Grundrente tritt in Kraft

Grundrente in Spanien: Was deutsche Residenten erwarten können

Im Januar 2021 tritt in Deutschland das Gesetz zur Grundrente in Kraft. Was das für Residenten in Spanien bedeutet.

  • Am 1. Januar 2021 tritt das Gesetz zur Grundrente in Deutschland in Kraft.
  • Die neue Regelung betrifft auch deutsche Rentner, die in Spanien leben.
  • Die komplizierte Berechnung übernimmt die Deutsche Rentenversicherung.

Von Dr. Rainer Fuchs

Berlin/Madrid - Die Zukunft der Rente ist ein Dauerbrenner der deutschen Politik. Die Herausforderungen der demografischen Entwicklung verlangen Antworten, die der Politik schwerfallen. Dies nicht zuletzt schon deshalb, weil Einschnitte ein Wählerpotential von rund 21 Prozent der Bevölkerung betreffen, die über 65-Jährigen. So ist „nach der Reform“ bei der Rente immer auch „vor der Reform“. Eine Antwort auf die steigende Zahl der Rentnerhaushalte, die mit ihrer Rente nicht mehr auskommen oder in Altersarmut verfallen, ist die neue Grundrente. Um es gleich zu sagen: Viel ist von ihr nach dem parteipolitischen Kompromiss nicht zu erwarten. Aber: Die Änderungen können auch Auswirkungen auf die Rente deutscher Residenten in Spanien haben.

SpanienLand in Europa
Hauptstadt Madrid
StaatsoberhauptKönig: Felipe VI.
Bevölkerung46,94 Millionen (2019) Eurostat

Deutsche Grundrente in Spanien: Gesetz tritt im Januar in Kraft

Im Januar 2021 tritt das deutsche Gesetz zur Grundrente in Kraft. Damit sollen Minirenten für langjährig Versicherte mit mindestens 33 Versicherungsjahren - auch Rentner in Spanien - einen Aufschlag erhalten. Teilzeitarbeit, Kindererziehungszeiten und Pflegetätigkeit werden dabei eingerechnet, nicht aber Zeiten der Arbeitslosigkeit und der Schulausbildung sowie Minijobs, bei denen keine Rentenbeiträge gewählt wurden, und freiwillige Beiträge.

Deutsche Grundrente: Auch für deutsche Rentner in Spanien kann sie Auswirkungen haben.

Theoretisch kann bei 35 Versicherungsjahren ein Rentenzuschlag von 405 Euro erreicht werden – durchschnittlich werden es aber allenfalls 75 Euro monatlich sein. Trotzdem schätzt das Bundesarbeitsministerium, dass etwa 1,3 Millionen Rentner hierdurch Ansprüche erwerben könnten. Die Berechnung ist in ihrer Kompliziertheit schon fast ein Stück aus dem Tollhaus: Den Zuschlag erhält, wer mindestens 33 Jahre Rentenanwartschaften in Höhe von 30 bis 80 Prozent des Durchschnittsverdieners erworben hat. 2020 wäre also ein monatliches Mindesteinkommen von 1.013 Euro erforderlich, um von der Grundrente profitieren zu können, da der Durchschnittsverdienst der Rentenversicherten 3.379 Euro beträgt. Die Rentenansprüche werden bis zu einer maximalen Höhe von 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes verdoppelt; der sich ergebende Betrag wird dann pauschal um 12,5 Prozent gemindert.

Deutsche Grundrente: Komplizierte Berechnung

Und dann kommt noch die Einkommensanrechnung. Die ist so kompliziert, dass die Deutsche Rentenversicherung für die Berechnung 3.000 zusätzliche qualifizierte Sachbearbeiter benötigt. Grenzwerte des Einkommens sind 1.250 Euro für Alleinstehende und 1.950 Euro für Ehepaare. Bei Überschreiten gibt es eine Gleitzone bis 1.600 Euro (Ledige) beziehungsweise 2.300 Euro (Verheiratete). Für jeden Euro, der in diesem Bereich liegt, wird die Grundrente um 60 Prozent gekürzt.

Alles klar? Muss es nicht! Denn die Berechnungen macht die Deutsche Rentenversicherung für Sie. Ein Antrag ist nicht erforderlich, die Grundrente wird automatisch gezahlt, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Wegen der Kompliziertheit kann die Auszahlung wohl bis Ende 2022 dauern. Hier ein Fallbeispiel (nach einer Berechnung der Deutschen Rentenversicherung), in dem sich die Grundrente einmal lohnt:

Frau Schmitz aus Köln hat 35 Jahre lang bei einem Zahnarzt im Empfang ausgeholfen. Dabei war sie immer in Teilzeit tätig. Im Durchschnitt erwarb sie damit 0,3 Entgeltpunkte im Jahr – 2020 entspricht dies einem Bruttojahresgehalt von knapp 12.200 Euro. Rund 359 Euro Altersrente stehen Frau Schmitz daraus zu. Zudem wurden ihr bei ihrer Scheidung vom Familiengericht im Rahmen des Versorgungsausgleichs insgesamt 500 Euro aus den Rentenansprüchen ihres Ex-Mannes zugesprochen. Damit erhält Frau Schmitz eine Altersrente in Höhe von 859 Euro.

Deutsche Grundrente in Spanien: In manchen Fällen können sich die Bezüge ändern.

Um besser über die Runden zu kommen, hilft sie zusätzlich zur Rente mit einem Minijob in einem Buchladen in Köln aus. Ergebnis: Da das Einkommen aus dem Minijob steuerfrei ist, wird es bei der Ermittlung der Grundrente nicht angerechnet. Letztlich steht Frau Schmitz ein Zuschlag in Höhe von rund 314 Euro zu. Damit erhält sie künftig 1.173 Euro von der Rentenversicherung.

So berechnen sich die verschiedenen Beträge des Fallbeispiels:

  • Berechnung der Regelaltersrente: 35 Jahre Arbeit x 0,3 Entgeltpunkte x 34,19 Euro = rund 359 Euro Rente, zuzüglich Versorgungsausgleich in Höhe von 500 Euro ergibt eine Gesamtrente in Höhe von rund 859 Euro.
  • Berechnung des Grundrentenzuschlags: Die durchschnittlichen Entgeltpunkte werden verdoppelt und auf maximal 0,8 Entgeltpunkte begrenzt. In diesem Beispiel ist eine Begrenzung nicht erforderlich. Es ergibt sich ein Zuschlag von 0,3 Entgeltpunkten, der um 12,5 Prozent gekürzt wird (= 0,2625 Entgeltpunkte). Dieser Zuschlag von 0,2625 Entgeltpunkten wird für 35 Jahre mit dem aktuellen Rentenwert West berechnet.
  • 35 Jahre x 0,2625 Entgeltpunkte x 34,19 Euro = rund 314 Euro Grundrentenzuschlag.
  • Einkommensanrechnung: Frau Schmitz hat ein monatliches Einkommen von rund 1.309 Euro (rund 859 Euro Rente + 450 Euro Minijob). Da der Minijob steuerfrei ausgezahlt wird, wird er nicht auf die Grundrente angerechnet. Die Rente in Höhe von rund 859 Euro ist das einzige zu berücksichtigende Einkommen. Da es unterhalb des Freibetrages für Alleinstehende von 1.250 Euro liegt, wird die Grundrente nicht gekürzt.

Grundrente in Deutschland: Zahlung auch nach Spanien?

Ja, die deutsche Grundrente wird – ebenso wie die normale Rente – auch nach Spanien und in andere Länder gezahlt. Für das Erreichen der 33 Versicherungsjahre werden etwaige europäische und spanische Versicherungszeiten mit eingerechnet.

Aber Achtung: Machen Sie spanische Versicherungszeiten von mindestens einem Jahr geltend, so sind Sie sogenannter „Doppelrentner“, und das hat nach den Verordnungen der EU Auswirkungen auf Ihre Krankenversicherung. Sie werden in die spanische Krankenversicherung integriert und erhalten die spanische Tarjeta Sanitaria (SIP). Glücklicherweise dürfen Sie die deutsche Versicherungskarte behalten und können sich auch weiter in Deutschland voll behandeln lassen. Aber Sie können dann den spanischen Privatarzt nicht mehr mit Ihrer deutschen Kasse abrechnen! Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie auf die Geltendmachung der spanischen Versicherungszeiten verzichten. Auch ansonsten können deutschen Pensionisten in Spanien Probleme bei der Doppelbesteuerung entstehen.

Rente in Spanien: Die Grundsicherung im Alter

Daneben gibt es natürlich noch die altbekannte Grundsicherung im Alter. Dies ist im Prinzip die Sozialhilfe für Senioren, die damit von einer Antragstellung beim Sozialamt befreit sind und einen Rückgriff auf das Vermögen ihrer (unterhaltspflichtigen) Kinder wegen großzügiger Freibeträge (100.000 Euro jährlich) kaum befürchten müssen. Rund 4 Prozent der Senioren erhalten diese Leistung. Oft sind das die überlebenden Ehepartner, meist die Ehefrauen, die mit der Hinterbliebenenrente des Mannes, meist 55 Prozent der Rente, nicht mehr auskommen. Wichtig hier der Hinweis, dass ein angemessenes kleineres Häuschen oder eine Eigentumswohnung dem Bezug der Grundsicherung im Alter nicht entgegenstehen muss.

Rente in Spanien: 2018 demonstrierten spanische Rentner für eine Anhebung ihrer Altersbezüge.

Hier muss auch die spanische Mindestrente erwähnt werden. Nach Vollendung des 65. Lebensjahres haben auch deutsche Residenten Anspruch auf die spanische nicht beitragsbezogene Mindestrente, die 2019 bei 835,80 Euro für Verheiratete und 677,40 für Singles monatlich liegt.

Sie wird ausgezahlt von der spanischen Sozialversicherung INSS. Die Rente soll für ältere Bürger die Sozialhilfe ersetzen. Voraussetzungen sind:

  • Lebensmittelpunkt in Spanien seit mindestens 10 Jahren.
  • Bedürftigkeit, die vorliegt, wenn weniger Einnahmen erzielt werden als diese Rente beträgt. Etwaige Einkommen von Angehörigen oder die eigene Rente aus Deutschland werden dabei angerechnet.

Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen, muss die Rente gezahlt werden. Oft kennen die örtlichen INSS-Büros ihre Verpflichtungen nicht. Notfalls wenden Sie sich an Ihre deutsche Rentenversicherung oder sprechen Sie den Fall bei den Beratungstagen der Deutschen Rentenversicherung in Spanien an.

Rente in Spanien und Deutschland: Künftige Rentenreformen

Langsam dringt in der Politik in Spanien und Deutschland die Erkenntnis durch, dass ohne weitere grundlegende Reformen die Rente in zehn Jahren nicht mehr finanzierbar ist. Bis 2060 wird die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa fünf Jahre ansteigen – das bedeutet zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe für die Rentenversicherung. Ohne Reformen müsste der Rentenbeitrag weit über 40 Prozent steigen, oder es müssten die Rentenleistungen noch stärker gekürzt werden, oder es müsste der Steuerzuschuss, der schon jetzt gut ein Drittel der Rentenausgaben ausmacht, sehr deutlich erhöht werden. Das sind die einzigen Stellschrauben des gegenwärtigen Rentensystems.

Experten eines CDU-Bundesfachausschusses haben jetzt für diese Partei revolutionär anmutende Vorschläge einer grundsätzlichen Reform unterbreitet: die Einbeziehung von Beamten und Selbständigen als Beitragszahler in das Rentensystem, höhere Beitragsbemessungsgrenzen stufenweise, bis zur Beitragspflicht des gesamten Einkommens, und eine Erhöhung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus. In den Parteiprogrammen der SPD und der Grünen finden sich ähnliche Vorschläge, sodass eine Umsetzung dieser Vorschläge bei einem entsprechenden Wahlausgang 2021 gar nicht so unwahrscheinlich ist. Die betroffenen Interessengruppen werden dabei allerdings noch ein Wörtchen mitsprechen wollen...

Was bedeutet das alles für die Rentner, die heute in Spanien leben?

  • Ihre Rente ist weiterhin sicher – um ein noch weithin bekanntes geflügeltes Wort des ehemaligen Bundesarbeitsministers Dr. Norbert Blüm zu benutzen.
  • Auch wenn die heutigen Renten nicht üppig sind: Wer heute in Rente ist, dem geht es jedenfalls besser, als es voraussichtlich späteren Generationen je gehen kann.
  • Die Rente wird weiterhin grundsätzlich jährlich der Lohnentwicklung der Arbeitnehmer so angepasst, wie sich die Löhne der Arbeitnehmer entwickeln. Allerdings ist die jährliche Rentenanpassung in vier Stufen um insgesamt vier Prozent vermindert worden (sogenannten Riester-Treppe). Damit wird ausgeglichen, dass die aktiven Arbeitnehmer heute schon vier Prozent ihrer Alterssicherung privat regeln sollen und daher weniger verfügbares Einkommen haben.

Alles in allem heißt das: Sorgen müssen nicht Sie sich als Rentner machen, sondern die jüngeren Menschen, wenn sie nicht zusätzlich zur Rente privat vorsorgen.

Rente in Spanien: Bei Fragen hilft die Deutsche Rentenversicherung

Ein Tipp bei allen Fragen zur Rente: Auskünfte zur Rentenversicherung beantwortet sehr kompetent das kostenlose Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung unter der Rufnummer 0800 1000 4800, Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 19.30 Uhr und freitags von 7.30 bis 15.30 Uhr.

Näheres zu diesen und anderen wichtigen Fragen sowie vieles mehr finden Sie in dem bereits in 3. Auflage erschienenen Ratgeber von Dr. Rainer Fuchs: „Sorgenfrei leben unter Spaniens Sonne, Experten-Ratgeber für Deutsche in Spanien“, ISBN 9 783000 629211, erhältlich für 24,90 Euro im Buchshop der Costa Nachrichten, im Buchhandel oder auf der Ratgeber-Seite von Herrn Dr. Fuchs.

Rubriklistenbild: © Ralf Hirschberger/dpa

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