Spanischer Strand mit Häusern
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Haus am Meer trotz Coronavirus?

Immobilien in Corona-Zeiten

Immobilien in Spanien: Corona-Krise drückt die Immobilienpreise

  • vonStella Kirchner
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Das Coronavirus wirkt sich in Spanien auch auf die Immobilienpreise aus. Häuser verlieren im Zuge der Wirtschaftskrise nach ersten Schätzungen mindestens zehn Prozent ihres Wertes. 

  • Durch das Coronavirus bieten Makler in Spanien 20 bis 25 Prozent weniger Immobilien an.
  • Immobilienpreise: Ferienhäuser kosten im Schnitt schon zwischen 15 und 20 Prozent weniger als vor dem Coronavirus. 
  • Banken sind angesichts der Covid-19-Wirtschaftskrise vorsichtig mit der Vergabe von Baukrediten.
  • Die günstigen spanischen Immobilienpreise werden wohl bis 2021 stabil bleiben.

Madrid- Der Stillstand der Wirtschaft wegen des Kampfes gegen das Coronavirus trifft den Immobiliensektor hart. Das hat eine Studie des Immobilienunternehmens Donpiso herausgefunden, das ein Dutzend Makler-Büros in ganz Spanien betreibt, darunter auch in Alicante, Valencia, auf Mallorca und an der Costa del Sol. Der Verkauf werde um 20 bis 25 Prozent zurückgehen und die Immobilienpreise um etwa zehn Prozent fallen. Nach neuen Datenerhebungen des spanischen Immobiliensektors haben sich diese Prophezeiungen nicht erfüllt.

Immobilienpreise in der Coronavirus-Krise: Ferienwohnungen in Spanien verlieren besonders viel Wert

Spaniens Immobilienpreise werden nicht in gleichem Maße fallen. Ganz besonders große Verluste verzeichnen die Makler von Donpiso aktuell beim Verkauf von Ferienwohnungen in Spanien. „Die moderne Technologie erlaubt zwar, dass man eine Immobilie kauft, selbst wenn man sie wegen des Coronavirus nicht besichtigen kann, aber in der realen Welt kauft niemand eine Immobilie, die er nicht vorher gesehen hat“, erklärt Emiliano Bermúdez, Vizechef des spanischen Immobilienunternehmens. Erst wenn Ausländer wieder sicher sein könnten, zuverlässig ins Land gelassen zu werden, könne der Verkauf wieder richtig starten.

Wohnung an der Costa del Sol: Steilküste und Dorfflair ziehen viele Deutsche nach Málaga.

Die andere Seite der Medaille sind stark gesunkene Immobilienpreise für Ferienwohnungen in Spanien. Wer immer schon mal über ein Häuschen am Meer nachgedacht hat, kann sich den Schätzungen von Donpiso zufolge über einen durchschnittlichen Preisrückgang um bis zu 20 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr freuen. Wann die Kaufpreise für ein Ferienhaus in Spanien wieder nach oben gehen, wisse niemand, so der Unternehmer. Für den Kauf sei in Zeiten der Covid-19-Pandemie hauptsächlich das Internet der richtige Anlaufpunkt. Auf großen spanischen Immobilienportalen wie Idealista und Fotocasa können nämlich nicht nur Privatleute, sondern auch Makler, ihre Objekte einstellen. Interessenten können im E-Mail-Kontakt mit den Maklern oder Verkäufern unter Umständen auch Besichtigungstermine nach der Krise vereinbaren.

Immobilienpreise in Coronavirus-Zeiten: Mieten in Spanien bleiben wohl gleich hoch

Doch sehr vielen Spaniern wie Interessenten aus dem Ausland, ist ein Hauskauf während der Coronavirus-Pandemie zu heikel. „Wie wird sich die politische und wirtschaftliche Situation im Land weiter entwickeln?“, fragen sich einige. Bleibt womöglich die Grenze langfristig geschlossen oder werde ich bei jedem Besuch in der Wohnung zuerst 14 Tage lang in Quarantäne geschickt? Die Unsicherheit, eventuell gar nicht in das Ferienhaus gelassen zu werden, wie es seit Ausbruch der Coronavirus-Krise vielen deutschen Ferienhausbesitzern in Spanien erging, machen viele potenzielle Käufer eher zu Mietern. Denn für Hausbesitzer gelten dieselben Coronavirus-Regeln wie für Urlauber, das heißt, sie werden erst nach Spanien gelassen, wenn die Grenze für Urlauber geöffnet ist. Das wird mit großer Sicherheit nicht vor Ende des Deeskalationsplans am 24. Juni passieren. Das kann dazu führen, dass sich die günstigen Immobilienpreise in Spanien auch noch etwas länger halten.

Seit Ausbruch der Coronavirus-Krise sind deshalb auch die Mieten in Spanien nicht signifikant gesunken, eher im Gegenteil. „Bei uns ist die Nachfrage nach Mietwohnungen aktuell sehr hoch, sogar höher als zu normalen Zeiten, weil auch Familien, die sich eigentlich eine Eigentumswohnung leisten könnten, lieber warten möchten, bis sich die Situation wieder erholt hat“, erklärt der Immobilienunternehmer. Insgesamt werde die Situation wohl bleiben wie zuvor: für Wohnungen in großen Städten und Wirtschaftszentren wie Madrid, Barcelona und Valencia bleiben die Mietpreise hoch und in vielen Dörfern müssen sich Vermieter freuen, wenn sie überhaupt jemanden finden, der in die Wohnung ziehen möchte.

Coronavirus: Wertverlust der Immobilien dauerhaft?

Wenn die Preise so steigen, bedeutet das womöglich, dass die Immobilien so stark an Wert verlieren werden wie bei der Finanzkrise im Jahr 2008? Die Firma ist davon überzeugt, dass sich die Immobilienpreise, die zuletzt vor allem in den Ballungszentren Madrid, Barcelona und Valencia, aber auch in den Küstenstädten Alicante und Málaga stark gestiegen sind, wieder erholen werden und der Wert bereits gekaufter Objekte stabil bleibe.  „Wir glauben nicht, dass sich die Finanz- und Immobilienkrise wiederholen wird, weil wir davon ausgehen, dass die aktuelle Situation konjunkturell bedingt ist und der Markt sich bis zum ersten oder zweiten Quartal in 2021 erholt haben wird“, so Immobilien-Manager Bermúdez.

Ferienwohnung Spanien: Corona könnte Preise senken.

Die Überlegung legt die Annahme zugrunde, dass, sobald die Gefahr von Sars-CoV-2 gebannt ist, auch die Cafés und Geschäfte wieder öffnen, die Menschen wieder Güter konsumieren und die inländischen wie ausländischen Touristen wieder nach Spanien kommen. Dadurch werde wieder mehr Geld in die spanische Wirtschaft gepumpt und es entstünden neue Arbeitsplätze. Dem gegenüber steht die Arbeitslosenzahl von 3,3 Millionen Menschen und ein Rückgang der Arbeitsplätze um 285.000. Menschen, die in Kurzarbeit (ERTE) geschickt wurden, sind darin noch nicht einmal mit eingerechnet. Die Entdeckung eines Impfstoffs oder eines Medikaments gegen Covid-19 dürfte also nicht auf einen Schlag den Arbeitsmarkt wiederbeleben und damit die gesamte Wirtschaft in Schwung bringen. Selbstständige, Ladeninhaber und Restaurantbetreiber wissen zum Teil nicht, wie sie ihren Betrieb weiter am Leben erhalten können.

Coronavirus: Kaum Baukredite von spanischen Banken

Doch nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Banken haben Bedenken wegen Sars-CoV-2. Hohe Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit verhindern die Vergabe von Baukrediten an viele Spanier. Lediglich 57 Pozent aller Hauskäufe sei im März 2020 mit einem Baukredit abgewickelt worden, gibt der spanische Notariatsverband an. Normalerweise zahlen über 70 Prozent aller Käufer in Spanien das Haus oder die Eigentumswohnung per Hypothek.

In Deutschland sieht die Situation weniger dramatisch aus. Der Verlauf der Coronavirus-Pandemie verlief dort bisher eher glimpflich und auch die Wirtschaft hat weniger gelitten. Unabhängig von Covid-19 gilt jedoch in beiden Ländern: Wer festangestellt ist, über ein gewisses finanzielles Polster verfügt, kreditwürdig ist und andere Auflagen erfüllt, kann damit rechnen, eine Finanzierung zu erhalten.

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