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Jenseits des Valentinstags: Wie Beziehungen scheitern, wie Liebe überlebt

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Von: Stefan Wieczorek

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Ein riesiges rotes Herz und rechts ein Paar im Café.
Liebe an Costa Blanca: Nicht nur rote Herzen - eine Methode will Beziehungen retten. © Ángel García

Ein Therapeuten-Duo aus Alicante führt mit emotionaler Intelligenz Paare aus der Krise. Woran heute so viele Beziehungen zerbrechen? Laut der beiden Experten: Am falschen Bild von Liebe.

Welcher Tag sagt mehr über die Liebe aus – der 14. oder der 15. Februar? Der Valentinstag, mit seiner Masse an roten Herzen und Luftballons? Oder doch der Tag, an dem die Liebesdeko wieder fort ist - und auch nicht mehr ablenkt? Von Krisen und Verzweiflung. Von Gefühlsleere - und sogar Gewalt: Immer wieder enden Beziehungen für Frauen tödlich, neulich an der Costa Blanca selbst für eine Seniorin. Eine krankhafte Liebesunfähigkeit greift sogar als sexuelle Ausbeutung von Menschen um sich. Doch auch im ganz gewöhnlichen Alltag krankt die Liebe schwer. Immer häufiger werden Scheidungen, immer seltener langlebige Ehen. Ist die Liebe noch zu retten? Ja - sagt ein Paar aus Alicante in Spanien. Und entwickelte dafür sogar eine Methode.

Costa Blanca: Beziehung retten - Experten entwickeln Methode

Dass das Vertrauen in die Liebe verflogen ist, dafür gebe es einen klaren Grund, meinen die Therapeuten María Dolores Canet und José Ángel de Francisco. Schuld sei ein falsches Bild von der Liebe. Nicht zuletzt zeichne der 14. Februar dieses Zerrbild. Am Valentinstag der heutigen Zeit „wird nicht die Liebe gefeiert“, kritisiert María Dolores Canet, „sondern ein idealisiertes, oberflächliches Konzept, das auf Formeln basiert und auf Konsum abzielt“. Die „authentische Liebe“ feiere man nicht an einem, sondern an allen Tagen, meint die Expertin von der Costa Blanca: „Indem man die Hürden des Lebens zu zweit nimmt mit dem Willen, in eine gemeinsame Richtung zu gehen“.

Das sagt die Therapeutin nicht, weil sie und ihr Mann gerade das 40. Ehejahr begangen haben – von Formalismen halten sie wenig –, sondern weil die Eltern dreier Töchter Liebe und Beziehung zum Beruf haben: Sie helfen mit ihrer Methode De Francisco-Canet Paaren aus der Krise. Ihre Therapie bieten die beiden Experten in einer Praxis in Alicante an und arbeiten unter anderem mit der Klinik Quirónsalud in Murcia zusammen. „Unsere Methode gründet auf dem Abc ehelicher Werte sowie auf emotionaler Intelligenz. Werden die Werte eingehalten und die Grundlagen befolgt, kann das Paar seine Beziehung retten und sogar einen großen Teil des Lebens glücklich sein“, meint José Ángel De Francisco.

Dynamik des Verzeihens: Vorausgesetzt, dass es beide tun

Neben mehreren internationalen Ansätzen zu Liebe und Beziehung beruhe die Methode des Paars aus Alicante auf der langen Erfahrung mit über 6.000 Patienten. Ein Kern des „Método“ ist das Vorgehen, das María Dolores Canet und José Ángel de Francisco „Induzierte Dynamik des Verzeihens“ nennen, womit Paare das Vergeben trainieren. Das sei nicht zu unterschätzen, sagt De Francisco, denn der erste Grund für das Zerbrechen von Beziehungen sei „das Hegen von Groll wegen Verletzungen der Vergangenheit, also das Nicht-Vergeben-Können alter Fehler und des Scheiterns des Anderen“. Erst dahinter folgten Dinge wie „den Anderen nicht akzeptieren, wie er ist“, fehlende Treue oder schlechte Kommunikation, sagen die Therapeuten.

Die beiden Liebes-Experten bekamen für ihren Ansatz in Spanien eine Goldmedaille: im Juli 2018 überreichte sie ihnen die Königliche Akademie Ramón y Cajal für Gesundheitswissenschaften. Wie die Methode zum Retten von Beziehungen in der Praxis funktioniert? „Wir führen Paare zur Einsicht, dass das Gefühl nicht der einzige und nicht der wichtigste Motor der Liebe ist, sondern der Wille“, erklärt José Ángel De Francisco. „Das lässt sie erkennen, dass man die Liebe jeden Tag, in kleinen und großen Gesten lebt. Und dass man Glück finden kann, wenn man das Beste in sich sucht – vorausgesetzt, dass es beide Seiten tun.“

Wenn Kinder zu wichtig werden: Gewalt als rote Linie

Die unbedingte Gleichstellung der Partner in der Verantwortung betonen die Therapeuten im Gespräch mehrmals. Etwa, als wir nach den „zehn Empfehlungen der Methode De Francisco-Canet“ fragen, die in ihrem Buch „Adán y Eva en busca del paraíso“, („Adam und Eva auf der Suche nach dem Paradies“) zu finden sind. Nur wenn beide in der Beziehung die folgenden Punkte verinnerlichten, könne die Rettung gelingen, mahnen die beiden Experten.

Ob aber etwa Punkt zwei („Stelle den Partner immer an die erste Stelle“) nicht der Tyrannei die Tür öffne, und im schlimmsten Fall der Gewalt, wollen wir wissen. Nicht, wenn das Paar eine corresponsabilidad verinnerlicht, also eine beidseitige Verantwortung, meint María Dolores Canet. Das sei ein Schlüsselelement, so die Expertin. Wenn die corresponsabilidad fehle, „sagen wir Paaren, dass es zwischen ihnen aus ist“. Richtig umgesetzt sei Punkt zwei, also die Voranstellung des Partners, wenn sie diesen davor schützt, in der Beziehung herabgesetzt zu werden, „etwa, wenn die Kinder wichtiger werden als er“.

Und wenn es doch zu Häuslicher Gewalt in der Beziehung kommt? Dann seien „Störungen, Abhängigkeit, Pathologien zu untersuchen“, mahnt José Ángel de Francisco. Die Methode des Therapeuten-Duos aus Alicante sei dabei ungeeignet. Angewandt werden könne sie nur, wenn beide Partner bereit seien, für die Beziehung an sich zu arbeiten. Dann aber stünden die Chancen zum Retten des Verhältnisses sogar gut: 80 Prozent der Paare, die die zwölf Sitzungen der Methode absolvierten, hätten die Absicht, sich zu trennen, verworfen, sagen die beiden Entwickler der Therapie.

Keine leichte Kost: Tabuthemen und neuer Tonfall

Die Liebes-Experten von der Costa Blanca warnen: Eine leichte Kost sind die Sitzungen mit ihnen nicht. Mit gezielten Übungen stellen die Paare sich im Rahmen der Therapie schwierigen Themen – darunter vielen Tabus oder bis dato nicht eingestandenen Schwächen. Der Therapeut interviewt die Partner erst einzeln und bespricht mit ihnen die Hausaufgaben. Dann spricht das Paar unter Aufsicht miteinander und formuliert feste Vorhaben. Zu Hause führen die Patienten dann Tagebuch darüber, welche der Werte Empathie, Geduld, Respekt, Demut, Loyalität oder Hilfe sie heute jeweils erfüllt haben und welche nicht.

Die Paare üben zudem im Alltag einen neuen Tonfall ein, etwa wenn sie quejas, Klagen, in deseos, Wünsche, umwandeln. Aus einem Satz wie „Nie hörst du mir zu“ wird zum Beispiel „Ich hätte gern, dass du mir zuhörst.“ Das trüge erstaunliche Früchte, versichern die Experten. „Es gibt auch sehr angenehme Aufgaben, wie die ‚Landkarte der Liebe‘, womit sich das Paar neu kennenlernt“, erklärt José Ángel De Francisco. In der Übung „Emotionales Konto“ dagegen überlegten die Partner im Rahmen der Methode, was sie in Zukunft zusammen unternehmen könnten.

Ob es ein Alter gebe, in der die Methode zum Retten einer Beziehung nicht mehr funktioniere, fragen wir. „Senioren haben sich meist an die Umstände gewöhnt“, sagt José Ángel De Francisco. „Ihr alltägliches Verhalten können sie vielleicht nicht mehr ändern. Aber: Sie können immer noch die Augen öffnen. Und einen ganz neuen Blick auf das Leben entwickeln.“

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch mit karierter Decke.
María Dolores Canet und José Ángel de Francisco entwickelten eine Methode zum Retten von Beziehungen. © Método De Francisco/Canet

„Nicht die Kinder, die Arbeit, was auch immer“

Half ihr „Método“ auch María Dolores Canet und José Ángel De Francisco in ihrem eigenen Leben als Ehepaar? „Wir sind nicht anders als alle anderen“, sagt Canet. „Wir hatten Streit und Krisen. Aber durch unsere Ideen existierte etwas, das uns half, indem es sagte, dass wir zwei füreinander das Wichtigste sind – und nicht die Kinder, die Arbeit, oder was auch immer.“ Und auch wenn das Paar von der Costa Blanca nicht auf stumpfe Formeln steht – zwei Tage feiert es dann doch im Jahr. Nicht den Valentinstag, und auch nicht den Tag danach, sondern: „Den Tag, an dem wir uns begegneten. Und den, an dem wir heirateten“.

Die Methode De Francisco-Canet basiert auf Büchern wie „Sieben Geheimnisse glücklicher Ehe“ von John Gottmann zu emotionaler Intelligenz, „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Allan&Barbara Pease über Verständnis, „Halt mich fest“ von Sue Johnson über Bindung und „Flow“ von Mihaly Csikszentmihalyi über Gelassenheit.

Anbei einige Fragen aus der Übung „Landkarte der Liebe“: Was trug ich, als wir uns trafen? Wo wurde ich geboren? Welche ist meine Lieblingsblume? Was erregt mich sexuell? Wer ist, außer dir, meine Bezugsperson? Nenne zwei meiner Ambitionen. Wovor habe ich Angst? Wie komme ich zur Ruhe? Welchen unerfüllten Traum hege ich?

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