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Mit Cl@ve Behördengänge in Spanien vom Sofa aus managen

Digitaler Amtsbesuch

Cl@ve: Behördengang in Spanien vom Sofa aus online managen

  • Daniela Schlicht
    vonDaniela Schlicht
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Die elektronische Plattform Cl@ve erlaubt es Bürgern in Spanien sich online bei Behörden mittels geprüfter Zugangsdaten zu identifizieren, was bedeutet einen Behördengang online durchführen zu können, statt vor Ort. Dafür gibt es zwei Optionen: Cl@ve PIN und Cl@ve permanente.

Mit Cl@ve stellt Spanien dem Bürger eine weitere Möglichkeiten zur Verfügung, Behördengänge bequem über das Internet, quasi vom Sofa aus, abzuwickeln. Im Zuge der Digitalisierung drängen vermehrt auch die Behörden auf Austausch mit den Bürgern über den elektronischen Weg, sei es bei der Abgabe der Einkommenssteuererklärung (IRPF) oder beispielsweise den Antrag auf Verlängerung des Arbeitslosengeldes. Aber gerade weil das Internet anfällig für Betrügereien aller Art ist, benötigt die öffentliche Verwaltung ein System, dass bestmögliche Zuverlässigkeit und Sicherheit bietet: Cl@ve.

Cl@ve: Identifikationsmethode für Behördengänge in Spanien

Cl@ve ist eine Identifikations- beziehungsweise Authentifizierungsmethoden um Behördengänge „online“ abwickeln zu können. Unerlässlich hierbei ist, dass Bürger, die online öffentliche Leistungen beanspruchen oder Abgaben tätigen müssen, eindeutig identifizierbar sind. Das heißt, dass sich niemand für jemand anderen ausgeben kann. Rein auf Basis dessen ist es möglich „Behördengänge“ online abzuwickeln, normalerweise ohne das Haus zu verlassen. Cl@ve stellt zwei Optionen zur Auswahl: einmal die „Cl@ve permanente“ und des weiteren die Cl@ve-PIN.

Cl@ve ist eine Ergänzung zu anderen Zugangssystemen mit digitalen Zertifikaten für Online-Behördengänge wie der elektronischen DNI (Documento Nacional de Identidad) – kurz: DNIe – oder das FNMT-Zertifikat. Genehmigt wurde Cl@ve vom Ministerrat in seiner Sitzung am 19. September 2014. Die Nutzungsbedingungen werden von der Direktion für Informations- und Kommunikationstechnologien festgelegt.

Zudem ist Cl@ve an eIDAS (Electronic Identification, Authentication and Trust Services) angeschlossen. eIDAS bezieht sich auf die EU-Verordnung 910/2014, die „grenzüberschreitende digitale Transaktionen (Interoperabilität) zwischen Bürgern der Europäischen Union vorsieht, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zwischen den teilnehmenden Ländern zu fördern“. Das will heißen, Ziel ist eine sichere und nahtlose elektronische Interaktionen zwischen Unternehmen, Bürgern und Behörden.

Was ist die Cl@ve-PIN?

Das Authentifizierungsverfahren Cl@ve PIN, das auch als „Cl@ve ocasional“ (Deutsch: gelegentlich) bezeichnet wird, richtet sich an Benutzer, die eher sporadisch Behördengänge durchführen, beziehungsweise auf öffentliche Dienste zugreifen müssen. Daher hat das Ganze auch eine begrenztere zeitliche Gültigkeit. Das Verfahren basiert auf einem Identifikationscode, den der Bürger wählt, aber mit einer ständig wechselnden PIN, die er bei jedem Einloggen neu erhält. Es ist also in etwa so, als wäre der Benutzer immer derselbe, aber das Passwort ist dynamisch und wird einem über die Cl@ve-PIN-App (für Android oder iOS) oder per SMS mitgeteilt. Die Benutzerfreundlichkeit besteht darin, dass man sich kein Passwort merken muss.

Was ist die Cl@ve permanente?

Das Authentifizierungsverfahren Cl@ve permanente basiert auf der Verwendung eines Benutzercodes, der die DNI oder NIE einer jeden Person ist. Außerdem legt man bei der Aktivierung ein eigenes Passwort fest, mit dem man sich im System anmelden kann. Allerdings ist ein auf der persönlichen ID basierender Benutzercode und ein Passwort oft nicht ausreichend, um den Identifikationsprozess sicher zu machen. Aus diesem Grund wird einem bei Abwicklungen mit Behörden, die eine hohe Sicherheit erfordern, zusätzlich ein Einmalpasswort per SMS an das Handy zugesandt, das man nach der Passworteingabe als zweiten Schritt im Identifikationsprozess eingeben muss. Die Cl@ve permanente richtet sich an Bürger, die die Dienste einer Behörde regelmäßig nutzen. Darüber hinaus ermöglicht dieses System Signaturen in der Cloud.

Auf der Website des Finanzamts kann man sich für Cl@ve registrieren

Cl@ve: Wo kann man sich registrieren?

Für die Registrierung bei Cl@ve für künftige Behördengänge über das Internet gibt es drei Möglichkeiten. Die erste ist „ohne elektronisches Zertifikat“. Dafür die Website der Agencia Tributaria, des spanischen Finanzamtes, aufrufen. Diese Basis-Option funktioniert über ein Bestätigungsschreiben, das einem per Post an die Steueradresse geschickt wird. Die Registrierung wird dann mit einem sicheren Verifizierungscode (CSV) abgeschlossen, der in dem Schreiben erscheint.

Um das Bestätigungsschreiben anzufordern bedarf es der Eingabe einer DNI oder NIE auf der Webseite unter „Registrarse en Cl@ve“ (in Cl@ve registrieren). Je nach Art des Dokuments werden unterschiedliche Zusatzdaten abgefragt. Bei der NIE ist es die „número de soporte“, die zusätzlich zur NIE auf dem Dokument erscheint. Nachdem man auf „Continuar“ (Weiter) klickt, werden die eingegebenen Daten validiert. Sind diese korrekt, kann man im nächsten Fenster den Versand des Schreibens anfordern, indem man auf die Schaltfläche „Si, envíenme una carta de invitación a mi domicilio fiscal“ (Ja, schicke mir ein Einladungsschreiben an meine Steueradresse) klickt. Sobald man das Einladungsschreiben erhalten hat, kann die Registrierung im Cl@ve-System abschlossen werden. Dazu wieder die Option „Registrarse en Cl@ve“ wählen, die DNI oder NIE mit den Zusatzdaten eingeben und „Ya dispongo de una carta invitación“ (Ich habe bereits ein Einladungsschreiben) aktivieren. Im nächsten Schritt muss dann der 16-stellige Código Seguro de Verificación (CSV) aus dem Schreiben eingetragen werden. Als nächstes muss die Mobiltelefonnummer und bestenfalls noch eine E-Mail-Adresse angegeben werden.

Cl@ve: Registrierung per Videoanruf

Anstelle eines Schreibens kann die Verifizierung bei Cl@ve für künftige Behördengänge über das Internet neuerdings auch per Videoanruf stattfinden. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte seinen Computer oder mobiles Gerät auf die Funktionsfähigkeit von Kamera, Mikrofon und Lautsprecher prüfen. Dafür wurde extra die Möglichkeit eines „Test-Videoanrufs“ eingerichtet. Der Service soll mit den Browsern Microsoft Edge, Google Chrome und Mozilla Firefox kompatibel sein. Für den Verifizierungsprozess gilt es Ausweisdokumente, die dem öffentlichen Angestellten vorgezeigt werden müssen, zur Hand zu haben sowie ein Mobiltelefon, das man für Cl@ve nutzen möchte. Das Verfahren kann nur im eigenen Namen durchgeführt werden. Sobald der Videoanruf erfolgreich abgeschlossen wurde, wird die Cl@ve-Registrierung wirksam.

Cl@ve: Mit Zertifikat oder DNIe

Die zweite, deutlich schnellere Methode ist die „mit elektronischem Zertifikat oder DNIe“. Dafür ebenfalls die Webseite der Agencia Tributaria, des spanischen Finanzamtes. „Registrarse en Cl@ve con certificado o DNI electrónico“ auswählen. DNI oder NIE mit den Zusatzdaten eintragen. Durch Angabe des Zertifikats oder des elektronischen Ausweises werden die Daten des Inhabers automatisch geladen. Diese gilt es auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Anschließend wird man auch hier wieder aufgefordert, seine spanische oder ausländische Handynummer anzugeben, um fortan PINs von Cl@ve erhalten zu können, und wenn möglich auch eine E-Mail-Adresse.

Cl@ve: Persönlich vor Ort

Als dritte Möglichkeit bietet sich eine persönliche Registrierung bei einer Außenstelle beziehungsweise bei einer Behörde vor Ort. Zum Termin gilt es folgendes mitzunehmen: DNI oder NIE, Mobiltelefonnummer und wenn möglich eine E-Mail Adresse. Ausländische Staatsbürger müssen ihre Identität durch Vorlage der von den zuständigen Behörden des Ursprungs- oder Herkunftslandes ausgestellten Dokumente nachweisen: Reisepass oder Reisedokument.

Nach der Registrierung

Es gibt zwei Möglichkeiten nach der Registrierung eine Cl@ve-PIN zu erhalten: über die Handy-App (im App-Store oder bei Google Play) oder mittels einer SMS auf das Handy. Aus Sicherheitsgründen kann die erhaltene PIN nur einmal verwendet werden.

Für die Aktivierung der Cl@ve Permanente wird man aufgefordert einen Benutzernamen (DNI oder NIE), E-Mail-Adresse (als zusätzliche Information) und den Aktivierungscode einzugeben, den man bei der Registrierung erhalten hat. Wenn alles korrekt ist, sendet einem das System eine SMS mit einem One Time Password (OTP), das in das entsprechende Feld des Formulars eingegeben werden muss. Danach erlaubt es das System, sich ein eigenes, wiederverwendbares Passwort anzulegen.

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