Ein Hörgerät vor einem menschlichen Ohr.
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Schritt zum Hörgerät: Menschen mit Schwerhörigkeit werden durch Corona mit zusätzlichen Problemen konfrontiert.

Wie bitte?

Durch Corona zum Hörgerät: Welche Probleme die Mund- und Atemschutzmaske für Menschen mit Schwerhörigkeit mit sich bringt

  • vonAnne Götzinger
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Die wegen der Corona-Pandemie vielerorts bestehende Maskenpflicht bringt für Menschen mit Schwerhörigkeit zusätzliche Probleme mit sich. Interview mit Hörgeräte-Akustik-Meisterin Maike Fortak.

Villajoyosa – Seit der Coronavirus-Pandemie hat Maike Fortak deutlich mehr Kundschaft. Die Hörgeräte-Akustik-Meisterin aus Villajoyosa an der Costa Blanca berichtet von den Problemen, die Menschen mit Schwerhörigkeit durch die Maskenpflicht haben.

Frau Fortak, welche Erfahrungen haben Sie als Hörgeräte-Akustik-Meisterin seit Beginn der Pandemie gemacht?

Durchgängig ist es so, dass alle mehr Verständnisprobleme haben durch die Maske, ich denke auch Normalhörende müssen sich mehr anstrengen. Die Frequenz der Sprache, die Tonlage ändert sich, Leute nuscheln mehr. Ich bekomme weniger Sound und einen anderen Sound, als ich bisher gewohnt war. Ein Normalhörender kann sich daran schnell gewöhnen. Aber jemand, der eine Hörschwäche hat, die er bisher gut ausgeglichen hat – durch die Kombination von Mund- und Lippenbild, Gestik, Mimik und Lautstärke – kommt jetzt in Schwierigkeiten und merkt: Ups, ich höre ja wirklich schlecht.

... und kommt dann zu Ihnen.

Ja, für mich ist das eigentlich positiv, weil die Leute jetzt merken, dass sie schlecht hören. Eigentlich ist ja ein Hörgerät etwas, was niemand gerne haben will. Wer Hörgeräte generell ablehnt, der möchte oft auch gar nicht hören. Er will gar nicht mit so vielen Informationen zugemüllt werden. Was viele vielleicht nicht wissen, ist, dass sie eigentlich noch gut hören, aber nicht gut verstehen, weil beispielsweise nur die hohen Frequenzen fehlen. Das heißt, die Konsonanten werden verschluckt. Das kann normalerweise oft durch das oben genannte Kombinieren ausgeglichen werden, aber wenn jemand mit Maske spricht, eben nicht.

Hörgeräte-Akustik-Meisterin Maike Fortak berät Menschen mit Hörschwäche an der Costa Blanca.
Hat die Corona-Problematik auch die Hörgeräte-Technik beeinflusst?


Ja, auch die Hersteller haben auf dieses Problem reagiert. Alle neuen Hörgeräte-Technologien haben heute Bluetooth, können mit dem Smartphone verbunden werden und haben eine entsprechende App. Bei manchen Marken kann man dort auf ein Maskenbild drücken, wodurch sich die Verstärkung des Hörgeräts ändert, damit der Ton deutlicher ankommt, wenn jemand mit Maske spricht.

Was raten Sie Menschen, die merken, sie hören schlecht?

Wer das Problem erkennt, kann mit einem Probe-Hörgerät testen, wie er sich damit fühlt. Und wenn es dann wirklich nichts ist für einen, dann kann man aktiv diese Entscheidung treffen, aber nicht, weil man von vorneherein sagt, „das will ich nicht, bei meinem Großvater hat es immer nur gepfiffen“. Aber ich sage mal, der Großvater hat auch noch mit der Schreibmaschine geschrieben. Das sind einfach Welten und die Hörgeräte von heute sind unglaublich. Diese Bluetooth-Funktion ermöglicht vieles und spricht auch jüngere Menschen an, die eventuell auch schon Probleme haben. Für die ist diese App natürlich interessant, weil man es gleichzeitig als Kopfhörer benutzen kann, weil man alles direkt im Ohr hört und außerdem ein Hörgerät hat.

Allerdings führt auch das Tragen eines Hörgeräts zusammen mit einer Maske zu Problemen.


Ja, richtig, mit Maske, Hörgerät und womöglich noch Brille zusammen. In dem Moment, in dem die Träger die Maske abnehmen, fliegen die Hörgeräte vom Ohr, da sind schon mehrere Geräte verlorengegangen. Doch auch darauf haben einige Hersteller reagiert. Wenn eines der Hörgeräte runterfällt, dann macht das andere Signale, weil es den Kontakt verloren hat. Denn beide Geräte sind immer kabellos miteinander verbunden, um auch abzustimmen, wo welche Töne herkommen.

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