Braune Wassermassen reissen Autos mit sich, die sich an einer Leitplanke aufstapeln. Ein Mann fotografiert das Desaster
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Enormen Schaden hinterliess in Orihuela und Dolores eine Gota fría im Jahr 2019

Land unter in Spanien

Gota fría: Wie kann man sich vor Hochwasser schützen? -Experten-Tipps

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
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Plötzliche heftige Regenfälle wie bei einer Gota fría oder Dana können an der Mittelmeerküste schwere Schäden anrichten – Sachverständiger gibt Tipps wie man sich vor Hochwasser und Überschwemmungen schützt

Von Holger Sincl 

Wie schnell sich Trockenheit und Wassermangel in Hochwasser und Überschwemmungen verkehren können, haben Costa Blanca und Costa Cálida mehr als einmal erlebt. Innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich dann ausgetrocknete Flussbetten in reißende Ströme, gehen unter Blitz und Donner Hagelschauer nieder und demonstrieren in beeindruckender Weise, was ein typisches Herbst-Unwetter an Spaniens Mittelmeerküste – die so genannte Dana oder Gota fría (Kalter Tropfen) – anrichten kann. Wie man sich am besten gegen diese Unwetter wappnet, und was man zum Selbstschutz im Falle von Starkniederschlag, Hochwasser und auch nach einer Flutkatastrophe tun sollte, erklärt der freie Sachverständige für den organisatorischen Brand- und Katastrophenschutz, Holger Sincl.

Sich vor Hochwasser schützen: Gezielte Vorbereitungen und Maßnahmen treffen

Bewohner durch Hochwasser gefährdeter Gebiete sollten überprüfen, inwieweit sie selbst durch gezielte Vorbereitungen und Maßnahmen die Gefahr durch Hochwasser und Überschwemmungen verringern können. Der eigene Wohnbereich, das Unternehmen, Stallungen, Viehbestände, Lagerhäuser oder Freizeiteinrichtungen – nichts sollte dabei ausgespart werden. Laut Holger Sincl sollte sich jeder fragen: „Kann ich mir und anderen in Notsituationen helfen?“ Denn Gemeinden und Länder unterhielten zwar Vorsorgeeinrichtungen wie Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz und Rettungsdienst. „Alle diese Anstrengungen können aber nicht verhindern, dass zwischen dem Zeitpunkt eines Schadensereignisses und dem Eintreffen der Hilfskräfte Zeit vergeht“, so der Sachverständige.

Je nachdem, welches Ausmaß die Katastrophe in Form einer beispielsweise Überschwemmung erreiche und ob mehrere Schadensereignisse zum gleichen Zeitpunkt eintreten, umso länger könne es dauern, bis Hilfe komme. „Bei Katastrophen wie Starkniederschlag beziehungsweise Hochwasser und dadurch auch einer Störung der Verkehrswege kann Hilfe vielleicht überhaupt nicht kommen – dann sind Sie und Ihre Angehörigen auf sich selbst gestellt. Da ist die Selbst- und Nachbarschaftshilfe gefordert“, betont Sincl. „Der Notfall sollte nicht Sie beherrschen, sondern Sie den Notfall.“ Dies setze aber voraus, dass man mit einfachen Mitteln vorgesorgt hat. Denn wenn diese Notsituation eintrete, sei es nun mal nicht mehr möglich, sich vorzubereiten.

Schlamm und Schutt hat die Gota fría 2019 in Cartagena hinterlassen

„Bei Hochwasser entstehen unter anderem Gefahren durch die Kraft des Wassers selbst, so zum Beispiel durch die Unterspülung von Wegen, Brücken, Dämmen und ähnlichem, aber auch durch mitgeführte Schlamm- oder Müllmassen sowie Holz- und Trümmerteile“, erläutert der Sachverständige. Auch ausgelaufene Schadstoffe – vom Heizöl über Reiniger bis zum Pflanzenschutzmittel – könnten schon in geringen Mengen Risiken bergen, die die Kanalisation und Wasserklärung betreffen können. Weil in den Fluten auch oft Fäkalien und andere Stoffe mitgeführt würden, bestehe die Gefahr von Infektionskrankheiten.

Was tun bei Hochwasser - Überschwemmungen? Tipps vom Experten

Vor diesem Hintergrund gibt Holger Sincl folgende Tipps für den Fall eines Hochwassers:

Wenn das Wasser steigt:

  • Verfolgen Sie die neuesten Wettermeldungen und Hochwasserwarnungen. Aktuelle Meldungen erfolgen über die regionalen Rundfunksender sowie im Internet.
  • Denken Sie an Mitmenschen, die eventuell keine eigenen Informationsmöglichkeiten haben oder diese nicht ausreichend verstehen.
  • Überprüfen und ergänzen Sie gegebenenfalls Ihre getroffenen Vorsorgemaßnahmen und leisten Sie Nachbarschaftshilfe.
  • Räumen Sie die durch Hochwasser gefährdeten Räume möglichst aus und dichten Sie gefährdete Türen und Fenster oder Abflussöffnungen etcetera ab.
  • Sichern Sie Heizung und elektrische Geräte in bedrohten Räumen, beziehungsweise schalten Sie diese ab. Berücksichtigen Sie dabei auch die Tiefkühltruhe. Stromschlaggefahr entsteht übrigens bereits bei Kondenswasser!
  • Überprüfen Sie die Hausentwässerungsanlagen und Rückstauklappen im Keller. Entfernen Sie Ihre Fahrzeuge aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen.
  • Verständigen Sie bei Austritt von Schadstoffen die Feuerwehr.

Im Auto:

  • Befahren Sie keine befluteten Straßen. Hindernisse wie hoch gedrückte Kanaldeckel können womöglich nicht rechtzeitig erkannt werden und schwere Schäden verursachen. Dies gilt auch bei Wasser, das in den Motorraum des Fahrzeuges dringt. Zudem liegt die Betriebstemperatur eines Katalysators bei rund 700°C. Eine plötzliche Abkühlung kann zum Zerspringen des Keramikkopfes führen.
  • Befindet sich das Fahrzeug bis zur Ölwanne oder bis über die Räder im Wasser, starten Sie es keinesfalls mehr, sondern schleppen Sie es ab. In einer Werkstatt sollten Sie es überprüfen und Bremsflüssigkeit und Öl wechseln lassen.


Risiken bei Hochwasser und Überschwemmungen minimieren:

  • Retten Sie Leben – und denken Sie dabei auch an Ihr eigenes. Versuchen Sie nicht, Ihr Hab und Gut gegen das Wasser zu schützen, bis Ihnen das Wasser „bis zum Hals“ reicht. Leben ist unersetzlich! Führen Sie keine Rettungsversuche ohne Eigensicherung durch, sondern rufen Sie Hilfe herbei!
  • Weisen Sie Kinder auf die Gefahren hin und beachten Sie ihre Aufsichtspflicht! Überspülte Straßen und Ufer sind keine Spielplätze.
  • Betreten Sie Uferbereiche wegen der Unterspülungs- und Abbruchgefahr nicht! Dies gilt auch für das Befahren überfluteter oder teilüberfluteter Straßen. Beachten Sie Absperrungen und folgen Sie Anordnungen der Einsatzkräfte vor Ort!
  • Fahren Sie auf Hochwasser führenden Gewässern wegen der Wellenbildung und der Gefahr von Unterwasserhindernissen nicht mit einem Boot „spazieren“!
  • Bei der Freisetzung von Schadstoffen, wie Pflanzenschutzmitteln, Farben, Lacken, Reinigern oder Heizöl, verständigen Sie die Feuerwehr. Eine Entsorgung muss gegebenenfalls eine Fachfirma machen.
  • Benutzen Sie bei der Freisetzung von Ölen Ölbindemittel nicht ohne Absprache mit der Feuerwehr, da diese eventuell Pumpen einsetzen muss, die hierdurch geschädigt werden können.
  • Sind Garten oder Felder mit dicken Ölschlammschichten bedeckt, verständigen Sie Ihre Gemeinde oder die Feuerwehr. Räumen Sie betroffene Bereiche aus.
  • Entfernen Sie Wasserreste und Schlamm, aber pumpen Sie betroffene Räume erst dann leer, wenn das Hochwasser ganz abgeflossen und der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist.
  • Fußbodenbeläge und Verkleidungen sollten Sie zur besseren Kontrolle entfernen oder öffnen. Trocknen Sie betroffene Bereiche schnellstmöglich, um Bauschäden, Schimmelpilzbefall oder anderem Schädlingsbefall entgegenzuwirken. Elektrische Geräte können den Trocknungsvorgang unterstützen und beschleunigen, wenn Strom vorhanden und die Sicherheit gewährleistet ist.
  • Nehmen Sie vom Wasser in Mitleidenschaft gezogene elektrische Geräte und Anlagen erst nach einer Überprüfung durch einen Fachmann wieder in Betrieb.
  • Räume, in denen gearbeitet wird, sollten stets gut belüftet sein. Bei freigesetzten Schadstoffen empfiehlt es sich, nicht zu Rauchen und offenes Feuer zu vermeiden.
  • Lassen Sie eventuell beschädigte Bausubstanz sicherheitshalber auf ihre Statik überprüfen, um ihre Belastbarkeit genau beurteilen zu können.
  • Mögliche Schäden an Heizöltanks oder Leitungen sollten vom Fachmann kontrolliert werden.
  • Entsorgen Sie verunreinigte Möbel und Lebensmittel. Obst, Gemüse oder Salat aus überschwemmten Gebieten nicht verzehren.
  • Über die zuständigen Behörden Ihrer Gemeinde und die Feuerwehr erhalten Sie Informationen, Hinweise und gegebenenfalls die Anschriften von Fachbetrieben.

Gefahr bleibt auch nach dem Hochwasser noch bestehen

Auch wenn das Hochwasser abgeflossen ist, bestehen immer noch Gefahren, warnt Holger Sincl. Dies gelte nicht nur für die eventuell stark beeinträchtigte Tragfähigkeit von Bauten oder öffentlichen Verkehrswegen. „Verunreinigungen des Wassers und eingeschränkte Hygienebedingungen durch eine geschädigte Wasserversorgung können zu erhöhten Infektionsgefahren und beispielsweise Durchfallerkrankungen führen“, erklärt der Sachverständige. Daher sollte Wasser für den menschlichen Gebrauch abgekocht oder desinfiziert sein. Hinweise der Gemeinde zur Trinkwasserversorgung sollten unbedingt beachtet werden. „Achten Sie zudem auf den Schutz von Wunden, auch kleinerer“, sagt Sincl. „Suchen Sie bei Anzeichen von Infektion oder Erkrankung (wie Durchfall) einen Arzt auf und fragen Sie bei den Verantwortlichen im Rathaus oder der Einsatzleitung nach verfügbaren Medizinern beziehungsweise Krankenhäusern.

Auch sei in Hochwassergebieten nach dem Rückgang des Wassers mit einer starken Zunahme von Schädlingen, wie Stechmücken, zu rechnen. Die Bereithaltung von Insektenschutzmitteln für die Haut und die Anbringung von Fliegengittern an den Fenstern der Wohnung könne sich daher als sehr hilfreich erweisen.

Selbstschutz vor Katastrophe wie Überschwemmungen

Der Selbstschutz vor Katastrophen wie Überschwemmungen ist laut Holger Sincl „einfach und preisgünstig“. „Einfache Maßnahmen können das eigene oder das Leben anderer retten“, betont der Sachverständige. Auch eine gute Kontaktpflege zum Nachbarn oder dem sozialen Umfeld könne im Notfall entscheidend sein. Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.bbk.bund.de. Die Broschüre „Für den Notfall vorgesorgt“ kann dort heruntergeladen werden.

Checkliste zur Hochwasser-Vorsorge

Sinnvolle Maßnahmen im eigenen Zuhause zum Schutz vor Hochwasser beziehungsweise einer Gota fría:

  • Verwenden Sie weitestgehend wasserbeständige Baustoffe und Versiegelungen in gefährdeten Räumen (zum Beispiel Fliesen oder Kacheln).
  • Sichern Sie Öl- beziehungsweise Gastanks/Gasflaschen gegen Aufschwimmen (vertikale Rückverankerung oder Ballastierung, zum Beispiel durch Erdabdeckung bei drohender Gefahr). Möglichst Tanks verwenden, die für den Lastfall „Wasserdruck von außen“ geeignet sind. Bereiten Sie Absperrmöglichkeiten gegen Undichtigkeiten von Leitungen vor.
  • Bringen Sie Notstromaggregate und deren Zubehör an höher gelegenen, stabilen Wänden an.
  • Versehen Sie gefährdete Räume nicht mit teuren Bodenbelägen. Fliesen sind eine geeignete Möglichkeit Böden und Wände zu versiegeln.
  • Klappen, Bretter und Silikon zum Abdichten gefährdeter Räume können das Wasser eventuell zurückhalten. Besonders wirkungsvoll sind wasserfeste Sperrholzplatten in vorgefertigten Rahmen. Sandsäcke können eventuell durchweichen.
  • Überlegen Sie, welche Hilfsmittel Sie in welchen Mengen benötigen. Was bei Gefahr nicht kurzfristig beschafft werden kann, sollten Sie bevorraten.
  • Überlegen Sie, ob Sie bei Gefahr vorübergehend bei Verwandten oder Freunden in sicheren Gebieten unterkommen können.
  • Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde über die potentielle Hochwassergefahr in ihrem Wohnbereich und gegebenenfalls über geplante Maßnahmen.
  • In Hochwassergebieten können sogar die Mobilfunknetze betroffen werden und ausfallen. Erkundigen Sie sich, etwa bei Ihrer Gemeinde, Feuerwehr etc. ob es Sammelstellen oder zum Beispiel Notzeichen (Sirenen) gibt, die Sie im Gefahrenfall verwenden können.
  • Da bei Hochwasserlagen die Verkehrs- und Versorgungswege stark beeinträchtigt sein können, sollte der Einzelne außerdem überprüfen, ob er für den Notfall ausreichende persönliche Vorbereitungen getroffen hat:
  • Lebensmittel- und Trinkwasservorrat anlegen.
  • Netzunabhängiges Radio und ausreichend Reservebatterien.
  • Netzunabhängige Notbeleuchtung (z.B. je eine Taschenlampe pro Person) und Ersatzbatterien.
  • Netzunabhängige Kochgelegenheit (z.B. Campingkochgeräte).
  • „Trockene“ Lagerbereiche für Gasflaschen, Holz und Kohle, falls entsprechende Öfen im Notfall zur Verfügung stehen.
  • „Ersatztoilette“ falls die Kanalisation betroffen ist (z.B. Campingtoiletten).
  • Planen Sie die Versorgung hilfsbedürftiger oder kranker Personen. Dabei sollten Sie die Möglichkeit überprüfen, ob Sie Ihre Angehörigen rechtzeitig zu Verwandten oder Freunden außerhalb der Gefahrenzone evakuieren können.
  • Denken Sie dabei auch an Ihre Haustiere.
  • In landwirtschaftlichen Bereichen sollten Planungen für die Nutztiere getroffen werden (höher gelegene Bereiche auf dem Anwesen). Dies gilt auch für deren Versorgung.
  • Informieren Sie jedes Familienmitglied über die getroffene Gefahrenvorsorge. Jeder sollte über richtiges Verhalten und seine Rolle im Gefahrenfall Bescheid wissen. Dazu gehört die Kenntnis über Hauptschalter und Absperrventile.

„Besser vorbeugen als heilen“ - ist ein Spruch, der sich immer wieder bewahrheitet. Gerade nach dem Sommer steigt in Spanien die Gefahr der Unwetter, die für Chaos, Flut, Überschwemmungen und Hochwasser sorgen.

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