Hostessen mit Mund-Nasen-Schutz stehen am Huawei-Pavillon beim Mobile World Congress 2021 in Barcelona
+
5G stand im Mittelpunkt beim Mobile World Congress in Barcelona.

Treffpunkt Zukunft

Mobile World Congress Barcelona: 5G und Internet für alle

  • Daniela Schlicht
    VonDaniela Schlicht
    schließen

Die wichtigste Mobilfunkmesse Europas, der Mobile World Congress in Barcelona, zeigte trotz enttäuschender Besucherzahl, welche Tech-Trends von besonderem Interesse sind. Milliarden-Investitionen fließen in die 5G-Technologie und überall auf der Welt soll der Zugang zum Internet gewährleistet sein.

In Barcelona fand vom 28. Juni bis 1. Juli die wichtigste Messe in Europa für die Mobilfunk-Industrie statt: der Mobile World Congress (MWC). Angesichts der aktuellen Corona-Risiken blieben der Messe allerdings, trotz aufwendiger Hygienemaßnahmen, viele große Aussteller fern. Nicht mit von der Partie waren beispielsweise Google, Intel, Lenovo, Sony Mobile, Qualcomm und die Deutsche Telekom. Laut Angaben von Reuters verzeichnete die Mobilfunkmesse Mobile World Congress 2021 nur ein Drittel der üblichen Besucherzahl, die Rede ist von nur etwa 30.000 Menschen. Nichtsdestotrotz gab die Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) auch dieses Mal wieder einen Einblick, welche Tech-Trends im Visier des Fortschritts stehen und bald schon in den Alltag Einzug halten könnten - darunter die 5G-Technologie.

Mobile World Congress Barcelona: Top-Themen 5G und Internet für alle

Das Top-Thema beim Mobile World Congress in Barcelona war zweifelsohne mal wieder die 5G-Technologie. Die Mobilfunk-Branche wird in den kommenden Jahren massiv Geld in den schnellen 5G-Datenfunk stecken. Von den bis 2025 weltweit veranschlagten Investitionen von 900 Milliarden Dollar (rund 754 Milliarden Euro) sollen rund 80 Prozent in den 5G-Netzausbau fließen, so der Generaldirektor der Branchenvereinigung GSMA, Mats Granryd. Die Corona-Pandemie habe den Aufbau der 5G-Netze nicht aufgehalten, betonte Granryd zum Auftakt der Mobilfunk-Messe. Seinen Angaben nach nutzen aktuell 3,8 Milliarden Menschen keine schnellen Internet-Verbindungen. Nur rund 500 Millionen von ihnen lebten dabei in Gebieten, in denen kein Mobilfunk-Breitband verfügbar sei. Für die restlichen 3,3 Milliarden gebe es bereits Netzabdeckung, aber sie könnten sich das schnelle mobile Internet entweder nicht leisten oder wollten es nicht nutzen. Sie online zu bringen, sei eine zentrale Aufgabe für die Mobilfunk-Anbieter, sagte Granryd.

Zum Jahr 2030 wird Konnektivität ein Menschenrecht sein

Tim Höttges, Deutsche Telekom

„Zum Jahr 2030 wird Konnektivität ein Menschenrecht sein“, sagte Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges, der per Video zum Mobile World Congress nach Barcelona zugeschaltet war. Die Internet-Versorgung müsse dabei auf die Bedürfnisse des einzelnen Nutzers zugeschnitten sein – so hätten etwa Gamer oder Autofahrer ganz unterschiedliche Anforderungen. „Die Gewinner werden diejenigen sein, die die Kontrolle über die Datenströme und die Identität der Kunden haben“, betonte Höttges.

Mobile World Congress Barcelona: Elon Musk bietet mit Starlink Internet per Satellit

Überall auf der Welt soll der Zugang zum Internet gewährleistet sein. Das hat sich auch Tech-Milliardär Elon Musk auf die Fahnen geschrieben und plant, 42.000 Satelliten in einer Höhe von rund 500 Kilometern über der Erdoberfläche zu platzieren. Den Internet-Dienst gibt es gleich dazu. Bis Mitte 2022 hofft Musk auf rund eine halbe Million Nutzer für seinen Satelliten-Internetdienst Starlink. Mit fortlaufenden Starts rechnet Musks Raumfahrtfirma SpaceX damit, im August den Großteil der Welt mit Internet aus dem All versorgen zu können. Aktuell habe Starlink gut 69.000 Nutzer, ließ der Unternehmer, der auch den Elektroauto-Hersteller Tesla führt, in einem Video-Interview auf dem Mobile World Congress in Barcelona verlauten.

Auf dem Mobile World Congress 2021 in Barcelona war Elon Musk nur zugeschaltet.

Der Aufbau des Starlink-Systems werde rund 20 bis 30 Milliarden Dollar (16,7 bis 25 Milliarden Euro) kosten. Wenn das Netz mit der Zeit Erlöse erzeugt, soll das Geld in den Abschluss der Entwicklung der großen SpaceX-Rakete Starship fließen, kündigte Musk an. Starship soll unter anderem für Transporte zum Mond und zum Mars dienen. Der Internet-Dienst stellt Nutzern derzeit eine Download-Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit pro Sekunde sowie 20 MBit pro Sekunde beim Hochladen von Daten in Aussicht. Der Starlink-Service kostet die ersten Kunden 99 Dollar im Monat – plus eine Einmal-Investition von 499 Dollar in eine Übertragungsanlage. SpaceX will den Preis aber mit der Zeit auf wenige 100 Dollar drücken.

Mobile World Congress Barcelona: 5G-Technologie bei Autos

Kein Geheimnis ist, dass auch Autos künftig Teil des 5G-Technologie-Netzes werden sollen. Die alte Idee, dass Autos sich gegenseitig vor Gefahren warnen, wird nun in einer Machbarkeitsstudie mit Hilfe des schnellen 5G-Datenfunks neu umgesetzt. Vodafone, Porsche und der Kartendienst Here stellten das Projekt vor. Das System soll vor allem greifen, wenn eine Situation für Fahrer schwer erkennbar ist, etwa weil die Sicht von vorausfahrenden Fahrzeugen versperrt wird.

Ausgangspunkt für das Verfahren ist eine Kombination von Kameras und anderen Sensoren von Fahrzeugen. Software auf Basis von künstlicher Intelligenz soll erkennen, wenn die Informationen auf eine Gefahrensituation hinweisen. Mit Hilfe von Karten und Positionierungstechnologie soll der Ort extrem genau ermittelt werden. Die Daten werden dabei in Computereinheiten am Straßenrand verarbeitet. Die daraus erzeugten Warnhinweise sollen dann per 5G-Funk an die nachfolgenden Fahrzeuge übermittelt werden. An Technik, mit der Autos sich gegenseitig etwa vor Unfällen auf der Strecke oder Glatteis warnen, wird schon seit mehreren Jahren gearbeitet. Dabei wurden sowohl direkte Funkverbindungen zwischen Fahrzeugen als auch die Nutzung der Mobilfunk-Netze ausprobiert. Allerdings fand die Technologie bisher noch keinen breiten Einsatz im Alltag.

Mobile World Congress Barcelona: Computer-Uhren von Samsung gemeinsam mit Google

Samsung hat einen ersten Ausblick auf zukünftige Computer-Uhren, beziehungsweise Smartwatches gegeben. Das koreanische Unternehmen zeigte auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress Barcelona die gemeinsam mit Google entwickelte Bedienung seiner künftigen Computer-Uhren. Samsung setzte bisher bei seinen Computer-Uhren auf das hauseigene Betriebssystem Tizen. Mitte Mai kündigte der Smartphone-Weltmarktführer aber an, dass er auf Googles Plattform Wear OS umsteigen werde. Zugleich soll Wear mit Tizen-Elementen zu einem übergreifenden System weiterentwickelt werden, hieß es.

Wear OS ist ein Ableger des dominierenden Smartphone-Systems Android für Computer-Uhren. Wie Android steht es Herstellern frei zur Verfügung und wurde unter anderem von Anbietern sogenannter Fashion-Uhren wie Fossil gut angenommen. Doch anders als Android konnte es nicht den Markt erobern. Hier liegt Apple seit gut sechs Jahren mit der Apple Watch in Führung. Samsung zufolge können Apps künftig auch automatisch auf der Uhr installiert werden, wenn man sie auf das Smartphone lädt. Außerdem wird die Liste der auf der Uhr blockierten Telefonnummern mit dem Handy synchronisiert und das Aussehen des Einstellungs-Menüs auf der Smartwatch wurde an das Design der entsprechenden Handy-App angepasst. Entwickler sollen auch bald einfacher eigene Zifferblätter für die Uhr schaffen können. Erste Uhren mit dem neuen System sollen in den kommenden Monaten vorgestellt werden.

Mobile World Congress Barcelona: Lebensrettendes T-Shirt

Einer der Hingucker beim Mobile World Congress in Barcelona war sicherlich das T-Shirt, das mit 5G Leben retten will. Der neue Remote-Gesundheitsüberwachungsdienst, basierend auf einer revolutionären neuen tragbaren Technologie, ganz aus Stoff, waschbar und einfach zu bedienen nennt sich YouCare. Die vollständig in Italien hergestellte Innovation ist in der Lage, eine Vielzahl von Vitalparametern eines Menschen zu erkennen und mit 5G auf intelligente Weise zu übertragen. Das Projekt konzentriert sich auf den Einsatz von revolutionären textilen Geräten wie dem T-Shirt ohne Metallkomponenten und mit Sensoren, die natürlich in den Stoff „eingelassen“ sind. YouCare ermöglicht die Erkennung von Vitalparametern wie beispielsweise ein „echtes“ Elektrokardiogramm, Atemwegsanalyse, Schweißkomponenten, Muskelanstrengung und Körpertemperatur, die zuvor noch nie von textilen Sensoren erfasst wurden. Das T-Shirt ermöglicht die Übertragung über eine ultraschnelle 5G ZTE-Verbindung an Gesundheitszentren und Leitzentralen sowie an einzelne Benutzer.

„Es ist eine Erfindung, die das Leben und die Qualität der häuslichen und fernärztlichen medizinischen Hilfe für viele Bürger mit gesundheitlichen Problemen sowie für schutzbedürftige Menschen mit chronischen Krankheiten verändern wird. Denn sie stellt den Zugang zu Pflegediensten und die Unterstützung unseres nationalen und internationalen Netzwerks sicher“, erklärte Francesco Rocca, Vorsitzender des italienischen Roten Kreuzes und der IFRC. Seit 2018 arbeite man an dem Projekt und nun könne man die Ergebnisse dieses wichtigen Experiments vorstellen, das in der schwierigsten Phase der Covid-Pandemie entstanden sei. Die patentierte und zertifizierte Textiltechnologie, so die Meinung, entwickle neue Dienstleistungen zum Schutz der Gesundheit in den Bereichen Telemedizin, Arbeit, Sport und des allgemeinen Wohlbefindens des Einzelnen. Durch die Überwachung von Gesundheit, Stress und aktivem Verhalten will man die Sicherheit der Menschen verbessern, vor allem bei Älteren und Sportlern.

Die Vitalparameter von YouCare, die von nicht wahrnehmbaren Polymersensoren, die im Stoff „eingelassen“ sind, erfasst werden, werden an eine miniaturisierte Steuereinheit gesendet. Sie zeichnet die Daten auf, wandelt sie in ein digitales Format um und schickt sie schließlich über 5G an eine bidirektionale Plattform, welche sie an das Smartphone oder die Smartwatch des Benutzers sendet, zusätzlich zu einer Remote-Einheit, die die Werte mit Hilfe der medizinischen Software analysiert. „Vom ersten Moment an“, erklärte Umberto Sgambati, CEO der Proger Group spa, der über das Start-up Let’s Web-earable Solutions den „Smart T-Shirt“-Sensor entwickelt hat, „haben wir an eine unserer Meinung nach völlig revolutionäre Idee geglaubt und in sie investiert, und heute ist sie Realität.“ Sie sei als medizinisches Gerät zertifiziert und werde durch die Vorhersagealgorithmen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von BSP-Medical, dem Weltmarktführer im Bereich Medical Data Science, bereichert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare