Hände, die sich mit Desinfektionsgel einreiben.
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Um die Gefahr einer Corona-Ansteckung möglichst gering zu halten, gilt immer: Maske auf, Abstand halten, Hände desinfizieren oder waschen.

Ärzte erstellen Ranking

Coronavirus: Hier ist das Risiko einer Ansteckung am höchsten

  • vonJudith Finsterbusch
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Die Gefahr einer Corona-Ansteckung ist nicht überall gleich groß. Ärzte haben ein Ranking erstellt, wo das Risiko am höchsten ist.

Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie waren in Spanien nicht nur Toilettenpapier, Schutzmasken, Handschuhe, Hefe und Mehl ausverkauft, sondern auch Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Sobald die Wissenschaftler belegt hatten, dass Sars CoV-2 auf Oberflächen überlebt und somit eine Ansteckung – theoretisch – auch über das Anfassen von Gegenständen möglich ist, die zuvor ein Covid-19-Infizierter berührt hatte, wurde gereinigt, desinfiziert und geschrubbt. Doch wo ist die Gefahr einer Ansteckung wirklich am größten? Und wie überträgt sich das Coronavirus überhaupt?

Gefahr einer Corona-Ansteckung: Virus wird auf drei Wegen übertragen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht mittlerweile davon aus, dass es drei – nicht wie noch im Frühjahr angenommen zwei - Übertragungswege gibt:

  • 1) Die Tröpfcheninfektion, also wenn ein Infizierter beim Sprechen oder Husten virenhaltige Tröpfchen ausatmet, die in die Schleimhäute einer gesunden Person gelangen.
  • 2) Die Infektion über Oberflächen – wobei allerdings bis heute laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten kein solcher Fall nachgewiesen werden konnte.
  • 3) Über Aerosole in der Luft, vor allem in geschlossenen, nicht gelüfteten Räumen, in denen sich ein Infizierter aufhält.

Ein Paradebeispiel für diese dritte Ansteckungsmöglichkeit kommt aus Washington: Dort konnten Wissenschaftler einen Infektionsherd beobachten, der bei einer Chorprobe in einem ungelüfteten Raum entstand. 61 Sänger nahmen teil, darunter ein Corona-Infizierter. Trotz Einhaltung des Sicherheitsabstands und der Hygieneregeln – bis auf die Maskenpflicht - steckten sich während der zweieinhalb Stunden dauernden Probe 53 Chormitglieder an, darunter auch Sänger, die bis zu 14 Meter von der infizierten Person entfernt gestanden hatten. Zwei Menschen starben. Dementsprechend besteht also auch die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, wenn kein direkter Kontakt zu einer infizierten Person besteht.

In Spanien sind mit fast 60 Prozent die meisten Coronavirus-Infektionsherde auf soziale Kontakte zurückzuführen. Die Gefahr einer Ansteckung ist also bei Treffen und Feiern mit Freunden und Familie am größten. Nicht zuletzt deshalb hat die spanische Zentralregierung mit dem neuen Notstand, der am 25. Oktober verabschiedet wurde, auch Regeln wie ein Kontaktverbot für mehr als sechs Personen erlassen. Bars und Restaurants scheinen dagegen recht sicher zu sein: Nur knapp fünf Prozent der Covid-Infizierten haben sich in einem Lokal angesteckt. Ebenfalls ein geringes Risiko geht von Schulen aus: Sechs Prozent der jüngsten Sars-CoV-2-Infektionen sind auf Bildungszentren zurückzuführen.

Coronavirus: Ärzte erstellen Ranking zu Ansteckungsgefahr

Die Ärztevereinigung AMT in Texas hat bereits im Juli ein Ranking erstellt, wo und wie sich die Menschen am ehesten mit Covid-19 anstecken. Darin führen die Experten 37 Aktivitäten auf und haben sie nach der Höhe des Risikos einer Corona-Ansteckung sortiert. Die Ärzte aus Texas nutzen ein Farbschema, um das Risiko einer Corona-Ansteckung zu unterscheiden: Grün bedeutet eine geringe Gefahr, Dunkelrot ein sehr großes Risiko. Zu den Aktivitäten mit einer geringen Ansteckungsgefahr gehören beispielsweise Tennisspielen – im Gegensatz zu anderen Sportarten mit mehr Körperkontakt -, der Aufenthalt auf einem Campingplatz oder das Abholen von Speisen in einem Restaurant.

Mittelgroß ist die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken bei Sportarten wie Golf oder Fahrradfahren (in Gruppen), bei einem Museumsbesuch, im Wartezimmer beim Arzt oder beim Einkauf in einem Geschäft. Bei der Erstellung des Rankings sind die Wissenschaftler immer davon ausgegangen, dass sich die Personen soweit möglich an die allgemein gültigen Covid-Auflagen halten: Schutzmaske, Sicherheitsabstand von zwei Metern und häufiges Händewaschen.

Coronavirus: Mittelgroße Ansteckungsgefahr auf der Arbeit

Immer noch ein mittelgroßes Risiko – aber eine etwas größere Gefahr, sich mit Sars CoV-2 anzustecken – stellen ein gemeinsames Abendessen bei Freunden zu Hause, der Schulbesuch der Kinder, eine Woche lang arbeiten im Büro oder eine Umarmung dar. Die dritte Stufe, also ein mittel- bis großes Ansteckungsrisiko gibt es laut dem Farbschema bei einem Restaurantbesuch, bei der Teilnahme an einer Hochzeit oder Beerdigung und im Flugzeug. Virologen aus Frankfurt kommen allerdings zu einem anderen Schluss: Sie stufen das Risiko einer Corona-Ansteckung während einer Flugreise als „wahrscheinlich gering“ ein.

Am größten ist die Gefahr einer Corona-Ansteckung laut dem Schema bei einem Stadionbesuch oder im Fitnessstudio – und in der Kneipe. Zumindest um letztere muss man sich in Spanien keine Sorgen machen – das Nachtleben steht still, Diskotheken und Pubs dürfen nicht öffnen.   

Gefahr einer Corona-Ansteckung: RKI verweist auf Ausbrüche am Arbeitsplatz

Bei dem Ranking der texanischen Ärzte handelt es sich um eine allgemeine Risikotabelle mit einer Gefahreneinstufung von 1 bis 9. Nicht alle Wissenschaftler sind sich allerdings einig über das unterschiedlich hohe Risiko. Das deutsche Robert Koch Institut etwa kommt nach der Verfolgung von Infektionsherden teilweise zu anderen Schlüssen über die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Zuletzt etwa stellt das RKI vermehrt Corona-Ausbrüche am Arbeitsplatz fest, vermutlich weil viele Angestellte mittlerweile nicht mehr im Homeoffice, sondern wieder vor Ort im Unternehmen arbeiten. Auch in Spanien ist immer wieder die Rede von Infektionsherden am Arbeitsplatz, mehrere der Corona-Ausbrüche in Elche an der Costa Blanca etwa sind auf das Arbeitsumfeld zurückzuführen.

Die meisten Corona-Ausbrüche – und somit auch die größte Gefahr, sich mit Covid-19 anzustecken, sieht das Robert Koch Institut jedoch im privaten Umfeld. So ist ein Großteil der Infektionsherde auch in Deutschland auf Feiern und Treffen mit Freunden oder Familien zurückzuführen.

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