der „Beinahe-Ertrunkenen“ kann sich bis zu 48 Stunden später ein schweres Lungenödem entwickeln. Häufig befinden sich nämlich geringe Mengen Wasser in der Lunge. Bei Süßwasser bildet sich ein dünner Film um die Lungenbläschen. Dadurch wird der Gasaustausch verhindert.

Bei Salzwasser wird Blutplasma aus dem Kreislauf in die Lungenbläschen gezogen, dadurch dickt das Blut ein und die roten Blutkörperchen kollabieren. Auch hier ist kein Gasaustausch mehr möglich. Die unzureichende Sauerstoffversorgung im Blut führt somit zum „sekundären Ertrinken“, obwohl das Opfer nicht mehr in der Nähe von Wasser ist. Deshalb ist es lebenswichtig, dass ein Beinahe-Ertrunkener nach seiner Rettung ärztlich untersucht wird. Eine weitere Gefahr sind Folgeschäden. Selbst wenn ein Retter rasch zur Stelle ist und jemanden noch vor dem Ertrinken retten oder erfolgreich wiederbeleben kann, bleiben bei fast 60 Prozent der Überlebenden aufgrund der unterbrochenen Sauerstoffzufuhr zum Gehirn bleibende Schäden zurück.

Tipps gegen Badeunfälle - Bei roter Flagge sollte man nicht ins Wasser gehen

Tipps gegen Badeunfälle - Ertrinken

Um Badeunfälle beziehungsweise Ertrinken zu vermeiden, solle man vor dem Badespaß folgende Tipps beherzigen:

  • Gehen Sie nur in gekennzeichneten und von Rettungsschwimmern bewachten Bereichen schwimmen.
  • Kühlen Sie sich erst ab. Gewöhnen Sie zunächst die Beine, dann Arme und anschließend den restlichen Körper an die kälteren Wassertemperaturen.
  • Gehen Sie nie direkt aus der Hitze ins Wasser. Setzen Sie sich vorher einige Minuten in den Schatten.
  • Gehen Sie nie mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser.
  • Verlassen Sie das Wasser sofort, wenn Sie anfangen zu frieren.
  • Bedenken Sie, dass Luftmatratzen und andere Auftriebmittel keine Sicherheit bieten. Im Gegenteil: Kinder können abgetrieben werden oder schlimmstenfalls in einem Schwimmreifen umkippen und mit dem Kopf unter Wasser geraten.
  • Baden Sie nicht in Fahrrinnen oder Hafeneinfahrten oder generell dort, wo Boote verkehren. In Spanien können Sie an Stränden generell vom Ufer bis zu der mit gelben Bojen markierten Linie schwimmen. Kanäle für Tretboote und andere Wasserfahrzeuge sind ebenfalls mit gelben Bojen und einer großen roten und grünen Boje gekennzeichnet.
  • Im Meer können Sie in gefährliche Strömungen geraten. Schwimmen Sie nicht gegen die Strömung an, sondern parallel zum Ufer, bis keine Strömung mehr vorhanden ist, um dann wieder in Richtung Strand zurückzuschwimmen.
  • Nichtschwimmer sollten niemals tiefer als bis zum Bauch ins Wasser gehen. Am Meer kann es zudem Stellen mit starken Unterströmungen geben, die Kindern die Beine wegziehen. Rettungsschwimmer wissen meist, wo sich die gefährlichen Stellen befinden.
  • Gehen Sie nur ins Wasser, wenn Sie sich wirklich wohl und gesund fühlen. Im Umkehrschluss heißt das: Verlassen Sie sofort das Wasser, wenn folgende Beschwerden auftreten: Kältegefühl, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Juckreiz, Übelkeitsgefühl, Schwindel oder Krämpfe.
  • Respektieren Sie andere Schwimmer und Freunde und tauchen Sie sie nicht unter.
  • Bei Gewitter oder Sturm ist Baden lebensgefährlich.
  • Springen Sie nie in unbekannte Gewässer. Springen Sie nur ins Wasser, wenn es tief genug und frei von anderen Badenden ist. Niemals mit dem Kopf zuerst!
  • Überschätzen Sie Ihre eigenen Kräfte nicht.
  • Erklären Sie Kindern, dass man nur um Hilfe ruft, wenn man wirklich in Not ist.
  • Gehen Sie an den Stellen ins Wasser, die flach sind und wo sich keine Felsen befinden.
  • Wenn es mit dem Boot, Kajak oder Katamaran auf das Wasser geht, sollten alle eine für ihr Alter und Körpergewicht ausreichende Schwimmweste tragen. Achten Sie bei kleinen Kindern darauf, dass die Weste richtig sitzt und nicht einfach gelöst werden kann.
  • Folgen Sie den Anweisungen des Rettungspersonals und respektieren Sie ein Badeverbot. Es hat immer seinen Grund, auch wenn das Meer auf den ersten Blick vielleicht untrügerisch aussieht.
  • Grüne Flagge: Sichere Badeverhältnisse.
  • Gelbe Flagge: Vorsicht beim Bad im Wasser.
  • Rote Flagge: Schwimmen verboten.
  • Weiße Flagge mit blauen Quallen: Vorsicht, Quallen! (meist begleitet von gelber oder roter Flagge).

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