Familie auf dem Balkon überwältigt von den Wassermassen, die Straßen in reißende Flüsse verwandeln
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Orihuela und Dolores bei Alicante waren 2019 besonders von der Gota fría betroffen

Sintflutartige Regenfälle

Unwetter an Spaniens Mittelmeerküste: Wenn die Gota fría kommt

  • vonDaniela Schlicht
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Die gefürchtete Gota fría oder auch Dana sorgt an Spaniens Mittelmeerküste meist alle Jahre wieder für schwere Unwetter mit Überschwemmungen. Betroffen sind vor allem Katalonien, das Land Valencia und Andalusien.

  • Die Gota fría oder Dana, ein typisches Unwetter in Form von Starkregen, Gewitter, Sturm und Wellen an der Mittelmeerküste Spaniens, tritt meist nach dem Sommer auf.
  • Auslöser der Gota fría sind erhöhte Mittelmeertemperaturen. Die Mittelmeerregionen von Spanien sind besonders stark betroffen.
  • Experten prognostizieren eine Zunahme der Häufigkeit und Heftigkeit der Gota fría infolge des Klimawandels.
  • Ein Wetterbeobachtungsnetz mit Daten in Echtzeit in der Provinz Alicante soll der besseren Vorbeugung dienen.

Nach dem Sommer in Spanien bereiten sich viele Gemeinden an der spanischen Mittelmeerküste, darunter Valencia, die Costa Blanca mit Alicante, die Costa Cálida mit Murcia sowie die Costa del Sol mit Málaga auf die gefürchtete und bedrohliche Gota fría vor. Bei der Gota fría (Kaltlufttropfen) – neuerdings auch als Dana bezeichnet, was aber letztendlich dasselbe ist, handelt es sich um ein an der Küste typisches Unwetter, bzw. um ein Wetterphänomen, dass einherkommt mit sintflutartigen Regen, meist in Begleitung von starken Gewittern, Stürmen und hohem Wellengang. Auslöser ist ein über dem Sommer aufgeheiztes Mittelmeer.

2019 das Jahr der schwersten Gota fría an der Mittelmeerküste von Spanien

Unwetter Gota fría: Sintflutartiger Regen setzt die Mittelmeerküste Spaniens unter Wasser

Die letzte Gota fría erwischte September letzten Jahres viele Orte an der spanischen Mittelmeerküste unerwartet hart. Sie wurde als das schwerste Unwetter der vergangenen drei Jahrzehnte gewertet. Innerhalb von nur 15 Stunden sollen laut Meteorologen über 600 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sein. Am heftigsten betroffen waren die Provinzen Alicante, Murcia und Valencia sowie die andalusischen Provinzen Almería, Málaga und Granada. Menschen und Tiere mussten in Sicherheit gebracht werden – dennoch forderten die Wassermassen ihre Opfer. Flüsse traten über die Ufer. Es gab unzählige Überschwemmungen sowie Erdrutsche. Zahlreiche Ortschaften waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.

Unwetter Gota fría: Hohe Temperaturen des Mittelmeers sind ein Risikofaktor

Auslöser des Unwetter-Phänomens Gota Fría oder Dana sind zu hohe Temperaturen des Mittelmeers. Das noch vom Sommer aufgeheizte Meerwasser verdunstet und kann bis zu zehn Kilometer hoch in die Atmosphäre aufsteigen. Wenn sich dann Richtung Herbst in Spanien die ersten Atlantik-Tiefs mit feuchtkalter Luft über das Mittelmeer schieben, besteht die Gefahr, dass sich gewaltige Gewitterwolken auftürmen. Luftmassen prallen aufeinander. Es kommt zu Sturzregen.

Die steigenden Temperaturen an der Mittelmeerküste haben in den letzten Jahren ihren Aufwärtstrend beibehalten - vor allem im zentralen Bereich zwischen Castellón und Murcia, sowie den Balearen - so dass die Entwicklung einer Gota fría oder Dana sich zu einer fast regelmäßigen und unvermeidlichen Gefahr entwickelt hat, besonders ab September. Dies ist dem Klimawandel zu schulden. Laut dem Klimatologen aus Alicante, Jorge Olcina, war dieser Sommer 2020 erstmalig besonders: „Rekorde wurden nicht bei den Höchsttemperaturen am Mittag gebrochen, sondern die Hitze ist konstanter und das Gefühl von Hitze und Feuchtigkeit ist auch nachts länger anhaltend. Unser Klima im Sommer ist vor allem an der Küste aufgrund der hohen Nachthitze immer weniger angenehm.“

Mittelmeerküste im Klimawandel: Tropische Nächte und Unwetter-Potenzial

Für Olcina sorgen die hohen Wassertemperaturen infolge des weltweiten Klimawandels für zwei atmosphärische Phänomene an der Küste: 1.) Drastische Zunahme von tropischen Nächten, das bedeutet das Thermometer sinkt nachts im Sommer nicht unter 20 Grad. „Da das Meer so warm ist, kann die Temperatur nachts nicht weiter sinken, weil die Luft vor der Küste wie eine warme ‚Wassermatte‘ ist, die eine Abkühlung der Umgebung verhindert.“ 2.) Des Weiteren sind die warmen Gewässer vor der Küste ein Risikofaktor für Instabilität in der Atmosphäre. Sie sind der Rohstoff für die Bildung großer Unwetterwolken, die „mit reichlich Energie und Feuchtigkeit beladen“ sind. Das Unwetter-Potenzial steigt: immer größere Regenmengen fallen immer öfter in immer kürzerer Zeit. Viele Orte an der spanischen Mittelmeerküste sind einfach noch nicht darauf vorbereitet, solche enormen Wassermengen abzuleiten, was zu beachtlichen Schäden führen kann. In einigen Küstenorten kommt noch das Flusswasser-Risiko hinzu. Oft bilden die miteinhergehenden Stürme einer Gota fría eine Art Barriere an der Küste, was das Flusswasser beim Abfließen in Richtung Meer behindert. Das Risiko für Hochwasser, bzw. Überschwemmungen wird dadurch zusätzlich angeheizt.

Gota fría in Spanien: Land Valencia, Katalonien und Andalusien besonders gefährdet

Die Gefahr für Spanien, sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen infolge einer Gota fría zu erleiden, wird in den nächsten 50 Jahren um 25 Prozent steigen und die Mittelmeerregion ist aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels und der Meeresoberflächentemperaturen eines der am stärksten bedrohten Gebiete in Europa, so die daten-basierten Schlussfolgerungen der Europäischen Umweltagentur. Die Beobachtungsstelle für Nachhaltigkeit des Allgemeinen Rates der Verbände der Versicherungsmakler hat gar berechnet, wie viele Menschen, davon betroffen sein könnten: etwa 977.000 Menschen müssen mit der Gefahr leben, dass ihre Häuser durch Überschwemmungen an der spanischen Küste in Mitleidenschaft gezogen werden. Die am stärksten gefährdeten Regionen sind das Land Valencia mit 380.000 betroffenen Einwohnern, Katalonien mit 190.000 und Andalusien mit 130.000.

Das Wasser kommt von allen Seiten. Gota fría in der Provinz Alicante

Gota-fría-gefährdet sind im Land Valencia in der Regel der Süden Valencias und der Norden Alicantes: Safor, Marina Alta, Vall d’Albaida, Comtat, l’Alcoià und die Gebiete der Ribera und des Canal de Navarrés. Verantwortlich dafür ist die geografische Natur dieser Zonen, begründet José Ángel Núñez, Leiter der Klimatologie beim staatlichen Wetterdienst Aemet in Valencia. Auch Núñez weist darauf hin, dass alles darauf hindeutet, dass die Intensität der Regenfälle in den kommenden Jahrzehnten tendenziell zunehmen werde, da die Luft- und Meerestemperaturen als Folge des Klimawandels steigen – ein Effekt, der im Sommer weitaus „intensiver“ ist als im Winter.

Gota fría vorbeugen: Einrichtung eines Wetterbeobachtungnetztes in der Provinz Alicante

Um gegen Unwetterkatastrophen wie der Gota fría besser gewappnet zu sein, wird Jorge Olcina, laut einer Pressemitteilung der Provinz Alicante, das Feuerwehrkonsortium der Provinz bei der Einrichtung eines sogenannten „Wetterbeobachtungsnetzes“ beraten. Es wird aus 13 neuen, hochmodernen Wetterstationen bestehen, die auf die gesamten Feuerwehrhäuser, über die das Konsortium verfügt, verteilt werden. Gegenwärtig sind diese in: L’Alacantí (San Vicente del Raspeig), Marina Alta (Dénia und Benissa), Marina Baja (Benidorm), Montaña (Cocentaina und Ibi), Alto y Medio Vinalopó (Elda und Villena), Baix Vinalopó (Elche und Crevillent) und in der Vega Baja (Orihuela, Almoradí und Torrevieja).

Carlos Mazón, Präsident der Provinz Alicante, hob den immensen Wert hervor, den dieses Netzwerk für die Untersuchung von Überschwemmungen und Dürre oder für die Löschung von Bränden haben kann. „Zum ersten Mal wird die Provinz Alicante über ein eigenes Wetterbeobachtungsnetz verfügen, was angesichts der jüngsten Episoden, die wir in der Provinz erlebt haben, sehr wichtig ist. Das wird uns ermöglichen, angemessener zu reagieren und zu handeln“, fügte der Präsident hinzu und bekräftigte gleichzeitig, dass dank dieses Projekts auch an der Verbesserung der Luftqualität gearbeitet werden kann. Ein nach seiner Meinung sehr wichtiger Aspekt, nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch im Hinblick auf den Tourismus.

Gota fría in der Provinz Alicante: Informationen in Echtzeit

Jorge Olcina seinerseits wies auf den Vorteil hin, über Informationen in Echtzeit zu verfügen, was unweigerlich zu einer Verbesserung der Warn- und Präventionssysteme für extreme Wetterereignisse wie der Gota fría, in der Provinz Alicante führe. Für die Waldbrand-Prävention können die Messstationen Daten über die Feuchtigkeit und Temperatur liefern, um somit mögliche Krisengebiete in der Provinz genauer bestimmen und beobachten zu können.

Geplant ist auch die Aufnahme der 15 Stationen der „Área de Ciclo Hídrico“ der Provinz ins Netz. Diese Abteilung unterhält ein Telemetrie-Netzwerk zur Kontrolle der Wasserressourcen in der Provinz Alicante und zur Fernsteuerung verschiedener kommunaler hydraulischer Infrastrukturen, welche auf einer zum großen Teil von der Regionalregierung selbst entwickelten Technologie basiert.

Auf die brennende Frage, ob Menschen, die ihre Häuser in einer von der Gota fría betroffenen Risikozone haben, diese auf Dauer räumen sollten, antwortete Olcina: „Wenn das Leben von Menschen in großer Gefahr ist, wäre es Sache des Rathauses, Vereinbarungen mit den Betroffenen zu treffen und ihnen Land anzubieten, um den Umzug attraktiv zu machen. Vor einigen Jahren verabschiedete die valencianische Regierung den Küstenschutzplan Pativel, der darauf abzielt, die nicht erschlossenen Gebiete zu erhalten. Trotzdem haben wir eine sehr verbaute und bewohnte Küste, und das ist eine große Herausforderung.“

Gota fría oder Dana - was tun? Ratschläge des spanischen Wetterdienstes Aemet

Damit jeder mit den Gefahren einer Gota fría beziehungsweise eines Starkregens besser umgehen kann, hat unter anderem der spanische Wetterdienst Aemet folgende Ratschläge herausgegeben:

  • Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte langsamer fahren und nicht in Zonen anhalten, in denen sich Wasser ansammeln könnte.
  • Bei Fahrten besser Hauptstraßen nutzen.
  • Fahrzeuge sollten nicht in Überschwemmungsgebieten geparkt werden, da sie beschädigt und von den Wassermassen weggerissen werden könnten, was wiederum für andere eine Gefahr darstellen könnte.
  • Überflutete Zonen sollten weder zu Fuß noch mit dem Fahrzeug überquert werden, da nicht bekannt ist, was sich im Wasser befindet.
  • Von Flüssen, Bächen und tief liegenden Gebieten immer fernbleiben. Höher gelegene Gebiete aufsuchen.
  • Informiert bleiben. Empfehlenswert ist der Besitz eines Radios, einer Taschenlampe und eines Erste-Hilfe-Kastens. Zudem: Wasser- sowie Lebensmittelreserve anlegen.
  • Wichtige Dokumente sollten sicher und „griffbereit“ platziert sein.
  • Die Notrufnummer lautet Tel. 112.
  • Familienmitglieder sollten wissen, wie Gas, Strom und Wasser abgestellt werden.
  • Strategie zur Familienzusammenführung im Katastrophenfall.
  • Vorsicht vor der Verbreitung von Gerüchten und übertriebenen, unvollständigen oder verzerrten Informationen. Das hilft nicht weiter, sondern sorgt nur für Verwirrung oder gar Schaden.

Für Hausbesitzer gilt:

  • Vom Grundstück Gegenstände entfernen, die vom Wasser mitgerissen werden könnten.
  • Zustand des Daches und der Wasserabflüsse prüfen.
  • Sicheres Platzieren von wichtigen und/oder gefährliche Produkte/Gegenständen.

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