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Deutsche an Costa Blanca: Versicherung ärgert Rentner mit hohen Beiträgen.

Leben und Sterben in Spanien

Deutsche an Costa Blanca: Versicherung ärgert deutsche Rentner - Beiträge explodieren

  • vonStefan Wieczorek
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Eine Versicherung in Spanien erhöht die Beiträge für Sterbe-Leistungen. Zu viel für ein deutsches Paar an der Costa Blanca. Aber was tun? Für die Sterbegeldversicherung haben sie schon viel Geld bezahlt.

Alicante - Die „Ruhe in Frieden“ traut man auch in Spanien normalerweise nur Toten zu. Es sei denn, man ist eine Versicherung, die Kunden verspricht, schon die Lebzeiten ohne Trubel zu verbringen. Sogar die „absolute Ruhe“ („Tranquilidad absoluta“) winkte laut Werbespruch einem deutschen Rentner-Paar von der Costa Blanca, wenn es eine „seguro de decesos“ abschlösse. Diese Sterbegeldversicherung übernimmt die Organisation des Abschieds aus dem Leben, sodass sich der Kunde vor dem Sterben keine Sorgen darum machen muss. Die Remmerts hat die Leistung aber nicht beruhigt, sondern ist eher ein absoluter Ärger für sie.

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Deutsche an Costa Blanca: Versicherung ärgert Rentner - Beiträge explodieren

Sie seien keine Menschen für großes Tamtam, sagen die Deutschen, die als Residenten die Feriensiedlung La Marina an der Costa Blanca bewohnen. „Wie hier in Spanien Begräbnisse ablaufen, voller Blumen, Totenwache in der Leichenhalle – das ist nichts für uns“, sagt Rentner Jürgen Remmert. Seine Frau Monika fügt hinzu: „Ja, ganz anonym, mit einer Urne, so kenne ich das von zu Hause.“ Einfach nur das Nötigste, um irgendwann ohne Aufwand an der Costa Blanca zu sterben und in Frieden zu ruhen, wünschten sie sich, als sie vor zehn Jahren die Versicherung mit Catalana Occidente abschlossen.

Für 43,51 Euro im Monat würden die deutschen Rentner von der Costa Blanca die beworbene „absolute Ruhe“ genießen, freuten sie sich. Doch siehe da: Von Jahr zu Jahr stiegen die Beiträge für die Sterbe-Versicherung in Spanien leicht. Irgendwann auch mal um zwölf Euro. Aber was das Jahr 2020 brachte, war für die Remmerts die Höhe. Mittlerweile war der Monatsbetrag auf 72 Euro angewachsen, als Catalana Occidente im September die neue Anpassung bekannt gab: 118 Euro im Monat!

Das gibt’s ja nicht, dachte das Rentner-Paar von der Costa Blanca und stiefelte ins Büro der Versicherung in der Urbanisation. Dort sagte man ihnen, dass die Erhöhung der Beiträge ganz normal sei und am Alter der Senioren – Jürgen Remmert ist 78 – liege. Diese Begründung halten die Deutschen für frech. Schließlich waren sie zehn Jahre jünger, als sie sich zur Sterbegeldversicherung („seguro de decesos“, siehe Tweet unten) von Catalana Occidente überreden ließen. Nun bezahlen sie fast das Dreifache. „Wir wollen mit niemandem Ärger, aber das sind doch kriminelle Machenschaften“, klagt Remmert.

Costa Blanca: Versicherung ärgert Rentner mit hohen Beträgen

Ärgerlich: Wenn der deutsche Rentner aufhört zu zahlen, verfällt die gesamte Leistung der Sterbegeldversicherung. Über 7.000 Euro haben die Deutschen an die Versprecher der „absoluten Ruhe“ bezahlt – die Auszahlung oder das Ruhenlassen des Geldes erlaubt die Firma aber nicht. „Sie können die Versicherung wechseln“, sagt uns Teresa Amoros, Agentin an Catalana Occidente an der Costa Blanca. „Dann wird das eingezahlte Geld übernommen.“ „Sicher?“, fragen wir. „Zumindest ein Teil“, antwortet Amoros.

Das stimme nicht, betonen die Remmerts. Zudem könnten die Rentner von der Costa Blanca bei anderen Versicherungen in Spanien 78-jährig nicht mehr auf ein Top-Angebot für eine Sterbegeldversicherung hoffen. Die Agentin von Catalana Occidente erklärt: „Die seguro de decesos ist keine eigentliche Versicherung wie etwa die Lebensversicherung, sondern eher eine Extra-Leistung, die nur gegeben ist, wenn man die Beiträge bezahlt“. Senioren empfehle sie, ein Paket von 3.000 oder 6.000 Euro für Sterbe-Leistungen zu kaufen, statt monatlich zu zahlen.

Costa Blanca: Versicherungen versprechen schon vor Sterben „absolute Ruhe“.

Aber können die Remmerts die 7.000 in die Versicherung eingezahlten Euro nicht in ein solches Paket umwandeln? „Nein“, sagt Amoros, versucht aber die Deutschen zu trösten: „Ich bezahle dieselbe Sterbegeldversicherung, und bin auch vom Preisanstieg betroffen“. Im Büro erfahren wir, dass die besagte Versicherung just in den Tagen der Beitrags-Erhöhung einen Sonderpreis für jüngere Neukunden der „seguro de decesos“ anbot. Ein Hohn ist das für die Rentner, die nun rechtliche Schritte gegen Catalana Occidente erwägen – am liebsten gemeinsam mit anderen Leidgeplagten. Denn schließlich wollen die Deutschen von der Costa Blanca auch zu Lebzeiten noch ihre Ruhe.

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