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Tech-Trends aus Barcelona: Neuheiten von der Mobilfunk-Messe MWC 2022

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Von: Daniela Schlicht

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Besucher laufen durch die Halle der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress andere sitzen am Laptop.
Ein Blick in eine Halle der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress. © Andrej Sokolow

Auf der diesjährigen Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, die wieder Tech-Trends und Neuheiten diverser Hersteller präsentierte, ging es vor allem um nahtlose digitale Ökosysteme.

Barcelona - Im Schatten des Ukraine-Krieges hat in Barcelona vom 28. Februar bis 3. März die Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) 2022 stattgefunden und eines der Hauptthemen war die Schaffung von nahtlosen digitalen Ökosystemen. Bei dem diesjährigen World Mobile Congress handelte es sich um die erste größere Auflage des wichtigsten Branchentreffs seit drei Jahren: 2020 wurde die Messe nach Beginn der Corona-Pandemie abgesagt, im vergangenen Jahr kamen nur wenige Besucher von außerhalb Spaniens, wo schwerpunktmässig 5G und Internet für alle behandelt wurde. Traditionell drehte sich wieder alles um Handys und Netze – doch diesmal nutzen Samsung und Huawei die Messe, um neue Notebooks zu zeigen. Das ist kein Zufall: Die Strategie der Hersteller, alle ihre Geräte zu verzahnen, gewinnt an Fahrt.

Tech-Trends MWC 2022 Barcelona: Nahtlose digitale Ökosysteme

Einer der herausragendsten Tech-Trends auf der Mobilfunk-Messe MWC 2022 in Barcelona waren „nahtlose, digitale Ökosysteme“. Apple hat es vorgemacht – jetzt setzen mehr Elektronik-Konzerne darauf, Kunden so stark es geht in komplette Produktwelten aus ihren Geräten und Diensten zu locken. So stellte Samsung auf der Mobilfunk-Messe neue Notebooks vor – und legte einen besonderen Fokus auf ihr Zusammenspiel mit hauseigenen Smartphones wie dem aktuellen Flaggschiff-Modell Galaxy S22. Die Verzahnung, „das Ökosystem“, sei „das ganz große Thema“, sagte Samsung-Manager Mario Winter.

Ein Roboter-Barmann mit 5G-Anbidung zapft Getränke.
Ein Hingucker: Ein Roboter-Barkeeper kümmert sich um die Vergabe von Getränken. © Andrej Sokolow

In punkto nahtlose digitale Ökosysteme will Rivale Huawei durch das Zusammenspiel von Laptops, Tablets und Desktop-Rechnern untereinander sowie mit einem E-Ink-Reader und dem ersten Laser-Drucker der Firma punkten. Im Vergleich zu Samsung und Apple klafft bei dem chinesischen Konzern eine Lücke in dem Konzept: Die US-Sanktionen haben die Marktanteile von Huawei im Smartphone-Geschäft vor allem im Westen abstürzen lassen. Westeuropa-Chef William Tian argumentiert aber, für Firmen stünden Notebooks stärker im Mittelpunkt als Smartphones.

Für Apple ist das iPhone nach wie vor die Geldmaschine, die mehr als die Hälfte des Geschäfts ausmacht. Der Konzern verfolgt jedoch seit Jahren die Strategie, seine verschiedenen Geräte zu einem einzigen Computer-Organismus zusammenwachsen zu lassen. Man kann etwa eine E-Mail auf iPhone oder iPad-Tablet beginnen – und auf dem Mac-Computer weiterschreiben. Man kann ein Telefonat auf der Computer-Uhr Apple Watch annehmen – und dann auf dem iPhone weitersprechen. In der Pandemie verbuchte der Konzern Rekord-Umsätze nicht nur beim iPhone, sondern auch bei Macs und iPads.

Auch Smartphone-Marktführer Samsung baut auf die Zugkraft seiner Telefone. „Was uns bei Notebooks ausmacht, ist, dass wir auf das Ökosystem vom Galaxy-Smartphone zurückgreifen. Das hilft uns sehr“, sagt Winter. Die Übergänge sollen noch einfacher werden. Samsung hofft, den Anteil am deutschen PC-Markt auf zehn bis 15 Prozent auszubauen. Das ist ein ambitioniertes Ziel – Marktführer Lenovo liegt bei gut 20 Prozent.

Huawei-Manager für Westeuropa, William Tian, spricht auf der Mobilfunk-Messe und stellt eine Huawei Watch vor.
Der chinesische Huawei-Konzern hält trotz der verheerenden Folgen von US-Sanktionen an seinem Smartphone-Geschäft fest. © Andrej Sokolow

Bei Huawei spricht der fürs Elektronik-Geschäft zuständige Top-Manager Richard Yu von einem „nahtlosen Leben mit künstlicher Intelligenz“. Huawei fuhr schon seit einigen Jahren eine Verzahnungs-Strategie unter dem Namen „Super Device“. Sie wurde jedoch von den US-Sanktionen torpediert, die Huaweis Aufstieg zur Spitze des Smartphone-Markts ein jähes Ende bereiteten. Huawei kann unter anderem keine Telefone mit Google-Diensten und superschnellem 5G-Datenfunk liefern. An einer eigenen 5G-Lösung werde gearbeitet, sagte Tian – und argumentierte zugleich, dass auch Huaweis 4G-Smartphones für den Alltag ausreichten. Durch das Fehlen der Google-Dienste musste Huawei unter anderem eine eigene Plattform zum App-Download aufbauen. In Barcelona gab sich der chinesische Konzern kämpferisch. „Es ist eine sehr schwere Zeit für Huawei, aber wir werden niemals aufgeben“, sagte Yu. Man werde den „harten Winter“ überleben. Westeuropa-Chef Tian versicherte, dass Huawei das Smartphone-Geschäft nicht aufgebe: „Wir werden weiterhin neue Smartphones in europäische Märkte bringen.“

Tech-Trends MWC 2022 Barcelona: Arm statt Intel-Chips

Apple untermauerte seine Strategie auch mit einer radikalen Angleichung der technischen Plattform: Neue Mac-Computer laufen genauso wie iPhone und iPad auf der Architektur des Chip-Designers Arm statt auf Intel-Chips. Samsung schließt eine stärkere Rolle für Arm-Chips in seinen Notebooks nicht aus. Der Chef des Chipkonzerns Qualcomm, Cristiano Amon, bekräftigte in Barcelona, er wolle den „unausweichlichen“ Umstieg der Windows-Computerwelt auf Arm-Chips beschleunigen. Das würde auch die Verzahnung technisch erleichtern.

Qualcomm sprach auch die trendigen AR-Brillen (Augmented Reality, AR, beziehungsweise erweiterte Realität) an. Dabei geht es um die Idee, digitale Inhalte in reale Umgebungen einzublenden. Unter anderem von Apple wird eine solche Brille erwartet – wie schnell sie kommen könnte, ist aber völlig unklar. Qualcomm will mit seinen Chips eine führende Rolle in dem künftigen Markt spielen. Aktuell gibt es die Technologie in eher klobigen Headsets mit schmalem Blickfeld. Als große Herausforderung gilt vor allem, ausreichend Rechenleistung bei niedrigem Stromverbrauch in ein leichtes Brillengestell zu packen. Aktuell versuchen einige Hersteller das Problem zu lösen, indem die Rechenarbeit zum Beispiel an ein per Kabel angeschlossenes Smartphone ausgelagert wird.

Nach Einschätzung des Chipkonzerns werden leichte und kompakte Datenbrillen, in denen sich zusätzliche Informationen ins Blickfeld einblenden lassen, noch fünf bis zehn Jahre auf sich warten lassen. Am Ende der Entwicklung stünden aber Brillen, die anfangen könnten, Smartphones und PCs zu ersetzen, so Qualcomm-Manager Hugo Swart. Und man werde diese Brillen den ganzen Tag tragen können.

Präsentation eines kopflosen Cyberdogs auf vier Beinen.
Ein Xiaomi CyberDog ist während des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, Spanien, zu sehen. © Gustavo Valiente

Werterhalt bei digitalen Autos

Nachdem die Technologie ja auch immer mehr Einzug ins Auto findet, geht Renault davon aus, dass künftige Autos dank der Digitalisierung langsamer als heute ihren Wert verlieren werden. „Die Kosten des Fahrzeugs werden vielleicht zunächst höher sein, aber die Tatsache, dass mit der Zeit neue Funktionen hinzukommen, kann dafür sorgen, dass der Restwert steigt, statt wie heute zurückzugehen“, sagte Renault-Manager Thierry Cammal am Rande des Mobile World Congress.

Cammal führt beim französischen Autohersteller die Software Labs, die Technologien für künftige Fahrzeuge entwickeln. Der Übergang zu elektrischen und vernetzten Fahrzeugen erfordere, „dass wir komplett die Architektur des Autos verändern“, betonte er. Unter anderem gehöre dazu, dass es statt vieler verstreuter Steuerungseinheiten wenige zentralisierte gebe.

Renault arbeite bei dem Wandel mit Technologie-Unternehmen wie Google oder dem Chipkonzern Qualcomm zusammenarbeiten. Es sei aber wichtig, dass der Hersteller am Ende die Kontrolle „über kritische Elemente der Software“ behalten, betonte der Automanager.

Ein Besucher probiert einen 5G-Industriehelm von Huawei.
5G-Helm von Huawei auf der Mobilfunk-Messe in Barcelona. © Zheng Huansong

Betreten des Metaversums

Viverse ist der Platz von HTC Vive im Metaversum: ein Universum mit neuen Erfahrungen und ein nahtloses Tor zu anderen Virtual Reality-Universen in Zusammenarbeit mit Partnern auf der ganzen Welt. Zur Verdeutlichung: Beim Metaversum handelt es sich um virtuelle Parallelwelten, die derzeit mit einer Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) oder einer AR-Brille „betreten“ werden können. HTC Vive präsentierte auf der Mobilfunk-Messe Innovationen, um den Menschen eine bessere Erfahrung bei der Erkundung des Viverse zu bieten. Dazu gehören Vive Browser, ein neuer Virtual-Reality-basierter Webbrowser, und Vive Connect, ein Portal zum Erleben und Durchqueren des Viversums. Das Unternehmen stellte außerdem Vive Guardian vor – ein neues Tool, das Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrern die Kontrolle darüber gibt, was junge Menschen in VR sehen und tun können.

Viverse sei das nächste Kapitel der Vision von HTC von Vive Reality, sagte Cher Wang, Mitbegründerin und Vorsitzende von HTC. Vive sei die Marke und bedeute „Leben“, und Verse beziehe sich auf die Kapitel des Lebens. Viverse möchte nahtlose Erlebnisse, die auf jedem Gerät und überall erreichbar sind, bieten. Ermöglicht wird dies durch die virtuelle und erweiterte Realität, Hochgeschwindigkeits-Konnektivität, Künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologien, in die HTC seit mehreren Jahren investiert.

Auf dem Weg zum Holoritt

HTC Vive und holoride arbeiten zusammen, um Auto-Insassen Virtual-Reality-Unterhaltung zu bieten, indem sie die Vive Flow VR-Brille und die immersive Technologieplattform von holoride nutzen. holorides Technologie verbindet Virtual-Reality-Inhalte mit Echtzeit-Bewegungs-, Standort- und Navigationsdaten aus dem Fahrzeug. In Kombination mit Vive Flow, der leichten und kompakten VR-Brille von HTC, ist holoride für die Unterhaltung der Passagiere auf Reisen gedacht. Die Gäste des MWC konnten schon holorides In-Car-Virtual-Reality bei einer Fahrt durch Barcelona erleben.

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